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Oktober

Gemeinsam für ein erfolgreiches Textilbündnis


Rede von Minister Müller zum ersten Jahrestag der Gründung des Textilbündnisses

bei der Jahrestagung und Mitgliederversammlung des Textilbündnisses am 15.10.2015 im Forum Friedrichstrasse in Berlin

 Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Mitglieder,
sehr geehrte Damen und Herren,

Ein Jahr Bündnis für nachhaltige Textilien. Es war ein arbeitsreiches Jahr. Aber vor allem: Ein Jahr mit Ergebnissen Und das nicht zuletzt durch Ihr Engagement. Sie, meine Damen und Herren, haben einen ersten, großen Schritt getan. Ich danke allen Mitgliedern des Textilbündnisses und insbesondere dem Steuerungskreis. Ich danke auch besonderes Ihnen, liebe Frau Neumann und lieber Herr Sanktjohanser: Sie haben den Dialog mit dem Textilbündnis nie abreißen lassen. Sie haben sich konstruktiv und lösungsorientiert an der Präzisierung unserer Arbeitsgrundlage beteiligt.

Wie häufig musste ich mir anhören: Das klappt doch nie. Wie soll man so verschiedene Akteure mit so unterschiedlichen Interessen an einen Tisch bringen?

Und heute: Das Bündnis ist quicklebendig. Es ist ein echter Bündnisgeist entstanden, der auf Vertrauen und Verständnis beruht. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Der Aktionsplan ist erfolgreich präzisiert. Es gibt also eine belastbare und ambitionierte Arbeitsgrundlage. Viele neue Bündnispartner aus der Wirtschaft sind seitdem beigetreten. Die Anzahl der Mitglieder hat sich im Vergleich zur Gründung verfünffacht. Inzwischen hat das Textilbündnis knapp 160 Mitglieder – darunter rund die Hälfte der deutschen Textilindustrie und des Handels. Wir wollen bis 2017 auf 75 Prozent kommen. Und ich bin sicher: Das wird uns gemeinsam gelingen.

Seit dem Sommer arbeiten der neue Steuerungskreis und vier Arbeitsgruppen. Es geht dabei um handfeste und praktische Fragen: Arbeitsschutz und Gebäudesicherheit, soziale Sicherheit für die Beschäftigten, Umwelt und Naturschutz.

Denn: Standards müssen Standard werden. Und Standards können Standard werden.

Ich komme gerade zurück aus Dhaka, wo ich mir ein eigenes Bild gemacht habe über die Produktionsbedingungen dort. Es hat sich viel getan.

Dank unserer Unterstützung haben Überlebende der Katastrophe von Rana Plaza wieder eine berufliche Perspektive. Mit unserer Hilfe werden sie gesundheitlich versorgt, etwa mit Prothesen.

Durch die Ausbildung von Inspektoren kommen die Sicherheit und der Arbeitsschutz in den Textilfabriken voran. Vor zwei Jahren gab es keine 20 Inspektoren, jetzt sind es über 200. Wir helfen beim Aufbau von Arbeitnehmervertretungen und einer Unfallversicherung. Denn diese Menschen haben das Recht, Rechte zu haben!

Ich war in der Textilfabrik unseres Mitglieds der DBL-Group in Bangladesch. Dort habe ich mit den Näherinnen gesprochen. Es wird auch für deutsche Marken produziert – zu guten Bedingungen.

Wir haben es mit in der Hand, dass sich Sozial- und Umweltstandards bessern, in Bangladesch und an anderen Orten, wo Menschen für den Weltmarkt arbeiten.

Die Reise hat mir gezeigt: Es geht, aber man muss auch etwas tun. Und ich bin sicher, dass das Bündnis der richtige Weg ist, um Standards zum Standard zu machen.

Selbstverständlich bleibt der Staat gefordert. Er muss Mindeststandards festlegen und für deren Einhaltung sorgen. Das gilt in Deutschland und das gilt für unsere Partnerländer der Entwicklungspolitik.

Diese allein genügen jedoch nicht. Sie und ich wissen nur zu gut: Nationale Gesetze allein nützen wenig, wenn zum Beispiel ein Herrenhemd vom Baumwollfeld bis zum Bügel 140 Produktionsschritte durchläuft.

Ich bin darum fest davon überzeugt, dass wir mit Partnerschaften, wie dem Textilbündnis, mehr erreichen als  durch Zwang. Denn Freiwilligkeit heißt nicht Unverbindlichkeit. Und Freiwilligkeit ist mehr als die Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Wir machen das mit dem Textilbündnis vor.

Ich gebe zu: Viel Arbeit wartet noch auf uns. Die Lieferketten bleiben lang und komplex und unfairen Wettbewerb – nämlich Wettbewerb auf Kosten von Mensch und Umwelt – gibt es auf allen Ebenen.

Es stellt sich die Frage: Was können wir tun? Im Bündnis wird es darauf ankommen, die Arbeitsgruppen zu unterstützen. Was beschlossen ist, muss zügig umgesetzt werden.

Mein Ministerium unterstützt Sie dabei. Mehr als zwei Dutzend Entwicklungspartnerschaften im Textilsektor sind bereits eingereicht. Viele mehr werden noch folgen.

Besonderes Engagement möchte ich mit einem "Grünen Knopf" auszeichnen, denn gerade deutsche Unternehmen tun bei sozialen und ökologischen Standards oft mehr als andere. Der "Grüne Knopf" soll solche Leistungen anerkennen und sichtbar machen.

Wir werden unsere Partnerregierungen weiter dabei unterstützen, Umwelt- und Sozialstandards eigenständig zu gewährleisten.

Alle Beteiligten müssen überzeugt werden: Nur mit guter Arbeit kommt man weiter. Und weil nicht nur die Lieferketten heute die Welt umspannen, sondern auch der Wettbewerb, müssen wir auch Bündnisse globalisieren.

Das Textilbündnis spielt hier eine Vorreiterrolle. Es kann die Blaupause werden für sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Lieferketten bei anderen Produkten.

Die Bundeskanzlerin hat sich beim G7-Gipfel in Elmau für Nachhaltigkeit in globalen Lieferketten stark gemacht. Vor zwei Tagen haben wir gemeinsam mit G7-Entwicklungs- und Arbeitsministern hier in Berlin bei einer zweitägigen Konferenz einen Aktionsplan zur Förderung fairer Produktion verabschiedet.

Meine Damen und Herren, liebe Mitstreiter: Es steht viel auf dem Spiel.

Denn nur wo menschenwürdige Arbeits- und Lebensbedingungen herrschen, haben Menschen Zukunft.

Umgekehrt sind Perspektivlosigkeit, Ungerechtigkeit, Klimawandel, Umweltverschmutzung Auslöser für Krisen. Und die treffen letztlich auch uns. Das machen uns die aktuellen Bilder aus den Konfliktgebieten im Nahen und Mittleren Osten klar.

Allen, die noch immer sagen: Was geht mich das an, was hat das mit uns zu tun? – antworte ich: Sie, ich, wir alle tragen Verantwortung für die Menschen, die unsere Kleider für uns nähen und produzieren und für die Entwicklung der Länder, in denen diese hergestellt werden. Wir können nicht länger auf Kosten anderer billig konsumieren.

Es gibt keine erste, zweite, dritte Welt. Es gibt die Eine Welt, in der wir leben.

Für sie müssen wir einstehen. Gemeinsam: Staat, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und jeder Einzelne. So wie wir es uns mit dem Textilbündnis vorgenommen haben!

Für mich gibt es daher heute viele Gründe, dankbar, zuversichtlich und optimistisch zu sein. Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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