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Fallstudie Zentralamerika: Tropenwaldschutz

Damit die Geschichte der Mayas sich nicht wiederholt


Ein Gemeindevorstand der Maya Chortí in San Juan Ermita zeigt auf einen der Wälder, der mit Hilfe des Programmes "Bosques y Cuencas" geschützt wird.

Der Beitrag des Programms "Tropen­wald­schutz und Wasser­ein­zugs­gebiets­ver­wal­tung in der Region Trifinio in El Salvador, Guate­mala und Honduras" zum Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziel Nummer 7

Über den Ruinen von Copán liegt die Stille des Urwaldes. Über mehr als 2000 Jahre hat sich hier, im frucht­baren Tal des Rio Copán im Westen Honduras an der Grenze zu Guatemala, die Hochkultur der Mayas entfaltet. Das mächtige König­reich erlebte seine Blütezeit im achten nach­christ­lichen Jahrhundert. In Copán lebten zuletzt bis zu 25.000 Menschen, sagen die Archäologen – zu einer Zeit, als Europa noch im tiefsten Mittelalter steckte. Die Mayas ver­stan­den sich auf Mathe­matik und Astronomie, sie erfanden eine hoch­kom­plexe Schrift, waren begabte Hand­werker, und sie hinter­ließen fas­zi­nie­ren­de Monumente ihrer Baukunst.

Warum Copán im 9. Jahrhundert verlassen wurde, war lange ein Rätsel der Wissen­schaft. Neuere For­schun­gen bestätigen die Theorie, dass der Unter­gang die Folge einer öko­lo­gi­schen Kata­stro­phe war: Die Mayas hatten den Urwald an den Berg­hän­gen rund ums Tal gerodet, um den hohen Bedarf an Bau- und Brenn­holz zu decken; und um die stark wachsende Bevölkerung zu ernähren, hatten sie Hang­flächen für den Anbau von Feld­früchten er­schlos­sen. Im 9. Jahr­hundert kam es zu einer Klima­schwankung und die Nieder­schläge gingen zurück. Die Dürre vernichtete die Ernten, die Berg­hänge ero­dier­ten, die Wasser­ver­sorgung brach zusammen. Die prä­ko­lum­bia­ni­sche Hoch­kultur der Mayas in Copán ging unter.

Ein Jahrtausend später sind die tropischen Nebelwälder wieder bedroht

Eine Farm in den Bergen von Honduras. Urheberrecht: KfW/Iwán CerónUm Copán steigen die Berge bis auf 1.300 Meter an: Das Berg­massiv gehört zur rund 7.500 Quadrat­kilometer großen Trifinio-Region. Sie ist das Was­ser­ein­zugs­gebiet der drei großen Ströme Zentral­amerikas, des Rio Lempa in El Salvador, des Rio Motagua in Guatemala und des Rio Ulúa in Honduras. Die Metro­pole San Salvador bezieht ihr Trink­wasser aus der Region.

Um die öko­lo­gisch wich­tige Funktion der Berg­wälder für den Wasser­haus­halt als Regen­wasser­speicher und Grund­wasser­filter zu erhalten, haben die drei Länder eine Kom­mis­sion gegründet, die das völker­recht­liche Mandat für das Gebiet hat. Hand­lungs­bedarf ist da: Denn seit 1970 macht sich hier der Kli­ma­wan­del durch Tem­pe­ra­tur­anstieg und ex­tre­me Wetter­er­eig­nisse bemerk­bar. Stark­nieder­schläge führen zu Hang­rutschungen und Über­schwem­mungs­kata­stro­phen im Unter­land; lang an­hal­ten­de Dürre­perioden führen zu Was­ser­knapp­heit, Ernte­verlusten und Wald­bränden. Die regionale Comisión Trinacional del Plan Trifinio hat einen Plan zur Er­hal­tung des Tropen­waldes erstellt und ist seit 2009 Partner der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit.

Der Kaffeeanbau vernichtet den Regenwald…

Rund 700.000 Menschen leben in der Trifinio-Region, zu über 60 Prozent sind sie arm. Viele haben keinen Zugang zu sauberem Wasser; die Gesund­heits­ver­sor­gung ist schlecht, und die Schul­bildung der Kinder wird ver­nach­läs­sigt. Es sind Mestizen oder Ladinos und die noch ärmeren Maya Chortí, die Nachfahren des Volkes von Copán. Sie alle leiden unter der un­glei­chen Land­ver­tei­lung in den drei Ländern: Wenige, große Latifundien be­wirt­schaf­ten die frucht­baren Ländereien im Tal und in günstigen Hang­lagen. Die vielen klein­bäuer­lichen Betriebe ackern sich auf steilen Berg­hängen ab.

