Hauptinhalt

September

Rede von Bundesminister Gerd Müller beim KfW-Fachgespräch "Urbane Mobilität, Digitalisierung und die nachhaltige Stadt der Zukunft"


am 6. September 2016 in der KfW-Niederlassung Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Lieber Herr Dr. Kloppenburg,
sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind hier im historischen Kassensaal der KfW. Über 100 Jahre ist dieses Gebäude alt. Damals war Berlin mit 1,7 Millionen Einwohnern noch eine der  bevölkerungsstärksten Städte der Welt. Hätten wir aus einem der Fenster geschaut, hätten wir vielleicht eine elektrische Straßenbahn gesehen. Sie war die erste ihrer Art, von Siemens entwickelt.

Heute wissen wir: Die Zukunft der Mobilität entscheidet mit über die Zukunft der Menschheit. Jede Woche werden 1,4 Millionen Menschen zu "Stadtmenschen". Das bedeutet, dass fast alle zwei Wochen zahlenmäßig ein neues Berlin entsteht.

Schon jetzt wohnt über die Hälfte der Menschen in Städten, Mitte des Jahrhunderts könnten es vielleicht drei Viertel werden. Dann könnten auch drei Mal so viele Autos herumfahren, das wären drei Milliarden Fahrzeuge!

Vor allem in Asien und Afrika entwickeln sich in kürzester Zeit Megastädte. Das birgt große Herausforderungen, gerade für den Verkehr. Ich denke zum Beispiel an die CO2-Emissionen. Schon heute gehen fast 30 Prozent aller globalen Emissionen auf den Straßenverkehr zurück. Bis 2050 könnte sich dieser Anteil fast verdoppeln. Endlich haben wir erreicht, dass der CO2-Ausstoß in der Industrie sinkt, doch jetzt zehrt der Verkehr weltweit auf, was wir mit Milliarden-Investitionen erreicht haben.

In ländlichen Regionen wiederum fehlt oft Mobilität. Eine Milliarde Menschen haben es schwer, zur Arbeit, in die Schule oder zur nächsten Krankenstation zu gelangen, weil es keine Allwetterstraßen gibt. Das treibt die Transportkosten in die Höhe. So sind die Frachtpreise in Afrika oft doppelt so hoch wie in Europa. Das schadet der Wirtschaft.

Mobilität ist entscheidend für Entwicklung! Daher ist eine weltweite Verkehrswende nötig. Kostenwahrheit ist dabei ein zentraler Punkt. Die Nebenkosten des Verkehrs werden heute noch von der Allgemeinheit getragen: die Folgen von Smog, CO2-Emissionen, Lärm oder umweltbedingten Erkrankungen. Das darf nicht so bleiben! Vielmehr muss das Verursacherprinzip gelten.

Ein weiterer Punkt ist, dass nicht nur die Mega-Cities Unterstützung brauchen – sondern gerade die mittelgroßen Städte. Sie müssen zur Zeit den meisten Zuwachs verkraften.

Wir dürfen keine Zeit verlieren! Wir müssen neue Verkehrssysteme fördern, die intelligent unterschiedliche Verkehrsträger vernetzen: zu Land, zu Wasser und in der Luft. Vom Auto bis zur Seilbahn – Verkehr muss klimafreundlich, für alle erreichbar, sicher und erschwinglich sein.
Eine emissionsarme Mobilität ist ein großer Hebel. So können wir den Klima-Kollaps abwenden, Krankheiten vermeiden, die Wirtschaft stärken und Milliarden Menschen durch Zugang zu Arbeit und Bildung aus Armut holen und die Lebensqualität steigern.

Darum haben wir im Juni mit dem Deutschen Habitat Forum die "Empfehlungen von Berlin" erarbeitet. Wir werden diese bei Habitat-III, der UN-Konferez in Quito im Oktober einbringen. Wir werden dort für die "Deutsche Initiative für transformative urbane Mobilität" werben. Ziel ist es, neue Partnerschaften einzugehen, etwa mit Kommunen oder Entwicklungsbanken. Darüber hinaus werden wir unser technisches Know-how in Kooperation mit deutschen Unternehmen zur Verfügung stellen, denn die Nachfrage nach unseren Mobilitätslösungen ist groß. Nicht zuletzt werden wir in diesem und im nächsten Jahr signifikant mehr in urbane Mobilität investieren.

Wir müssen die Verkehrswende schaffen. Denn: In den Städten von heute entscheidet sich, in welcher Welt unsere Kinder und Enkel leben werden.

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen