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Fallstudie Vietnam: Integriertes Küstenmanagement

Mangrovenwälder gegen Wind und Wellen

Die Küstendörfer im Mekong-Delta sind infolge des Klimawandels immer häufiger Überschwemmungen ausgesetzt – vor allem dort, wo es keine Mangrovenwälder mehr gibt.

Im Mekong-Delta, der "Reiskammer Vietnams" und dem Lebensraum von 17 Millionen Menschen, sind die Auswirkungen des Klimawandels dramatisch. Der steigende Meeresspiegel, Stürme und Flutwellen bedrohen die Küste. An ungeschützten Stellen bricht sie weg, mancherorts bis zu 50 Meter im Jahr. Häuser werden überschwemmt und fruchtbare Ländereien versalzen. Die existenzielle Grundlage vieler Menschen an der Küste ist gefährdet.

Daher unterstützt Deutschland gemeinsam mit Australien das südostasiatische Land seit 2011 mit einem Programm zum integrierten Küstenmanagement: Es setzt auf Wiederaufforstung der ursprünglichen Mangrovenwälder, auf nachhaltige Methoden im Reisanbau und der Garnelenzucht sowie auf den Schutz des Grundwassers. Darüber hinaus werden die vietnamesischen Behörden unterstützt, gemeinsam Strategien für die Zukunft der Region über Provinzgrenzen hinweg zu entwickeln, um gegen weitere Klimaverschlechterungen gewappnet zu sein.

Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, die KfW Entwicklungsbank und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) arbeiten im Auftrag des BMZ gemeinsam an der Umsetzung des Programms. Es trägt zum Schutz von über sieben Millionen Menschen und rund 500 Kilometern Küstenlinie bei.

"Der Sturm tobte den ganzen Tag …"

Die Küstenregion im Mekong-Delta ist stark von Erosion bedroht –  Mangrovenwälder schützen dort, wo sie noch vorhanden sind, Land und Leute vor der Wucht der Meereswellen.

"… und in der Nacht hat der Deich die Wucht der Wellen nicht mehr gehalten. Er ist an mehreren Stellen gebrochen." Immer wieder bekommt man an der Küste Vietnams diese Geschichte zu hören. Dann schildern die Menschen, wie die Flut in ihr Haus eingedrungen ist und wie sie gerade noch ihre Kinder und ein wenig von ihrem Hab und Gut retten konnten. Sie berichten, dass ihre ganze Ernte vernichtet wurde. Und dass die Felder versalzen waren, nachdem das Wasser wieder abgelaufen ist. Wie sie sich verschulden mussten und nun überlegen, landeinwärts zu ziehen. Wenn es dort nur Arbeit und Verdienst gäbe wie an der Küste. Man blickt sich in ihren kargen Hütten aus Holz und Bastmatten um, betrachtet die hoch oben an der Wand aufgehängten, wenigen Haushaltsgegenstände und versteht, wie groß ihre Furcht vor einer erneuten Überschwemmung ist.


Die Ärmsten trifft es immer zuerst

Der Bauer Nguyen Van Son züchtet Garnelen in einem Mangrovenbecken – umweltverträglich und ohne Chemie

Küstenbewohner, die vom Sammeln von Schnecken, Krebsen und kleinen Fischen aus den Mangrovensümpfen leben, trifft der Klimawandel am härtesten. Aber auch die Existenz der vielen Reisbauern im Delta, die die Ernährung von 145 Millionen Menschen in Asien sichern und oft so gerade über die Runden kommen, ist bedroht. Oder die der Garnelenzüchter, deren Aquakulturen viele Arbeitsplätze bieten und maßgeblich zum Wohlstand des Mekong-Deltas beitragen: Wenn ihre Teiche überschwemmt werden, sterben die Garnelen, weil sie in Meerwasser nicht überleben können, sondern auf den Zufluss von Süßwasser angewiesen sind.


Mangrovenwälder schützen Deiche vor den Meereswellen

Vorher: Von Meereserosion bedrohter Küstenabschnitt am Pilotstandort Bac Lieu mit Schutzzäunen und den ersten Mangrovensetzlingen im aufgeschlickten Boden.

"Der Ruf nach neuen, höheren Küstenschutzanlagen ist groß. Wir setzen aber nicht nur auf Beton – weil das an vielen Stellen nicht die beste Lösung ist", sagt Christian Henckes, der Leiter des GIZ-Programms zum integrierten Küstenmanagement.

