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September

Rede von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller bei der Auftaktveranstaltung der Initiative Klinikpartnerschaften


28. September 2016, Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Frau Staatssekretärin,
sehr geehrte Mitglieder des Deutschen Bundestages,
sehr geehrter Herr Dr. Franke,
sehr geehrte Frau Dr. Kröner,
sehr geehrter Herr Dr. Ullrich,
sehr geehrte Damen und Herren,

die Charité ist ein großartiger Rahmen für die Klinikpartnerschaften-Veranstaltung, denn die Charité atmet Historie.

Danke, dass Sie alle dabei sind. Sie, liebe Frau Widmann-Mauz (Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit), habe ich kürzlich bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York gesehen. Es ging um Flüchtlinge – unter ihnen auch viele Kinder mit Gesundheitsproblemen.

Aus Eritrea – genauer Asmara – kenne ich Herrn Dr. Schwidtal, den Vorsitzenden des ARCHEMED e.V.. Er hat dort eine Klinik unterstützt, für Mütter und Kinder. Dank der Millenniumsziele konnte die Müttersterblichkeit in den letzten Jahren reduziert werden. Sie, lieber Herr Dr. Schwidtal, haben dazu beigetragen, mit Ihrer privaten Initiative, ganz ohne staatliche Unterstützung!

Vor einem Jahr hat uns Ebola beschäftigt. Heute Abend sind auch Forscher unter uns. Sie wissen: Viele Krankheiten können auch uns treffen. Abschotten ist nicht möglich. Wir leben in einem globalen Dorf. Heute sind sieben Millionen Menschen im Flugzeug unterwegs.

Und in vielen Ländern kann man noch heute sterben, bloß weil man eine Lungenentzündung hat. Wir wollen das ändern, indem wir grundlegende Strukturen der Gesundheitsversorgung legen.

Darum hat Gesundheit für die deutsche Entwicklungspolitik eine so hohe Priorität! Wir sind drittgrößter Geber weltweit.

Anfang letzten Jahres haben wir als Gastgeber der Impfallianz Gavi mitgeholfen, über 7,5 Milliarden US-Dollar einzusammeln – ein Rekordergebnis! Deutschland beteiligt sich an Gavi mit 600 Millionen Euro. Bis Ende 2015 wurden schon mehr als 500 Millionen Kinder zusätzlich geimpft, bis Ende 2020 weitere 300 Millionen Kinder. Und wir haben soeben unsere Zusage für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria um fast ein Drittel erhöht: auf jetzt 800 Millionen Euro für die nächsten drei Jahre.

Wir unterstützen die Verbesserung der Gesundheitsversorgung vor Ort in Partnerländern: In Tansania zum Beispiel konnte ich im Mai eine Schule für Hebammen eröffnen. Diese Hebammen retten jetzt täglich Menschenleben. Und wir haben bei der Gelegenheit einen Austausch mit deutschen Krankenhäusern angestoßen.

Wir arbeiten mit vielen Partnern daran, die Basis-Gesundheitssysteme zu stärken – von der WHO bis zur NRO "Save the Children". Denn internationale Hilfe muss effektiv, koordiniert und messbar geschehen und tatsächlich Gesundheitssysteme stärken. Darum hat die Bundeskanzlerin nach der Ebola-Krise mit der WHO die Roadmap "Healthy Systems – Healthy Lives" lanciert. Dabei geht es um bessere Prävention ansteckender Krankheiten.

Der Staat kann aber nicht alles finanzieren. Mein Ziel ist darum, in den nächsten Jahren 500 Klinikpartnerschaften auf den Weg zu bringen. Jede Klinik kann gewinnen. Wir wollen unser Wissen teilen. Bei solchen Klinikpartnerschaften profitieren beide Seiten.

Gesundheitssysteme brauchen Infrastruktur: Geräte, Spritzen, Kühlung und vor allem ausgebildetes Personal. Aber weltweit fehlen 17 Millionen Ärzte, Krankenschwestern, Hebammen, vor allem in Entwicklungsländern, vor allem in ländlichen Gebieten. Gebraucht wird mehr Ausbildung, mehr Weiterbildung für die vorhandenen Fachkräfte, Spezialisierung.

Hier setzen die Klinikpartnerschaften an!

Das BMZ stellt in den nächsten drei Jahren 3 Millionen Euro für die Klinikpartnerschaften zur Verfügung. BMG und WHO beraten die Initiative fachlich.

Für die Umsetzung aber brauchen wir Ihre Unterstützung! Sie stellen Ihre Fähigkeiten und Ihr Wissen zur Verfügung. Wir fördern Ihr Engagement (mit bis zu 50.000 Euro pro Antrag je nach Kapazität und Bedarf des Antragsstellers).

Heute starten wir unsere Website www.klinikpartnerschaften.de und kündigen unsere erste Ausschreibungsrunde an. Als Teil der Initiative bauen wir eine Datenbank auf, in der wir Partnerschaften registrieren. Der Verband der Universitätsklinika wird uns dabei unterstützen.

Für unsere Initiative Klinikpartnerschaften haben wir schon jetzt großartige Mitstreiter gefunden: Liebe Frau Dr. Kröner, ich freue mich, mit der Else-Kröner-Fresenius-Stiftung einen so erfahrenen und renommierten Partner zu haben. Gleich werden wir das Kooperationsabkommen unterzeichnen. Von Ihrer Stiftung kommen weitere 1,6 Millionen Euro.

Heute Abend erleben Sie hier viele Vorbilder. Lieber Herr Dr. Schwidtal: Sie und Ihre Kollegen haben mit viel Herz und großem ehrenamtlichem Engagement langfristig Strukturen in einer Klinik in Eritrea aufgebaut. Sie haben Hebammen ausgebildet, Ärzte fachlich unterstützt, die Ausstattung verbessert. Und damit ungezählten Müttern und Kindern das Leben gerettet. Danke für Ihren unermüdlichen Einsatz.

Auch die Charité-Universitätsklinik ist Vorbild. Sie hat in ihrer Partnerschaft mit der Butare Uniklinik in Ruanda geholfen, ein neues Hand-Desinfektionsmittel und damit bessere Hygiene und Schutz der Patienten einzuführen. Damit tragen Sie erheblich zur Verringerung von Infektionen im Krankenhaus bei.

Danke allen, die sich schon engagieren. Ich hoffe, es folgen jetzt noch viele weitere dieser Beispiele.

190 Nationen haben im vergangenen Jahr einen globalen Zukunftsvertrag geschlossen, die Agenda 2030. Eines der Ziele der Agenda lautet: eine gute Gesundheitsversorgung für alle Menschen weltweit bis 2030. Wir alle wissen: Das ist ambitioniert. Aber gemeinsam und mit vielen neuen Partnerschaften mit Ihnen, können wir dieses Ziel erreichen.

Wir brauchen Macher. Wir müssen umsetzen. Aus ein paar Schritten werden viele. Auf zu neuen Wegen!

Lexikon der Entwicklungspolitik

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