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Juli

Wir können helfen


Gemeinsam gegen die Ursachen von Flucht und Vertreibung

Gastbeitrag von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller in der Zeitschrift "Methodik" vom 7. Juli 2017

Flucht und Vertreibung stehen im Zentrum der Arbeit des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Dabei arbeiten wir auch mit Malteser International zusammen, zum Beispiel um Menschen davor zu bewahren, auf der Suche nach Nahrung ihre Heimat verlassen zu müssen. In Kambodscha etwa trägt Malteser International dazu bei, den Hunger zu bekämpfen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen dort den Menschen mit finanzieller Förderung durch das BMZ dabei, Gemüsegärten anzulegen und Tiere zu züchten. Insgesamt profitieren davon mehr als 15.000 Menschen, die so selber für ihre Lebensgrundlage sorgen und in ihrer Heimat bleiben können.

Flucht und Vertreibung – Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit

Derzeit sind laut den VN rund 66 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht; ein neuer Höchststand. Die meisten Menschen auf der Flucht verlassen ihr Heimatland gar nicht, sondern fliehen in andere Teile des eigenen Landes. Und selbst wenn sie Landesgrenzen überschreiten, bleiben sie meist in der Region und finden in Nachbarländern Schutz: entsprechend zählen Anrainer von Krisenländern wie Syrien oder Afghanistan zu den Hauptaufnahmeländern weltweit. Entwicklungsländer sind überdurchschnittlich von Fluchtbewegungen betroffen: Insgesamt werden 86 Prozent der Flüchtlinge von Entwicklungsländern aufgenommen. Manche Länder geraten dabei an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Und klar ist, dass eine Flucht immer große Gefahren birgt, sogar oftmals selbst lebensbedrohlich ist.

Das Übel an der Wurzel packen - Entwicklungszusammenarbeit kann helfen

Umso wichtiger ist es, mithilfe der Entwicklungszusammenarbeit die Ursachen von Flucht und Vertreibung an der Wurzel zu packen; egal ob es um Gewaltkonflikte, Hunger oder wirtschaftliche Perspektivlosigkeit geht. In Ruanda zum Beispiel arbeitet der Zivile Friedensdienst (ZFD) in unserem Auftrag daran, Spannungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu verringern. In Friedensclubs lernen Jugendliche, Streitigkeiten ohne Gewalt zu lösen. Konflikte werden analysiert und Feindbilder abgebaut, um einen Weg aus der Spirale der Gewalt zu finden. Beispiel Ägypten: Hier ist es die hohe Jugendarbeitslosigkeit, mehr als 43 Prozent, und die Perspektivlosigkeit, die dazu führt, dass Jugendliche in Versuchung geraten, den Verheißungen der Schlepper von einem einfacheren Leben in Europa zu erliegen. Hier helfen wir bei der Ausbildung der Jugendlichen und ihrer Vermittlung in Jobs.

Klar ist, dass wir diese Bemühungen fortsetzen und ausbauen müssen. Gerade in Afrika, dessen Bevölkerung bis 2050 auf 2,5 Milliarden Menschen anwachsen wird, müssen wir dabei helfen, den Menschen eine Lebensperspektive in ihrer Heimat zu bieten. Das heißt, eine sichere Ernährungsgrundlage und gute Jobs zu schaffen. Diese Herausforderung können wir nur bewältigen, wenn wir mit den afrikanischen Staaten eine neue Partnerschaft auf Augenhöhe begründen. Hierfür habe ich mit dem Marshallplan mit Afrika einen Vorschlag gemacht. Wenn alle mit anpacken, die Regierungen in Afrika und in Europa, die Zivilgesellschaft und auch die Wirtschaft, können wir etwas tun gegen Gewalt und Perspektivlosigkeit und den Menschen ein gutes Leben in ihrer Heimat sichern.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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