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Januar
Parlamentarische Staatssekretärin Gudrun Kopp bei der Eröffnung der Ausstellung "Sie versprachen mir ein herrliches Fest"
Wanderausstellung von Terre des Femmes zur Überwindung der weiblichen Genitalverstümmelung, Foyer des BMZ, 12.1.2011
Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrte Frau Stolle,
sehr geehrte Frau Gruber,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrten Herren und Damen!
Ich freue mich sehr, heute im Rahmen der Menschenrechts-Offensive des BMZ die Ausstellung "Sie versprachen mir ein großes Fest" zu eröffnen. Dank an Sie alle für Ihr Kommen und mein spezieller Dank an Terre des Femmes als Initiatoren dieser Ausstellung.
Von dieser Ausstellung geht ein wichtiges Signal aus: Der Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung (FGM) ist kein Nischenthema, wie manche immer noch meinen – sondern dies ist ein zentrales Thema in unserem weltweiten Kampf für den Schutz der Menschenrechte.
Die Ausstellung steht im Zeichen des 6. Februar, des von den Vereinten Nationen unterstützten internationalen Aktionstages "Null Toleranz gegenüber der weiblichen Genitalverstümmelung". Jedes Jahr begehen Frauenrechts- und andere Nichtregierungsorganisationen, zusammen mit der internationalen Gemeinschaft weltweit diesen Tag mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen. Auch das BMZ rückt in seinem Jubiläumsjahr – die deutsche Entwicklungspolitik wird in diesem Jahr 50 Jahre jung – diese gravierende Menschenrechtsverletzung an Frauen und Mädchen ins Blickfeld, weil sie in vielen Partnerländern eine besondere Relevanz für die deutsche Entwicklungspolitik hat.
Diese Ausstellung will aufmerksam machen – will aufklären über die Genitalverstümmelung an Mädchen und Frauen. Darüber, was Beschneidung ist und was sie nicht ist – sie ist jedenfalls keine kulturelle Eigenheit, die es zu akzeptieren gilt.
Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation sind weltweit etwa 140 Millionen Mädchen und Frauen von der Verstümmelung ihrer Genitalien betroffen. Drei Millionen Mädchen sind jedes Jahr davon bedroht. Die Praktik kommt vor allem in 28 Ländern Afrikas vor.
Auch durch Migration rückt das Thema mehr und mehr in den Fokus westlicher Industrieländer. Allein in Deutschland sind nach Schätzungen etwa 30.000 Frauen und Mädchen von Genitalverstümmelung betroffen oder bedroht.
Unter weiblicher Genitalverstümmelung werden verschiedene Formen operativer Eingriffe an den äußeren Genitalien verstanden. Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen: Alle Formen sind irreversibel und oft mit dauerhaften seelischen und körperlichen Beeinträchtigungen und mit unendlichem Leid verbunden.
Wir dürfen uns nicht darüber hinweg täuschen: Als gesellschaftlich-kulturelle Tradition ist die weibliche Genitalverstümmelung tief in den betroffenen Gesellschaften verankert. Ihre Überwindung wird deshalb nicht über Nacht gelingen, sondern braucht einen langen Atem.
Ich bin sehr froh, dass Organisationen wie Terre des Femmes seit vielen Jahren beweisen, dass sie diesen langen Atem mitbringen. Sie dürfen sicher sein: Das BMZ wird Sie dabei auch in Zukunft nicht alleine lassen!
Von lokalen Gemeinschaften wird die weibliche Genitalverstümmelung vielfach nach wie vor als positive soziale Norm angesehen, oft sogar irrtümlich als religiöses Gebot. Und obwohl mehr und mehr Staaten Afrikas die Genitalverstümmelung per Gesetz verbieten, ist der Weg vom Verbot zur tatsächlichen Überwindung oft noch weit. Um Genitalverstümmelung nachhaltig zu beenden, ist gesellschaftlicher Wandel unabdingbar – und genau hier leistet deutsche Entwicklungspolitik Unterstützung.
Gesellschaftlicher Wandel ist nur möglich, wenn die Überwindung der Genitalverstümmelung nicht allein als eine Frage gesundheitlicher Aufklärung, sondern auch als gezielter Beitrag zur Stärkung von Frauen und ihrer Rechte verstanden wird. Denn es handelt sich um eine gravierende Menschenrechtsverletzung und um eine schwere Form von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Diese Botschaft, wenn sie über lokale Meinungsführer kulturell sensibel, glaubwürdig und mit Empathie vermittelt wird, kann bei afrikanischen Müttern und Vätern – die auch das Beste für ihre Töchter wollen – eine dauerhafte Einstellungs- und Verhaltensänderung gegenüber der Genitalverstümmelung bewirken.
