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MDG 6

HIV/Aids, Malaria und andere schwere Krankheiten bekämpfen

Die Quote der HIV-Neuinfektionen sinkt in den meisten Regionen stetig, aller­dings infizierten sich 2012 noch schät­zungs­weise 2,3 Millionen Menschen neu mit dem Virus. Trotz er­heb­licher Aus­wei­tung der Be­hand­lung von Infizierten erhielten Ende 2012 in den Ent­wick­lungs­ländern nur 30 Prozent der 27,5 Millionen Be­hand­lungs­be­dürf­ti­gen eine adäquate Therapie. Maß­nah­men gegen Malaria und Tuber­ku­lose retteten in den ver­gan­ge­nen Jahren vielen Millionen Menschen das Leben.


Mutter und Kind unter einem Moskitonetz, das sie vor der Übertragung von Malaria schützen soll.

Zielvorgaben und Indikatoren auf einen Blick

ZielvorgabenIndikatoren
6.A Bis 2015 die Ausbreitung von HIV/Aids zum Stillstand bringen und allmählich umkehren

6.1 HIV-Prävalenz bei den 15- bis 24-Jährigen

6.2 Kondombenutzung beim letzten risikoreichen Geschlechtsverkehr

6.3 Anteil der 15- bis 24-Jährigen mit umfassendem und richtigem Wissen über HIV/Aids

6.4 Verhältnis der Schulbesuchsquote von Waisenkindern zur Schulbesuchsquote von Nichtwaisen im Alter von 10-14 Jahren

6.B: Bis 2010 allgemeinen Zugang zu HIV/Aids-Behandlung für alle Behandlungsbedürftigen sicherstellen 6.5 Anteil der Bevölkerung mit fortgeschrittener HIV-Infektion, der Zugang zu antiretroviralen Medikamenten hat
6.C: Bis 2015 die Ausbreitung von Malaria und anderen schweren Krankheiten zum Stillstand bringen und allmählich umkehren

6.6 Malariainzidenz und Malariasterblichkeit

6.7 Anteil der Kinder unter fünf Jahren, die unter imprägnierten Moskitonetzen schlafen

6.8 Anteil der Kinder unter fünf Jahren mit Fieber, die mit geeigneten Malaria-Medikamenten behandelt werden

6.9 Tuberkuloseinzidenz, -prävalenz und -sterblichkeit

6.10 Anteil der diagnostizierten und mit Hilfe der direkt überwachten Kurzzeittherapie geheilten Tuberkulosefälle

Was wurde wo erreicht?

1. Unterziel: Bis 2015 die Ausbreitung von HIV/Aids zum Stillstand bringen und allmählich umkehren

Die Zahl der HIV-Neuinfektionen je 100 Er­wach­se­ne im Alter zwischen 15 und 49 Jahren sank zwischen 2001 bis 2012 um 44 Pro­zent. Dennoch in­fi­zier­ten sich im Jahr 2012 noch schät­zungs­weise 2,3 Mil­lio­nen Menschen mit HIV, die meisten davon (1,6 Millionen) in Afrika süd­lich der Sahara. Trotzdem gingen im Verlauf eines Jahr­zehnts die Neu­in­fek­tio­nen in Afrika süd­lich der Sahara um 25 Pro­zent zurück. Mehr als 80 Prozent der Neu­an­steckungen be­tref­fen Frauen in Ländern mit nied­ri­gem und mitt­le­rem Einkommen.

Im Jahr 2012 starben schät­zungs­weise 1,6 Millionen Menschen an Aids. Weil die Zahl der HIV-Neu­in­fek­tio­nen seit Beginn der Daten­er­he­bun­gen deut­lich über der der Aids-Todes­fälle liegt, leben heute mehr Menschen denn je mit HIV; weltweit waren es Ende 2012 schät­zungs­weise 35,3 Millionen. Dies ist ein Höchst­stand und darauf zurück­zu­füh­ren, dass mehr Menschen anti­retro­vi­ra­le Mittel zur Lebens­er­hal­tung erhielten.

