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MDG 3

Gleichstellung der Geschlechter fördern und die Rolle der Frauen stärken

Erfreuliche Fortschritte bei der Ge­schlech­ter­gleich­heit konnten im Grund­schul­bereich erzielt werden. Auch in der Sekundar­schul­bildung hat sich die Situation der Mädchen ver­bes­sert, trotzdem ist dort die Ge­schlech­ter­un­gleich­heit in vielen Ländern noch zu hoch. Im tertiären Bildungs­bereich sind die He­raus­for­de­run­gen jedoch am größten – die Gleich­stellung der Geschlechter ist dort welt­weit nach wie vor nicht erreicht.


Eine Frau mit Tüten in der Hand geht hinter einem Mann her, der als Arbeiter an der Wiederherstellung des durch den jahrzehntelangen Bürgerkrieg zerstörten Highways A9 im Norden Sri Lankas beteiligt ist.

Zielvorgaben und Indikatoren auf einen Blick

ZielvorgabenIndikatoren
3.A: Das Geschlechtergefälle in der Grund- und Sekundarschulbildung beseitigen, vorzugsweise bis 2005 und auf allen Bildungsebenen spätestens bis 2015

3.1 Verhältnis Mädchen / Jungen in der Primar-, Sekundar- und Tertiärstufe des Bildungssystems

3.2 Anteil der Frauen an den unselbstständigen Erwerbstätigen im nichtlandwirtschaftlichen Sektor

3.3 Sitzanteil der Frauen im nationalen Parlament

Was wurde wo erreicht?

1. Unterziel: Das Geschlechtergefälle in der Grund- und Sekundarschulbildung beseitigen, vorzugsweise bis 2005 und auf allen Bildungsebenen spätestens bis 2015

Indikator: Bildungssystem

Weltweit erhalten immer mehr Kinder eine Grund­bil­dung, darunter auch immer mehr Mädchen. In den Ent­wick­lungs­regionen ins­ge­samt liegt der Ge­schlech­ter­pa­ri­täts­index (GPI), der das Verhältnis von Mädchen zu Jungen bei der Bil­dungs­be­tei­li­gung angibt, auf allen Bil­dungs­stufen nahe der Parität. Aller­dings werden bei näherer Be­trach­tung zwischen den einzelnen Regionen auf allen Bil­dungs­stufen er­heb­lich Unter­schie­de zwischen den Geschlechtern deutlich.

Mädchen sind ins­be­son­dere in Nordafrika, Afrika südlich der Sahara, Westasien und Ozeanien noch immer be­nach­tei­ligt, obwohl diese Regionen in den ver­gan­ge­nen 20 Jahren große Fort­schritte gemacht haben. Auch wenn heute in Afrika südlich der Sahara mehr Mädchen zur Schule gehen als in der Ver­gan­gen­heit, kommen auf 100 Jungen, die eine Grund­schule besuchen, nur 92 Mädchen (siehe Grafik).

Das Geschlechtergefälle ist auf den höheren Bildungsebenen stärker ausgeprägt

Im Bereich der Sekundar­schul­bildung ist die Ge­schlech­ter­un­gleich­heit größer als bei der Primar­schul­bildung. Besonders in Afrika südlich der Sahara, in West- und Südasien und in Ozeanien sind Mädchen gegen­über Jungen nach wie vor im Nachteil.

In West- und Südasien wurden jedoch be­deu­ten­de Fort­schritte erzielt: Der GPI erhöhte sich in Südasien zwischen 1990 und 2012 von 0,59 auf 0,93, in West­asien von 0,65 auf 0,92. In Afrika südlich der Sahara stieg der GPI im selben Zeitraum nur gering­fügig von 0,76 auf 0,84 (siehe Grafik).

Im tertiären Bildungs­bereich sind die Unter­schiede am größten. In Latein­amerika und der Karibik, dem Kaukasus und Zentral­asien, Nord­afrika und Süd­ost­asien besuchen mehr Frauen als Männer weiter­füh­ren­de Bil­dungs­ein­rich­tun­gen. Während West­asien in­zwi­schen nahe der Parität ist, sind in Südasien Frauen im tertiären Bil­dungs­bereich weiterhin seltener an­zu­treffen als Männer, obwohl sich der GPI zwischen 1990 und 2012 immer­hin von 0,49 auf 0,81 ver­bes­sert hat. Die extremste Situation findet sich in Afrika südlich der Sahara. Dort veränderte sich der GPI zwischen 2000 und 2011 nur gering von 0,52 auf 0,64 (siehe Grafik).

