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Mai

Quality Employment and a Better Workplace


Rede von Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller auf der Jahrestagung der Asiatischen Entwicklungsbank in Frankfurt am Main am 02.05.2016

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Frau Burrow,
Sehr geehrte Frau Lynton,
Sehr geehrter Herr Sabharwal,
Sehr geehrter Herr Kanzaki,
Exzellenzen, sehr geehrte Damen und Herren,

schauen wir an uns herunter: Im Schnitt sind neun von zehn Kleidungsstücken, die Sie und ich anhaben "made in Asia".

Die Textilindustrie ist für viele Menschen in Asien ein Ausweg aus der Armut – so wie früher in Europa. Aber wir müssen die Bedingungen ändern! Löhne, die nicht zum Leben reichen, Arbeitstage bis zu 16 Stunden, kein Schutz im Krankheitsfall kaum, Arbeits- und Gesundheitsschutz und Umweltzerstörung: Das sind keine fairen Standards globaler Wertschöpfungsketten.

Die Textilindustrie ist nur ein Beispiel. Es gibt noch viele andere Branchen mit ähnlich harten Arbeitsbedingungen: Landwirtschaft, Elektroindustrie, Minen. Branchen, in denen Menschen von ihrer Arbeit kaum leben und ihre Kinder nicht zur Schule schicken können. In denen die Menschen krank werden aufgrund von Smog und Umweltgiften. Arbeit ohne Zukunft für die Menschen.

Das hat auch keine Zukunft für die Wirtschaft der Länder! Denn Umweltschäden kosten bis zu drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Und auch die sozialen Kosten sind hoch. Langfristig bringt nur gute Arbeit nachhaltige Entwicklung.

Und es hat auch keine Zukunft für die Unternehmen. Viele Produzenten sagen: Sozial- und Umweltstandards würden die Kosten treiben. Aber auf lange Sicht kommt 'billig' teuer zu stehen! Deshalb müssen ökologische und soziale Standards weltweit Standard werden!

Daran arbeiten wir gemeinsam mit den Unternehmen, mit den Regierungen, der Zivilgesellschaft und den Gewerkschaften. Denn für gute Arbeitsbedingungen weltweit muss jeder seinen Teil der Verantwortung übernehmen.

Was tut das deutsche Entwicklungsministerium dafür konkret? Wir setzen zu Hause an: Im sogenannten Textilbündnis arbeiten Unternehmen gemeinsam mit anderen daran, Umwelt- und Sozialstandards in der Lieferkette zu sichern. Das Bündnis hat inzwischen über 180 Mitglieder (55 Prozent des deutschen Textilmarktes). Das muss Vorbild sein für andere Branchen.

Und wir tragen die Ziele des Bündnisses auch international in die Breite. Vor kurzem haben wir sie in die neue "Garment Initiative" der EU eingebracht. Denn internationaler Wettbewerb heißt auch, dass wir nur gemeinsam erfolgreich unternehmerische Sorgfaltspflicht einfordern können. Wir setzen die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte hier in Deutschland in die Tat um.

Vor allem unterstützt das BMZ seine Partnerländer vor Ort – wie zum Beispiel Bangladesch. Dort hat sich bei Gebäudesicherheit und Brandschutz viel getan: Mit deutscher Unterstützung wurden 750 Fabrikmanager zu Sozial- und Umweltstandards geschult, 100.000 Arbeiterinnen über ihre Rechte aufgeklärt und gemeinsam mit der ILO 300 Arbeitsinspektoren ausgebildet. Und wir arbeiten an der Einführung einer Unfallversicherung.

Das Ziel müssen soziale und ökologische Mindeststandards und existenzsichernde Löhne am Anfang der Wertschöpfungskette sein. Ähnliches machen wir in Pakistan, Kambodscha, Myanmar oder China.

Und schließlich setzen wir auch auf unsere Verantwortung als Konsumenten. Wir müssen alle an uns herunterschauen: Wo kommt meine Kleidung her? Mein Mobiltelefon? Unter welchen Bedingungen wird produziert? Solche Fragen sind Botschaften an die Hersteller! Wir brauchen Transparenz für die Verbraucher.

Der globale Markt steuert sich nicht von selbst. Er braucht Leitplanken, Regeln und Grenzen für die Menschen am Anfang der Lieferkette, und für uns alle. Globale Arbeitsteilung ist eine Chance für eine bessere Zukunft. Aber nur wenn alle profitieren, kann globale Partnerschaft gelingen, kann Globalisierung gerecht sein. Nicht der freie, der faire Handel schafft mehr Gerechtigkeit, Zukunft und Frieden.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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