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19. März 2014

Urbanisierung und nachhaltige Entwicklung – Ein Blick nach Asien

Begrüßungsrede von Abteilungsleiter Dr. Peter Failer


Es gilt das gesprochene Wort!

Dear Mayor Arcillas,

Dear Mr. Cobbett,

Sehr geehrter Prof. Dr. Klaus Töpfer,

Sehr geehrte Damen und Herren,

ein besonders herzliches Willkommen natürlich an unsere in­ter­na­ti­o­nalen Gäste aus Asien – die Mitglieder des Steuerungs­gremiums der Cities De­vel­op­ment Initiative Asia –und an unsere Gäste aus den europäischen Nachbarländern.

Trend Urbanisierung – Eine Chance für Ent­wick­lung

Meine Damen und Herren,

die Zukunft der Welt ist urban. Das 21. Jahrhundert ist schon heute das Jahrhundert der Städte.

Wenn sich der rasante globale Urbanisierungstrend fortsetzt, dann leben im Jahr 2050 drei Viertel aller Menschen in Städten und Metropolregionen. Für die meisten unter uns ist dieser Trend bereits Realität. Denn: Europa gilt bereits als urbanisiert. Hier sind vier von fünf Menschen in Städten zu Hause.

"Stadtluft macht frei" das war der Ruf des Mittelalters. Bei Theodor Fontane klang das schon anders: "Die große Stadt hat nicht Zeit zum Denken, und was noch schlimmer ist, sie hat auch nicht Zeit zum Glück."

Wenn wir aus der 11. Etage des BMZ hier in Berlin schauen, sehen wir in jeder Himmelsrichtung Baukräne. Das Stadtbild verändert sich in atemberaubender Geschwindigkeit und bei manchem Bauprojekt fragt man sich tatsächlich, ob da in der Planung auch Zeit zum Denken geblieben ist.

Aber trotzdem haben wird in Europa mit der zunehmenden Urbanisierung im letzten Jahrhundert doch auch gelernt, wie wir städtische Räume nachhaltiger und besser entwickeln können. Stillgelegte Kohlezechen werden zu lebendigen Kulturstätten. Alte Fabrikgelände zu modernen Wohnungen und Parkanlagen. Viele Gebäude in Städten werden komplett begrünt oder produzieren mit Hilfe von Solarmodulen umweltfreundlich Energie.

Diese Erfahrungen wollen wir auch mit unseren Partnerländern in Afrika und Asien teilen. Dort steigt die Verstädterung besonders schnell an. Afrika wird voraussichtlich 2050 ein urbaner Kontinent sein. Besonders mittelgroße Städte wachsen rapide. In Asien leben schon heute mehr als 60 Prozent der Stadtbevölkerung in Städten mit weniger als einer Million Einwohnern.

Dieses schnelle städtische Wachstum birgt He­raus­for­de­run­gen, bietet aber auch Chancen. Schon heute werden drei Viertel der globalen Energie in Städten verbraucht. Zugleich entstehen dort drei Viertel der Treibhausgasemissionen.

In Städten spielt sich aber auch der Großteil der Wirtschaftsleistung ab. Städte sind Motoren sozialer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ent­wick­lung, weit über ihre Stadtgrenzen hinaus.

Auch in Zukunft müssen Städte lebenswerte Orte für die Menschen bleiben. Das heißt, Orte, in denen alle Bewohner ein menschenwürdiges Aus- und Fortkommen haben. Hierfür ist es zentral, städtischer Armut und wachsender sozialer Ungleichheit entgegenzuwirken. Und auch bei der Stadtentwicklung müssen wir dafür Sorge tragen, unsere Umwelt und unser Klima zu bewahren.

Prinzipien der deutschen Entwicklungszusammenarbeit zu städtischer Ent­wick­lung

Der deutschen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit ist es deshalb ein zentrales Anliegen, die Kommunen in unseren Partnerländern zu unterstützen. Das bedeutet vor allem, ihre Kompetenzen und Mandate sowie ihre finanzielle Ausstattung zu stärken.

Außerdem fördern wir die Rah­men­be­din­gun­gen für eine erfolgreiche Zu­sam­men­ar­beit von Kommunalverwaltung, engagierten Bürgern, Unternehmen und Wissenschaft. Denn gemeinsam verfügen sie über ein enormes Problemlösungs- und Innovationspotenzial.

Deutsch­land setzt sich darüber hinaus für zukunftsweisende Energiekonzepte ein. So können Städte weltweit einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung in­ter­national vereinbarter Klimaschutzziele leisten.

