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März

Wem gehört der Planet?


Unsere Umwelt, unsere Energie – Sachsens Beitrag für eine nachhaltigere Welt

Rede von Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, bei der ZukunftsTour-Station in Leipzig am 22. März 2016

 Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren,

Leipzig ist ein guter Ort, um über Nachhaltigkeit zu sprechen. Denn erstens: Ein Sachse hat uns das Prinzip der Nachhaltigkeit gebracht! Carl von Carlowitz meinte: Schlagt nur so viel Holz, wie nachwächst! Und zweitens: Hier in Sachsen findet genau dieser Wandel zu einem vernünftigen Umgang mit der Umwelt schon statt. Im Kleinen, direkt in Leipzig, denn Sie bauen Ihren Zoo für artgerechte Tierhaltung um. Damit setzen Sie ein Zeichen für Artenschutz und Biodiversität.

Wem gehört der Planet?

Sie, Herr Ministerpräsident, haben einmal gesagt: "Wenn unsere Kinder eine glückliche Zukunft haben sollen, dürfen wir nicht auf ihre Kosten leben. Wir müssen mit Augenmaß wirtschaften". Das bedeutet ein Umdenken, es erfordert ein Umsteuern! Denn ist es gerecht, dass 62 Superreiche so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung? Dass wir Deutsche in einem Jahr fast so viel Strom verbrauchen wie die Menschen in ganz Afrika zusammen? Dass die Europäer dreimal so viele Ressourcen verbrauchen wie Menschen in Asien, viermal so viele wie in Afrika?

Die Welt ist heute ein Dorf. Wir haben Einfluss und damit Verantwortung! Unsere Emissionen in Deutschland befeuern den Klimawandel. Die Folgen treffen am härtesten die Menschen in Entwicklungsländern. Die Zerstörung der Natur, Raubbau an Umwelt, Natur und die Ausbeutung von Menschen – das alles für unseren Konsum. Das ist Lebensqualität auf Kosten anderer! Das können und müssen wir ändern!

Denn es hat Folgen – auch für uns. Hunger, fehlende Bildung, zerstörte Umwelt, Perspektivlosigkeit sind Nährboden für Konflikte, Terror, Flucht. Probleme anderswo kommen auch bei uns an. Wir leben in Zeiten großer Dynamik und Veränderungen. Um 1955 lebten rund 2,5 Milliarden Menschen, heute dreimal so viele, 7,4 Milliarden! Täglich kommen 225.000 hinzu, das ist alle zweieinhalb Tage eine Stadt wie Leipzig! Asien wächst auf vier bis fünf Milliarden, Afrika verdoppelt seine Bevölkerung bis Mitte des Jahrhunderts von heute 1,2 Milliarden auf dann 2,4 Milliarden. Alle diese Menschen brauchen Perspektiven auf ein würdiges Leben.

Die Aufgabe ist eine Entwicklung, die fair ist – und den Planeten nicht zerstört. Die Weltgemeinschaft hat vor wenigen Monaten einen Weltzukunftsvertrag geschlossen, mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung. Diese gelten auch für uns in Deutschland. Auch wir müssen unseren Beitrag leisten, die Globalisierung gerecht und zukunftsfähig zu gestalten. Was ist zu tun?

Dekarbonisierung

Im Pariser Klimaabkommen haben sich 196 Staaten das Ziel gesetzt, den globalen Temperaturanstieg "weit unterhalb von zwei Grad" zu halten, wenn möglich sogar unter 1,5 Grad. Für viele unserer Partnerländer ist das eine Frage des Überlebens. Ich erinnere an den Appell des Präsidenten von Kiribati, Anote Tong: "Wir gehen sonst unter!"

Das BMZ unterstützt als "globales Klima-Ministerium" seine Partner, kohlenstofffreie Wirtschaften
aufzubauen. Schon heute vermeiden wir mit unseren Projekten in Entwicklungsländern jedes Jahr 200 Millionen Tonnen Kohlendioxid – ein Fünftel der deutschen Emissionen. Mit Klimaversicherungen können sich Staaten gegen Klimarisiken absichern. Damit konnten wir schon 1,3 Millionen Menschen helfen und 500.000 Tiere retten. Das ist gut angelegtes Geld! Denn ein Euro Vorsorge spart vier Euro Nothilfe nach Katastrophen.

Energie

Ohne Energie keine Entwicklung. Das BMZ unterstützt große Projekte, unter anderem zehn Gigawatt erneuerbare Energien für Afrika – denn dort leben 70 Prozent der Menschen noch ohne Strom. Ein Beispiel für deutsche Entwicklungszusammenarbeit ist das Solarkraftwerk Ouarzazate in Marroko.

Vom freien zum fairen Handel

In der globalisierten Welt tragen wir alle Verantwortung. Im wahrsten Sinne: Durch unsere Kleidung, durch unsere Elektronik, durch das, was wir essen.

Beispiel Elektronik: Kobalt steckt in jedem Akku, jeder Batterie. Ihr Handy funktioniert nicht ohne Kobalt. Amnesty International hat gezeigt: Kobalt wird im Kongo oft schon von 7-Jährigen gefördert. Die Zustände in den Bergwerken sind menschenunwürdig. Die Verantwortung liegt bei der kongolesischen Regierung, aber auch bei Handyproduzenten, Zwischenhändlern, und nicht zuletzt bei uns – den Kundinnen und Kunden.

Beispiel Schokolade: Deutsche sind Weltmeister im Schoko-Konsum. 12,2 Kilogramm essen wir pro Kopf pro Jahr! Manche Tafel kostet hier nicht mal einen Euro. So viel bekommt ein Kakaopflücker in Ghana am Tag. Viele sind Kinder. Sie müssen pflücken, statt zur Schule zu gehen. Es geht auch anders, dies zeigt das Forum nachhaltiger Kakao. Und mit Erfolg, denn der Anteil nachhaltigen Kakaos ist von drei Prozent (2012) auf heute fast 30 Prozent gestiegen.

Beispiel Kleidung: Unsere Kleidung wird genäht in der Türkei, in Tunesien oder Bangladesch. Ein T-Shirt kostet oft weniger als der Latte Macchiato nebenan. Und Baumwollanbau, Färben, Nähen – all das geschieht unter Bedingungen, die wir hier nie akzeptieren würden. Warum dann anderswo? Die große Herausforderung sind die globalen Lieferketten. Mit unserem Textilbündnis wollen wir Unternehmen bewegen, Umwelt- und Sozialstandards weltweit zum Standard zu machen.

Vorreiter zeigen, was schon jetzt geht. Wir können die Globalisierung fairer und nachhaltiger gestalten! Und wir müssen bei uns anfangen. Die Zukunftscharta bringt dafür wichtige Impulse. Sie nimmt auf, was schon an vielen Stellen in Deutschland passiert. Am Ende profitieren alle von einer nachhaltigeren, gerechteren Welt und vom Klima- und Ressourcenschutz.

Denn: "Was das Klima schützt, nützt zumeist auch den Armen", haben Sie einmal gesagt, Herr Professor Schellnhuber. Und eine gerechtere Welt ist auch eine friedlichere Welt, in der die Menschen Perspektiven sehen für sich und für ihre Kinder. Mut zur Veränderung brauchen wir und viele gute Vorbilder, wie sie hier in Sachsen!

Lexikon der Entwicklungspolitik

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