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Fallstudie Demokratische Republik Kongo: Friedenssicherung

Wiederaufbauen – und ein friedliches Wirtschaften ermöglichen


Der Wiederaufbau von Märkten in der DR Kongo hilft der Bevölkerung, ihre Produkte zu verkaufen und ihre geringen Einkommen aufzubessern. Hier der Markt von Vurusi in Nord-Kivu.

Die Demokratische Republik Kongo (DR Kongo) hat die in den Kongokriegen von 1996 bis 2002 angerichteten Zerstörungen noch nicht überwunden. Die soziale und humanitäre Lage ist in weiten Teilen des zentralafrikanischen Landes katastrophal.

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat die KfW Entwicklungsbank daher gemeinsam mit der kongolesischen Regierung einen "Friedensfonds" aufgelegt. Er setzt im immer noch unruhigen Ostkongo und im Großraum der Hauptstadt Kinshasa sichtbare Zeichen für den Frieden: Seit 2008 wurden unter anderem 65 Schulen und 57 Gesundheitsstationen sowie sechs Krankenhäuser wiederaufgebaut. Ferner konnten fast 3.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche wiederhergestellt und Märkte, Lager für Agrarprodukte und Wasserleitungen gebaut werden. Außerdem wurden fast 1.000 Kilometer ländliche Wege mit über 100 Brücken erneuert.

Die arbeitsintensiven Maßnahmen brachten vielen Menschen nicht nur kurzfristig Lohn und Brot. Vielmehr machen sie Landwirtschaft und Handel wieder möglich – und eröffnen damit Alternativen zur Arbeit in illegalen Minen und zum Anschluss an bewaffnete Gruppen.

Ein Projekt zum Reisanbau in der Provinz Süd-Kivu und der Bau einer Schule für gehörlose und geistig beeinträchtigte Kinder in Kinshasa sollen im Folgenden die Aufgabe und den Erfolg des Friedensfonds veranschaulichen.

"Schatten über dem Kongo"

Zerstörte Häuser im Südosten der Demokratischen Republik Kongo

Das riesige Land im Herzen von Afrika ist fast so groß wie Westeuropa, zählt rund 77 Millionen Einwohner und verfügt über unschätzbare Naturgüter und unermessliche Bodenschätze, die seit jeher auf dem Weltmarkt hohe Preise erzielen. Früher waren das Elfenbein und Kautschuk; heute sind es Tropenholz, Diamanten, Gold, Uran sowie Zinn und Wolfram, Kupfer und Kobalt: unverzichtbare Bestandteile für elektronische Geräte und in jedem Handy, Laptop oder Auto zu finden.

Die Demokratische Republik Kongo könnte zu den führenden Staaten Afrikas gehören – wenn es keine Plünderung durch belgische Kolonialherren, keine Jahrzehnte der Diktatur unter Mobutu Sese Seko, keine Verwüstungen durch die Kongokriege gegeben hätte. Und wenn der Kongo nicht auch in seiner jüngsten Geschichte durch schwache Staatlichkeit und schlechte Regierungsführung geprägt gewesen wäre.

Zwei Drittel der Bevölkerung leben in extremer Armut; die grundlegenden Rechte auf Nahrung, Bildung und Gesundheit bleiben den meisten Menschen in der DR Kongo verwehrt. Gewalt und Habgier blockieren bis heute das große Entwicklungspotenzial des Landes. Oder wie Adam Hochschild in seinem beeindruckenden Buch über die belgische Kolonialherrschaft schreibt: Es liegt ein "Schatten über dem Kongo".


Die humanitäre Krise im Ostkongo

Um zu begreifen, wie wichtig das Engagement des Friedensfonds in einer der schlimmsten humanitären Krisen der Welt ist, muss man den Hintergrund beleuchten: Die Kongokriege sind der Nachhall des Völkermordes an den Tutsi im benachbarten Ruanda 1994. Die verantwortlichen Hutu-Milizen flohen damals über die Grenze und formierten sich neu, was Ruanda 1996 zu einer Invasion in den Kongo und die dortigen Behörden wiederum zum Vorgehen gegen Ruander veranlasste. Ruandische Militärs unterstützten daraufhin gemeinsam mit ugandischen Kräften eine Rebellenarmee gegen den kongolesischen Diktator Mobutu, der wenige Monate später gestürzt wurde.

