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Syrien-Konferenz

Müller: "Lassen Sie uns gemeinsam unserer Verantwortung für die Menschen Syriens gerecht werden."

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bei der Syrien-Konferenz in Berlin am 28.10.2014

28.10.2014 |

Bundesminister Dr. Gerd Müller hat am Vormittag das Plenum der Syrien-Konferenz eröffnet. In seiner Rede sprach er von einer Jahrhundertkatastrophe, die sich derzeit in und um Syrien abspielt und appellierte an die Konferenzteilnehmer:

"Lassen Sie uns gemeinsam unserer Verantwortung für die Menschen Syriens gerecht werden." Der Minister stellte vor allem die Aufnahmeleistung der umliegenden Staaten heraus und bekundete ihnen Dank und Respekt. Wörtlich sagte er: "Wir müssen und wir wollen die Länder der Region bei ihrer großartigen Gastfreundschaft unterstützen. Deshalb sind wir heute hier. Wir müssen das Leben der Flüchtlinge sichern. Gerade jetzt, wo der Winter vor der Tür steht."

An der eintägigen Konferenz in Berlin nahmen rund 40 Vertreter von Staaten und Hilfsorganisationen teil. Eingeladen haben Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Entwicklungsminister Gerd Müller und UN-Flüchtlingshochkommissar Antonio Guterres.

Den vollständigen Text der Rede finden Sie hier:

Rede von Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller bei der Syrien-Konferenz am 28. Oktober 2014 in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort!

Exzellenzen,
Sehr geehrte Damen und Herren,

Was in Syrien geschieht, hat zur größten humanitären Katastrophe unserer Zeit geführt, ja: zu einer Jahrhundertkatastrophe. Jeder zweite Syrer musste auf der Flucht vor der Gewalt sein Zuhause verlassen. Mehr als 10 Millionen Menschen, die Hälfte davon Kinder.

Wir befinden uns bereits im vierten Jahr, und noch immer zeichnet sich keine Lösung ab. Im Gegenteil: die Gewalt hat auch auf den Irak übergegriffen und die Not der Menschen in und um Syrien wächst immer weiter. Jetzt fliehen sogar Menschen vor den IS-Terroristen nach Syrien hinein.

Natürlich ist das Wichtigste eine politische Lösung für Syrien. Aber das erfordert langfristige Prozesse. Und bis wir diese erreicht haben, dürfen nicht die Ärmsten den Preis bezahlen. Die, die sowieso schon ihr Hab und Gut und ihre Heimat zurücklassen mussten.

Die Lösung kann für das Gros der Menschen nur in der Region liegen. Die Menschen wollen soweit es geht in ihrer Heimat bleiben.

Ich will den Nachbarländern Syriens hier meinen tiefen Respekt aussprechen. Sie leisten Großartiges. Ich habe das selbst erlebt, als ich vor kurzem im Nordirak war, aber auch als ich Anfang des Jahres Jordanien besucht habe. Mafraq zum Beispiel, eine Kleinstadt an der syrischen Grenze, hat fast ebenso viele Menschen aus Syrien aufgenommen, wie sie selbst Einwohner hat.

Ich habe einen jordanischen Bauern besucht. Der hat seinen Stall ausgeräumt und darin eine achtköpfige syrische Familie aufgenommen. Für den Bauern war das eine selbstverständliche Geste der Menschlichkeit. Er hat mir gesagt: "Wir haben eine Kultur. Wir müssen einfach helfen." Diese Hilfsbereitschaft eines einfachen Mannes sollte uns allen ein Beispiel sein. Wer kann, muss in dieser Jahrhundertkatastrophe helfen.

Wir müssen und wir wollen die Länder der Region bei ihrer großartigen Gastfreundschaft unterstützen. Deshalb sind wir heute hier. Wir müssen das Leben der Flüchtlinge sichern. Gerade jetzt, wo der Winter vor der Tür steht. Sonst kommt der Regen, dann der Schnee, und dann der Tod.

Das Überleben zu sichern, ist der erste Schritt. Aber ebenso müssen wir die Zukunft der Menschen sichern.

Viele der Flüchtlinge werden wahrscheinlich auf Jahre fern ihrer Heimat ausharren müssen. Mit Zelten und Decken ist es deshalb nicht getan.

Die Menschen brauchen neue Perspektiven, neue Zukunftschancen. UNICEF hat es sehr treffend ausgedrückt: No Lost Generation - Es darf keine verlorene Generation entstehen. Ich habe Jugendliche in Jordanien getroffen, die gemeinsam mit UNICEF das Erlebte aufarbeiten und Perspektiven besprechen. Das ist wichtig, damit sie ihre Zukunft fest im Blick behalten können.

Und wir müssen dafür sorgen, dass die Nachbarländer Syriens nicht unter der Last zusammenbrechen. Ihr Einsatz für die Flüchtlinge darf nicht die Zukunftschancen ihrer eigenen Bevölkerung gefährden, oder gar ihre eigene Stabilität.

Wir müssen in Infrastruktur investieren, in Bildung, in Zukunft.

Investitionen direkt für die Flüchtlinge und für die Aufnahmegemeinden.

Nur wenn es beiden Seiten besser geht, beugen wir neuen Konflikten vor.

Die Nachbarländer Syriens beweisen jeden Tag ihre Solidarität mit den Flüchtlingen. Wir sind heute hier, um unsere Solidarität auch mit diesen Ländern zu zeigen. Wir müssen jetzt helfen. Wir müssen wirksam helfen. Nothilfe und die zukunftsorientierte Unterstützung von Flüchtlingen und Aufnahmegemeinden, das sind zwei Seiten derselben Medaille. Ich rufe Sie alle auf: Lassen Sie uns gemeinsam Verantwortung für das Schicksal der Menschen Syriens übernehmen.

Wir unterstützen beispielsweise Bildungsprogramme im Libanon, wir verbessern die Wasserversorgung in Jordanien und wir bauen Notunterkünfte im Nordirak, die Schutz vor dem kommenden Winter bieten.

Dazu kommen die Mittel, die wir über die Europäische Union beisteuern. Die EU hat in den letzten Jahren beachtliche Summen zur Verfügung gestellt. Aber diese Anstrengungen müssen besser gebündelt werden, sie müssen wirksamer und sichtbarer werden. Ich habe das schon lange gefordert.

Deshalb freue ich mich umso mehr, dass die neue Hohe Vertreterin jetzt hier ist. Sie haben hier eine Schlüsselrolle. Die neue Kommission, die am Samstag ihr Amt antritt, muss die größte humanitäre Katastrophe unserer Zeit sofort zu ihrer Priorität machen. Meine Unterstützung haben Sie.

Die EU hat in ihrem Haushalt riesige Summen zur Verfügung. Diese muss sie nutzen, um jetzt zu handeln. Die Menschen Syriens und der Nachbarländer können nicht warten.

Meine Damen und Herren,

die Situation in und um Syrien wird uns sicher noch viele Anstrengungen kosten. Aber die Tatsache, dass Sie alle hier sind, gibt mir Hoffnung. Die Tatsache, dass wir uns gemeinsam dieser Herausforderung stellen.

Lassen Sie uns gemeinsam unserer Verantwortung für die Menschen Syriens gerecht werden.

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