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Dezember

Kerngeschäft Nachhaltige Entwicklung – Verantwortungs­bewusste Unternehmer als Pioniere und Treiber

Rede von Gudrun Kopp zur Abschluss­veranstaltung zum Jahresthema GIZ und KfW,
8. Dezember 2012, Kunstmuseum Bonn

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Dr. Eisenblätter,
sehr geehrter Herr Dr. Kloppenburg,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, heute an Ihrer Abschluss­veranstaltung zum gemeinsamen Jahresthema unserer beiden Durchführungs­organisationen GIZ und KfW teilzunehmen. Sie als Gastgeber baten mich, über das Thema "Kerngeschäft Nachhaltige Entwicklung – Verantwortungs­bewusste Unternehmer als Pioniere und Treiber" zu sprechen. Dieser Bitte komme ich gerne nach. Denn die Bedeutung der Privat­wirtschaft für Entwicklungs­zusammen­arbeit liegt dem BMZ sehr am Herzen.

Doch bevor ich näher darauf eingehe, lassen Sie mich noch etwas zum Rahmen dieser Veranstaltung sagen: Das gemeinsame Jahresthema von GIZ und KfW gibt es nun schon im zweiten Jahr. Es bildet die Klammer für gemeinsame Publikationen und verschiedene Veranstaltungen wie den heutigen Abend. Diese erfolgreiche Zusammen­arbeit soll unbedingt fortgeführt werden. Wir vom BMZ finden die Idee sogar so gut, dass wir beschlossen haben, künftig die gesamte deutsche Entwicklungs­zusammen­arbeit unter ein gemeinsames Jahresthema zu stellen: Im nächsten Jahr wird es "Zukunfts-Entwickler" lauten. Denn Zukunft zu entwickeln ist unser Anspruch, in den verschie­den­sten Bereichen.

Nun aber zurück zum eigentlichen Gegenstand des heutigen Abends: "Kerngeschäft Nachhaltige Entwicklung – Verant­wortungs­bewusste Unternehmer als Pioniere und Treiber." Natürlich ist nachhaltige Entwicklung das Kerngeschäft der Entwicklungs­zusammen­arbeit. Das brauche ich den Gastgebern GIZ und KfW nicht eigens zu sagen. Nachhaltige Entwick­lung ist unser Leitmotiv seit vielen Jahrzehnten, ausdrücklich und international festgeschrieben spätestens seit dem großen Erdgipfel von Rio vor fast 20 Jahren.

Was aber hat das mit "verantwortungs­bewussten Unter­nehmern" zu tun? Und wo handeln sie als Pioniere und Treiber? Pioniere sind Vorreiter, Vorkämpfer und Neuerer. Sie erkunden unbekanntes Terrain, schlagen Schneisen in unwegsames Gelände und bilden dadurch eine Art Vorhut für hinter ihnen Folgende. Wir kennen sie aus Nordamerika, wo die Pioniere das Land Richtung Pazifik erschlossen haben. Wir kennen sie aber auch aus Deutschland, wo clevere Tüftler immer wieder Erstaunliches hervor­gebracht haben und weiterhin hervor­bringen: Von der Eisenbahn bis zum Telefon, vom Haushalts­gerät bis zur Sonnen­energie – immer sind auch deutsche Erfinder und Unternehmer dabei, wenn es heißt: Methoden und Techniken verbessern.

Deutschland hat stark von dieser Innovations­bereitschaft profitiert. Jetzt brauchen wir sie weltweit für die Heraus­forderungen der Zukunft. Gerade haben wir symbolisch den sieben­milliardsten Menschen begrüßt. In weniger als 20 Jahren erwarten wir den acht­milliardsten. Gleichzeitig wächst in vielen Gesell­schaften der Wohlstand. Das ist erfreulich, aber es bedeutet auch, dass mehr Nahrung, mehr Energie, mehr Wasser verbraucht werden. Dazu kommen Veränderungen durch den Klimawandel und den Verlust biologischer Vielfalt. Um all diese und noch weitere Heraus­forderungen zu meistern, brauchen wir neue Ansätze und innovative Lösungen. Wir brauchen Impuls- und Ideengeber, Menschen mit Tatkraft und Mut – Pioniere eben.

Wir brauchen sie hier in Deutschland, aber auch anderswo. Wir brauchen sie an den Universitäten und in den Unternehmen. Welche Bedeutung der Wirtschaft gerade in Entwicklungs­ländern zukommt, zeigen folgende Zahlen: Letztes Jahr betrugen die offiziellen Entwicklungs­gelder weltweit 129 Milliarden US-Dollar. Die ausländischen Direkt­investitionen in Entwicklungs-und Schwellen­ländern waren mit etwa 600 Milliarden US-Dollar jedoch fast fünf Mal so hoch.