Die Lahnungen aus Bambus, die an fünf Pilotstandortorten entlang der Küste als Wellenbrecher und zur Stabilisierung der Küstenlinie gebaut werden, sind dagegen eine einfache und kostengünstige Lösung: Unscheinbar schauen die Spitzen der doppelten Holzpflockreihen aus dem Meer. Sie werden rund 100 Meter T-förmig in das flache Küstenmeer hinaus gebaut und bilden Wattenfelder, in die die Flut einläuft, sich beruhigt und ihre Sandfracht ablädt. Damit wird die Aufschlickung gefördert, erläutert der promovierte Agrarwissenschaftler: "Dort, wo der Sedimentfluss groß ist, können wir schon nach einem Jahr mit der Anpflanzung von Mangroven beginnen!"


Der neue Wald schießt in drei, vier Jahren auf

Nach 23 Monaten: In Bac Lieu reicht die Landgewinnung 180 Meter weit ins Meer hinein. Junger Mangrovenwald hat sich über die Schutzzäune hinaus ausgedehnt und formt einen natürlichen Küstenschutzgürtel.

Die schnellwachsenden Mangroven erreichen in drei bis vier Jahren eine ansehnliche Höhe von zwei Metern. Und sie übernehmen wieder eine Schutzfunktion für die Küste, die zusätzlich mit einem Deich gesichert ist. Nur muss dieser jetzt nicht mehr so hoch und stark sein. Denn ein 100 Meter breiter Mangrovengürtel absorbiert schon 50 Prozent der Wellenenergie und spart Millionen: Ein einfacher, gut geplanter Erddeich im Schutze der Mangroven ist zehn Mal kostengünstiger als ein zur offenen See exponierter Betondeich.

"Allerdings funktioniert die Landgewinnung nicht überall", sagt Henckes, "und es erfordert viel technisches Know-how, die Lahnungen richtig zu bauen: Dazu müssen die Meeresströmungen gemessen und die Sedimentablagerungen exakt berechnet werden."

Dank der wissenschaftlichen Unterstützung durch die Technischen Universitäten Aachen und Hamburg wurde diese an der Nordsee schon seit 400 Jahren bekannte Technik erstmals in Vietnam eingesetzt. Am Projektstandort in der Provinz Bac Lieu etwa wurde das Meer bereits über 180 Meter zurückgedrängt und 70 Hektar wurden wieder aufgeforstet. Und man hört das Rauschen des Windes in den Blättern der Mangroven, als wäre es nie anders gewesen.


Wichtig: die richtige Mangrovenart am richtigen Standort

Junge Mangrovenpflanze im neu aufgeschlickten Boden: Nur wenige Mangrovenarten können in dieser Pionierzone gut gedeihen.

"Die Wiederaufforstungen gelingen mit einer Vielfalt von standortangepassten Mangrovenarten und neuen Pflanztechniken", erklärt der Projektleiter Christian Henckes.

"Wir arbeiten eng mit den Forstbehörden zusammen, die ein großes Interesse an den Feldversuchen haben. Denn bisher hatten sie zu wenig Erfolg mit ihren Aufforstungen – weil man oft versucht hat, die falsche Mangrovenart in Monokultur anzusiedeln."


Mangroven sind unverzichtbar für Artenvielfalt und Klima

Mangrovenwälder sind nicht nur wichtige Pufferzonen zwischen Meer und Land. Sie bilden auch die grüne Lunge Asiens, deren Bedeutung man erst in Zeiten des Klimawandels erkannt hat: Mangrovenwälder absorbieren das klimaschädliche Kohlendioxid aus der Luft und speichern in ihrem Holz und Wurzelwerk drei Mal mehr Kohlenstoff als ein deutscher Mittelgebirgswald. Zugleich sind sie der Lebensraum unzähliger Insekten und Vögel und Kinderstube zahlreicher Fischarten sowie von Krebsen und Garnelen. Seit jeher ernähren die Mangrovensümpfe die Küstenfischer: Ihr Wert für die vietnamesische Küstenfischerei wird auf jährlich 440 Millionen US-Dollar geschätzt.


Mangroven wurden in Vietnam abgeholzt

Wenn vor hundert Jahren Segelschiffe die vietnamesische Küste erreichten, erblickten ihre Besatzungen grünen, undurchdringlichen Wald. Gut ein Kilometer breit war früher der natürliche Mangrovengürtel. Aber wie in ganz Asien wurden auch in Vietnam Mangrovenwälder abgeholzt, um Platz für die industrielle, höchst lukrative Garnelenzucht und für Reisplantagen zu schaffen.

