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MDG 8

Eine weltweite Ent­wicklungs­partner­schaft aufbauen

Die öffentliche Entwicklungshilfe ODA (Official De­vel­op­ment Assistance) erreichte im Jahr 2013 mit insgesamt 134,8 Milliarden US-Dollar ihren bisherigen Höchst­stand und entsprach 0,3 Prozent des kom­bi­nier­ten Brutto­national­ein­kom­mens (BNE) der entwickelten Länder. Inzwischen sind 80 Prozent der Exporte aus den Ent­wick­lungs­ländern zoll­frei. Die Zahl der Internet­nutzer steigt rasant und die "digitale Kluft" beginnt sich zu schließen.


Dutzende Reihen von Lebensmitteln auf dem Markt von Arusha, Tansania.

Zielvorgaben und Indikatoren auf einen Blick

ZielvorgabenIndikatoren
8 A: Ein offenes, regelgestütztes, berechenbares und nicht diskriminierendes Handels- und Finanzsystem weiterentwickeln. Dies schließt die Verpflichtung zu guter Regie­rungs­führung, die Ent­wick­lung und die Armuts­reduzierung - sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene mit ein.

Einige der nachstehend aufgeführten Indikatoren werden für die am wenigsten entwickelten Länder, Afrika, die Binnen- und kleinen Inselentwicklungsländer gesondert überwacht.

Öffentliche Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit

8.1 Öffentliche Entwicklungshilfe, netto (insgesamt und an die am wenigsten entwickelten Länder), in Prozent des Bruttonationaleinkommens der OECD/DAC-Geberländer

8.2 Anteil der gesamten bilateralen, sektoral zuzuordnenden öffentlichen Entwicklungshilfe der·OECD/DAC-Geberländer für soziale Grunddienste (Grundbildung, primäre Ge­sund­heits­ver­sor­gung, Ernährung, ein­wand­freies Wasser und Sanitärversorgung)

8.3 Anteil der ungebundenen bilateralen öffentlichen Entwicklungshilfe der OECD/DAC-Geberländer

8.4 Von den Binnenentwicklungsländern erhaltene öffentliche Entwicklungshilfe in Prozent ihres Bruttonationaleinkommens

8.5 Von den kleinen Insel­ent­wick­lungs­ländern erhaltene öffentliche Entwicklungshilfe in Prozent ihres Bruttonationaleinkommens

Marktzugang

8.6 Anteil der zollfreien Einfuhren an den Gesamteinfuhren der entwickelten Länder aus den Ent­wick­lungs­ländern und den am wenigsten entwickelten Ländern (nach Wert und ohne Rüstungsgüter)

8.7 Durchschnittliche Höhe der von den entwickelten Ländern erhobenen Zölle auf Agrarprodukte, Textilien und Bekleidung aus den Ent­wick­lungs­ländern

8.8 Geschätzte Agrarsubventionen in den OECD-Ländern in Prozent des Bruttoinlandsprodukts

8.9 Anteil der für den Aufbau der Handelskapazitäten gewährten öffentlichen Entwicklungshilfe

Schuldentragfähigkeit

8.10 Gesamtzahl der Länder, die ihren Entscheidungspunkt im Rahmen der Initiative für hochverschuldete arme Länder (HIPCs) erreicht haben und Anzahl der Länder, die ihren HIPC-Abschluss­punkt erreicht haben (kumulativ)

8.11 Im Rahmen der HIPC-Initiative und der Multi­lateralen Ent­schul­dungs­initiative (MDRI) zugesagte Schulden­er­leich­te­run­gen

