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Fallstudie Zentralasien und Pakistan: Tuberkulosebekämpfung

Ein Krankenhaus in Tadschikistan und sein Chefarzt


Der Chefarzt der Klinik Macheton, Dr. Saidachtam Rustamov, bei einer Besprechung mit Kollegen.

Mit Hilfe des Bundesministeriums für wirt­schaft­liche Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung ist aus dem halb zerfallenen Macheton-Krankenhauses das Nationale Zentrum für Tuberkulose geworden. Viel dazu beigetragen hat der tatkräftige Chefarzt der Klinik.

Dr. Saidachtam Rustamov ist zufrieden mit seiner Patientin Bibigul Norowa: Der 30-Jährigen geht es deutlich besser. Vor fünf Monaten war die Mutter von vier Kindern mit der multiresistenten Form der Tuberkulose in das Matcheton-Krankenhaus eingeliefert worden. Jetzt geht von ihr keine Ansteckungsgefahr mehr aus. Sie dürfe wieder im Freien spazieren gehen, erlaubt der Arzt der glücklichen Frau. Sie ist eine von fast 2.200 Patienten, die 2012 in dem nationalen Zentrum für Tuberkulose in der Nähe der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe eine moderne Therapie erhielten.

Vor zehn Jahren war das Krankenhaus noch eine Ruine

Im Bürgerkrieg hatte es Oppositionsgruppen als Quartier gedient. Davon zeugten Schusslöcher in den Wänden, es gab keine Fenster, kein Wasser, keinen Strom. Obwohl stationäre Behandlung für viele nötig gewesen wäre, konnte Rustamov in dem fast zerstörten Bau zunächst nur ambulant behandeln. Aber er war an schwierige Arbeitsbedingungen gewöhnt: Der Arzt hatte zuvor als Chefchirurg in einem Krankenhaus in einer Region gearbeitet, in der der Bürgerkrieg damals heftig tobte. Jeden Tag mussten Verletzte mit Schusswunden versorgt werden.

Bei seinem Amtsantritt klebte der neue Chefarzt die offenen Fenster in Macheton mit Folie ab und richtete ein paar Räume ein, um die ersten Patienten aufzunehmen. Als Ende 2002 mit Hilfe der Bun­des­re­gie­rung über die KfW Entwicklungsbank Röntgengeräte geliefert wurden, renovierte er mit Freunden und seinen Söhnen eigenhändig die Räume dafür. So konnte die Klinik mit deutscher Unterstützung den Betrieb wieder aufnehmen und schrittweise ausbauen.

Macheton spielt führende Rolle im Kampf gegen die Tuberkulose in Tadschikistan

Die Patienten werden in der neu ausgestatteten Klinik auf internationalem Niveau versorgt. Auch die besonders resistenten Formen der Tuberkulose können hier bekämpft werden. Die Klinik ist zu einem beliebten Arbeitsplatz geworden: Als der heute 65-jährige Rustamov Chefarzt wurde, war er der jüngste von neun Ärzten, jetzt sind 42 Ärzte hier tätig. Wenn Rustamov voller Stolz seinen Kollegen aus anderen zentralasiatischen Ländern die Fortschritte bei regionalen Tuberkulosekonferenzen präsentiert, wird er um "sein" Krankenhaus beneidet.

Rustamov selbst hat einen schwierigen Lebensweg hinter sich. Der Chefarzt hatte als junger Mann zunächst Schlosser gelernt, als er plötzlich schwer erkrankte und unter Lähmungen litt. Jahrelang kämpften Ärzte um seine Gesundheit und ermöglichten ihm schließlich die Rückkehr in das normale Leben. Aus Dankbarkeit, und weil er selbst einmal Kranken in scheinbar ausweglosen Situationen helfen wollte, nahm er das Medizinstudium auf.

Jetzt ist ihm seine Patientin Bibigul Norowa dankbar: In eineinhalb Monaten wird ihre Therapie abgeschlossen sein. Dann kann sie nach Hause zu ihren Kindern zurückkehren.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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