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Fallstudie Malawi: Grundsicherung

Damit Schick­sals­schläge nicht in bitterer Armut enden


Portrait von Ane Amoni. Urheberrecht: KfW/Désirée SchulzHeute ist Zahltag in Salima, einem Ort im gleichnamigen Distrikt, der an den großen Malawi-See grenzt. Die armen Leute sind im Schatten unter dem alten Dorf­baum zusammen­gekommen: Meist Frauen ohne Männer, mit vielen Kindern. Sie tragen verblichene, ab­ge­tra­ge­ne Kleider, wie Ane Amoni. "Mein Mann ist vor kurzem gestorben", sagt sie mit stockender Stimme. Die 31-Jährige hat zwei eigene Kinder, versorgt aber auch noch die beiden Kinder ihrer Tante, die an Aids starb. Wenn die junge Frau sich nicht um die Kinder kümmert, dann verdingt sie sich als Tage­löhnerin auf den Feldern der Bauern, für einen Lohn von rund 35 Cent am Tag. Ihre Familie kann sie davon aber nicht ernähren.

Geduldig wartet sie, bis sie an der Reihe ist. Vorne am Tisch sitzen die Sozial­arbeiter, vor sich die Listen mit den Anspruchs­be­rech­tig­ten und das aus­zu­zah­len­de Geld. Die Summen, die den Familien zustehen, sind fein säuberlich notiert. Den Empfang quittieren viele mit ihrem Daumen­abdruck. Ane Amoni hat lesen und schreiben gelernt – und unter­zeich­net mit ihrem Namen. Sie erhält monatlich 2.600 Kwacha, umgerechnet rund 6,50 Euro. Sie ist froh, denn heute hat sie ihren Anspruch auf 200 Kachwa mehr angemeldet, und ein Mitglied des Dorfkomitees hat ihre Angabe bestätigt – ja, es sei richtig, ihr jüngstes Kind gehe nun zur Schule. Damit steht ihr der Schul­bonus zu, umgerechnet sind das 50 Cent mehr pro Monat. Davon kann sie jetzt Stifte und Schulhefte bezahlen.

Portrait von Fenita Ezara. Urheberrecht: KfW/Désirée SchulzFenita Ezara hat noch einen Mann – aber der ist alt und krank. Früher hat er mit dem Flechten von Stroh­matten sein Geld verdient, aber auch das kann er nicht mehr. Frau Ezara muss nicht nur ihren Mann pflegen, sondern auch noch eine fünfköpfige Kinder­schar versorgen: Zwei eigenen Kinder, zwei an­ge­nom­me­ne Waisen­kinder, und das nur zwei Monate alte Enkelkind. Friedlich schläft es im Trage­tuch auf ihrem Rücken. Die 43-Jährige ist eine tat­kräftige Frau. "Viele Nahrungs­mittel baue ich auf einem kleinen Feld an", sagt sie. Wenn sie kann, nimmt sie noch Arbeit als Tage­löhnerin an. Ihr großer Sohn hilft ihr dabei, wenn er Ferien hat. Der 15-Jährige ist die Hoffnung der armen Frau: Er besucht eine weiter­füh­ren­de Schule. Ohne die staatliche Unter­stüt­zung, da ist sie sicher, würde er die Schule nicht besuchen können. Sie ist sehr stolz auf ihn.

Es ist nicht viel, was die Familien bekommen. Aber im Dorf "boomt" am Zahltag das Geschäft. Speiseöl und Salz und Seife, das sind heute die meist­verkauften Waren im kleinen Laden. Und der fliegende Alt­kleider­händler hat auch viele interessierte Kundinnen um sich gescharrt. Die Grund­sicherung, sie reicht für das Allernötigste. Aber wenn man das hat, dann ist das schon viel, sehr viel für die Ärmsten der Armen.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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