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Stimmen aus dem Projekt

"Strom eröffnet Zutritt zur modernen Welt."

Elektrisches Licht ermöglicht das Lernen am Abend: In der Schule von Talek bereitet eine Lehrerin ihre Schüler auf das nationale Examen vor.

"In fünf Jahren ist Talek so hoch entwickelt wie Nairobi!" Dee Tome, der Vorsitzende des Energiekomitees der Gemeinde, hat ein Zwinkern in den Augen, als er diesen Satz sagt. Mit seinem Hirtenstock zeigt der Maasai, in die traditionelle, rotkarierte Suka seines Volkes gewandet, auf die noch trostlose Ansiedlung aus unverputzten, wellblechgedeckten Häuser, Baracken und armseligen Hütten. Talek im Südwesten von Kenia bezog bis vor kurzem seine Bedeutung nur aus seiner Lage am Eingang zum Maasai-Mara-Nationalpark. Man verdiente ein wenig an den durchreisenden Touristen. Parkranger und Angestellte aus den Lodges wohnen hier, insgesamt rund 1.700 Einwohner.

„Die Dorfstromanlage hat unser Leben verändert“

Das sagt die Geschäftsfrau und junge Mutter Naomi Mutua mit zufriedenem Gesicht. Die kleinen Läden der "Einkaufsmeile" am staubigen Marktplatz von Talek sind in frischen Farben angestrichen, das "Art Café" bietet seinen Kunden einen Platz im Schatten.

"In kurzer Zeit hat sich hier viel getan", bestätigt Pierre Telep. Der GIZ-Mitarbeiter hat zusammen mit der Deutschen Welthungerhilfe und der Lokalregierung 2015 den Aufbau der Dorfstromanlage betreut. "In dem Moment, als die ersten Pfosten zum Bau der Solaranlage aufgestellt wurden und die Leute sahen, da passiert tatsächlich was – da wurden sofort mehrere Hotels gebaut und eine zweite Tankstelle wurde eröffnet. Seit Strom fließt, prosperiert das Dorf und hat sich zum Dienstleistungszentrum für die ganze Umgebung entwickelt."


„Das Geschäft ist gewachsen!“

Der Friseur in Talek bedient seine Kundschaft auch nach Einbruch der Dunkelheit.

Im Eisenwaren- und Elektrohandel von Lucy Wanjiku Mwangi zeigt die Menge der angebotenen Energiesparlampen, Steckdosen und Lichtschalter samt Zubehör, dass die Geschäftsfrau zusätzliche Umsätze macht. "Die Leute können jetzt ihr Mobiltelefon zuhause aufladen", erzählt sie. Das sei den Leuten wichtig, die nun dafür nicht mehr zum Laden gehen und Gebühren bezahlen müssten. Sie habe dafür neue Kunden gewonnen: Bei ihr könne man nun Fotokopien machen und der Computer biete Zugang zum Internet.

Nebenan in der Gemischtwarenhandlung läuft das Geschäft ebenfalls gut. In der Schneiderei surrt die elektrische Nähmaschine und auch die Friseure haben heute Abend noch gut zu tun.


Talek leuchtet

… weit hinaus in die Dunkelheit einer ansonsten stromlosen Region. Im 40 Kilometer entfernten Ort Sekenani wirbt der Bürgermeister Moses Ole Kasoe in seinem kargen Büro um finanzielle Unterstützung: "Wenn wir Strom hätten, wäre das förderlich für die Bildung. Unsere Schüler könnten am Abend fleißiger lernen."

Ohne Strom fehlt den Menschen das Licht am Abend – und damit die Möglichkeit zum Lernen und Lesen für die Schulkinder, die in den nationalen Examen die gleichen Aufgaben zu lösen haben wie die Kinder aus der Stadt – allerdings bei ungleichen Lebensbedingungen: Ohne Strom läuft kein Fernseher und kein Computer, gibt es keine Teilhabe am modernen Leben.

Nun versteht man, warum der Vorsitzende des Energiekomitees von Talek, Dee Tome, das Bild von Nairobi bemüht hat: Weil es als Sinnbild für die moderne Welt steht. Die jetzt in erreichbare Nähe gerückt ist, zumindest ein wenig.


Lexikon der Entwicklungspolitik

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