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Juni

Eine Welt – unsere Verantwortung. Junges Engagement gestaltet Zukunft gemeinsam


Rede von Bundesminister Gerd Müller zum Auftakt der Deutsch-Afrikanischen Jugendinitiative (DAJ) am 30.06.2016 bei der ZukunftsTour in Bonn

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Kommissar,
sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin,
sehr geehrter Herr Minister,
sehr geehrte Frau Generaldirektorin,
sehr geehrter Herr Diallo,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundestag und dem Landtag,
Exzellenzen,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Gäste aus 16 Ländern Afrikas:
Herzlich willkommen!

Vor mir sitzt die Zukunft – an einem Ort mit Vergangenheit. Denn dies ist der alte Plenarsaal aus Zeiten, als Bonn Hauptstadt war. Hier habe ich zum Beispiel als Abgeordneter an der Entscheidung zur deutschen Wiedervereinigung mitgewirkt.

Jetzt ist Bonn die "Eine-Welt-Stadt"; die Stadt der nachhaltigen Entwicklung. Hier sind seit 20 Jahren die Vereinten Nationen zu Hause, zum Beispiel die UN Volunteers. Hier wurde der Klimavertrag von Paris vorbereitet. Von hier aus werden jetzt die Ziele der Agenda 2030 in die Welt getragen. Menschen aus 180 Nationen leben hier.

Lieber Herr Oberbürgermeister, das BMZ ist hier zuhause. Wir fühlen uns hier sehr wohl! Wir erleben nicht nur hier, wie die Welt zusammenrückt. Die Welt ist ein Dorf!

Es gibt enorme Entwicklungsfortschritte. Die Lebenserwartung in Entwicklungsländern ist zum Beispiel in den letzten zwei Jahrzehnten um neun Jahre gestiegen. Auch dank unseres Kampfes gegen Polio und Aids.

Aber noch ist der Wohlstand auf der Welt ungleich verteilt. Wir müssen neu teilen lernen!

Liebe Frau Ministerpräsidentin Kraft, Ihr Land, Nordrhein-Westfalen, investiert vorbildlich in globale Zusammenarbeit. Ich nenne Ihre Partnerschaft mit Ghana die gerade erneuert wurde. Das ist beispielhaft unter den Bundesländern.

Ich nenne das sehr aktive Eine-Welt-Netzwerk. Vielen Dank für die gute Vorbereitung der Zukunftswerkstatt heute Morgen!

Dieses Engagement ist wichtig und gut. Denn die nachhaltigen Entwicklungsziele sind ein globaler Ordnungsrahmen. Umgesetzt werden muss er lokal. Dafür braucht es Partnerschaft auf allen Ebenen!

Heute tun wir einen Schritt dahin: Mit der Deutsch-Afrikanischen Jugendinitiative. Gemeinsam werden wir heute den Startschuss geben. Deshalb haben wir hohen Besuch von der Afrikanischen Union.

Lieber Herr Kommissar Ikounga: vor einem Jahr habe ich mit der AU-Kommissionsvorsitzenden Zuma eine große gemeinsame Berufsbildungsinitiative verabredet – jetzt startet sie in fünf Ländern.

Denn Afrika ist Chancenkontinent. Aber es gibt auch riesige Herausforderungen. Es fehlt an Jobs für die Jugend. Mindestens 20 Millionen pro Jahr! Und Afrika wird sich verdoppeln bis 2050, auf über zwei Milliarden Menschen.

Afrika braucht rasante Entwicklung. Dafür braucht es Wissen statt Vorurteile.

40 Prozent der Menschen in Sub-Sahara Afrika sind Analphabeten – aber gleichzeitig gibt es bahnbrechende digitale Erfindungen wie das digitale Bezahlsystem m-Pesa. Südlich der Sahara hat nur jeder Siebte Strom – aber das Potenzial für erneuerbare Energien ist riesig! Die Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative bietet Brücken – in beide Richtungen! Vorurteile abbauen, lernen, Verbindungen schaffen: Das ist das Ziel.

Dafür bauen wir erstens Bestehendes aus: den Freiwilligendienst, den Schulaustausch, Studienpraktika und Stipendien. Von heute 2.000 wollen wir bis Ende 2017 auf 3.000 kommen.

Zweitens: gehen wir neue Kooperationen ein: mit Vereinen, Verbänden und Schulen hierzulande zum Beispiel mit der Deutschen Sportjugend. Damit erreichen wir perspektivisch 90.000 Vereine. Und bald kann ein Club aus Benin einen aus Bonn treffen! Sport und Entwicklung zusammen!

In Afrika haben wir starke neue Partner: Benin, Südafrika und Tansania sind unsere ersten Partner – weitere folgen.

Drittens starten wir eine neue Förderlinie bei "weltwärts":  Ab morgen könnt Ihr Euch bewerben auch für Projekte außerhalb der Schule! 2017 sollen es 500 junge Leute sein. Denn die Zukunft hängt von der Jugend ab – wie sie die Herausforderungen bewältigt, in Afrika und in Deutschland.

Das zeigt sich an vielen Themen: Ernährung, Energie, Klimawandel, die Kluft zwischen Arm und Reich. Sie machen klar: Wir brauchen den Paradigmenwechsel. Nachhaltigkeit und Fairness muss das Prinzip all unseres Tuns werden: in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, im Privaten, beim Konsum, hier in Deutschland und weltweit.