Laurent-Désiré Kabila, der Vater des heutigen Präsidenten Joseph Kabila, bildete eine neue Regierung und gab dem Land, das unter Mobutu Zaire hieß, den hoffnungsvollen Namen "Demokratische Republik Kongo". Doch schnell kam es zu Auseinandersetzungen mit verschiedenen Rebellengruppen. Diese eskalierten 1998 im zweiten Kongokrieg, der auch als "afrikanischer Weltkrieg" bezeichnet wird, weil zahlreiche afrikanische Staaten in ihn verwickelt waren. Kein Krieg nach 1945 hat so viele Opfer gefordert: Schätzungen gehen von fünf Millionen Toten aus.


Bewaffnete Konflikte dauern bis heute an

Ein UN-Blauhelmsoldat bewacht das Gesundheitszentrum von Kibati (Demokratische Republik Kongo).

Der Friedensvertrag von 2002 beendete den Kongokrieg, aber nicht den Milizenkrieg im Ostkongo. In den Provinzen Ituri, Nord- und Süd-Kivu ist die Sicherheitslage bis heute instabil, obwohl es zahlreiche Anstrengungen gab, die Region zu befrieden – seit 1999 läuft dort die größte UN-Friedensmission MONUSCO mit derzeit rund 18.000 Blauhelmsoldaten und Polizisten.

"Im äußersten Osten des Kongo fehlen staatliche Strukturen oft komplett, es gilt das Recht des Stärkeren. Man muss sich vorstellen: In der Provinz Nord-Kivu, in der wir zurzeit besonders aktiv sind, gibt es meines Wissens um die 70 verschiedene bewaffnete Gruppierungen, die untereinander und gegen die Regierungsarmee kämpfen. Ihre wichtigste Einnahmequelle sind die vielen illegalen Minen. Folglich gibt es auch viele Akteure, die nicht an einem dauerhaften Frieden interessiert sind. Die herrschende Unsicherheit, die fehlende Staatlichkeit spielt diesen Milizen in die Hände. Sie profitieren davon, dass sie relativ ungehindert die vielen Rohstoffe plündern können." So beginnt Philipp Wyrsch, der KfW-Verantwortliche für den Friedensfonds, seinen Bericht über das anspruchsvolle Vorhaben.

Der Konflikt im dicht besiedelten Gebiet um die großen Seen ist vielschichtig: Es gibt ein gewalttätiges Ringen um Bodenschätze und Landrechte, das durch ethnische Feindschaften befeuert und von einer großen Zahl bewaffneter Gruppen ausgetragen wird. Regionale Konflikte, die ihren Ursprung in den Nachbarländern Ruanda, Uganda und Burundi haben, werden ebenso auf kongolesischem Boden ausgetragen wie lokale Konflikte, die durch eine Kombination von Armut und fehlendem Gewaltmonopol des Staates verstärkt werden.

Die – teils auch von der Bevölkerung zur Selbstverteidigung gegründeten – bewaffneten Gruppen bekriegen sich untereinander und verbünden sich in ständig wechselnden Allianzen gegen die Regierungsarmee, die die Zivilbevölkerung oft nicht schützen kann. Undisziplinierte Einheiten beteiligen sich zudem an der Ausbeutung der illegalen Minen und tragen ihren Teil zur Knechtschaft der Bevölkerung bei. Flüchtlingsbewegungen aus den Nachbarländern, zuletzt aus dem Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik, verschärfen die soziale Lage.


"Die Zivilbevölkerung hat unbeschreibliches Leid erfahren"

In Masisi (Nord-Kivu) wurden 1.000 einfache Unterkünfte für rückkehrende Binnenflüchtlinge gebaut.

"Es gibt diverse bewaffnete Gruppen, die marodierend durch die Gegend ziehen und sich nehmen, was sie wollen", berichtet Philipp Wyrsch. Leider komme auch sexuelle Gewalt häufig vor, Vergewaltigungen von Frauen, Kindern und auch Männern würden systematisch als Waffe angewandt. Und immer wieder werden Dörfer zerstört und Menschen getötet, wie im Sommer 2016 im Bezirk Beni in Nord-Kivu, wo es zu einem Massaker mit 50 Toten kam. In einer Gegend, die bis dahin relativ sicher war, in der Projekte des Friedensfonds umgesetzt werden: "Die ganze Region hat was von einem Pulverfass."

So kommt es auch immer wieder zu Vertreibungen. Man schätzt, dass es zwei bis drei Millionen Binnenflüchtlinge im Kongo gibt. Das Phänomen ist sehr dynamisch, weil die Menschen versuchen, in ihre Heimat zurückzukehren, es aber immer wieder zu neuen Fluchtbewegungen kommt, je nachdem wo die Frontgrenzen verlaufen.

