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September

"Africa Beyond 2015"


Rede von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller
zur Eröffnung des
15th International Economic Forum on Africa
am 9. September 2015 in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Herzlich willkommen!

"Afrika jenseits von 2015" – wie wird es aussehen? Dieses OECD-Afrika-Forum hat sich in den vergangenen 15 Jahren als hervorragende Gelegenheit zum Austausch etabliert. Dafür ein großer Dank an die OECD!

Es ist mir eine Ehre, so viele prominente Gäste hier begrüßen zu dürfen. Ganz besonders freue ich mich über die vielen wichtigen Vertreter aus afrikanischen Ländern sowie der Afrikanischen Union und der Regionalorganisationen. Denn Sie sind es, die die Zukunft Ihres Kontinents gestalten. Dass diese Konferenz nun erstmals hier in Berlin stattfindet, ist ein Signal: Während der deutschen G7-Präsidentschaft steht unser Nachbarkontinent Afrika ganz oben auf der Agenda!

Die Gipfelerklärung von Elmau zeigt: So viel Afrika war bei G7 selten. Wir haben Initiativen vereinbart zu Ernährungssicherung, Klimaschutz, Rohstoffverträgen und zu erneuerbaren Energien. Und wir wollen eine Ausbildungsoffensive starten, vor allem für Frauen und Mädchen. Denn eins ist klar: nur gemeinsam mit Afrika und seiner Jugend, nur gemeinsam mit den bald zwei Milliarden Afrikanerinnen und Afrikaner, nur mit den 54 Stimmen in den Vereinten Nationen werden wir die globalen Fragen lösen können.

Ich denke an den Klimaschutz, den Welthandel, die Energieversorgung, Migration und Sicherheitsfragen. Und wir müssen, wenn wir heute über Afrika sprechen, auch über die Flüchtlingsproblematik sprechen. Ich habe hohe Erwartungen an den EU-Afrika-Sondergipfel zu Flucht und Migration im November in Malta. Wir brauchen dringend gemeinsame Antworten – außenpolitisch, innenpolitisch, aber auch entwicklungspolitisch. In Europa, in Afrika und in der internationalen Staatengemeinschaft. Europa und Afrika haben hier eine gemeinsame Verantwortung, aber auch eine jeweils eigene!

Wir müssen auch gegen Schlepperbanden vorgehen, wenn nötig mit einem Mandat der Vereinten Nationen. Dann geht es darum, die Ursachen von Flucht zu beseitigen. Dass so viele ihre Heimat verlassen, dass sie so gefährliche Reisen wagen, hat einen Grund: Ihnen fehlt eine Aussicht auf ein besseres Leben in Sicherheit, mit einem Job und Einkommen, gesundheitlich versorgt.

Die Ebola-Krise hat zudem gezeigt, wie schnell erste Entwicklungserfolge durch Krisen ganz unterschiedlicher Art zerstört werden können. Die Bundeskanzlerin hat die Ebola-Krise zum Anlass genommen, eine internationale Neuaufstellung im Gesundheitsbereich einzufordern.

Wir unterstützen dies mit einer schnellen Krisenreaktionstruppe, den Weißhelmen. Der Schlüssel zu diesem besseren Leben ist die ökonomische Entwicklung Afrikas. Und genau sie steht bei diesem Forum im Mittelpunkt: Afrika wächst. Sechs der zehn wachstumsstärksten Länder weltweit liegen auf dem afrikanischen Kontinent, aber das Wirtschaftswachstum kommt nicht überall an. Wir müssen uns also fragen: Welche Art von Wirtschaftswachstum ist richtig? Wem nützt es? Wem schadet es vielleicht? Wie viel von dem Wachstum landet am Ende in reichen Ländern – aufgrund unfairer Verträge oder ungleicher Handelsbedingungen?

Wir brauchen faire Handelsabkommen zwischen Europa und Afrika. Vom Freihandel zum Fairhandel, das ist der Weg, den wir gemeinsam gehen müssen. Geht das Wachstum auf Kosten der Natur? Auf Kosten der lokalen Bevölkerung? Positiv gefragt: Wie kann der ungeheure Reichtum an Ressourcen, an Ideen und Kreativität für ein gutes Leben für die Menschen vor Ort eingesetzt werden? Unser deutscher Mittelstand mit seinen kleinen und mittleren Unternehmen ist für mich der beste Partner für Afrikas Wirtschaft.

