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Stimmen aus dem Projekt

"Ich wünschte, dieses Unternehmen könnte es ewig geben."


Karuna Tamang (links) und die anderen jungen Näherinnen des Sozialunternehmens „Hamri Bahini“ (deutsch: „Unsere kleinen Schwestern“)  haben durch die Anstellung eine neue Lebensperspektive gefunden.

"Ich bin glücklich, dass ich diesen Job gefunden habe, als meine Familie und ich durch sehr schwierige Zeiten gegangen sind." Karuna Tamang arbeitet als Näherin in dem Sozialunternehmen Hamri Bahini in Kathmandu. Es wurde mit Unterstützung des nepalesisch-deutschen Entwicklungsprogramms INCLUDE gegründet und fertigt Stoffbeutel als umweltfreundliche Alternative zu Plastiktüten.

Die ernsthafte 21-Jährige lebte mit ihrer achtköpfigen Familie im nepalesischen Distrikt Nawalparasi an der indischen Grenze. Als sie klein war, ging ihr Vater als Wanderarbeiter nach Indien und kam nur alle ein oder zwei Jahre auf Besuch nach Hause. "Irgendwann ließ er nichts mehr von sich hören und schickte auch kein Geld mehr", berichtet Karuna. Sie musste nach der achten Klasse die Schule verlassen und das Nähen lernen, um zum Familienunterhalt beizutragen.

Auf der Suche nach Arbeit kam sie schließlich in die Hauptstadt Kathmandu. Sie arbeitete dort in einer Nähstube, wo sie zwischen 1.700 und 2.500 Rupien im Monat verdiente (umgerechnet 14 bis 21 Euro): "Bei diesem Lohn konnte ich nichts sparen. Und ich konnte auch meiner Mutter nicht helfen." Sie dachte daran, Nepal zu verlassen, um im Ausland zu arbeiten, als eine Freundin ihr von Hamri Bahini erzählte: "Sie sagte, das sei ein gute Organisation, die respektable Jobs für Mädchen anbietet, die in Schwierigkeiten stecken. Als ich das erste Mal zu Hamri Bahini kam, sah ich dort so viele Mädchen arbeiten! Früher war ich es gewohnt, allein im Geschäft zu arbeiten, das war schwierig, denn ich fühlte mich sehr einsam. Hier fühle ich mich so glücklich, andere wie mich zu sehen."

Mehr Geld, mehr Selbstvertrauen

Im alten Job habe sie am Samstag oder an Festtagen niemals frei bekommen, um nach Hause zu fahren, erzählt sie weiter. Jetzt ist das anders. Ihr geregelter Arbeitstag geht von 9 bis 17 Uhr und sie bekommt Urlaub. Karuna verdient jetzt 8.000 Rupien (etwa 66 Euro) im Monat. Da die Näherinnen Mittagessen und einen Snack zur Teezeit bekommen, spart sie auch noch 4.000 Rupien für Essen ein. Sie ist sparsam und kann jeden zweiten Monatslohn ihrer Mutter nach Hause schicken. Und ein Mobiltelefon hat sie sich gekauft: "Immer, wenn ich mich jetzt allein fühle oder Heimweh habe, rufe ich meine Familie an."

"Ich wünschte, dieses Unternehmen könnte es ewig geben", sagt die junge Frau und fügt nachdenklich hinzu: "Ich denke, anstatt auszuwandern sollten wir Frauen in Nepal bleiben, Fertigkeiten erwerben und diese anderen beibringen. Obwohl mein Vater und mein Bruder sich nicht um die Familie gekümmert haben, war ich in der Lage, ihr zu helfen – und das obwohl ich die Schule verlassen musste, um Nähen zu lernen. Ich denke, ich bin jetzt reifer in meinem Denken geworden. Und ich habe mehr Selbstvertrauen."


Lexikon der Entwicklungspolitik

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