Es gibt immer noch zu viele HIV-Neuinfektionen

Indikator: Kondombenutzung

Kondome sind das effizienteste Mitteln zur Ver­hin­de­rung einer Über­tra­gung von HIV beim Ge­schlechts­verkehr. In vielen Ländern werden sie in­zwi­schen häu­fi­ger genutzt als zuvor; der welt­weite Rück­gang der HIV-Neu­in­fek­tio­nen zeigt, wie wirksam das ist.

Erhebungen zufolge ver­wen­de­ten aller­dings im Jahr 2012 nur 57 Prozent der 15- bis 24-jährigen Männer in Afrika südlich der Sahara bei Ge­schlechts­verkehr mit er­höh­tem Risiko einer Krank­heits­über­tra­gung ein Kondom. Bei den jungen Frauen der­sel­ben Alters­gruppe lag die Quote der Kon­dom­be­nut­zung im gleichen Zeit­raum sogar nur bei 37 Prozent. In mehreren Ländern gibt es zudem An­zei­chen, dass ris­kan­tes Sexual­ver­hal­ten zunimmt.

Indikator: Wissen

Der Wissensstand über HIV und Aids ist bei Jugend­li­chen sehr nied­rig. Nur 28 Prozent der jungen Frauen und 39 Prozent der jungen Männer in Afrika süd­lich der Sahara ver­fügen über um­fas­sen­des und kor­rek­tes Wissen über die In­fek­tions­krank­heit. Er­he­bun­gen in Ländern mit ge­ne­ra­li­sier­ter Epi­de­mie zeigen, dass dort meist weniger als 50 Prozent der jungen Frauen und Männer über ein ent­spre­chen­des Grund­wissen verfügen.

Indikator: Aidsbedingte Waisen

Die Zahl der Kinder, die einen oder beide Eltern­teile durch Aids ver­lo­ren haben, ist noch sehr hoch. Im Jahr 2012 stieg sie welt­weit auf 17,8 Millionen Kinder, die fast alle in Afrika süd­lich der Sahara lebten. In den ver­gan­ge­nen Jahren konnten durch er­wei­ter­te Maß­nah­men seitens na­tio­na­ler Pro­gramme und globaler Part­ner die Aus­wir­kun­gen von Aids auf Haus­halte, Gemein­wesen und Kinder ab­ge­mil­dert werden. So be­ste­hen mittler­weile kaum noch Unter­schie­de in den Schul­besuchs­quoten von 10- bis 14-jährigen Waisen und Nichtwaisen.

2. Unterziel: Bis 2010 allgemeinen Zugang zu HIV/Aids-Behandlung für alle Behandlungsbedürftigen sicherstellen

In den Entwicklungsregionen erhielten im Jahr 2012 rund 9,5 Mil­lio­nen Menschen anti­retro­virale Medi­ka­men­te – also Wirk­stoffe, die die Ver­meh­rung des HI-Virus hem­men und dadurch den Aus­bruch der Aids-Erkrankung ver­hin­dern können. Die Zahl der Be­han­del­ten war um 1,6 Mil­lio­nen höher als im Jahr zuvor, in den Vor­jah­ren wurden ähn­liche Fort­schritte er­zielt. Bei der der­zei­ti­gen Zu­wachs­rate könn­ten Ende 2015 rund 15 Millionen in­fi­zier­te Menschen diese le­bens­er­hal­ten­de Be­hand­lung erhalten.

Tatsächliche und prognostizierte Zahl der Menschen, die eine antiretrovirale Behandlung erhalten – 2003-2015 (in Millionen)

Trotz dieser Fortschritte und positiver Aussichten wurde die Vor­ga­be verfehlt, bis 2010 den all­ge­mei­nen Zu­gang zu anti­retro­viraler The­ra­pie für alle, die sie be­nö­tigen, zu ver­wirk­lichen. Ende 2012 er­hiel­ten in den Ent­wick­lungs­ländern nur 30 Prozent der 27,5 Millionen Be­hand­lungs­be­dürf­tigen eine solche Therapie.

3. Unterziel: Bis 2015 die Ausbreitung von Malaria und anderen schweren Krankheiten zum Stillstand bringen und allmählich umkehren

Im Rahmen einer UN-Sonder­general­ver­samm­lung zu HIV und Aids wurde im Juni 2001 in New York die Ein­rich­tung eines globalen Fonds zur Be­kämp­fung von Aids, Tuber­ku­lose und Malaria (Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria, GFATM) beschlossen. Dieser dient der Fi­nan­zierung von Maß­nah­men zur Krank­heits­ein­däm­mung sowie der Stärkung von Gesund­heitssystemen.