Wenn die Kaffee­preise auf dem Weltmarkt steigen – derzeit sinken sie – dringen die Klein­bauern auf der Suche nach Erwerbs­mög­lich­kei­ten weiter in den Berg­wald vor: Sie roden die Bäume, verkaufen das Holz, und pflanzen Kaffee­sträucher an. Sie tun das ohne Wissen um öko­logisch ver­träg­liche An­bau­me­tho­den. Oder sie haben kein Geld, um Feld­terrassen, Wind­schutz­gehölze und Sicker­gräben für das Regen­wasser anzulegen und die Kaffee­kultur mit Schatten­bäumen vor der Aus­trock­nung zu schützen.

…und die extensive Weidewirtschaft frisst sich in den Urwald

Es klingt nicht nach Bedrohung, und doch richtet die extensive Weide­wirt­schaft große Umwelt­schäden an: Wenn keine Futter­mittel angebaut werden, dann braucht ein Rind etwa einen Hektar Weide­fläche; um es zu halten, roden die armen Vieh­züchter einen Hektar Bergwald, der als wertvoller Wasser­speicher verloren geht und die exponierten Hang­lagen vor der Erosion schützt.

Was ist das Ziel des Programms?

Wasser holen am Brunnen. Urheberrecht: KfW/Iwán CerónDas Programm kon­zen­triert sich auf drei Zonen mit ge­fähr­de­ten Wasser­ein­zugs­gebieten und hohen Armuts­raten der Be­völ­ke­rung. Tech­ni­sche Experten beraten auf Ebene des Projekt­trägers, der Trifinio-Kom­mis­sion, wie auch vor Ort in den Ge­mein­den. KfW und GIZ arbeiten im Auftrag des BMZ in drei Schwer­punkten zusammen:

  • Stärkung des Umwelt­man­age­ments in aus­ge­wähl­ten Wasser­ein­zugs­gebieten:
    Die Gemeinden sollen die für den Wasser­haus­halt prioritären Zonen auf ihrem Territorium iden­ti­fi­zie­ren und sie als Schutz­zonen in Raum­ord­nungs­plänen aus­wei­sen. Gefährliche Ein­griffe in den Natur­haus­halt werden erfasst und zukünftig verhindert.
  • Nachhaltige Bewirt­schaf­tung von Boden, Wasser und Vegetation:
    Kleinbauern werden durch finanzielle Anreize und fach­liche Beratung bei der Um­stel­lung auf nach­hal­tige land­wirt­schaft­liche Produktion und an­ge­pass­te Tier­hal­tung unter­stützt. Die Gemeinden erhalten Zu­wen­dun­gen, damit sie ihre Natur­wälder besser schützen und ent­wal­dete Flächen wieder auf­forsten können. Darüber hinaus werden Früh­warn­systeme zur Kata­stro­phen­vorsorge in den Kommunen auf­gebaut, um Wald­brände und Über­schwem­mun­gen zu ver­hin­dern oder ein­zu­däm­men. In zwölf Gemeinden wurden bereits Brigaden zur Wald­brand­be­kämp­fung aus­ge­bildet und ausgerüstet.
  • Ver­bes­se­rung des Managements in Wasser­schutz­gebieten:
    Die Naturparks in der Trifinio-Region erfüllen eine wichtige öko­lo­gische Aufgabe, sind aber nicht gut mit­ein­an­der vernetzt und oft schlecht verwaltet. So sind Grund­besitz­ver­hält­nisse unklar oder Nut­zungs­ver­ein­ba­run­gen mit den Bewohnern werden nicht kontrolliert. In sieben ver­nach­läs­sig­ten Wasser­schutz­gebieten werden Kataster- und Be­wirt­schaf­tungs­pläne aufgestellt. Schutz­hütten und Kontroll­stellen werden gebaut, um ein ord­nungs­gemäßes Management der Parks möglich zu machen.

Kleinbauern auf dem Weg zur umweltfreundlichen Landnutzung

Die GIZ, seit 2009 in der Region, hat in zwei Pilot­pro­jek­ten getestet, wo und wie man die Natur­res­sour­cen am besten nach­hal­tig be­wirt­schaf­ten kann. 400 klein­bäuer­liche Familien können ihr Ein­kom­men ver­bes­sern, weil sie nun Kaffee­kul­tu­ren im Schatten von Bäumen an­le­gen und Avocados und Pfir­sich­bäume ge­pflanzt haben. Die Hälfte der Betriebe steigerte die Ren­ta­bi­li­tät bereits um rund 60 Prozent. Daneben ver­bes­ser­te sich die Grund­wasser­bildung in diesen Gebieten.

