Hauptinhalt

Stimmen aus dem Projekt

"Erweitere deinen Horizont, dann kommst du überall hin."


Szene aus dem Film "Ixcanul"

Der Film "Ixcanul" nimmt uns mit zu den Cakchiquel-Maya im Hochland von Guatemala. Das 17-jährige Bauernmädchen María lebt mit ihren Eltern auf einer kleinen Farm am Fuße eines aktiven Vulkans. Ihr Haus hat keine Fenster, Licht fällt nur durch die Ritzen der Bretter. Man sieht das stille Mädchen mit ihrer Mutter Holz holen, Schweine füttern, in der Kaffeeplantage arbeiten. Sie soll den älteren Vorarbeiter heiraten.

Doch hinter ihren verschlossenen Zügen brodelt die Sehnsucht nach Aufbruch. "Was ist hinter dem Vulkan?", fragt sie den hübschen Taugenichts Pedro. "Die Vereinigten Staaten", antwortet er. "Häuser mit großen Gärten. Die Leute haben Autos." María wird sich ihm hingeben, damit er sie mitnimmt. Er wird sie sitzenlassen, ehe er von ihrer Schwangerschaft erfährt.

Der guatemaltekische Regisseur Jayro Bustamante erzählt in dem Film, der 2015 den Silbernen Bären der Berlinale gewann, eine uralte Geschichte auf wunderbare Weise neu.

"Der Film spiegelt die Situation auf dem Land wider"

Sagt Vivian Salazar Monzón, Direktorin des Internationalen Bildungsinstituts IIARS: "Es geht um das Fehlen von Möglichkeiten für Mädchen. Ihnen wird immer noch vorgelebt: Deine Zukunft sind Kinder und Familie. Es gibt zwar einen Wandel in den ländlichen Familien, Bildung nicht nur den Jungen zukommen zu lassen. Mädchen gehen nun auch zur Schule, aber weniger als Jungen. In der Schule werden sie dann mit Benachteiligung und Sexismus konfrontiert. Sie werden wenig angeregt, weiter in ihre Bildung zu investieren. Besonders in der Sekundarschule fehlt der Anreiz zu lernen und sich ein autonomes Leben aufzubauen."


"Wenn du Selbstvertrauen hast und bereit bist zu lernen, schaffst du alles!"

Die 18-jährige Johana Marisol Akabal Itzep sagt diesen Satz und ihre Augen strahlen. Sie ist der Beweis dafür, dass ein eigenverantwortliches Leben auch für Mädchen vom Lande möglich ist. Die junge Frau aus dem Volk der Quiché hat ihre anfängliche Schüchternheit schnell überwunden und zeigt den Besuchern ihre kleine Hühnerfarm: 40 große Hühner, 20 kleine und 10 Zwerghühner gackern und scharren in dem weitläufigen Gehege.


Hühnerhaltung hat Johana in der Schule gelernt

Die junge Indigene Johana züchtet erfolgreich Hühner. Urheberrecht: GIZEine Hühnerfarm sei ihr Traum gewesen, erzählt Johana, seit sie an einem Kurs über Hühnerhaltung in der Schule teilgenommen habe. Sie hat eine Modellschule des EDUVIDA-Programms der GIZ besucht, in der Wert auf handwerkliche und unternehmerische Ausbildung gelegt wird. Das Startkapital verdiente sie sich mit dem Weben von bunten Gürteln, auch das hat sie in der Schule gelernt. Mit fünf Hühnern fing sie dann vor zwei Jahren an, noch zuhause. Sie kommt aus einer Familie mit sieben Kindern. "Meine Eltern haben mich immer unterstützt. Sie sagten: Geh nur immer weiter voran, und sieh, was danach kommt!"


Verkauf von Hühnern und Eiern wirft Gewinn ab

"Man muss das Startkapital zusammenbekommen und sich dann verantwortungsbewusst um die Hühner kümmern, damit sie nicht krank werden und sterben. Wenn sie erst mal Eier legen, wächst die Zahl der Tiere rasch", berichtet Johana von ihren Erfahrungen. Der Verkauf von Eiern und Hühnern sei profitabel, allein in ihrem Heimatdorf Xix im Bezirk Quiché habe sie genug Abnehmer. Zusammen mit einem Bruder hat sie inzwischen ein eigenes Stück Land gepachtet, um ein größeres Gehege anzulegen und Getreide und Gemüse anzubauen, das sie auch als Hühnerfutter benötigt.


Johana will mehr – sie will Lehrerin werden

Neben ihrer stetig wachsenden Hühnerzucht und dem Gemüseanbau verfolgt Johana aber noch einen weiteren Plan: Sie hofft auf einen Job als Grundschullehrerin. Die Berechtigung dazu hat sie mit ihrem Sekundarschulabschluss erworben. Um sich in Pädagogik fortzubilden, besucht sie jeden Samstag einen Kurs an einer privaten Universität in der benachbarten Stadt. Kursgebühren und Transport kann sie mit dem Verkauf von Geflügel finanzieren.

"Ich kann das alles, ich habe die Kraft dazu!", ist sie überzeugt und man glaubt der charismatischen jungen Frau sofort, dass sie eine gute Lehrerin sein wird. Ihr Mut und ihre Tatkraft überzeugen, gerade weil ihr der Sinn für die Realität nicht abgeht: "Wenn man von klein auf anfängt zu lernen, kann man die größten Träume verwirklichen. Man muss nur weit genug sehen können und nicht nur auf das hier", sie deutet auf die armseligen Häuser des kleinen Dorfes, "dann kann man überall hinkommen."

Um es mit den Worten der Cakchiquel-Maya auszudrücken: Johana hat Zugang zu der Kraft gefunden, die im Inneren des Vulkans brodelt und hinaus will. Diese Kraft nennen die Maya "Ixcanul".


Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen