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Juni

Eröffnungsrede von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller 


beim German-African Business Day des Afrika-Vereins der Deutschen Wirtschaft am 9.6.2015 in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Liebing,
sehr geehrter Herr Kannengießer,
Herr Präsident,
Exzellenzen,
verehrte Gäste aus Afrika,
meine Damen und Herren,
lieber Günther Nooke,

Afrika ist unser Partnerkontinent!

Ich bin heute gern zu Ihnen gekommen. Der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft widmet sich seit 80 Jahren den deutsch-afrikanischen Beziehungen. Ich habe gelesen: Von 500.000 Unternehmen im Ausland sind nur 1.000 in Afrika tätig – angeblich – ich glaube, es sind mehr. Und es müssen noch mehr werden!

Der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft ist genau dafür ein wichtiger Partner für alle, die diese Chancen tatsächlich nutzen wollen. Das ist gut.

  • Für deutsche Unternehmen.
  • ​Und für viele Menschen in Afrika.
  • 6.000 Studenten aus Kamerun sind hier.

Durch Ihr Engagement, verehrte Botschafterinnen und Botschafter, bekommen immer mehr Menschen bei uns die guten Nachrichten mit: ​Der afrikanische Kontinent hat in der ersten Dekade dieses Jahrtausends die längste Wachstumsperiode seit den 1960er Jahren erlebt. ​Viele der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt liegen in Afrika. Vielerorts wachsen die Mittelschichten. ​Eine junge und dynamische Bevölkerung verändert das Gesicht des Kontinents und bringt neue Ideen. Am Ende unseres Jahrhunderts wird jeder dritte Mensch in Afrika leben.

Meine Damen und Herren,
in der deutschen G7-Präsidentschaft hat Afrika Gewicht. Unmittelbar vor dem G7 Outreach habe ich unter anderem mit der Kommissionsvorsitzenden der AU, der Präsidentin von Liberia und den Präsidenten von Nigeria und Senegal gesprochen. Denn Lösungen für unsere gemeinsame Zukunft gibt es nur gemeinsam mit Afrika!

  • Wie kann Entwicklung finanziert werden? Nachhaltig, ohne Raubbau an der Natur?
  • Und wie schützen wir unser Klima?
  • Wie kann Migration zum Vorteil aller gestaltet werden?
  • Was tragen die afrikanischen Staaten selbst zur positiven Entwicklung bei? Etwa beim Thema Korruption oder dem Aufbau von Steuersystemen?

Fest steht: Wie erfolgreich wir sind, wird auch davon abhängen, ob die Potentiale Afrikas für eine
nachhaltige Entwicklung genutzt werden. Die neue Afrika-Politik im BMZ will das unterstützen. Dafür stellen wir mehr Mittel zur Verfügung: mindestens 100 Millionen Euro mehr pro Jahr; für 2014 haben wir insgesamt 1,5 Milliarden Euro für bilaterale Zusammenarbeit zugesagt.

Wir haben:

  • Berufsbildungspartnerschaften mit der Wirtschaft auf den Weg gebracht; zum Beispiel in Ghana, Äthiopien, Ägypten;
  • ​unser Engagement im Landwirtschaftssektor massiv ausgebaut, mit künftig einem Dutzend Innovationszentren;
  • ​eine deutsch-afrikanischen Jugendinitiative angestoßen;
  • ​unser Engagement in fragilen Staaten verstärkt;
  • bei der Eindämmung der Ebola Epidemie unterstützt;
  • und ein Programm aufgelegt, um die Lebensbedingungen der Flüchtlinge in Mali, Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik zu verbessern.

