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Mai

"Zukunft made in Germany: Unsere Chancen, unsere Verantwortung"


Rede von Dr. Gerd Müller beim Netzwerkabend der AHK-Weltkonferenz am 12. Mai 2014 im GIZ-Haus Berlin

 

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Dr. Wansleben,

ich danke dem DIHK herzlich für die Einladung zu diesem Netzwerkabend der AHK-Weltkonferenz.

Und liebe Frau Gönner,

ich finde es eine sehr gelungene Geste, dass dieser Abend hier in Ihrem Hause stattfinden kann. Denn die GIZ spielt eine wichtige Rolle an der Schnittstelle von Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit und Außenwirtschaftsförderung.

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor allem freue ich mich, dass Sie aus allen Teilen der Welt hierhergekommen sind. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und mich mit Ihnen über Zukunft made in Germany austauschen: Über die globalen He­raus­for­de­run­gen, für die wir gemeinsam Ver­ant­wor­tung übernehmen müssen. Aber ebenso über die Chancen, die diese Zu­sam­men­ar­beit bietet.

Denn die Arbeitsfelder der Ent­wick­lungs­po­li­tik betreffen uns alle: unsere und die nachfolgenden Generationen, hier in Deutsch­land und überall auf der Erde.

  • Absolute Armut und Hunger sind eine Schande für die ganze Welt, egal wo die Menschen darunter leiden.
  • Krieg geht uns alle an, spätestens wenn Menschen vor ihm fliehen und uns irgendwann die Instabilität in scheinbar fernen Ländern einholt.
  • Umweltzerstörung und Klimawandel machen nicht an Grenzen halt.

Das sind die Überlebensfragen der Menschheit. Und Ent­wick­lungs­po­li­tik ist ein wichtiger Teil unserer Antwort. Ein Leben in Würde ermöglichen, die Welt sicherer und gerechter machen und die Schöpfung bewahren. Das ist der Kern unserer Arbeit.

Deutsch­land muss und will mehr Ver­ant­wor­tung für die Welt übernehmen. Dafür investiert die Bun­des­re­gie­rung in den nächsten vier Jahren 2 Milliarden Euro mehr in Ent­wick­lung.

Den Ärmsten zu helfen ist für mich zuerst eine ethisch-moralische Verpflichtung. Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit liegt aber auch in unserem wohlverstandenen eigenen Interesse. Ent­wick­lungs­po­li­tik sichert Leben und schafft Chancen.

Wir streben eine Ent­wick­lungs­po­li­tik "Made in Germany" an, die auf starke Partner und starke Werte setzt.

Wir wollen passende Lösungen in hoher Qualität anbieten, sowohl in den armen und fragilen Staaten als auch in den Schwellen­ländern. Dafür wollen wir die besonderen Stärken Deutsch­lands nutzen. Und dazu gehören ganz besonders unsere kraftvolle Wirtschaft und die vielen innovativen Unternehmen.

Deutsche Unternehmen tragen auch im Ausland Ver­ant­wor­tung. Oft spielen sie gerade in Ent­wick­lungs­ländern eine Vorreiterrolle für die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards. Viele erfüllen sogar deutlich höhere Standards, als vor Ort gesetzlich vorgeschrieben sind.

Deshalb ist die Privat­wirt­schaft ein zentraler Partner für das BMZ. Unsere Zu­sam­men­ar­beit feiert dieses Jahr ein besonderes Jubiläum: Seit 15 Jahren fördert die deutsche Bun­des­re­gie­rung Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft. Im Programm develoPPP.de bündeln wir unsere Kräfte und unser Know-How, um gemeinsam Lösungen für globale He­raus­for­de­run­gen zu finden.

Gemeinsam stärken wir die berufliche Bildung und Beschäftigung, schaffen menschenwürdige Produktions- und Arbeitsbedingungen und schützen Klima, Umwelt und Ressourcen. Und die Unternehmen erschließen sich gleichzeitig neue Märkte.

Mehr als 1.500 solcher Kooperationen in über 70 Ent­wick­lungs- und Schwellen­ländern haben wir seit 1999 auf den Weg gebracht. Das ist schon beeindruckend. Doch ich will, dass noch mehr Unternehmen mitmachen. Deshalb entsenden wir auch weiterhin EZ-Scouts in die In­sti­tu­tionen der verfassten Wirtschaft, um Unternehmen möglichst umfassend beraten zu können.

Gerade die Expertise der deutschen Wirtschaft im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung will ich noch stärker nutzen. So werden wir zum Beispiel zehn neue Berufsbildungspartnerschaften mit der deutschen Wirtschaft in Afrika aufbauen.

Besonders am Herzen liegt mir dabei eine Berufsbildungspartnerschaft, die wir mit Tunesien planen. Die Bevölkerung in Nordafrika und Nahost ist sehr jung. Mit einer Sonderinitiative will ich diese Region stabilisieren und entwickeln, damit die jungen Menschen nicht radikalisiert werden, sondern eine Lebensperspektive haben. Berufsbildung ist dafür ein wichtiges Puzzlestück.