Und letztlich ist es uns besonders wichtig, dass städtische und ländliche Ent­wick­lung zusammengedacht werden. Städtische Ent­wick­lung bedingt und beeinflusst im hohen Maße die Ent­wick­lung ländlicher Räume. Daher müssen wir die gegenseitigen Abhängigkeiten zwischen Land und Stadt erkennen und entwicklungsfördernde Synergien nutzen. Das betrifft wirt­schaft­liche, ökologische und soziale Verflechtungen wie Wertschöpfungsketten und Märkte, Beschäftigung, Ernährungssicherheit, Flächenverbrauch und wechselseitige Migrationsbewegungen.

Lösungsansätze und Bespiele aus der deutschen Entwicklungszusammenarbeit

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit stärkt ihre Partnerstädte gezielt beim Aufbau von Management, Planungs-, und Umsetzungskapazitäten und unterstützt bei der Bereitstellung von Infra­struk­tur. Dazu zählen natürlich auch die Förderung von Städtepartnerschaften und der Aufbau von Lernnetzwerken.

Besonders freue ich mich, das regionale Vorhaben "Cities De­vel­op­ment Initiative for Asia" zu nennen, das BMZ, ADB, Schweiz, Österreich, Schweden und Schanghai gemeinsam unterstützen. Diese erfolgreiche Initiative setzt an den spezifischen He­raus­for­de­run­gen mittelgroßer asiatischer Städte an. Sie unterstützt diese dabei, Infra­struktur­investitionen vorzubereiten, die auf Umwelt- und Klima­ver­träg­lich­keit sowie Armuts­minderung ausgerichtet sind.

Bis heute werden 55 Städte in 13 asiatischen Ländern von CDIA unterstützt, und die Zahl steigt weiter an. 40 Infra­struktur­projekte konnten bereits durch Entwicklungsbanken, lokale In­sti­tu­tionen oder private Banken finanziert werden – das bedeutet In­ves­ti­tio­nen von mehr als 3 Milliarden US-Dollar.

Wir können dazu beitragen, Städte mit Finanziers zusammenzubringen. Diesen Ansatz halte ich für zukunftsweisend für die Bedürfnisse asiatischer Städte. Ich freue mich deshalb darauf, diese erfolgreiche Initiative auch in den nächsten Jahren weiterzuentwickeln.

Denn der Investitionsbedarf in den wachsenden Städten der Welt ist weiterhin gewaltig. Wir unterstützen sie dabei durch die Förderung von Technologien im Bereich Ressourcen­effizienz, Umwelttechnik, Transport und Information und Kommunikation. Deutsche Unternehmen wie Siemens oder SAP sind für die Ent­wick­lungs­po­li­tik dabei strategische Partner. Denn sie sind weltweit in der Spitzengruppe, was die Ent­wick­lung innovativer Technologien für die Infra­struk­tur der Städte der Zukunft angeht.

Ausblick für die in­ter­natio­nale Agenda

Deutsch­land setzt sich auch im Rahmen des Post-2015-Prozesses dafür ein, dass die zentrale Rolle von Städten für globale nach­hal­tige Ent­wick­lung angemessen gewürdigt wird. Deshalb unterstützen wir auch das UN-Habitat Programm der Vereinten Nationen. Die Habitat III Konferenz im Jahr 2016 soll eine "New Urban Agenda" verabschieden und Lösungsansätze vorlegen, wie die zukünftige städtische Lebensweise nach­hal­tig und kooperativ gestaltet werden kann. Die deutsche Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit wird sich hier engagiert einbringen.

Meine Damen und Herren,

die Zukunft der Welt ist urban. UN-Generalsekretär Ban-Ki-Moon sagte im Zusammenhang mit der neuen Entwicklungsagenda: "Städte sind die Orte, an denen der Kampf für nach­hal­tige Ent­wick­lung gewonnen oder verloren wird". Die städtische Dimension nicht aktiv und angemessen zu adressieren würde bedeuten, mehr als 50 Prozent der Menschheit aus der Entwicklungs­debatte auszuschließen.

Wie lebenswerte und nach­hal­tige Städte in der Zukunft gestaltet sein können, ist die zentrale Frage. Jeder einzelne von uns ist zur Beantwortung dieser Frage aufgerufen. Denn hier geht es nicht nur um Konzepte, sondern es geht auch ganz unmittelbar um die Umsetzung im eigenen persönlichen Umfeld.

Ich bin froh, dass wir heute Abend in­ter­natio­nale Gäste gewinnen konnten, die uns durch ihre Erfahrungen bestimmt einer Antwort näher bringen werden. Frau Arcillas, Herr Töpfer und Herr Cobbett, ich freue mich sehr auf Ihre Ausführungen und den anschließenden Austausch mit Ihnen. Denn eines ist sicher: Wir sind entschlossen, den Kampf für nach­hal­tige Ent­wick­lung zu gewinnen.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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