Indikator: Erwerbstätigkeit

Frauen sind auf dem formalen Arbeits­markt deutlich unter­re­prä­sen­tiert. Der Anteil von Frauen, die außer­halb der Land­wirt­schaft arbeiten, ist weltweit aber langsam an­ge­stie­gen, von 35 Prozent im Jahr 1990 auf knapp 40 Prozent im Jahr 2012. Zwischen den Regionen bestehen jedoch be­trächt­liche Unter­schiede. In Ostasien, im Kaukasus und in Zentral­asien sowie in Latein­amerika und der Karibik ist die Ge­schlech­ter­parität beinahe erreicht, in Nordafrika, Süd- und West­asien arbeiten nur knapp 20 Prozent aller Frauen außer­halb des Agrar­sektors. Die größten Fort­schritte erzielte Afrika südlich der Sahara mit einer Zunahme von 10 Prozent­punkten im Zeitraum 1990 bis 2012.

Frauen sind nicht nur seltener erwerbs­tätig als Männer, sie sind auch mit weitaus größerer Wahr­schein­lich­keit nur teil­zeit­beschäftigt oder zeitlich unter­be­schäf­tigt. Der Anteil der Frauen, die einer Teil­zeit­be­schäf­ti­gung nach­gehen, ist in fast allen Ländern, für die Daten vorliegen, mehr als doppelt so hoch wie der der Männer.

Mehr Frauen als Männer in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen


Indikator: Nationale Parlamente

Auch in nationalen Par­la­men­ten sind Frauen, welt­weit be­trach­tet, noch nicht an­ge­mes­sen vertreten. Aller­dings stieg die Zahl der weib­li­chen Par­la­ments­mit­glieder: Zum 31. Januar 2014 betrug der durch­schnitt­liche Frauen­anteil in den Par­la­men­ten 21,8 Prozent gegen­über 20,4 Prozent im Januar 2013. Trotz des welt­wei­ten Anstiegs, zeigt nach­fol­gen­de Grafik die gra­vie­ren­den re­gio­na­len Unter­schiede. Latein­ame­ri­ka und die Karibik sind mit durch­schnitt­lich 26 Prozent Frauen­anteil in den Par­la­men­ten weiter­hin führend. Ein besonders hoher Zuwachs an Par­la­men­ta­rier­innen ist in Afrika südlich der Sahara zu ver­zeich­nen. Dort stieg der Anteil der Sitze zwischen 2000 und 2014 von 13 auf 23 Prozent.

In 42 der weltweit 64 Länder, in denen 2013 Wahlen statt­fan­den, war der Frauen­anteil in den neu gewählten Par­la­men­ten höher. In 39 diese Länder waren gesetz­lich vor­ge­schrie­be­ne oder frei­wil­li­ge Quoten für den über­durch­schnitt­lichen Anstieg der Zahl weib­li­cher Par­la­ments­mit­glieder ver­ant­wort­lich.

Sitzanteil der Frauen in den nationalen Parlamenten(Einkammerparlamente oder Unterhäuser) – 2000 und 2014 (in Prozent)

Der Prozentsatz der Frauen im Minister­rang und damit auf füh­ren­der Re­gie­rungs­ebene stieg von 16,1 Prozent im Jahr 2008 auf 17,2 Prozent im Jahr 2014. Im Januar 2014 waren in 36 Ländern mehr als 30 Prozent der Minister­posten mit Frauen besetzt. Außerdem über­neh­men Frauen zu­neh­mend auch so­ge­nann­te "harte" Ressorts (Verteidigung, Auswärtiges, Umwelt). Im Ge­gen­satz zu diesen po­si­ti­ve­ren Ent­wick­lun­gen stagnierte die Zahl der Staats- und Re­gie­rungs­chefinnen und Par­la­ments­prä­si­den­tin­nen be­zie­hungs­weise ging leicht zurück.

Mehr erfahren

Wenn Sie mehr über die Fort­schritte zur Erreichung des Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziels 3 "Gleich­stellung der Geschlechter fördern und die Rolle der Frauen stärken" erfahren möchten, lesen Sie im aktuellen Mil­len­ni­ums­ent­wick­lungs­ziele-Bericht 2014 die Seiten 20 bis 23 – abrufbar hier (PDF 2,7 MB).

Lexikon der Entwicklungspolitik

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