Auf diesen Pilotstudien baut ein weiteres Vorhaben auf, das seit 2011 von der KfW finanziert wird: Klein­bauern bekommen eine finanzielle Beihilfe, wenn sie auf nach­hal­tige Be­wirt­schaf­tung umstellen. Bis zu 500 US-Dollar Zuschuss pro Hektar können beantragt werden, in Form von Pflanzen, Werkzeug und Bau­material. Die Kleinbauern bringen ihre Arbeits­kraft ein. Rund 3000 Förder­verträge mit klein­bäuer­lichen Familien­betrieben wurden bisher ab­ge­schlos­sen – eine Zahl, die zeigt, dass die Leute großes Interesse an einer umwelt­freund­lichen Land­nut­zung haben. Man schätzt, damit rund 15.000 Menschen zu erreichen. Ob sie ihr Ein­kom­men durch eine nach­hal­tige Weide­wirtschaft oder über den Ertrag von Obst­bäumen, die sie gepflanzt haben, ein wenig steigern können, wird sich aber erst in einigen Jahren zeigen.

Fest steht: Es wird etwas getan, um den Tropen­wald vor der Abholzung zu bewahren, die ökologische Kata­stro­phe zu verhindern und die Menschen vor den Aus­wir­kun­gen des Klima­wandels zu schützen. Damit leistet das Pro­gramm einen wichtigen Beitrag zum Mil­len­niums­ziel Nr. 7, der Bewahrung der Natur.

Die Armut der Mayas mindern - und ihr Selbstbewusstsein steigern

Mit der Bewahrung der Natur wird auch die Lebens­grund­lage der armen Menschen geschützt: Schät­zungs­weise 60.000 sind es im Projekt­gebiet. Die Hälfte von ihnen zählt zu den Maya Chortí, die Nachfahren des Volkes von Copán. In Honduras verfügen die kleinen Familien­betriebe über Land­rechte, in Guatemala aber wurde die indigene Gruppe an den Rand der Ge­sell­schaft gedrängt. 90 Prozent der Maya Chortí gelten als arm; die Familien verfügen durch­schnitt­lich über nur 4000 Quadratmeter Land. Auf der Suche nach Arbeit ziehen die Männer in die Zucker­rohr­plan­ta­gen an der Küste oder ins Ausland. In den Dörfern trifft man fast nur Frauen an, die in mühsamer Arbeit die Felder bestellen.

Viele Mayas, vor allem in Guatemala, tendieren heute dazu, ihre Kultur und Sprache zu ver­leug­nen, in der Hoffnung, so der Dis­kri­mi­nie­rung zu entgehen. Das Projekt legt daher ein be­son­de­res Augen­merk auf die Be­tei­li­gung dieses indigenen Volkes, ins­be­son­dere der Frauen. Das moderne, auf öko­lo­gische Ganz­heit­lich­keit gerichtete Denken trifft sich so mit der uralten Vision der Mayas vom Kosmos als ein un­trenn­bares Ganzes.

Auf einen Blick

Länder: El Salvador, Guatemala, Honduras
Auftraggeber: Bun­des­mi­nis­te­ri­um für wirt­schaft­liche Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (BMZ)
Förderbereich: Umweltpolitik, Schutz und nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen
   
Geförderte Programme  
   
Bezeichnung des Programms: Tropenwaldschutz und Wasser­ein­zugs­gebiets­ver­wal­tung in der Region Trifinio
Politischer Partner:
Comisión Trinacional del Plan Trifinio
Durchführungsorganisation: GIZ
Budget: 8 Millionen Euro
Laufzeit: 2009 bis 2014
   
Bezeichnung des Programms: Grenz­über­schrei­ten­der Tropen­wald­schutz und Wasser­ein­zugs­gebiets­ver­wal­tung in der Drei­länder­region Trifinio
Politischer Partner: Comisión Trinacional del Plan Trifinio
Durchführungsorganisation: KfW
Budget: 12 Millionen Euro
Laufzeit: 2011 bis 2015

Im Detail

"Letztendlich geht es um unsere Zukunft"

Lexikon der Entwicklungspolitik

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