8.12 Schuldendienst in Prozent der Exporterlöse (Güter und Dienst­leis­tun­gen)

8 B: Den besonderen Bedürfnissen der am wenigsten entwickelten Länder Rechnung tragen. Umfasst den zoll- und quotenfreien Zugang für die Exporte der am wenigsten entwickelten Länder, ein verstärktes Schulden­erleichterungs­programm für die hochverschuldeten armen Länder und die Streichung der bilateralen öffentlichen Schulden sowie die Gewährung großzügigerer öffentlicher Entwicklungshilfe an Länder, die sich für die Armutsminderung einsetzen
8.C: Den besonderen Bedürfnissen der Binnen- und kleinen Insel­entwicklungsl­änder Rechnung tragen (durch das Aktionsprogramm für die nach­hal­tige Ent­wick­lung der kleinen Inselstaaten unter den Ent­wick­lungs­ländern und die Ergebnisse der 22. Sondertagung der Generalversammlung)
8.D: Die Schuldenprobleme der Ent­wick­lungs­länder durch Maßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene umfassend angehen und so die Schulden langfristig tragbar werden lassen
8.E: In Zu­sam­men­ar­beit mit den Pharmaunternehmen unentbehrliche Arzneimittel zu bezahlbaren Kosten in den Ent­wick­lungs­ländern verfügbar machen 8.13 Anteil der Bevölkerung mit dauerhaftem Zugang zu unentbehrlichen Arzneimitteln zu bezahlbaren Kosten
8.F: In Zu­sam­men­ar­beit mit dem Privatsektor dafür sorgen, dass die Vorteile der neuen Technologien, ins­be­son­dere der Informations- und Kommunikationstechnologien, genutzt werden können

8.14 Festnetzanschlüsse je 100 Einwohner

8.15 Mobilfunkteilnehmer je 100 Einwohner

8.16 Internetnutzer je 100 Einwohner

Was wurde wo erreicht?

1. Unterziel: Ein offenes, regelgestütztes, berechenbares und nicht diskriminierendes Handels- und Finanz­system weiterentwickeln

Indikator: Einfuhrzölle

Im in­ter­na­ti­o­nalen Handel sind die Ein­fuhr­zölle der Industrie­staaten gegen­über den Ent­wick­lungs­ländern rück­läufig. Die meisten Exporte aus Ent­wick­lungs­ländern werden heute zollfrei in die Industrie­staaten ein­ge­führt. Der zoll­freie Zugang der am wenigsten ent­wickelten Länder und der Ent­wick­lungs­länder zu den Märkten der ent­wickelten Länder weitete sich 2012 insgesamt auf 84 beziehungs­weise 80 Prozent ihrer Exporte aus. Bis auf wenige Aus­nah­men gewähren alle ent­wickelten Länder zoll­freien Markt­zugang für die Exporte der am wenigsten ent­wickelten Länder. Mehr als die Hälfte dieser Exporte sind nor­ma­ler­weise zoll­pflichtig, sodass die Vor­zugs­be­hand­lung diesen Ländern einen er­heb­li­chen Wett­be­werbs­vorteil verschafft.

Auch für die größere Gruppe der Ent­wick­lungs­länder ver­bes­ser­te sich der Markt­zugang, da sie zumeist Industrie­produkte ex­por­tie­ren, die nach dem Meist­be­güns­ti­gungs­prinzip zoll­frei sind. (Das Meist­be­güns­ti­gungs­prinzip besagt, dass aus Gründen der Gleich­be­rech­ti­gung Vor­teile, die einem Handels­partner gewährt werden, allen anderen Partnern eben­falls ge­währt werden müssen.)

Die Handelsliberalisierung hat sich verlangsamt, doch die am wenigsten entwickelten Länder profitieren von einer echten Vorzugsbehandlung

Die Durchschnittszölle auf arbeits­in­ten­sive Export­er­zeug­nisse der am wenigsten ent­wickelten Länder blieben nach den raschen Sen­kun­gen der Uruguay-Runde der Handels­ver­hand­lun­gen 1995 und der Minister­erklärung der Welt­handels­orga­ni­sa­tion von Hongkong 2005 in den letzten Jahren weit­gehend gleich. Die Zölle auf andere Waren und auf Agrar­er­zeug­nisse sind jetzt so gut wie auf­ge­ho­ben oder sehr niedrig (im Schnitt 1 Prozent). Für Textil­waren und Bekleidung aus den am wenigsten ent­wickelten Ländern liegen sie weiter relativ hoch, da die asiatischen Groß­ex­por­teure unter diesen Ländern aufgrund von "Präferenz­limits" keine Vorzugs­zölle auf dem US-Markt erhielten, was sie aber nicht am Ausbau ihres dortigen Markt­anteils hinderte.