Es gibt wichtige Faktoren im Inneren: Gute Regierungsführung, Rechtssicherheit und Bildung, die zentral bei der Frage sind, ob sich deutsche Unternehmen in Afrika ansiedeln. Zentral ist aber auch ein internationaler Rahmen, der Wachstum und Entwicklung in genau diese Richtung lenkt. In unserem ersten Diskussionsforum geht es heute um einen solchen internationalen Rahmen. In gut zwei Wochen werden wir in New York die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung unterzeichnen. Eine Art Weltzukunftsvertrag für nachhaltige und faire Globalisierung!

Präsident Mahama wird uns heute die afrikanische Sichtweise auf diese Agenda vorstellen. Das ist eine große Ehre für uns. Eine besondere Ehre ist es auch, unseren ehemaligen Bundespräsidenten, Sie, Herrn Professor Köhler, hierzu zu hören.

Als Mitglied des High-Level-Panels haben Sie diese universellen Ziele wesentlich mit geprägt. Sie mahnen uns Industrieländer immer wieder: Wir müssen Afrika als echten Partner wahrnehmen. Und auch wir tragen Verantwortung, den afrikanischen Ländern einen fairen Anteil an Wertschöpfung und am Handel zu ermöglichen. Wie Sie bin ich der Überzeugung: Afrika ist der Chancenkontinent!

Wo immer ich auf meinen Reisen junge Leute aus afrikanischen Ländern treffe, bin ich beeindruckt davon, wie kreativ und erfinderisch sie sind. Dieses Potenzial gilt es zu heben. Wir müssen massiv in Bildung und Ausbildung investieren, um Perspektiven von Afrikas Jugend zu schaffen. Eine Berufsbildungsoffensive habe ich bereits mit AU-Kommissionspräsidentin Dlamini-Zuma verabredet.

Und wir haben heute einen weiteren Ehrengast: Kofi Annan ist hier, der frühere UN-Generalsekretär, heute in seiner Rolle als Vorsitzender des African Progress Panel. Kofi Annan, Sie haben das Wort vom afrikanischen Kontinent als künftiger "kohlenstoff-freier Supermacht" geprägt. Mit dem massiven Ausbau erneuerbarer Energien hat Afrika die Chance, das Kohle-Zeitalter zu überspringen. Wir wollen Afrika dabei unterstützen, zum grünen Kontinent zu werden. Ein weiterer Schritt in Richtung grünes Afrika ist die "10-Giga-Watt-Initiative", die wir beim G7-Gipfel gemeinsam mit der afrikanischen Seite vereinbart haben.

Das Ziel: Statt zehn großer Kohlekraftwerke viele dezentrale erneuerbare Energiequellen. Es wird im zweiten Teil der Konferenz auch um die großen Probleme gehen, die der Klimawandel in vielen Regionen Afrikas mit sich bringt – gerade für die Landwirtschaft: Auch hierzu brauchen wir dringend intelligente Lösungen.

Diese erarbeiten wir unter anderem in unseren zehn grünen Innovationszentren, die wir in Afrika aufbauen. Unser Ziel ist eine Welt ohne Hunger. Und diese Welt ist möglich! Mit Innovationen für Afrikas Landwirte kann uns das gemeinsam gelingen.

Im dritten Teil diskutieren wir, wie ländliche Regionen von der brodelnden wirtschaftlichen Dynamik profitieren können, die sich bisher viel zu oft nur in den Großstädten abspielt. Die OECD hat dieses Thema im aktuellen "African Economic Outlook" analysiert. Und es ist auch für die deutsche Entwicklungspolitik ein Schwerpunkt in der Initiative "Eine Welt ohne Hunger": Was schafft neue Einkommenschancen und damit Lebensperspektiven auf dem Land?

Sie sehen, meine Damen und Herren: All diese Fragen sind für die deutsche Entwicklungspolitik zentral. Afrika liegt im Fokus unserer Entwicklungszusammenarbeit. Und so ist es enorm wichtig für uns, was wir heute von Ihnen allen hören. Denn Lösungen für unsere Zukunft können wir nur gemeinsam finden – indem wir miteinander sprechen. Das wollen wir heute tun, und ich freue mich über diese Gelegenheit. Gemeinsam können wir verhindern helfen, dass sich die Tragödien im Mittelmeer und in der Sahara fortsetzen. Gemeinsam können wir die globalen Herausforderungen bewältigen und neue Chancen schaffen. Deutschland – und ich kann sicher auch sagen Europa – werden dafür weiterhin ein starker und verlässlicher Partner an der Seite Afrikas sein!

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Lexikon der Entwicklungspolitik

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