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Dezember

Die globale Welt an ihren Wurzeln verbinden


Entwicklungszusammenarbeit mit Kommunen

Gastbeitrag von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller in der Zeitschrift "Städtetag aktuell"
Eine PDF-Version des Beitrags finden Sie auf der Website des Deutschen Städtetags hier (PDF 3,2 MB)

Bei der Bewältigung globaler Herausforderungen können Kommunen entscheidende Beiträge leisten. Beispiel Flüchtlingskrise: Tagtäglich leisten Kommunen großartige Arbeit bei der Unterbringung, Versorgung und Integration von geflüchteten Kindern, Frauen und Männern. Dies gilt für die Städte und Gemeinden in Deutschland und Europa, aber besonders auch für die Kommunen in den Krisenregionen. Denn wir müssen uns immer wieder vor Augen führen: von den mehr als 65 Millionen Menschen, die derzeit auf der Flucht sind, haben zwei Drittel gar keine Staatsgrenze überquert - sie sind Flüchtlinge im eigenen Land. Und die allermeisten Menschen, die ihr Land verlassen, finden Schutz in den unmittelbaren Nachbarstaaten.

Kürzlich habe ich Jordanien, den Libanon und die Türkei besucht – also die Länder, die 90 Prozent der Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen haben. Allein der Libanon mit seinen rund 4,5 Millionen Einwohnern gewährt inzwischen mehr als einer Million Menschen Zuflucht. Zum Vergleich: Deutschland mit seinen mehr als 80 Millionen Einwohnern müsste ungefähr 20 Millionen Flüchtlinge aufnehmen, um auf eine ähnliche Relation zwischen Einwohnern und Flüchtlingen wie der Libanon zu kommen. Die Länder in der Region stehen vor einer Herkulesaufgabe und es sind insbesondere die Kommunen, die hier in der ersten Reihe stehen.

Sie müssen die eigene Bevölkerung und die Flüchtlinge versorgen, sei es mit Wasser und Strom, bei der Abfallbeseitigung, beim Bau und der Instandhaltung von Schulen, Wohnungen, Krankenhäusern und Straßen. Dafür benötigen die Kommunen dringend Unterstützung – und wir in Deutschland können sie ihnen anbieten. In deutschen Kommunalverwaltungen arbeiten mehr als zwei Millionen Expertinnen und Experten, die genau die Fähigkeiten haben, die in den Krisenregionen gebraucht werden.

Wenn es uns gelingt, diese Expertise vor Ort einzusetzen, können wir einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Krisenregionen leisten und den Menschen neue Lebensperspektiven eröffnen. Dadurch wird möglich, was sich die allermeisten Flüchtlinge wünschen: in der Heimat oder zumindest in der Nähe davon zu bleiben.

Initiative "Kommunales Know-how für Nahost"

Hier setzt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit an. Mit der Initiative "Kommunales Know-how für Nahost" vermitteln wir Kommunen in Jordanien, dem Libanon und der Türkei deutsche Projektpartner. Über das Online-Portal www.initiative-nahost.de können die einen melden, was sie brauchen – und die anderen, was sie können. So finden Städte und Gemeinden von hier und dort zusammen und können gemeinsam Projektideen entwickeln. Wir begleiten den gesamten Prozess mit Beratung und finanzieller Unterstützung beispielsweise für Reisen zu einem ersten Kennenlernen oder zur Verwirklichung konkreter Projekte.

Kommunen als Ratgeber

Städte und Gemeinden sind aber nicht nur bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise unverzichtbare Partner der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Weil sie weltweit vor vergleichbaren Herausforderungen stehen, wie zum Beispiel dem Klimawandel oder der zunehmenden Verstädterung, ist es ideal, wenn die Verwaltungen ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilen. Deshalb fördern wir weltweit kommunale Know-how-Partnerschaften, zum Beispiel beim Klimaschutz, oder beim Aufbau einer bürgernahen, lokalen Verwaltung.

Entwicklungspolitische Chancen im kommunalen Alltag nutzen

Auch bei der Erfüllung ihrer alltäglichen Aufgaben tragen die deutschen Städte und Gemeinden globale Verantwortung. Beispielsweise bei der Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards in der öffentlichen Auftragsvergabe oder bei der Gestaltung einer nachhaltigen Energie- und Wasserversorgung. Ohne die Einbindung und das Engagement der Kommunalverwaltungen können wir den Weltzukunftsvertrag, die "Agenda 2030", die die internationale Staatengemeinschaft im vergangenen Jahr für eine weltweite nachhaltige Entwicklung beschlossen hat, nicht umsetzen.

Chancen für entwicklungspolitisches Engagement bieten sich für Kommunen auf vielen Gebieten. Mithilfe unseres Online-Tools Kompass Nachhaltigkeit können deutsche Kommunen zum Beispiel ihr Beschaffungswesen nachhaltig gestalten.

Ein weiteres wichtiges Instrument, das von meinem Haus gefördert wird, sind die Klinikpartnerschaften. Innovative Ansätze wie zum Beispiel e-Health und e-Learning verringern Distanzen und fördern die Vermittlung von Fachwissen – und dies in beide Richtungen. Das Engagement von kommunalen Gesundheitseinrichtungen ist daher wichtig, um die Gesundheitsversorgung in unseren Partnerländern zu verbessern und mittel- und langfristig eine nachhaltige Stärkung der Gesundheitsversorgung zu erreichen (www.bmz.de/klinikpartnerschaften).

Mehr als 500 Kommunen in Deutschland sind bereits in unseren Programmen aktiv. Unser Ziel ist es, 1.000 Städte und Gemeinden zu erreichen. Dafür habe ich die Mittel für die Zusammenarbeit mit Kommunen deutlich aufgestockt. Denn in den Kommunen hat die globale Welt ihre Wurzeln. Es sind die Orte, wo wir gemeinsam Zukunft gestalten können!

Dr. Gerd Müller
Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Das BMZ bietet Ihnen in den Kommunen:

  • Finanzielle Förderung: Wir bieten Ihnen unkomplizierte Möglichkeiten, Ihr entwicklungspolitisches Engagement finanziell zu unterstützen.
  • Personelle Unterstützung: Erfahrungslernen für junge Menschen in Ihrer Partnerkommune, sowie Kurzzeiteinsätze für Fach- und Führungskräfte im Ruhestand.
  • Längere Einsätze von Fachkräften in Ihrer Partnerkommune: Kürzere Aufenthalte von Fachleuten aus Entwicklungsländern in Ihrer Kommune.
  • Beratung: Wir erarbeiten gemeinsam mit Ihnen Möglichkeiten, wie sich Ihre Kommune in der Entwicklungszusammenarbeit engagieren kann.
  • Vernetzung mit Gleichgesinnten und Partnern: Wir fördern Ihren Erfahrungsaustausch untereinander, bilden Netzwerke und bieten Ihnen interessante Veranstaltungen und Fortbildungen an – in Deutschland und international.

Kontakt:

ENGAGEMENT GLOBAL gGmbH
SKEW – Servicestelle Kommunen in der Einen Welt
Telefon: 0228 / 20 717 670
E-Mail: anfrage@service-eine-welt.de
Website: www.service-eine-welt.de

Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine Mail, wir beraten Sie gerne.

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