2. und 3. Unterziel: Den besonderen Bedürfnissen der am wenigsten entwickelten Länder, Binnen- und kleinen Inselentwicklungsländer Rechnung tragen

Indikator: Öffentliche Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit (ODA)

Die öffentliche Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit der Mitglieder des OECD-Ent­wick­lungs­aus­schusses (DAC) er­reich­te im Jahr 2013 mit ins­ge­samt 134,8 Mil­liar­den US-Dollar ihren bis­he­ri­gen Höchst­stand und ent­sprach 0,3 Pro­zent des kom­bi­nier­ten Brutto­national­ein­kom­mens (BNE) der Industrie­länder. Damit stieg sie gegen­über 2012 real um 6,1 Prozent. Trotzdem er­rei­chen weiter­hin nur Dänemark, Luxemburg, Norwegen, Schweden und das Ver­ei­nig­te König­reich das ODA Ziel von 0,7 Prozent des BNE.

Auch die Hilfe aus Nicht-DAC-Ländern hat sich ver­stärkt. Die Hilfe der Türkei stieg zum Beispiel real um 30 Prozent gegen­über 2012, die von Russland um 20 Prozent. Die Zahlungen der Ver­ei­nig­ten Arabischen Emirate er­reich­ten mit einem Anteil von 1,25 Prozent des BNE im Jahr 2013 die höchste BNE-Quote weltweit.

Entwicklungshilfezahlungen an die am wenigsten ent­wickelten Länder nehmen ab: Nur etwa ein Drittel der gesamten Geber­hilfe floss in den letzten Jahren in diese Länder. Die bilaterale Netto­hilfe für Afrika – dort liegen 34 der 48 am wenigsten ent­wickelten Länder – fiel 2013 um 5,6 Prozent auf 28,9 Milliarden US-Dollar. Im Fokus der Ent­wick­lungs­hilfe sind Länder mit mittlerem Einkommen.

Öffentliche Entwicklungshilfe derzeit auf Höchststand; Rückgang der beiden Vorjahre aufgeholt

4. Unterziel: Die Schuldenprobleme der Entwicklungs­länder durch Maßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene umfassend angehen und so die Schulden langfristig tragbar werden lassen

Indikatoren: Entscheidungs­punkt im Rahmen der Initiative für hoch­ver­schul­de­te arme Länder (HIPC) und zugesagte Schulden­er­leich­te­run­gen

Im Jahr 2012 erfüllten 39 Länder die Vor­aus­set­zun­gen für eine Schulden­er­leich­te­rung im Rahmen der Initiative für hoch­ver­schul­de­te arme Länder (HIPC). Davon haben 36 Länder in dem Prozess die Phase des "Ent­schei­dungs­punkts" erreicht und für künftige Schulden­rück­zah­lun­gen Ent­las­tun­gen in Höhe von 57,3 Milliarden US-Dollar (im Netto­gegen­warts­wert von Ende 2012) erhalten; 35 Länder haben nach dem Erreichen ihres "Abschluss­punkts" eine volle Schul­den­ent­las­tung im Rahmen der Multi­la­te­ra­len Schulden­initiative erhalten.

Indikator: Schuldendienst in Prozent der Exporterlöse

Die Auslandsschuldenlast eines Landes wirkt sich auf seine Kredit­wür­dig­keit aus und macht es an­fäl­li­ger für wirt­schaft­liche Krisen. Der Abwärts­trend bei der Schul­den­quote kam durch die mit der globalen Finanz­krise stark rück­läu­fi­gen Export­erlöse 2009 kurz zum Erliegen. Mit der Erholung der Export­erträge setzte die Schulden­quote 2010 jedoch ihren Abwärts­trend fort – in meh­re­ren Regionen fiel sie unter den Wert von 2008 – und ist seither relativ konstant. 2012 konnten hoch­ver­schul­de­te arme Länder ihre Schulden weiter abbauen. Die Schulden­dienst­quote der Ent­wick­lungs­länder, also das Ver­hält­nis der Auslands­schulden zu den Export­ein­nah­men, sank zwischen 2000 und 2012 von 12 auf 3,1 Prozent.

