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Frauenrechte stärken

BMZ gründet neues globales Netzwerk und Fonds für Frauen auf der Flucht

3,5 Millionen Euro für Pilotprojekte


Eine Frau mit ihrer Familie im Flüchtlingscamp Shariya, ein Camp für jesidische Binnenflüchtlinge in Dohuk, Nordirak

27.10.2020 |

Zur Stärkung von Frauen in Flucht- und Vertreibungskontexten gründet das Bundesentwicklungsministerium ein neues internationales Frauennetzwerk und unterstützt es mit 3,5 Millionen Euro.

Parlamentarische Staatssekretärin Dr. Maria Flachsbarth, die die Schirmherrschaft übernimmt: "Fast die Hälfte aller Menschen auf der Flucht sind Frauen und Mädchen. Aber ihre speziellen Fluchterfahrungen und Bedürfnisse werden allzu oft vernachlässigt – oder gänzlich vergessen. Nach wie vor sitzen nicht genug Frauen mit am Tisch, wenn in Konfliktsituationen wichtige Entscheidungen gefällt werden. Mit dem Aktionsnetzwerk wollen wir Frauen stärken. Gemeinsam wollen wir geflüchteten Frauen und Mädchen mehr Sicherheit, Mitsprache und ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen."

Das Netzwerk bringt 20 Frauen und auch Männer zusammen, die sich für und gemeinsam mit Frauen auf der Flucht engagieren: Entscheidungsträgerinnen und -träger aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und zugleich Aktivistinnen, die Projekte und Initiativen vor Ort umsetzen. Auch Cecilia Jimenez-Damary, Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für Binnenvertriebene, konnte als Mitglied gewonnen werden. Besonders relevant ist die Teilnahme von Frauen mit eigener Fluchterfahrung, ihre Stimme steht im Mittelpunkt. "Das Netzwerk will geflüchteten Frauen Sichtbarkeit und Gehör verleihen: Wir wollen, dass ihre Perspektiven, Erfahrungen und Ideen einfließen in Entscheidungen, die sie und andere geflüchtete Frauen betreffen", so die Parlamentarische Staatssekretärin.

Künftig werden sich die Mitglieder bei regelmäßigen Treffen – virtuell oder persönlich – eng austauschen über die Situation geflüchteter Frauen in verschiedenen Regionen. Sie werden innovative Ansätze zur Stärkung der politischen und wirtschaftlichen Teilhabe sowie der Verbesserung der psychosozialen Situation von Frauen identifizieren. Darauf aufbauend sollen konkrete Empfehlungen für Politik, Gesellschaft und Akteure vor Ort formuliert werden.

Unterstützt wird das Netzwerk von zahlreichen Partnerinnen und Partnern: Vertreterinnen und Vertreter von Geber- und Aufnahmeländern sowie von internationalen Organisationen, unter anderem dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR), UN Women, der Weltbank und nationalen wie internationalen Nichtregierungsorganisationen, wie zum Beispiel dem World Refugee and Migration Council und der Women's Refugee Commission.

Das BMZ stattet das Aktionsnetzwerk mit einem Fonds über 3,5 Millionen Euro aus. Aus diesem Fonds werden innovative Projekte zur Förderung des politischen und wirtschaftlichen Engagements von Frauen in Flucht- und Vertreibungssituationen finanziert. Hierzu kooperiert das BMZ mit dem Women's Peace and Humanitarian Fund (WPHF) der Vereinten Nationen.

Frauen auf der Flucht sind mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Auf der Flucht und auch später in Camps oder aufnehmenden Gemeinden sind sie enormen Risiken ausgesetzt und leben oft in besonders prekären wirtschaftlichen Verhältnissen. Sie werden marginalisiert und nicht ausreichend in gesellschaftliche oder ökonomische Entscheidungen eingebunden. Oft leiden sie seelisch an traumatischen Erfahrungen, die sie auf der Flucht gemacht haben.

Dennoch: Gerade in Krisen zeigen Frauen immer wieder besondere Widerstandskraft und Stärke und sollten als selbstbestimmte Akteurinnen gestärkt werden. Sie haben ein großes Potenzial bei der Prävention und Bewältigung von Krisen – in der Familie, in Gruppen, in Camps oder aufnehmenden Gemeinden.

Das BMZ fördert im Rahmen der 2014 ins Leben gerufenen Sonderinitiative Flucht insgesamt 120 Projekte weltweit, in denen Geschlechtergerechtigkeit ein wichtiges Ziel ist. Unter anderem wird die aktive Teilhabe von Frauen in Friedensprozessen in Kooperation mit UN Women unterstützt. Mit der Beschäftigungsoffensive Nahost wurden allein im Jahr 2019 Beschäftigungs- und Einkommensmöglichkeiten für rund 25.500 von Flucht und Vertreibung betroffene Frauen geschaffen.

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