Der DIHK und die Auslandshandelskammern sind für uns wichtige Partner, bei der Berufsbildung und in anderen Bereichen. Die Auslandshandelskammern in Ent­wick­lungs- und Schwellen­ländern unterstützen wir durch derzeit 29 Entwicklungsexperten über das Centrum für in­ter­natio­nale Migration und Ent­wick­lung (CIM).

Diese Fachkräfte stärken vor Ort die Kooperation von deutscher Außenwirtschaft und der Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit. In Ghana, Kenia, Nigeria und Südafrika unterstützen wir auf diese Weise den Aufbau von Kompetenzzentren zu Erneuerbaren Energien und Ener­gie­ef­fi­zienz.

Zehn spezielle Innovationszentren wollen wir auch für Er­näh­rungs­siche­rung und ländliche Ent­wick­lung aufbauen. Ich habe die Mittel für diesen Bereich im Rahmen einer Sonderinitiative für "Eine Welt ohne Hunger" auf eine Milliarde Euro pro Jahr aufgestockt. Wir haben das landwirtschaftliche Know-how, damit in den Ent­wick­lungs­ländern vom Acker bis zum Teller mehr Wertschöpfung stattfindet. Da ich selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen bin, liegt mir das besonders am Herzen.

Doch auch hier in Deutsch­land müssen die Wirtschaft und die Verbraucher Ver­ant­wor­tung übernehmen, damit wir die globalen He­raus­for­de­run­gen lösen können.

Wir können nicht dauerhaft ignorieren, dass unser Planet Grenzen hat. Wir können nicht unbegrenzt seine begrenzten Rohstoffe ausbeuten und ihn weiter verschmutzen, bis kein Platz mehr zum Leben übrig bleibt. Und wir können auch nicht länger auf Kosten anderer billig konsumieren.

Wir brauchen ein neues Denken und ein neues Handeln, und zwar vom Staat, von der Privat­wirt­schaft und von jedem Einzelnen. Nach­hal­tig­keit muss das Prinzip aller Ent­wick­lung, ja allen Tuns sein.

Nach­hal­tig­keit heißt, schon heute an die nächste Generation zu denken. Bereit sein, Wohlstand auf der Grundlage unserer Werte neu zu definieren. Wir brauchen qualitatives Wachstum statt immer mehr Ressourcenverbrauch. Fairness und Gerechtigkeit statt bedenkenlosen Konsums.

Ein Beispiel dafür, wie ich mir das vorstelle, ist die Textilinitiative. Die Katastrophe in Bangladesch, als vor einem Jahr beim Einsturz eines Fabrikgebäudes weit über 1.000 Menschen gestorben sind, zeigt, wie dringend das ist.

Kleidung ist etwas, was die Menschen ständig kaufen, genauso wie Lebensmittel. Und so wie die Menschen mittlerweile bei den Lebensmitteln wissen wollen, ob die "bio" oder "fair trade" sind, so soll das auch bei der Kleidung möglich werden.

Wenn die Textilbranche gebündelt auf eine ökologisch und sozial nach­hal­tige Produktion besteht, hat sie enorme Macht gegenüber den Zulieferern. Erste Fortschritte bei Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladesch zeigen das eindrücklich. Vorletzte Woche habe ich zu einem Runden Tisch ins Ministerium eingeladen, um ein entsprechendes Bündnis auf den Weg zu bringen. Gemeinsam mit der Wirtschaft, den Verbänden, Gewerkschaften und Interessengruppen haben wir uns darauf verständigt, Umwelt- und Sozialstandards verbindlich einzuführen. Wir wollen schon im Sommer einen Fahrplan vorlegen, wie wir das konkret umsetzen.

Wir müssen gemeinsam die Ver­ant­wor­tung für unsere Zukunft übernehmen und für die Chancen zukünftiger Generationen. Dafür brauchen wir auch gemeinsame Ziele!

Damit die Menschen in Deutsch­land mitentscheiden können, entwerfen wir jetzt unsere Zukunftscharta "EineWelt – Unsere Verantwortung". In einem breiten Dialog wollen wir unsere ent­wick­lungs­po­litischen Leitlinien weiterentwickeln und gemeinsam unsere Schwerpunkte für das Entwicklungsjahr 2015 und darüber hinaus setzen.

Staat, Zivil­ge­sell­schaft, Kirchen, Stiftungen, Kommunen und Länder, Wissenschaft und natürlich Unternehmer – jeder kann sich unter www.zukunftscharta.de in diesen Dialog einbringen. Auch Sie sind herzlich eingeladen, mitzumachen!

Ich hoffe, dass von unserer heutigen Veranstaltung weitere Impulse für eine noch intensivere Zu­sam­men­ar­beit ausgehen.

Wir wollen die Grundlage legen für eine gerechte und sichere Welt – eine Welt mit menschwürdigen Lebensperspektiven für alle. Wir wollen unserer Ver­ant­wor­tung gerecht werden und neue Chancen entwickeln. Dafür brauche ich Ihre Un­ter­stüt­zung.

Lassen Sie uns den Abend nicht nur für nette Gespräche nutzen, sondern gemeinsam weiterdenken, was Zukunft made in Germany ausmacht.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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