6. Unterziel: In Zu­sam­men­ar­beit mit dem Privatsektor dafür sorgen, dass die Vorteile der neuen Technologien, ins­be­son­dere der Informations- und Kommunikations­technologien, genutzt werden können

Indikatoren: Mobilfunk- und Festnetzanschlüsse

Während die Anzahl der Fest­netz­an­schlüs­se seit Jahren stag­niert, wird die Ver­sor­gungs­quote mit Mobil­funk­an­schlüs­sen mit vor­aus­sicht­lich 6,9 Mil­liar­den An­schlüs­sen Ende 2014 weltweit auf 96 Pro­zent steigen. Der Welt­anteil der Mobil­funk­anschlüsse in Ent­wick­lungs­ländern liegt bei über 77 Prozent, wodurch sich die so­ge­nannte di­gi­ta­le Kluft, also der un­glei­che Zu­gang zu In­for­ma­tions- und Kom­mu­ni­ka­tions­tech­no­lo­gien, in diesem Bereich er­heb­lich ver­rin­gert hat.

Der Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien nimmt weiter zu – fast drei Milliarden Internet- und sieben Milliarden Mobilfunkanschlüsse

Indikator: Internetzugang

Ende 2014 werden schät­zungs­weise 2,9 Mil­liar­den Menschen – 40 Prozent der Welt­be­völ­ke­rung – das Internet nutzen. Der Aus­bau der Infra­struk­tur für In­for­ma­tions- und Kom­mu­ni­ka­tions­tech­no­lo­gie, ein­schließ­lich mobiler Breit­band­netze, sowie soziale Medien, in­no­va­tive An­wen­dun­gen und sinkende Preise werden die Internet­nutzung in allen Regionen der Welt weiter an­kur­beln. Nach wie vor bestehen jedoch große regionale Unter­schiede. Obwohl die Ver­brei­tung der Internet­nutzung in den Ent­wick­lungs­ländern um 8,7 Prozent stieg, nutzt noch immer weniger als ein Drittel der Be­völ­ke­rung das Internet, ver­glichen mit 78 Prozent in den ent­wickelten Ländern. Die Region mit dem geringsten Internet­zugang ist nach wie vor Afrika. Dort nutzen etwa 20 Prozent der Menschen das Internet, 2010 waren es nur 10 Prozent.

Weltweit ist die Ver­füg­bar­keit und Zahl der Anschlüsse mobiler Breit­band­dienste der dritten Generation (3G) rasch gestiegen. Ende 2014 werden auf 100 Einwohner 32 mobile Breit­band­an­schlüs­se entfallen, die Ver­sor­gungs­rate wird dann fast doppelt so hoch sein wie 2011. In den entwickelten Ländern wird die Ver­sor­gungs­quote mit mobilen Breit­band­an­schlüs­sen bei fast 84 Prozent liegen, in den Ent­wick­lungs­ländern bei 21 Prozent.

Junge Menschen spielen als Motor der In­for­ma­tions­ge­sell­schaft eine wich­ti­ge Rolle, ins­be­son­dere in den Ent­wick­lungs­ländern, in denen sie einen großen Teil der Be­völ­ke­rung aus­ma­chen. In den Ent­wick­lungs­re­gio­nen sind bis­lang aber nur etwa 23 Pro­zent der Ju­gend­lichen "Digital Natives", also junge Men­schen zwi­schen 15 und 24 Jah­ren mit min­des­tens fünf Jahre Online-Er­fah­rung. In den ent­wickel­ten Re­gio­nen sind dies 82 Prozent der Jugend­lichen.

Mehr erfahren

Wenn Sie mehr über die Fortschritte zur Erreichung des Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziels 8 "Eine weltweite Ent­wick­lungs­part­ner­schaft aufbauen" erfahren möchten, lesen Sie im aktuellen Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziele-Bericht 2014 die Seiten 48 bis 53 – abrufbar hier (PDF 2,7 MB).

Lexikon der Entwicklungspolitik

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