"Weltweit ist der Mangrovenbestand im Gezeitenbereich tropischer Küsten auf ein geschätztes Drittel seiner ursprünglichen Fläche geschrumpft", sagt Professor Nguyen Hoang Tri, Generalsekretär des Nationalen Komitees des Programms "Mensch und Biosphäre". "Vietnam musste sich von zwei Kriegen erholen. Man hat sich auf die wirtschaftliche Entwicklung konzentriert und den Schutz der Umwelt vernachlässigt. Natürliche Ressourcen wurden hierzulande exzessiv ausgebeutet."

Mittlerweile habe man aber den Wert der Mangroven erkannt – und die unkalkulierbaren Folgen ihres Verlustes, betont der Wissenschaftler. Man suche Wege, um das Ökosystem schnell wieder zu rehabilitieren.

Die Erfolge der Wiederaufforstung in den deutschen Pilotprojekten sind so beeindruckend, dass die vietnamesischen Behörden und internationale Organisationen mittlerweile die erfolgreiche Methode zum Schutz weiterer gefährdeter Abschnitte entlang der Küste übernommen haben.

Im Rahmen des Gesamtprogramms leistet die KfW flankierend finanzielle Unterstützung zur weiteren Aufforstung von Mangrovenwäldern in den südlichen Provinzen Ca Mau und Kien Giang sowie zur Konsolidierung gefährdeter Seedeiche.


Wie schützt man in Zukunft die neuen Mangrovenwälder?

Ein Küstenfischer sammelt im Schlamm Krebse und andere Kleintiere. Diese schwimmen im Wasser, aber wenn sich die Flut  zurückzieht, sacken sie in den Schlamm – und können eingesammelt werden.

Das könne nur gelingen, wenn man die einheimische Bevölkerung in die Bewirtschaftung und Pflege des Mangrovenwaldes einbinde, antwortet Nguyen Anh Dung.

Der Projektmitarbeiter organisiert das Co-Management örtlicher Gemeinden, weil die staatlichen Forstbehörden den Schutz des Küstenwaldes, der sich über eine Länge rund 600 Kilometern im Mekong-Delta erstreckt, allein nicht leisten können. "Unsere Zielgruppe sind die Leute, die im Wald leben, Weichtiere sammeln und Fische fangen; oft haben sie noch ein kleines Reisfeld und bauen etwas Gemüse an. Sie leben auf dem untersten Soziallevel – und stehen, besonders wenn sie der ethnischen Minorität der Khmer angehören, in der gesellschaftlichen Rangordnung ganz unten. Das sind aber die Menschen, die man gewinnen muss, um den Wald zu schützen!"

Das Programm hat ein Modell erarbeitet, wie man diesen Gruppen weiter Zugang zum Wald gewährt, sie aber gleichzeitig anhält, die Mangroven zu schützen – statt die Bäume als Brennholz zu schlagen oder aus Unwissenheit ihre Keimlinge zu zerstören. "Das verlangt gründliche Aufklärung und folgt dem Prinzip: Je dauerhafter die Nutzungsrechte für arme Menschen sind und je größer ihre Perspektive ist, weiterhin dort mit ihrer Familie zu leben, desto mehr Interesse haben Sie, die Ressource zu schützen."

Das Modell funktioniert so gut, dass es mittlerweile von Regierungsstellen unterstützt und von der Weltbank übernommen wurde. Waldpflege und höhere Erträge in den wiederhergestellten Mangrovenwäldern erhöhten den Verdienst der Sammler, Küstenfischer und Bauernfamilien im Projekt um umgerechnet rund 77 Euro pro Monat, was viel bei einem durchschnittlichen Haushaltseinkommen von etwa 420 Euro ist, sagt Nguyen Anh Dung. "Damit können sie ihre Grundbedürfnisse besser erfüllen und vor allem ihre Kinder zur Schule schicken. In der Ausbildung der Kinder liegt ihre Zukunft!"

Die Rückkehr zur traditionellen Form der Aquakultur in den Mangrovenwäldern bescherte den Küstenbewohnern im Modellversuch rund 27 Prozent höhere Einnahmen: Sie wurden geschult, Fische und Garnelen wie früher in kleinen Teichen ohne Einsatz von Chemikalien aufzuziehen – im Schatten der Mangroven, die das Wasser frisch und kühl halten.


Naturnah wirtschaften statt Raubbau an der Natur

Reis aus dem Mekong-Delta ernährt 145 Millionen Menschen in ganz Asien.

