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MDG 7

Die ökologische Nachhaltigkeit sichern

Die Erreichung des Ziels, den Verlust von Umwelt­res­sour­cen um­zu­keh­ren, droht zu schei­tern. Die bio­lo­gi­sche Viel­falt ver­ringert sich weiter, der welt­weite Kohlen­dioxid-Ausstoß steigt. Die Trink­wasser-Ziel­vor­gabe wurde fünf Jahre vor der gesetz­ten Frist erreicht. Das Ziel, die Lebens­be­din­gungen von Slum­be­woh­nern zu ver­bes­sern, wurde für mehr als 200 Millionen Menschen er­reicht. Trotz­dem lebt noch immer ein Drittel aller Stadt­bewohner in den Ent­wick­lungs­regionen in Slums.


Ein Mann und mehrere Tiere laufen in Richtung Turkana-See in Turkana, einer verlassenen und von Dürren heimgesuchten Region im Nordwesten Kenias.

Zielvorgaben und Indikatoren auf einen Blick

ZielvorgabenIndikatoren
7.A: Die Grundsätze der nachhaltigen Ent­wick­lung in einzelstaatliche Politiken und Programme einbauen und den Verlust von Umweltressourcen umkehren

7.1 Anteil der Waldflächen

7.2 Kohlendioxid-Emissionen insgesamt, pro Kopf und je einem Dollar BIP (Kaufkraftparität)

7.3 Verbrauch ozonabbauender Stoffe

7.4 Anteil der Fischbestände innerhalb sicherer biologischer Grenzen

7.5 Anteil der genutzten Wasserressourcen an den gesamten Wasservorkommen

7.B: Den Verlust an biologischer Vielfalt reduzieren, mit einer signifikanten Reduzierung der Verlustrate bis 2010

7.6 Anteil der geschützten Land- und Meeresgebiete

7.7 Anteil der vom Aussterben bedrohten Arten

7.C: Bis 2015 den Anteil der Menschen um die Hälfte senken, die keinen nachhaltigen Zugang zu einwandfreiem Trinkwasser und grundlegenden sanitären Einrichtungen haben

7.8. Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu verbesserter Trink­wasser­ver­sorgung

7.9 Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu verbesserten sanitären Einrichtungen

7.D: Bis 2020 eine erhebliche Ver­bes­se­rung der Lebens­be­din­gungen von mindestens 100 Millionen Slumbewohnern herbeiführen 7.10 Anteil der in Slums lebenden städtischen Bevölkerung

Was wurde wo erreicht?

1. Unterziel: Die Grundsätze der nachhaltigen Ent­wick­lung in einzel­staatliche Politiken und Programme einbauen und den Verlust von Umweltressourcen umkehren

Indikator: Waldflächen

Trotz internationaler wald­politischer Maß­nah­men und obwohl es in­zwi­schen in vielen Ländern Gesetze zur nach­hal­ti­gen Wald­be­wirt­schaf­tung gibt, schrei­tet der Wald­verlust rasant voran: Zwischen 2000 und 2010 gingen jährlich rund 13 Millionen Hektar Wald verloren. Am stärk­sten von dem Folgen be­trof­fen sind arme Land­be­wohner, denn Wälder tragen zur Armuts­min­de­rung und dauer­haf­ten Existenz­sicherung bei, indem sie Nahrung, Brenn­holz und andere Produkte liefern.

Indikator: Kohlendioxid-Emissionen

Der weltweite Kohlendioxid-Ausstoß stieg von 2010 bis 2011 um 2,6 Pro­zent und liegt heute um 48,9 Pro­zent höher als im Jahr 1990. Die Daten der letzten 20 Jahre zeigen, dass sich der An­stieg der welt­wei­ten Emissionen be­schleu­nigt: Zwischen 1990 und 2000 betrug er zehn Prozent, zwischen 2000 und 2011 stie­gen die Emis­sio­nen bereits um 35 Prozent.

Dieser Trend wird vor allem durch die Ent­wick­lungs­re­gio­nen be­ein­flusst, wo der jähr­liche Ausstoß von Kohlen­dioxid zwischen 1990 und 2011 um 182 Pro­zent an­stieg (von 6,7 auf 18,9 Milliarden Tonnen). Dem­gegen­über ver­zeich­ne­ten die ent­wickel­ten Re­gio­nen im gleichen Zeit­raum einen Rück­gang um rund zehn Prozent. Der durch­schnitt­liche jähr­liche Kohlen­dioxid-Ausstoß pro Kopf liegt in den ent­wickelten Re­gio­nen aller­dings mit elf Tonnen er­heb­lich höher als in den Ent­wick­lungs­regionen mit etwa drei Tonnen, wobei starke regionale Unter­schiede auf­tre­ten. In den Ent­wick­lungs­regionen lag der Kohlen­dioxid-Ausstoß 2011 mit 0,4 Kilogramm je Dollar Wirt­schafts­leistung nach wie vor über dem Wert in den entwickelten Regionen (0,3 Kilogramm).

