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Stimmen aus dem Projekt

"Ich blicke mit Zuversicht in die Zukunft"

Die Frauenkooperative: Zweite von links ihre Sprecherin Nguyen Thi Ma, neben ihr die Bäuerin Nguyen Thi Tu mit geernteten Reispflanzen in der Hand.

Die gefluteten Reisfelder glitzern, ein Bauer steht bis zu den Hüften im Wasser, Wasserbüffel mahlen sich durch den Morast – man wähnt sich im alten Indochina und nicht im kommunistischen Vietnam des 21. Jahrhunderts. Tatsächlich blicken wir auf die schwimmenden Reisfelder der 2014 gegründeten Frauenkooperative in der Mekong-Provinz An Giang.

Schwimmende Reisfelder trotzen dem Klimawandel

Die Bäuerinnen aus der Gemeinde Vinh Phuoc, die sich heute mit ihren kleinen Kindern zu einer Zusammenkunft unter den Bäumen am Flussufer eingefunden haben, nehmen an einem Modellprojekt des Programms zum integrierten Küstenschutz teil. Sie werden angeleitet, im Überflutungsgebiet des Mekong "floating rice" (Tiefwasser-Reis ) anzubauen – nach althergebrachten Methoden.

In Zeiten des Klimawandels hat man die alten Reissorten wiederentdeckt: Sie sind robust und überleben im trockenen Boden nach der Aussaat im Juli, falls mal der Regen ausbleibt; wenn die Flut einsetzt und die Sprösslinge monatelang bis zu vier Meter tief unter Wasser setzt, wachsen die Halme mit den wechselnden Wasserständen. Die "schwimmenden" Reisfelder sind ein wertvolles Habitat für Vögel und Flussfische. Die Männer fangen sie in Reusen und bereichern so den Speiseplan ihrer Familien. Wenn die Flut im Januar abgelaufen ist, sinken die langen Halme der Reispflanzen zu Boden und beginnen zu blühen. Die von der Flut angespülten, fruchtbaren Sedimente düngen die Pflanzen auf natürliche Art und sorgen für die Entwicklung wohlschmeckender, nährstoffreicher Reiskörner, die auf dem Markt höhere Preise als die ertragreicheren, gewöhnlichen Reissorten erzielen.


Naturnahe Kultivierung von Reis ist gut für die Umwelt …

"Die Frauenkooperative wurde im organischen Reisanbau geschult und in effektiven Haushaltspraktiken trainiert", erklärt Nguyen Thi Ma. Die junge Frau ist die Sprecherin der Kooperative und vertritt die Linie der Kommunistischen Partei Vietnams: "Die Frauen sind in der Gruppe vereint und teilen die Probleme ihres Lebens und ihrer Arbeit. Früher waren sie isolierter und wirtschaftlich weniger aktiv. Nun sind sie enthusiastisch und helfen einander bei der Reisproduktion."

Wenn man weiß, was für ein hartes, arbeitsreiches Leben die fröhlich scherzenden Bäuerinnen führen, versteht man, wie wichtig der Zusammenhalt der Kooperative für sie ist. Die Sprecherin fährt fort: "Die Kombination von Reis- und Gemüseanbau garantiert ein gutes Auskommen. Das motiviert die Frauen, mehr Aufmerksamkeit auf den achtsamen Umgang mit dem Endprodukt zu verwenden."


… und sichert bäuerliche Existenzen

Wenn die Reisfelder abgeerntet sind, bleibt das Reisstroh als organischer Dünger auf den Feldern – und bereitet den Boden für Auberginen, Lauchzwiebeln, Kürbisse oder andere Gemüsepflanzen. Die Bäuerin Nguyen Thi Tu ist eine zierliche Person, die ein ruhiges Selbstbewusstsein ausstrahlt. Mit ihren Töchtern ist sie gerade dabei, Maniok anzupflanzen. Sie hofft, dass die Gemüseernte der Familie ein zweites, gutes Einkommen beschert: "Wir waren in den letzten zwei Jahren erfolgreich im Anbau von schwimmendem Reis – also werden wir das weiter machen! Der Preis ist stabil und wir werden vom Projekt in der Vermarktung unterstützt. Wenn es möglich ist, werde ich versuchen, zwei weitere Parzellen zu pachten, um mehr Reis zu kultivieren."

Das ist Ziel des Projekts: Man will die früher übliche, fast ausgestorbene Form des ökologisch verträglichen Reisanbaus wiederbeleben. Bauern- und Politikerdelegationen aus anderen Landesteilen kommen und schauen sich das Projekt interessiert an. Denn der Markt für hochwertige Reissorten wird größer und verspricht gute Gewinne. Frau Nguyen schaut unter ihrem Kegelhut hervor und sagt mit einem feinen Lächeln: "Ich blicke mit Zuversicht in die Zukunft!"


Lexikon der Entwicklungspolitik

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