In diesem umfassenden Sinne engagiert sich das BMZ seit 1999 für die Überwindung der weiblichen Genitalverstümmelung: von Anfang an mit einem überregionalen Projekt in Afrika; und seit 2009 auch mit verstärkter sektoraler Arbeit zur Überwindung der weiblichen Genitalverstümmelung. Das BMZ fördert einen ganzheitlichen Ansatz auf allen Ebenen, um den vielfältigen Einflussfaktoren auf die Praktik gerecht zu werden. Aufklärung, Sensibilisierung und Dialog auf direkter Zielgruppenebene gehen dabei einher mit der nachhaltigen Stärkung der Leistungsfähigkeit von staatlichen und privaten Organisationen sowie mit der Politikberatung auf nationaler und internationaler Ebene. Dieser breite Ansatz ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im internationalen Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung.
Beispiele für die erfolgreiche Arbeit der deutschen Entwicklungszusammenarbeit:
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In Burkina Faso unterstützt Deutschland zusammen mit anderen Gebern die Umsetzung des Anti-FGM-Aktionsplans der burkinischen Regierung auf nationaler Ebene. In unserem Programm "Sexuelle Gesundheit und Menschenrechte" sind zudem vier besonders wirkungsvolle Ansätze zur Überwindung der Genitalverstümmelung integriert.
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In Mauretanien hat Anfang 2010, mit Unterstützung des deutschen EZ-Programms zu "Guter Regierungsführung", ein islamisches Kolloquium eine Fatwa – einen Rechtsspruch – verabschiedet, die die Genitalverstümmelung eindeutig als schädliche Praktik definiert und nach islamischer Rechtsauffassung verbietet. Aus unserer Erfahrung in anderen Ländern wissen wir, dass eine solche offizielle Lehrmeinung der islamischen Geistlichkeit in ihrer Multiplikator-Wirkung im Kampf gegen die Genitalverstümmelung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.
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In Mali hat die deutsche Entwicklungszusammenarbeit zur "Förderung der Grundbildung" mit dem Ansatz "Generationendialog" Frauen und Männer unterschiedlichen Alters in vertrauensvollen Dialogen zusammengeführt. Die Ergebnisse einer externen Evaluierung aus dem Jahr 2009 haben unter anderem gezeigt: 94 Prozent der Befragten, die an einem solchen Dialog teilgenommen hatten, gaben an, ihre Töchter in Zukunft nicht beschneiden lassen zu wollen. In Gemeinden, in denen kein Dialog stattgefunden hatte, lag der Prozentsatz nur bei 17 Prozent.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, diese Ausstellung dokumentiert eindrucksvoll, wie der schweren Menschenrechtsverletzung FGM erfolgreich entgegen getreten werden kann: mit Mut, gemeinsamem Engagement, durch Aufklärung und durch kulturell angepasste Maßnahmen. Der Kampf gegen Beschneidung braucht eine Lobby – nicht nur in den betroffenen Entwicklungsländern, sondern auch in Deutschland.
Hier bei uns leben circa 30.000 Frauen und Mädchen, denen diese Verletzung selbst widerfahren ist, oder die von ihr bedroht sind. In Deutschland lebende Mädchen müssen aber auch vor dem Risiko geschützt werden, im Ausland Opfer einer Genitalverstümmelung zu werden, beispielsweise bei einem Ferienaufenthalt im Herkunftsland der Familie.
Unser Staat muss die gefährdeten Frauen und Mädchen vor diesem schwerwiegenden Eingriff in das Recht auf körperliche Unversehrtheit schützen. Neben anderen Maßnahmen und Hilfen gehört dazu eine eindeutige, unmissverständliche Strafdrohung. Sie muss nicht nur die Grundlage für eine wirksame Strafverfolgung schaffen. Sie muss auch dazu beitragen, das noch nicht überall ausgeprägte Bewusstsein dafür zu schärfen, dass es sich bei FGM um eine schwerwiegende, strafwürdige Menschenrechtsverletzung handelt, die keinesfalls toleriert werden darf.
Auf Initiative der liberalen Justizminister Hessens und Baden-Württembergs hat deshalb der Bundesrat im vergangenen Jahr einen Gesetzentwurf in das parlamentarische Verfahren eingebracht, mit dem Ziel, einen eigenständigen Straftatbestand "Weibliche Genitalverstümmelung" in das deutsche Strafrecht aufzunehmen. Über das Strafrecht hinaus bleibt gezielte Öffentlichkeitsarbeit unverzichtbar – die deutsche Öffentlichkeit soll die Problematik klar erkennen und die vielfältigen Anstrengungen zu ihrer Abschaffung mittragen. Das Ziel, weibliche Genitalverstümmelung endgültig zu überwinden, ist nur durch viele kleine Schritte zu erreichen – diese Ausstellung ist einer davon.
Den Veranstalterinnen dieser Ausstellung wünsche ich den verdienten Erfolg – allen voran nenne ich hier Frau Christa Stolle, Bundesgeschäftsführerin von Terre des Femmes, und Frau Franziska Gruber. Sie hat nicht nur die Ausstellung konzipiert, sondern engagiert sich auch selbst seit Jahren sehr aktiv für die Beendigung der weiblichen Genitalverstümmelung.
Ich wünsche dieser Wanderausstellung viele weitere Stationen und viele Besucherinnen und Besucher – und damit die erhoffte und notwendige Aufmerksamkeit für dieses Thema. Danke für Ihr Engagement!