Für eine zukunftsfähige Entwicklung sind aber private Investitionen mindestens ebenso wichtig wie Entwicklungsgelder. Darum setzen wir uns insbesondere dafür ein, dass die Rahmenbedingungen sich bessern, in den Partnerländern selbst, aber auch international. Faire Handelsbeziehungen sind unerlässlich! "Mehr Hermes für Afrika" hatten wir versprochen. Und das Versprechen gehalten: Seit diesem Jahr können Lieferungen und Leistungen an öffentliche Besteller in Äthiopien, Ghana, Mosambik, Nigeria und Tansania durch staatliche Exportkreditgarantien abgesichert werden. In Kürze folgt Uganda. Das ist ein wichtiges Signal für das Afrika-Engagement deutscher Exportunternehmen. Wir werden uns auch weiter dafür einsetzen, dass Hermes-Deckungen für deutsche Unternehmen in Afrika Schritt für Schritt erweitert werden. Das schafft nicht nur neue Chancen für die Wirtschaft. Das bringt auch neue Chancen für Entwicklung.

Einige Beispiele: Zusammen mit der GIZ hat die Softwarefirma SAP eine Smartphone-App entwickelt. Damit können Kaffee-Kleinbauern in Uganda Preise vergleichen und finden besseren Zugang zum Markt. Exporteure können mit diesem System gleichzeitig die Kaffee-Wertschöpfungskette lückenlose zurückverfolgen: vom Kaffee bis zum Feld. Das ist ein wichtiger Vorteil: Denn immer mehr Kunden wollen wissen, wo und wie das hergestellt wurde, was auf ihrem Teller und in ihrer Tasse landet.

Afrika ist weltweit einer der am schnellsten wachsenden Informations- und Kommunikationstechnologiemärkte. ​Hier liegen enorme Wachstumspotenziale für die deutsche und europäische Privatwirtschaft. ​Und Chancen für Entwicklung!

Deshalb entwerfen wir zurzeit eine "Digitale Agenda". Gemeinsam mit dem Afrikaverein streben wir eine "Partnerschaft für ein Digitales Afrika" an. Wir wollen das Potential von Informations- und Kommunikationstechnologien stärker nutzen. Denn Unternehmer- und Erfindergeist sind keine Monopole der Industrienationen. Sie sind global. Schon heute hat Nigeria die drittgrößte E-Start-Up Szene, nach Indien und den USA. Hier entstehen jeden Tag Innovationen. Eine bahnbrechende Erfindung wie M-Pesa ist "made in Africa"! ​Vielleicht kommt das nächste facebook aus Abuja und der nächste Bit-Coin aus Kairo?

Insgesamt hat die Wirtschaft das Potential Afrikas erkannt. Die ausländischen – auch inner-afrikanischen – Direktinvestitionen in afrikanische Länder sind auf einem historischen Höchststand. Seit 1999 haben wir über developpp mehr als 450 Entwicklungspartnerschaften mit einem Gesamtvolumen von 250 Millionen Euro angestoßen. Das ist allerdings nur ein Tropfen auf die heiße Erde. Wir werden das Programm ausbauen. Allein in diesem Moment laufen in Afrika mehr als 100 solcher gemeinsamer Projekte von Entwicklungspolitik und Privatwirtschaft. Und das in ganz unterschiedlichen Bereichen:

  • für kommunale Infrastruktur in Namibia,
  • für Abwasserbehandlung in Ägypten oder
  • ​für Energieversorgung in Uganda .

Gerade auch kleine Firmen leisten Großes!

Meine Damen und Herren,
nun habe ich viel über Chancen geredet. Ich vergesse darüber nicht die Probleme. ​Lang anhaltende Konflikte und Extremismus, die Folgen des Klimawandels, der Afrika besonders hart trifft. Die Kluft zwischen reich und arm. Die Rohstoffe, die nur wenigen zugutekommen und viel zerstören. Aber ich meine, viele Probleme sind überwindbar. ​Mit verantwortungsvoller Politik – in afrikanischen Ländern und bei uns. Und mit einer sozial und ökologisch verantwortungsvollen wirtschaftlichen Entwicklung. Entwicklung in Afrika ist nicht nur gut für Afrika, sondern auch für Europa und für die ganze Welt.

Die Zukunftsfragen der Menschheit werden und können nicht ohne Afrika beantwortet werden: Ich wünsche uns und Ihnen allen viel Erfolg dabei!

Lexikon der Entwicklungspolitik

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