Weil der Klimawandel die Folgen der Umweltzerstörung durch landwirtschaftliche Praktiken in Vietnam potenziert, die ohne Rücksicht auf die Natur auf kurzfristigen Profit setzen, geht es in einem weiteren Programmschwerpunkt um eine ökologisch verträgliche Bewirtschaftung der Agrarlandschaft im Mekong-Delta. So verringern etwa moderne Techniken im Reisanbau den Bedarf an Wasser, und neue salztolerante Sorten trotzen der zunehmenden Versalzung der Böden.

In 22 Modellversuchen wurden gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen und 17.000 landwirtschaftlichen Produzentinnen und Produzenten nachhaltige Wege beschritten. Damit gelang es auch, ihr Einkommen um rund 40 Prozent zu steigern. Neben modernen Methoden gibt es aber auch eine Rückkehr zu den alten Formen der bäuerlichen Landwirtschaft – wie etwa zum floating rice, den schwimmenden Reisfeldern. (siehe: "Ich blicke mit Zuversicht in die Zukunft")


Lokale Lösungen befruchten nationale Politiken

"Die politische Dimension ist aus meiner Sicht aber wichtiger als Einzelmaßnahmen!", so Programmleiter Christian Henckes. "Denn man kann vieles tun, hier und da an der Küste, das wird von uns und von anderen bereits getan. Aber es gibt noch keine kohärente Schutzplanung für die Küstenzone. Es gibt keine national zuständige Behörde, und das große Problem ist: Wenn Sie an einer Stelle im Delta etwas tun, hat das vielleicht negative Effekte an anderer Stelle. Man braucht den Blick aufs Ganze, um die rasanten Veränderungen zu meistern."

Darum liegt der wohl wichtigste Projektstandort in Hanoi, wo die GIZ technische Beratungsarbeit auf nationaler Ebene leistet, flankiert von der diplomatischen Mission der deutschen Botschaft: "Wir haben ein Bein an der Küste im Schlamm und ein Bein in den Gremien der Regierung", so Henckes. Deutschland gehöre zu den wenigen Entwicklungspartnern, die nicht nur am Konferenztisch reden, sondern auf praktische Erfahrungen an der Basis verweisen könnten: "Das stärkt unsere Glaubwürdigkeit."


Von der Pilotstudie zum Gesetz für den Küstenschutz

Im April 2016 wurde zum ersten Mal in Vietnam eine Verordnung zur regionalen Kooperation bei der Anpassung an den Klimawandel verabschiedet, die das Ministerium für Planung und Investitionen mit Unterstützung des Vorhabens erarbeitet hat. Außerdem wird derzeit ein integrierter Küstenschutzplan für vier Küstenprovinzen aufgestellt.

"Vietnam baut jetzt Lahnungen aus Eigenmitteln, und andere internationale Partner investieren ebenfalls in unsere Lösungen. Damit entfaltet der begrenzte deutsche Mitteleinsatz eine beachtliche Hebelwirkung", berichtet der Programmleiter. "Die Australier, die sich mit der Hälfte der Summe an dem Projekt beteiligen, nennen das "Aid Investment" und geben uns gute Noten. Ich möchte dem deutschen Steuerzahler Rechenschaft ablegen und sagen: Auf jeden Euro, der hier fließt, kommen zehn bis zwanzig weitere vom vietnamesischen Staat oder anderen internationalen Gebern, die unsere Modelle vervielfältigen. Damit erzielen wir Relevanz."


Versalzung – die zweite, große Herausforderung im Delta

Die Küste aus der Vogelperspektive: Im Vordergrund T-förmige Schutzzäune und der wieder aufgeforstete Mangrovengürtel, der den landseitig gelegenen Deich und die dahinter liegenden Garnelenzuchtfarmen vor Überflutung durch Meerwasser schützt. Doch das Salzwasser dringt auch durch die Kanäle und im Untergrund landeinwärts.

Neben den alten müssen jedoch auch neue Herausforderungen im Mekong-Delta bewältigt werden: Im Frühjahr 2016 führte der Mekong so wenig Wasser, dass das Meerwasser flussaufwärts vordrang, in die Kanäle drückte und unterirdisch im Grundwasser aufstieg. Die Salzwasserintrusion ist 90 Kilometer tief im Land zu spüren und reicht bis fast nach Saigon. Die Reisbauern beklagen totale Ernteausfälle, die Garnelenzüchter haben nicht mehr genug Frischwasser für ihre Teiche. Notprogramme für die leidende Bevölkerung sind angelaufen.