Indikator: Malariainzidenz (Anzahl der Neu­er­kran­kun­gen) und Malaria­sterb­lich­keits­rate

Durch die erhebliche Aus­wei­tung der Malaria­be­kämp­fung ging die Malaria­sterb­lich­keit zwischen 2000 und 2012 welt­weit um mehr als 42 Prozent zurück. Schät­zungs­weise 3,3 Millionen Malaria­todes­fälle konnten in diesem Zeitraum ab­ge­wen­det werden, etwa 90 Prozent davon be­tra­fen Kinder unter fünf Jahren in Afrika südlich der Sahara. Den jüngsten Trend­analysen zufolge ist die Er­rei­chung der Malaria-Ziel­vor­gabe möglich. Dies ist ein be­deu­ten­der Erfolg im welt­wei­ten Kampf gegen die Malaria, doch bedarf es weiter­hin eines nach­hal­ti­gen politischen und fi­nan­ziel­len En­gage­ments der in­ter­na­ti­o­nalen Ge­mein­schaft und der be­trof­fe­nen Länder. Immer noch sind welt­weit schät­zungs­weise 3,4 Milliarden Menschen in­fek­tions­ge­fähr­det. 2012 starben bei etwa 207 Millionen Malaria­fällen welt­weit rund 627.000 Menschen, 80 Prozent davon sind Kinder unter fünf Jahren.

Indikator: Imprägnierte Moskitonetze

Zwischen 2004 und 2013 wurden über 700 Mil­lio­nen mit In­sek­ti­zi­den im­präg­nier­te Netze nach Afrika süd­lich der Sahara ge­lie­fert. Dadurch konnte die Ver­wen­dung solcher Netze er­heb­lich ge­stei­gert werden. Den­noch schlie­fen in den Malaria-Risiko­ge­bie­ten nur schät­zungs­weise 36 Pro­zent der Men­schen unter im­präg­nier­ten Netzen. Das Ziel, dass alle Kin­der unter im­präg­nier­ten Moskito­netzen schla­fen, ist in der Mehr­zahl der Länder noch nicht in Reichweite.

Indikatoren: Tuberkulose­inzidenz und geheilte Tuber­ku­lose­fälle

Die Zahl der Neuerkrankungen an Tuber­kulose (Inzidenz) sinkt seit 2002 weltweit und die Tuber­ku­lo­se­sterb­lich­keit wird aktuellen Pro­gno­sen zufolge bis 2015 auf die Hälfte des Wertes von 1990 sinken.

Im Jahr 2012 wurde bei 8,6 Millionen Menschen Tuber­ku­lose di­a­gnos­ti­ziert. Dies entspricht zwei Dritteln der ge­schätz­ten Zahl neuer Fälle. 87 Prozent der 2011 di­a­gnos­ti­zier­ten Patienten wurden erfolg­reich be­han­delt, womit die Ziel­vor­gabe der erfolg­rei­chen Be­hand­lung von mindestens 85 Prozent der be­stä­tig­ten Fälle weltweit im vierten Jahr in Folge über­troffen wurde. Diesen Fort­schrit­ten waren 15 Jahre in­ten­siver An­stren­gun­gen zur Um­set­zung der Strategie einer direkt über­wachten Kurz­zeit­the­ra­pie ("DOTS") und der Nach­folgestrategie "Stopp der TB" (seit 2006) voraus­ge­gan­gen. Zwischen 1995 und 2012 wurden im Rahmen dieser Strategien ins­gesamt 56 Millionen Tuber­ku­lo­se­pa­tien­ten erfolg­reich be­han­delt, wodurch 22 Millionen Leben gerettet wurden.

Mehr erfahren

Wenn Sie mehr über die Fortschritte zur Er­rei­chung des Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziels 6 "HIV/Aids, Malaria und andere schwere Krankheiten bekämpfen" erfahren möchten, lesen Sie im aktuellen Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziele-Bericht 2014 die Seiten 34 bis 39 – abrufbar hier (PDF 2,7 MB).

Lexikon der Entwicklungspolitik

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