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November

Rede von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller


zum 25-jährigen Jubiläum der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung am 9.11.2016 in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Liebe Frau Bähr,
lieber Herr Roßmann,
lieber Herr Schreiber,
liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundestag,
meine Damen und Herren,

25 Jahre – im Grunde ist das nur ein Flügelschlag in der Geschichte der Menschheit. Aber in diesen 25 Jahren, seit es Ihre Stiftung gibt, ist die Menschheit um rund die Hälfte gewachsen: von fünf auf bald siebeneinhalb Milliarden. Das sind riesige Herausforderungen für Entwicklung, für die Menschen, für den Planeten.

Sie haben das schon vor 25 Jahren erkannt, lieber Herr Roßmann und lieber Herr Schreiber, und die Stiftung Weltbevölkerung gegründet. Seit einem Vierteljahrhundert klären Sie auf, sind eine wichtige Stimme in der Politik, und helfen vor Ort, die Herausforderungen anzugehen. Herzlichen Dank dafür!

Frau Bähr, Sie waren eine der fünf Themenpatinnen der Zukunftscharta; Herr Roßmann, Sie sind Teil auch unseres Stifterdialogs. Vielen Dank für Ihr Engagement! Wir arbeiten mit Ihnen vielfältig zusammen, zum Beispiel in Kenia, Äthiopien und Uganda.

Afrika ist die Herausforderung von heute. Afrikas Bevölkerung hat sich seit 1900 fast verzehnfacht und wird sich vermutlich bis 2050 auf über zwei Milliarden Menschen verdoppeln. Manche Länder verdreifachen sich sogar.

Die Geburtenrate bleibt in vielen Ländern Afrikas hoch, Jugendliche machen 43 Prozent der Bevölkerung aus und das Durchschnittsalter liegt bei 18. Die Wirtschaft in Afrika wächst zwar in vielen Ländern rasant. Aber um allen jungen Menschen Perspektiven zu geben, müsste sie mindestens doppelt so schnell wachsen wie die Bevölkerung!

Die Folgen sind: Es mangelt an Schulen, Krankenhäuser, Nahverkehr und Jobs. Die Ernährung ist nicht gesichert. Wir spüren heute schon einen Druck auf natürliche Ressourcen. Noch mehr Konflikte sind zu erwarten. Und noch mehr Menschen droht die Flucht. Studien zeigen: 86 Prozent aller Flüchtlinge kommen aus Ländern mit hohem Anteil an jungen Menschen.

Wir brauchen Antworten. Wir müssen für die Zukunft umsteuern – und bei den Ursachen ansetzen:

  1. Auf die Frauen kommt es an! Mädchen bilden und sie später in Arbeit bringen dadurch bekommen sie später (und weniger) Kinder, haben bessere Chancen auf Arbeit und mehr Mitbestimmung in der Familienplanung. Aber: Wir dürfen auch nicht die Männer vergessen – und die Verantwortung der Männer als Väter.
  2. Eine bessere Gesundheits-, Wasser- und Stromversorgung auf dem Land ist entscheidend. Erst wenn weniger Kinder sterben, bekommen Menschen weniger Kinder.
  3. Lebensrisiken müssen besser abgefedert werden, damit Kinder nicht mehr allein zur Altersabsicherung geboren werden. Daher gilt es, die soziale Sicherung fürs Alter auszubauen.
  4. Und ganz wichtig ist natürlich Aufklärung, damit ungewollte Schwangerschaften vermieden werden. Frauen müssen auch ein stärkeres Wort in der Familienplanung haben. Wir wissen, wenn Frauen selbstbestimmt entscheiden, bekommen sie in der Regel weniger Kinder.

Wir müssen aber auch an heute denken und Demographie jetzt zur Chance machen. Denn heute sind zwei Drittel der Bevölkerung jünger als 35 Jahre. Sie wollen heute leben, lernen, arbeiten und eine Perspektive haben, nicht erst in 30 Jahren. Darum planen wir einen Zukunftsvertrag mit Afrika, einen Marshallplan: Wir wollen mehr Unternehmen nach Afrika bringen, Ernährung sichern, in Bildung investieren.

Wie viele Menschen werden im Jahre 2100 auf dem Planeten leben? Wir wissen es nicht. Was wir aber wissen:  Demographie ist kein Schicksal. Hier brauchen wir das Wissen und die Initiativen der Stiftung mehr denn je!


Lexikon der Entwicklungspolitik

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