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Mai

Die Bedeutung von Versicherungsmodellen zur Reduzierung des humanitären Bedarfs


Rede von Bundesminister Gerd Müller beim Humanitären Weltgipfel in Istanbul am 23.05.2016

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren

hier in Istanbul geht es um Überlebensfragen für hunderte Millionen Menschen: Wie können sie sich absichern, wenn ihre Lebensgrundlage bedroht ist? Nicht nur durch Krieg und Gewalt, sondern auch durch Dürren, Stürme, Überschwemmungen.

Zwischen 2000 und 2015 hat die internationale Gemeinschaft 25 Milliarden US-Dollar für humanitäre Hilfe ausgegeben. Zwölfmal so viel wie in den fünf Jahren zuvor!

Der Klimawandel erhöht den Bedarf weiter – El Niño ist das jüngste Beispiel. Unwetter und Dürren kommen immer häufiger. Und immer heftiger. Neun der zehn am stärksten betroffenen Staaten sind Entwicklungsländer. 310 Millionen Menschen waren dort allein in den letzten vier Jahren von Dürren, Stürmen und Überschwemmungen betroffen.

Das humanitäre System muss diesen Herausforderungen gerecht werden. Wir wollen nicht erst handeln, wenn es zu spät ist. Wir wollen schon vor Katastrophen die Grundlage legen, damit den Betroffenen im Schadensfall schnell und zielgenau geholfen wird.

Heute stehen dafür politische und finanzielle Innovationen im Mittelpunkt. Mit Klimarisikoversicherungen geben wir eine neue, ergänzende Antwort auf die humanitären Herausforderungen.

Denn was für den einzelnen Menschen oder auch einen einzelnen Staat ein unberechenbares Drama ist, kann für eine Gemeinschaft von Versicherten zum kalkulierbaren Risiko werden.

Das Ziel: Nicht weiter Katastrophen managen, sondern Risiken in den Griff bekommen! Und zwar dort, wo die Menschen am ärmsten sind, wo sie den meisten Risiken ausgesetzt sind und sich bisher am wenigsten selber helfen konnten.

Unter deutscher Präsidentschaft haben sich die G7 verpflichtet, diese Menschen zu unterstützen. Wir wollen mit unseren Partnern bis 2020 400 Millionen weitere Menschen in armen und gefährdeten Staaten gegen Klimarisiken versichern. Damit wären fünfmal so viele Menschen wie heute abgesichert! Auf der Weltklimakonferenz in Paris haben wir mit unseren G7 Partnern schon 420 Millionen US-Dollar für erste Maßnahmen zur Verfügung gestellt.

Erste Erfolge gibt es schon – sie stimmen zuversichtlich. Zusammen mit Großbritannien haben wir die "African Risk Capacity" ins Leben gerufen. Mit 100 Millionen US-Dollar. Diese afrikanische Dürreversicherung konnte sofort zeigen, was sie taugt. Denn der Versicherungsfall trat ein. Letztes Jahr wurden 26 Millionen US-Dollar ausgezahlt, in Niger, Senegal und Mauretanien. Ich freue mich sehr, dass die Vorsitzende des Verwaltungsrates der African Risk Capacity hier ist. Liebe Frau Okonjo-Iweala, Sie werden uns sicher noch mehr berichten.

Meine Damen und Herren, an der jahrelangen Vorbereitung der "African Risk Capacity" war auch das Welternährungsprogramm (WEP) beteiligt. Herzlichen Dank dafür! Das zeigt, dass den humanitären Akteuren bewusst ist, dass wir neue Wege gehen müssen.

Das WEP schlägt nun vor, die Prämie für die African Risk Capacity aufzustocken, "zu replizieren". Durch diese "ARC Replica"-Versicherung könnten wir die Anzahl der Begünstigten und die Ausschüttungssumme weiter erhöhen. Wir begrüßen das! Wir sollten sogar noch einen Schritt weitergehen und Versicherungen systematisch in die Arbeit des WEP integrieren.

Meines Erachtens sollte der Versicherungsansatz auch genutzt werden, um die Arbeit von zivilgesellschaftlichen Hilfsorganisationen im humanitären Bereich abzusichern. Kommt es zur Katastrophe, könnten sie dadurch sofort helfen, ohne erst Spenden sammeln zu müssen.

Herr Dr. Till Wahnbaeck von der Deutschen Welthungerhilfe und Jerry Skees von Global Parametrics sind hier. Sie werden uns Ihre Ideen vortragen. Ich freue mich und danke Ihnen allen!

Lexikon der Entwicklungspolitik

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