Emissionen von Kohlendioxid (CO2) – 1990, 2010 und 2011 (in Milliarden Tonnen)

Auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Klima­än­de­run­gen in Doha (Katar) konnte ein Konsens über eine zweite Ver­pflich­tungs­periode nach dem Protokoll von Kyoto – von 2013 bis 2020 – erreicht werden. Das Ziel ist es, die Ver­hand­lun­gen zur Aus­ar­bei­tung eines Proto­kolls bis 2015 ab­zu­schließen und im Jahr 2020 mit der Um­set­zung zu beginnen. Damit soll ein ent­schei­den­der Schritt zur Ab­wen­dung un­um­kehr­barer Änderungen des globalen Klima­systems er­fol­gen und der welt­weite Emissions­anstieg ein­ge­dämmt werden.

Indikator: Ozonabbauende Stoffe

Erfreulich ist, dass schäd­liche und ozon­ab­bau­en­de Stoffe, darunter Fluor­chlor­kohlen­wasser­stoffe (FCKW) und Halone, im Jahr 2010 nahe­zu aus der Welt ge­schafft wurden. Zwischen 1986 und 2013 ist der Verbrauch ozon­ab­bau­en­der Stoffe um mehr als 98 Pro­zent gesunken.

Indikator: Genutzte Wasserressourcen

Die Erhaltung der Wasser­res­sour­cen ist für das mensch­liche Über­leben von be­son­de­rer Be­deu­tung. Der Anteil der von einem Land ge­nutz­ten Wasser­res­sour­cen ist ein kom­plexer In­di­ka­tor, der Aus­sa­gen zur Ent­wick­lung, zur na­tio­na­len Wasser­politik und zur physischen und wirt­schaft­lichen Wasser­knapp­heit trifft. Ab einer Ent­nahme­rate aus er­neuer­baren Wasser­vor­räten von etwa 60 Prozent werden die Öko­systeme über­stra­pa­ziert. Zudem verhindern kon­kur­rie­ren­de Wasser­nut­zun­gen, dass alle Nutzer den ihnen zu­ste­hen­den Anteil erhalten. Trocken­jahre können das Problem ebenso ver­schär­fen wie Jahre mit über­durch­schnitt­lichen Nieder­schlägen.

Bereits 2008 lag die Entnahme­rate aus erneuer­baren Wasser­res­sour­cen in Nord­afrika und auf der Arabischen Halbinsel (West­asien) bei über 75 Pro­zent, was die Grenze der Nach­hal­tig­keit bereits weit über­schrei­tet. Der Rest West­asiens, Süd­asien und der Kaukasus und Zentral­asien nähern sich mit Ent­nahme­raten um die 50 Prozent der Schwelle für eine dro­hen­de Wasser­knapp­heit. Die meisten Regionen ent­neh­men jedoch weniger als 25 Pro­zent der er­neuer­baren Wasser­res­sour­cen. Be­trach­tet man die Nutzungs­trends seit 1960, wird dort vor­läu­fig keine Wasser­knapp­heit eintreten.

2. Unterziel: Den Verlust an biologischer Vielfalt reduzieren, mit einer signifikanten Reduzierung der Verlustrate bis 2010

Indikator: Schutzgebiete

Seit dem Jahr 1990 gibt es weltweit immer mehr Schutz­ge­bie­te. Zwischen 1990 und 2012 wuchs der Anteil der ge­schütz­ten Land­fläche der Erde von 8,9 auf 14,6 Prozent. Im gleichen Zeit­raum stieg der Anteil der Meeres­schutz­gebiete von 4,6 auf 9,7 Prozent. Latein­amerika und die Karibik sind mit 20,3 Prozent ihrer Land- und Meeres­gebiete unter Schutz bei der Er­hal­tung von Land und Küsten führend. Auch West­asien legte stark zu: Hier wuchsen die ge­schütz­ten Flächen von 3,7 Prozent 1990 auf 14,7 Prozent 2012.

Zunahme von Schutzgebieten trägt zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen bei

Indikator: Artensterben

Dem Rote-Liste-Index der In­ter­na­ti­o­nalen Union für die Er­hal­tung der Natur und der na­tür­li­chen Res­sour­cen (IUCN) zu­folge, schreitet das Arten­ster­ben von Vögeln, Säuge­tieren und Amphibien immer rascher voran. Es muss mehr getan werden, um diese Trends um­zu­kehren und dadurch den Nutzen der Arten­viel­falt zu erhalten.