Diese Zahlen sprechen für sich. Aber Quantität allein genügt nicht. Wir brauchen auch Qualität. Entscheidend dafür sind die Treiber hinter diesen Summen.

Damit meine ich Unternehmer, die ihre Verantwortung ernst nehmen, die sich für mehr interessieren als den schnellen Profit um jeden Preis. Unternehmer, für die "Corporate Social Respon­si­bility" kein Fremdwort und kein Modewort ist, sondern Teil ihrer Unternehmens­philosophie. Unternehmer, die ihre Innovations­kraft verantwortlich nutzen. Unternehmer, die im Kopf haben, dass wir in vielerlei Hinsicht nicht mehr verbrauchen können, als wir haben. Das gilt für die Finanzen in ihrem Betrieb, das gilt aber auch für das Umfeld und die Umwelt, in der sie wirtschaften, gerade in Entwicklungs­ländern.

"Corporate Social Responsibility" ist eng verwandt mit Nach­haltigkeit. Beide Begriffe deuten über den Tag hinaus, haben das Morgen und nicht nur das Heute mit im Blick. Beide Male geht es um ein Denken in größeren Zeiträumen und Zusammenhängen. Genauso wie Nach­haltigkeit umfasst "Corporate Social Respon­si­bility" mehrere Dimensionen: ökologische Verantwortung, ökonomische Verantwortung, aber auch soziale und politische Verantwortung.

Das Prinzip der Nachhaltigkeit zum Leitmotiv unter­nehmerischen Handelns zu machen, liegt auch im strategischen Interesse der Unternehmen, denn CSR verbindet allgemeine gesellschaftliche Ansprüche mit – meist langfristigen – Vorteilen für das Unter­nehmen. Ich denke dabei an eine intakte Umwelt, an sauberes Wasser und verfügbare Energie, die für fast jeden Teil des wirt­schaft­lichen Lebens unerlässlich sind. Ich denke an den Zugang zu neuen Märkten, die sich durch voraus­schauendes Planen erschließen lassen. Ich denke aber auch an die Motivation der Mitarbeiter, die höher ist, wenn gewisse ethische Standards nicht unterschritten werden. Und ich denke ganz pragmatisch an den Ansehensgewinn, den ein Unternehmen aus seinem sozialen und ökologischen Engagement ziehen kann. Daraus können Wett­bewerbs­vorteile entstehen oder – umgekehrt – Markt­chancen verloren gehen. Wir alle kennen die Beispiele von Unternehmen, die sich bei der Produktion ihrer Ware nicht immer von CSR-Kriterien haben leiten lassen. Oft hat ihr Ruf danach erheblich gelitten, sie hatten mit starken Umsatz­rückgängen zu kämpfen.

Meine Damen und Herren,

das BMZ hat großes Interesse daran, dass deutsche Unter­nehmen nachhaltig und verantwortlich in Entwicklungs­ländern investieren. Dass sie dort Arbeits­plätze und Einkommen schaffen, Armut verringern helfen, technisches Know-how vermitteln und zukunfts­fähige Technologien vorantreiben.

Deutsche Unternehmen sind gerade auch in Entwicklungs­ländern bekannt dafür, dass sie Sozial- und Umwelt­standards einhalten – oft erfüllen sie deutlich höhere Maßstäbe, als dort gesetzlich vorgeschrieben ist. Unternehmen, die sich auf diese Weise in Entwicklungs­ländern engagieren, können Reform­prozesse anstoßen und soziale Sicherheit schaffen, sind also im besten Sinne "Pioniere".

Ob bei der Aids-Aufklärung oder bei Umwelt­standards, bei der Energiewende oder beim Klimaschutz – Fortschritte müssen und können nicht von Staaten allein getragen werden. Sondern es braucht auch die Innovationen und Investitionen der Wirtschaft. Ich betrachte die Wirtschaft als wichtigen Partner für Entwicklung. Regierungen und der Privatsektor ergänzen sich. Aber die Wirtschaft muss auch Verantwortung übernehmen und sich für die Entwicklungs­ziele der Partner­länder einsetzen. Umgekehrt unterstützt das BMZ die Privatwirtschaft sehr engagiert bei entwicklungs­freundlichen Investitionen.