"Die große Frage lautet", sagt Programmleiter Henckes, "wie wird man mit der in Zukunft zu erwartenden Klimamigration umgehen, ohne dass es zu Konflikten kommt? In einem Land wie Vietnam, wo 70 Millionen in Küstenzonen und Flussdeltas leben? Was macht man mit all den Menschen? Das bedarf einer guten Regierungsführung."


Versalzung des Grundwassers – Thema des BGR-Vorhabens

Die deutsche Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) beteiligt sich mit ihrem Projekt "Verbesserung des Grundwasserschutzes in Vietnam" am integrierten Küstenmanagement im Mekong-Delta.

"Es geht zunächst darum, dass man im Mekong-Delta den Zusammenhang zwischen dem Oberflächenwasser-System der Küsten und Kanäle und dem Grundwasser im Untergrund versteht. Der Schwerpunkt unseres Projektes liegt daher auf der Untersuchung der lokalen Hydrogeologie im Delta, um das Prozessverständnis zur Versalzung des Grundwassers zu verbessern. Denn das ist noch nicht umfassend geklärt", sagt Dorit Lehrack, die Projektleiterin des BGR-Vorhabens.

Grundwasser ist eine äußerst wichtige Ressource für die Wasserversorgung der Menschen und der Agrarwirtschaft im Delta. Der Bedarf an Süßwasser steigt ständig: Man pumpt es in die Aquakulturen und benötigt es für den Reisanbau, insbesondere in Gebieten, in denen mittlerweile dreimal statt zweimal im Jahr Reis gepflanzt und geerntet wird.

"Je tiefer das Meerwasser durch den Klimawandel landeinwärts dringt und zur Versalzung des Oberflächenwassers führt, desto mehr Grundwasser müssen die Aquafarmer in ihre Teiche pumpen, denn der hohe Salzgehalt ist ungeeignet für Garnelen. Das wiederum kann zu einem Nachströmen von Salzwasser in die schwindenden Süßwasservorräte im Untergrund führen", so beschreibt die Expertin den noch nicht genau erforschten Teufelskreis. Man nimmt ferner an, dass die Grundwasserentnahme im Mekong-Delta im Zusammenhang mit der zu beobachtenden Absenkung der Landoberfläche steht, die nur ein bis zwei Meter über dem Meeresspiegel liegt.


Zusammenarbeit schafft Synergien zum Schutz des Deltas

Oberflächenwasser und Grundwasser zusammen zu betrachten, ist im Allgemeinen nicht so einfach. Auch in Vietnam sind unterschiedliche Behörden dafür zuständig.

"Indem wir mit dem GIZ-Vorhaben kooperieren, schaffen wir sozusagen eine Idee, wie eine Kooperation zwischen Oberflächen- und Grundwasserbehörden funktionieren könnte", sagt Projektleiterin Lehrack. Und so soll im Küstenschutzplan für das Mekong-Delta, der mit Unterstützung der GIZ derzeit erstellt wird, erstmals auch der Teilbereich Grundwasser Berücksichtigung finden.

So ergänzt sich die Arbeit der drei deutschen Entwicklungsorganisationen gut. Zusammen dienen sie dem Land am Mekong, damit das Management des "Deltas der neun Drachen" zu einem Vorbild für die vielen anderen Flussmündungsregionen dieser Welt wird, die den Klimawandel bewältigen müssen.


Auf einen Blick

Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

Bezeichnung des Programms: Integriertes Küstenmanagement im Mekong-Delta

Durchführung 1: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)
Politischer Partner: Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung Vietnams
Budget: 23 Millionen Euro
Laufzeit: 2017 bis 2023

Durchführung 2: KfW Entwicklungsbank
Politischer Partner: Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung Vietnams sowie die Provinzbehörden
Budget: 18 Millionen Euro
Laufzeit: 2017 bis 2023

Durchführung 3: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)
Politischer Partner: Vietnamesisches Umweltministerium
Budget: 1,5 Millionen Euro und 2 Millionen Euro
Laufzeit: 2015–6/2017; 7/2017–12/2019 (derzeit in Planung)


Stimmen aus dem Projekt


Weitere Informationen

Stimmen aus dem Projekt

Die Frauenkooperative: Zweite von links ihre Sprecherin Nguyen Thi Ma, neben ihr die Bäuerin Nguyen Thi Tu mit geernteten Reispflanzen in der Hand.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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