3. Unterziel: Bis 2015 den Anteil der Menschen um die Hälfte senken, die keinen nachhaltigen Zugang zu einwandfreiem Trinkwasser und grundlegenden sanitären Einrichtungen haben

Indikator: Trink­wasser­ver­sorgung

Zwischen 1990 und 2012 erhielten mehr als 2,3 Milliarden Menschen Zu­gang zu ver­bes­ser­ten Trink­wasser­quellen. Damit wurde die Ziel­vor­gabe trotz des Be­völ­ke­rungs­wachs­tums über­trof­fen und deut­lich vor Ablauf der Frist erreicht. Trotz der Fort­schrit­te be­zo­gen 2012 noch immer 748 Millionen Menschen Wasser aus ver­un­rei­nig­ten Quellen. Bei re­gio­na­ler Be­trach­tung bleibt der Ver­sor­gungs­grad ins­be­son­dere in Ozeanien und Afrika süd­lich der Sahara sehr nied­rig. Hier wird die Trink­wasser-Ziel­vor­gabe bis 2015 vor­aus­sicht­lich nicht er­füllt werden. Auch bestehen hin­sicht­lich der Qua­li­tät und Sicher­heit des Was­sers aus vielen ver­bes­ser­ten Quellen weiter Bedenken.

Seit 1990 wurde der Zugang zu einer verbesserten Trinkwasserquelle für 2,3 Milliarden Menschen Wirklichkeit

Indikator: Sanitäre Einrichtungen

Zwischen 1990 und 2012 erhielten fast 2 Milliarden Menschen erst­mals Zugang zu einer Latrine, Spül­toilette oder anderen ver­bes­ser­ten Sa­ni­tär­ein­rich­tungen. Beim der­zei­ti­gen Fort­schritts­tempo und ohne zu­sätz­liche Maß­nah­men wird die Ziel­vor­gabe eines welt­wei­ten Ver­sor­gungs­grades von 75 Prozent im Jahr 2015 nicht er­reicht werden. 2012 nutz­ten noch immer 2,5 Milliarden Men­schen keine ver­bes­ser­te sa­ni­tä­re Ein­rich­tung, etwa eine Milliarde ist weiter­hin ge­zwun­gen, ihre Not­durft im Freien zu ver­rich­ten, was er­heb­liche ge­sund­heit­liche Risiken für ohne­hin schon arme und ge­fähr­de­te Ge­mein­schaf­ten birgt.

4. Unterziel: Bis 2020 eine erhebliche Ver­bes­se­rung der Lebens­be­din­gungen von mindestens 100 Millionen Slumbewohnern herbeiführen

Indikator: Slumbewohner

Zwischen 2000 und 2012 erlangten über 200 Millionen Slum­be­wohner, 100 Millionen mehr als vor­ge­geben, Zu­gang zu einer ver­bes­ser­ten Wasser­quelle, Sanitär­ein­rich­tun­gen, einer festen Unter­kunft oder aus­rei­chen­dem Wohn­raum.

Die nachfolgende Tabelle zeigt, dass der Anteil der Slum­bewohner in den Ent­wick­lungs­regionen zwischen 1990 und 2012 von 46,2 auf 32,7 Prozent fiel. Der Rück­gang war in den meisten Regionen zu beobachten.

Allerdings wächst die absolute Zahl der Slum­be­woh­ner trotz er­füll­ter Ziel­vor­gabe weiter an; dies ist zum Teil auf die rasche Ver­städ­te­rung zu­rück­zu­führen. Die Zahl der in Slums le­ben­den Stadt­be­woh­ner in den Ent­wick­lungs­regionen lag im Jahr 2012 bei schät­zungs­weise 863 Millionen, gegen­über 760 Mil­lio­nen im Jahr 2000 und 650 Mil­lio­nen im Jahr 1990.

In Slums lebende Stadtbewohner in Entwicklungsländern –1990-2012 (in Millionen und in Prozent)

Indikator: Straßen in Städten

In einer gut geplanten Stadt sind zwischen 25 und 30 Pro­zent der Fläche für Straßen vor­ge­se­hen. Wasser- und Ab­wasser­systeme werden dann üb­licher­weise entlang des be­ste­hen­den Straßen­netzes angelegt. Wenn nicht genug Raum für Straßen vor­han­den ist, wird es schwie­ri­ger, eine solide und leistungs­fähige Wasser- und Sanitär­ver­sor­gung bereit­zu­stellen.

Daten von Geo­in­for­ma­tions­systemen und Sa­tel­li­ten­auf­nah­men von Straßen­netzen in mehr als 100 Städten auf der ganzen Welt zeigen, dass in vielen städtischen Sied­lun­gen in Afrika, Asien, Latein­amerika und der Karibik Straßen weniger als 15 Prozent der Fläche einnehmen. In den Vor­ort­gebieten aller Städte sind ge­wöhn­lich weniger als 10 Prozent der Fläche Straßen.

Mehr erfahren

Wenn Sie mehr über die Fortschritte zur Erreichung des Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziels 7 "Die ökologische Nach­hal­tig­keit sichern" erfahren möchten, lesen Sie im aktuellen Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziele-Bericht 2014 die Seiten 40 bis 47 – abrufbar hier (PDF 2,7 MB).

Lexikon der Entwicklungspolitik

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