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Fallstudie Laos: Berufliche Bildung

Bildung als Initialzündung


Die mit deutschen Mitteln erweiterte Berufschule in Luang Namtha im Bau.

Souphaphone Tiyodlar hat immer gerne gekocht. Zwölf Jahre ist sie zur Schule gegangen, dann haben die Eltern sie zur Berufsschule geschickt, damit sie die Hauswirtschaft von der Pike auf lernt. Seit zwei Jahren arbeitet sie nun schon als Köchin im "Boat Landing Guesthouse and Restaurant" in Luang Namtha. Die Stadt mit kaum 4.000 Einwohnern ist sehr klein, aber für die Menschen im sehr dünn besiedelten Norden von Laos ist die Provinz­haupt­stadt das größte Zentrum weit und breit.

In Luang Namtha kreuzen sich wichtige Verkehrs­adern nach China und Thailand. Und die kleine Stadt zieht Öko­touristen an, die ein nahe­ge­le­ge­nes Natur­schutz­gebiet besuchen. Im "Boat Landing Restaurant" ist in der Haupt­reise­zeit so viel zu tun, dass die Besitzerin mehrere junge Frauen beschäftigt.

Mit einer guten Ausbildung kann man sich Träume leisten

Ungelernte Kräfte verdienen hier umgerechnet 60 Euro, Souphaphone bekommt 100 Euro im Monat, das Essen ist für alle frei. Als Köchin ist sie auch verantwortlich für die Bestellung der Lebensmittel. Die 24-jährige ist nicht verheiratet, wohnt bei ihren Eltern und gibt dort ein Drittel ihres Verdienstes ab. "Den Rest spare ich, denn ich will einmal ein eigenes Restaurant auf­machen" sagt die junge Frau mit viel Selbst­bewusst­sein im Blick. Neben der Arbeit nimmt sie schon an einem Englischkurs teil, den ihr die Chefin bezahlt. Die ist sehr zufrieden mit ihr: "Souphaphone ist eine gute Köchin und beherrscht auch die Kunst, das Essen schön anzurichten!" Die freundliche Restaurantbesitzerin möchte eine zweite Berufschulabsolventin einstellen, die gerade ein dreimonatiges Praktikum bei ihr ableistet.

Berufsschulen leben von ihrem guten Ruf

"Der praktische Ausbildungsteil ist in Laos nicht üblich", sagt Singsavanh Taemvongsa, Direktor der örtlichen Integrated Technical and Vocational Training School. "Das Praktikum ist aber bei unseren Schülerinnen und Schülern und auch bei den Unternehmen sehr beliebt." Die jungen Leute machen erste Arbeitserfahrungen, die sie zum Weiterlernen anspornen. Und die Unternehmen können die Chance nutzen, sich den bestmöglichen Mitarbeiter auszusuchen. "Der gute Ruf meiner Schule gründet sich auf den guten Kenntnissen und Fähigkeiten unserer Absolventen", sagt der Direktor, und dabei sieht man ihm an, wie stolz er ist.

Die Schule existiert seit 1996, seit 2008 wird sie mit deutscher Unterstützung ausgebaut und die Lehrer in bis zu einjährigen Kursen fortgebildet. Die Kapazität wuchs von 100 auf fast das Vierfache. Die Schule ist noch nicht voll ausgelastet. Derzeit werden 360 Studenten unterrichtet, ein Drittel davon übernachtet im schulinternen Internat. Zukünftig will man auch mehr Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen aufnehmen, dazu wird die Schule gerade behindertengerecht ausgebaut.

Neben Pflanzenbau, Viehzucht und Bauhandwerk wurden Haus­wirt­schafts­lehre, Elektro­installation und Klein­ma­schi­nen­reparatur mit ins Lehr­programm genommen. Die 103 Mädchen an der Schule interessieren sich für Land­wirt­schaft oder Haus­wirt­schafts­lehre, obwohl es auch einige Schülerinnen in den männlich dominierten Ausbildungsgängen gibt.

Die Berufsschule lehrt auch Existenzsicherung

Der Name der Schule ist Programm aller zehn Schulen, die mit Mitteln des BMZ gefördert werden: Man will auch Menschen ohne Schul­abschluss integrieren. Nur 70 Prozent aller Kinder in Laos schließen die Grund­schule ab. Es gibt viele Jugendliche und Erwachsene, die nie eine Schule besucht haben oder nicht den erforderlichen Schul­abschluss nach neun Jahren vorweisen können – und damit keinen Zugang zur Berufs­bildung haben. Im Zeichen der Armuts­be­kämp­fung ist es wichtig, diesen Menschen Lernchancen zu eröffnen, damit sie ihre Existenz besser sichern können.

"Aber einfach ist das nicht!"

Das sagt Agnes Lemme, ehemalige Entwicklungs­helferin an der Schule und jetzige Bildungs­expertin des Programms. "Denn es setzt voraus, dass man erstens erkennt, welches Bildungsangebot den Leuten hilft, ihr Einkommen aufzubessern. Zweitens müssen dann die Lehrer in dem neuen Thema geschult werden. Und drittens muss dann der Kurs metho­disch und di­dak­tisch entwickelt werden." Als Beispiel führt sie das "Kautschuk"-Training an: Viele Kleinbauern hatten vor Jahren Kautschukbäume gepflanzt. Nun, da die Bäume herangereift waren und die Ernte anstand, wussten sie nicht, wie man Kautschuk zapft und die Bestände pflegt. Da mussten sich auch erst mal die Lehrer des Pflanzenanbaus kundig machen. "Die Kurse waren ein voller Erfolg", berichtet Lemme: "Die Berufsschule konnte damit ihr Ansehen in der Provinz Luang Namtha steigern."

Sieben verschiedene Trainings­kurse, von der Moped-Reparatur über die Pilzzucht bis zur elektrischen Haus­in­stal­la­tion, wurden bisher angeboten. "Aller Anfang ist klein. Wir können keine Massen abfertigen, denn wir müssen Qualität liefern. Das allein macht uns glaubwürdig!"

Die Schule hat sich mit den Trainings­kursen zu möglichen Ein­kom­mens­quellen auch selber eine nach­hal­tige Einkommens­quelle erschlossen, aus der sie zukünftig, nach dem Ende der deutschen Förderung, wird schöpfen können.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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