Fünf Themenbereiche sind dafür zentral:

1. Eine Welt ohne Hunger schaffen

Ernährung, Überleben sichern für heute sieben, bald acht, neun oder zehn Milliarden Menschen, ohne den Planeten zu zerstören – dafür brauchen wir neue und nachhaltige Methoden. Denn die Erde muss immer mehr Menschen ernähren, mit immer weniger landwirtschaftlicher Nutzfläche. Bis 2050 sind 60 Prozent mehr Erträge nötig!

Deshalb setzt das Entwicklungsministerium hier einen Schwerpunkt mit der Sondereinheit EINEWELT ohne Hunger.

Wir fördern unter anderem 13 Innovationszentren in Afrika und Indien. Denn Landwirtschaft mit Zukunft braucht Wissen und Innovation, Ausbildung, konsequenten Bodenschutz und bessere Vermarktungsmöglichkeiten.

 2. Schutz von Natur, Umwelt, Klima

Nordrhein-Westfalen hat Anfang des Monats wieder erlebt, was Unwetter sind: mit Überschwemmungen und sogar Tornados! Das Technische Hilfswerk war im Dauereinsatz.

Diese Bilder sind nur ein Vorgeschmack  auf das, was uns auch hier erwartet, wenn sich die Erde weiter erwärmt. Andere leiden schon heute viel heftiger. Die natürlichen Ressourcen der Erde werden immer knapper – das bremst Entwicklung. Darum kümmern wir uns um Bodenschutz, Wasserschutz, Schutz der Regenwälder und Meere.

Und wir brauchen eine Revolution der Infrastruktur: Energie, Städte, Mobilität müssen neu gedacht werden.

Wir helfen Entwicklungsländern mit Investitionen in erneuerbare Entwicklung. Wir unterstützen die AU bei ihrer Initiative, zehn Gigawatt erneuerbare Energie für Afrika zu installieren. Wir fördern in Marokko, Ouarzazate, das modernste Solarkraftwerk der Welt.

Und wir unterstützen die Verletzlichsten, zum Beispiel durch den Ausbau von Klimarisikoversicherungen für bis zu 500 Millionen Menschen – damit der Klimawandel nicht noch mehr Menschen in die Flucht treibt.

Vor allem wir in den Industrieländern müssen nachhaltiger wirtschaften. In Deutschland liegt der Verbrauch an CO2 bei neun Tonnen pro Person pro Jahr. In Bangladesch ist es gerade mal eine halbe Tonne. Unser Ziel ist es, Wachstum und CO2-Ausstoß zu entkoppeln. Und wir müssen Umweltkosten in die Preise unserer Produkte einrechnen.

3. Rechte und Frieden fördern, Flucht vorbeugen

Rund 1,5 Milliarden Menschen weltweit leben in fragilen Staaten mit  lang andauernden Konflikten. Das UN-Flüchtlingshilfswerk hat gerade neue Zahlen vorgelegt: 65 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. So viele wie noch nie! Neun von zehn leben in Entwicklungsländern. Mit jedem Atemzug fliehen zwei Menschen.

Wir setzen in Herkunftsregionen an. Denn pro Euro bewirken wir dort ein Vielfaches!

Wir schaffen Auskommen und Aufgaben: Bildung, Ausbildung, Arbeit. Darum setzen wir auf "Cash for Work". Unser Ziel ist es, bis Ende des Jahres 50.000 Jobs zu schaffen.

4. Globalisierung gerecht gestalten

Das heißt für uns: soziale und ökologische Standards weltweit verankern. Die WTO muss von Freihandels- zur FAIRhandelsorganisation werden. Wir setzen uns ein für mehr Verantwortung und Nachhaltigkeit, gerade in multinationalen Unternehmen.

Ihr Vater, liebe Frau Kraft, konnte von seinem Lohn als Schuhmacher seine Familie nicht ernähren. So geht es heute Näherinnen weltweit. Das ändern wir. Zum Beispiel im Kakaoforum und im Textilbündnis.

Wir setzen uns ein für einen nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte. Und wir verpflichten uns auch selbst als öffentliche Hand, zum Beispiel bei der Beschaffung auf faire Produktionsbedingungen zu achten.

In Europa setzen wir uns für Regeln im Handel mit Konfliktmineralien ein. Damit im Kongo und anderswo damit nicht Kriege finanziert werden.

5. Entwicklungspolitik beginnt bei uns

Wir müssen die globalen Folgen unseres Handelns mitdenken in allen politischen Bereichen: beim Klimaschutz, in der Handels- und Wirtschaftspolitik, der Steuerpolitik und der Agrarpolitik. Wir brauchen eine neue globale Verantwortungsgemeinschaft.

Darum haben wir auch die Zukunftscharta erarbeitet und die ZukunftsTour gestartet, mit 29 Stationen in allen Bundesländern und 15.000 Teilnehmenden. Das hat uns auch international Anerkennung gebracht!

In diesem Jahr folgt noch der Zukunftskongress in München im September mit dem Thema "Unsere Welt 2030 – Aus der Zukunft lernen!".

Es gibt nicht mehr "die" und "uns". Wir sind EINE WELT. Wir brauchen gerechte Entwicklung für alle in den Grenzen des Planeten.

Der Weltzukunftsvertrag ist der Rahmen: Zum ersten Mal haben alle Nationen vereinbart: So muss Entwicklung gehen! Und zwar für alle Länder! Auch für uns.

Wenn wir übermorgen gut leben wollen, muss aus Papier Wirklichkeit werden. Und dafür brauchen wir gute Ideen und engagierte Menschen! Die Deutsch-Afrikanische Jugendinitiative wird dabei helfen!

Lexikon der Entwicklungspolitik

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