Wir machen das auf verschiedenen Ebenen:

  • Im internationalen Rahmen

  • In unseren Partnerländern

  • Und in Deutschland

Auf globaler Ebene treten wir für faire Welthandels­bedingungen und für klare ökologische und soziale Standards ein. Diese Ziele unterstützen wir bei den Vereinten Nationen genauso wie bei der OECD oder bei der G20. Lassen Sie mich zwei Beispiele aus der Fülle unserer Aktivitäten herausgreifen:

Vor einigen Tagen erst hat in Busan das vierte "High-Level Forum on Aid Effectiveness" stattgefunden. Zum ersten Mal wurde der Privatsektor dort aktiv eingebunden. Die "Erklärung zur Rolle der Privat­wirtschaft für eine wirksame Entwicklungs­zusammen­arbeit" wurde gemeinsam mit Vertretern der Privat­wirtschaft beschlossen. Das ist ein großer Erfolg. In dieser Erklärung haben wir Grund­prinzipien für wirksame öffentlich-private Kooperationen festgelegt. Dazu gehört zum Beispiel das Gebot, soziale und ökolo­gi­sche Standards einzuhalten. Auch das ist ein wichtiger Schritt! Wir sehen Busan als Ausgangs­punkt für einen weiter­führenden Dialog und eine enge Zusammen­arbeit mit der Privat­wirtschaft.

Nach Busan blicken wir nun nach Rio, wo im Juni die Rio+20-Konferenz zu nachhaltiger Entwicklung stattfinden wird. Sie ist das wichtigste entwicklungs­politische Ereignis im nächsten Jahr. Denn nur eine Wirtschaft, die ressourcen­schonend wächst und die Bedürfnisse der Menschen und der Natur berücksichtigt, wird auf Dauer Bestand haben. Deshalb erhofft sich die Bundes­regierung von der Konferenz in Brasilien den entscheidenden Schub in Richtung "Green Economy" als den entscheidenden Schritt in die Zukunft. Das geht nur mit der Wirtschaft, nicht über ihre Köpfe hinweg. Deshalb beziehen wir Vertreter der Wirtschaft systematisch in die Vorbereitung der Konferenz mit ein.

Doch wir helfen Unternehmen auch ganz konkret dabei, sich in unseren Partner­ländern zu engagieren. Nehmen Sie zum Beispiel die Kooperationen mit der Wirtschaft im Rahmen unseres develoPPP.de-Programms. Mehr als 3000 solche Entwicklungs­partnerschaften in über 70 Ländern haben wir in den letzten Jahren unterstützt. Und wir hoffen, es werden noch mehr. Denn von sozial- und umwelt­verträglichen Investitionen profitieren wir in Deutschland ebenso wie die Menschen vor Ort.

Nicht zuletzt sind wir auch hierzulande aktiv. Lassen Sie mich nur einige Neuerungen für die Wirtschaft anführen:

  • Mit unserer 2010 geschaffenen Service­stelle für die Wirtschaft stehen wir Unternehmen, die sich in Entwicklungs- und Schwellen­ländern engagieren möchten, mit Rat und Tat zur Seite.

  • Wir entsenden "Entwicklungs-Scouts" als Verbindungs­referenten in die deutschen Wirtschafts­verbände. Bereits acht solcher Entwicklungs-Scouts werben um Kooperations­partner und Projekte, die für Unternehmen interessant sind – und den Menschen in unseren Partner­ländern nützen.

  • Über unsere Durchführungs­organisationen fördern und beraten wir Mittel­ständler bei Direkt­investitionen und unterstützen jetzt auch Studien zur Vorbereitung von entwicklungs­politisch sinnvollen Investitionen.

  • Wir fördern das "Deutsche Global Compact Netzwerk", das regelmäßig Coachings für Unternehmen anbietet, zum Beispiel zum Thema Menschen­rechte und Wirtschaft.

Meine Damen und Herren,

all diese Aktivitäten des BMZ unterstreichen, welch große Bedeutung wir der Wirtschaft als Treiber für nachhaltige Ent­wick­lung beimessen. Lassen Sie mich zum Abschluss einen Schüler aus dem Internet zitieren, der die Frage, was ein Pionier ist, folgender­maßen beantwortet hat: "Du kennst es aus der Schule. Jemand fängt mit etwas an und plötzlich machen es alle. Bei mir waren es erst Magic-Karten, dann Jojo, dann Skaten und so weiter…"

Ich möchte Sie ermuntern, die Botschaft dieses anonymen jungen Autors zu beherzigen: Gehen Sie voran, fangen Sie an, damit – wie der Schüler schrieb – "es plötzlich alle machen". Machen Sie, liebe Unternehmerinnen und Unternehmer, nachhaltige Ent­wick­lung zu Ihrem Kerngeschäft. Wir unterstützen Sie dabei, denn unser Kerngeschäft ist es schon.

Die folgenden Diskussionsrunden werden Möglichkeiten beleuchten, wie wir die Partnerschaft zwischen Entwicklungs­zusammen­arbeit und Wirtschaft weiter vertiefen können.

Unser Anspruch im BMZ ist: Wir machen Zukunft.

Machen Sie mit. Seien sie mit uns Zukunfts-Entwickler.

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