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September

Kinderrechte umsetzen – Die Entscheider von morgen stark machen


Rede von Bundesminister Gerd Müller zur Eröffnung der Ausstellung "Stand up for their rights" – Bilder und Berichte zur Lage der Kinder auf den Philippinen am 26.09.2016 im BMZ in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Exzellenzen,
sehr geehrte Kollegen Abgeordnete,
sehr geehrte INK,
sehr geehrte Herren Bär, Behrendt und Bausch,
sehr geehrter Pater Cullen,
sehr geehrte Damen und Herren,

wir sehen hier Bilder von Kindern ohne ausreichend Nahrung, ohne Schutz vor Krankheiten, Gewalt, auf der Straße, ohne Dach über dem Kopf, ohne Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Diese Ausstellung trifft ins Herz!

Deshalb sage ich allen denjenigen "Danke", die für die Rechte dieser Kinder aufstehen: Der Künstlerin INK, die mit ihren Zeichnungen den harten Alltag der Straßenkinder zeigt. Dem Bundestagskollegen Dr. Sascha Raabe, der den Kontakt zu INK hergestellt hat. Ebenfalls geht meine Dank an Herrn Behrendt, Herrn Bär und Herrn Bausch, die seit fast 20 Jahren im Tatort-Verein für Kinderrechte aktiv sind – seit 1998 der Tatort "Manila" das Thema "Kinderhandel" in deutsche Wohnzimmer brachte! Und natürlich sage ich "Danke" an denjenigen, den Sie alle unterstützen: Pater Shay Cullen und seine Mitstreiter von der Stiftung People’s Recovery, Empowerment and Development Assistance (PREDA).

Seit über 45 Jahren retten Sie, Pater, Kinder vor Menschenhändlern, aus Bordellen und aus Gefängnissen.  Sie lindern Not – materielle und seelische. Und Sie schaffen Zukunfts-Perspektiven, zum Beispiel mit Ihrem Fair-Trade-Projekt, das Kleinbauern und Handwerkern hilft.

Ihre Arbeit ist jetzt noch schwerer geworden. Das können wir täglich in der Presse lesen. Denn auf den Straßen von Manila tobt ein blutiger Antidrogenkrieg – auch Jugendliche sind unter den Opfern.

Wir sehen das mit großer Sorge. Auch wenn Drogenhandel und Drogenmissbrauch dort in der Tat ein großes Problem sind: Rechtlosigkeit und Gewalt sind keine Antwort. Der Kampf gegen die Drogen kann nur gewonnen werden, indem die Probleme dahinter gelöst werden: Die Spirale aus Armut, Hoffnungslosigkeit, Gewalterfahrung, Arbeitslosigkeit muss überwunden werden.

Gerade deshalb ist die Arbeit von Pater Shay Cullen jetzt noch wichtiger geworden. Das BMZ hat sie über den Tatort-Verein unterstützt. Dank unserer Hilfe gibt es ein neues Schutz-Zentrum mit drei Gebäuden. Dort finden sexuell missbrauchte Mädchen ein gemeinsames Heim, psychotherapeutische Hilfe und Ausbildung.

Doch das Entwicklungsministerium arbeitet natürlich nicht allein auf den Philippinen.

Denn leider es gibt viele (Tat)orte auf der Welt, wo die Kleinsten die größten Opfer sind. Weltweit gibt es Schätzungen zufolge etwa 200 Millionen obdachlose Kinder. Würden all diese Kinder in einem Land leben, wäre es das sechstgrößte Land der Erde! Millionenfach werden Kinderrechte verletzt, bekommen Kinder nicht den Start ins Leben, den sie brauchen und der ihnen zusteht.

Wir werden mit unserem neuen Kinder- und Jugendrechte-Aktionsplan künftig noch stärker bei den Kleinsten ansetzen. Und zwar überall dort, wo Kinderrechte verletzt werden:

Bei der Ernährung – denn an den Folgen von Hunger und Mangelernährung sterben über 3,5 Millionen Kinder jährlich. Wir investieren deshalb massiv in eine Welt ohne Hunger, in Agrarwissen, Vermarktung, Ernährung und Einkommen.

Wir werden auch verstärkt bei der Bildung ansetzen. Denn mehr als 130 Millionen Kinder weltweit gehen nicht zur Schule. Und das, obwohl Bildung der wichtigste Schlüssel zu Entwicklung, Zukunft und Wohlstand ist. Unser Ziel ist es deshalb, 25 Prozent der Entwicklungsgelder in Bildung zu investieren.

Wir setzen uns auch gegen Ausbeutung und Kinderarbeit ein. Denn geschätzte 168 Millionen Mädchen und Jungen leisten Kinderarbeit. Im Textilbündnis beispielsweise arbeiten wir gemeinsam mit den Unternehmen daran, Kinderarbeit in den Lieferketten zu beseitigen.

Meine Damen und Herren, fast alle Entwicklungsländer sind junge Länder. In manchen Ländern sind zwei von drei Einwohnern unter 25 Jahre alt. Das muss eine Chance für alle werden!

Wenn wir unser Engagement für Kinder und Jugendliche ausweiten, brauchen wir auch Sie, die Zivilgesellschaft. Denn Sie geben Kindern und Jugendlichen eine Stimme. Sie arbeiten direkt mit Ihnen vor Ort – dort, wo die Not am größten ist. Und dies auch in politisch schwierigen Situationen. Darum habe ich unsere Unterstützung für die privaten Träger um zwei Drittel erhöht.

Und darum lade ich Sie jetzt herzlich ein, mit uns am 11. Oktober über unseren neuen Kinder- und Jugendrechte-Aktionsplan "Agents of Change" zu diskutieren. Wir wollen ihn zum 27. Jahrestag der Kinderrechtkonvention am 20. November 2016 offiziell vorstellen.

Denn ob die Kinder und Jugendlichen von heute eine gute, gesunde und sichere Kindheit und Jugend haben, dies entscheidet über die Zukunft ihrer Länder – und am Ende auch über unsere Zukunft hier in Deutschland.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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