"Die menschliche Not im Ostkongo ist groß. Und es fehlt so ziemlich an allem, es fängt bei den Basisdienstleistungen an", sagt Projetmanager Wyrsch und zählt auf: "Es gibt keine oder nur wenige Schulen; wenn es Schulen gibt, dann gibt es keine Lehrer; wenn es Lehrer gibt, dann fehlt es an Schulmaterial. Gesundheitsstationen gibt es nicht oder sie werden nicht betrieben. Es ist sehr schwierig, Märkte wieder aufzubauen, weil die Infrastruktur fehlt: Straßen sind zerstört, Brücken sind zerstört – es sind einfach sehr, sehr widrige Umstände." Genau hier setzt das Vorhaben an.


Schnelle und sichtbare Verbesserung der Lebensverhältnisse

Diese Zapfstelle in Nyangezi (Provinz Süd-Kivu, DR Kongo) wurde aus Mitteln des Friedensfonds errichtet. Die Frauen und Mädchen müssen nun nicht mehr den kilometerweiten und oft gefährlichen Weg zur nächsten Quelle auf sich nehmen, um Wasser zu holen.

Die Idee des Friedensfonds ist es, schnellstmöglich eine "Friedensdividende" für die gebeutelte Bevölkerung zu schaffen, damit alle sehen, dass es aufwärts geht. Dafür werden finanzielle Mittel bereitgestellt, um die Menschen mit den Dingen zu versorgen, die ein normales Leben ermöglichen: Wasser und Wege, Felder und Märkte, Krankenhäuser und Schulen.

Damit aber in dem schwierigen Umfeld die richtigen Prioritäten gesetzt werden, muss die Situation vor Ort genau analysiert werden. Dabei wird Wert auf Konfliktsensibilität nach dem Prinzip "Do no harm" gelegt: Ein Team vor Ort steht in engem Kontakt mit der Zielgruppe, um deren Bedürfnisse und Vorstellungen abzufragen und sicherzustellen, dass die verschiedenen ethnischen Gruppen gleichberechtigt von dem Projekt profitieren und es nicht zu neuen Konflikten kommt.

Die Baumaßnahmen werden mit der Bevölkerung vor Ort geplant und als beschäftigungsintensive Maßnahmen durchgeführt. Das bedeutet, dass möglichst viele Männer und auch Frauen zumindest einige Monate lang ein regelmäßiges Einkommen haben. Anschließend sollen sich für sie neue Beschäftigungsperspektiven in der Landwirtschaft, im Handel oder im Handwerk auftun, erläutert Wyrsch: "Die Zugehörigkeit zu bewaffneten Gruppierungen oder die Beschäftigung in illegalen Minen sind oft lukrativer als das, was die zerstörte Wirtschaft im Ostkongo an Möglichkeiten bereitstellt. Es gilt also, alternative Einkommensquellen zu eröffnen." Denn nur wenn die Menschen erfahren, dass sich ihre Lebenssituation verbessert, kann sich die Lage stabilisieren und der Frieden wachsen.


Landwirtschaftliche Produktivität ankurbeln – Beispiel Reisanbau

In der Ruzizi-Ebene, einem sehr abgelegenen, nur unter Sicherheitsvorkehrungen zugänglichen Gebiet in der Provinz Süd-Kivu an der Grenze zu Burundi, wurde ein Bewässerungssystem für Reisfelder erneuert und erweitert: Die Quelle musste gefasst werden, ein Damm, eine Schleusenanlage und Kanäle wurden gebaut. Ferner wurden landwirtschaftliche Gebäude für die Reisverarbeitung und -lagerung erstellt.

Im September 2016, ein Jahr nach Fertigstellung und Übergabe an die neu gegründete Genossenschaft der Reisanbauer, hat Philipp Wyrsch zusammen mit seinem Kollegen Dirk Wenzel das Projekt zur Abschlusskontrolle besucht. Die baulichen Anlagen, die schneller als geplant fertiggestellt wurden – was einen Hinweis auf die hohe Motivation der Ausführenden gibt – waren in einem sehr guten Zustand.


Wie "Schwerter zu Pflugscharen" werden

Reisanbau in Süd-Kivu (Demokratische Republik Kongo)

Interessant aber war, was die Prüfkommission bei der Besichtigung erfuhr: Ein großer Teil der Leute, die die Bauarbeiten ausgeführt hatten, nämlich 356 Männer, waren Mitglieder von lokalen bewaffneten Gruppen gewesen, die in der Umgebung ihr Unwesen getrieben hatten. Sie konnten durch das Reisanbauprojekt ihr Leben als Kämpfer aufgeben und wieder in die Dörfer ziehen, berichtet der technische Sachverständige Dirk Wenzel: "Man hat uns erzählt, dass sie darauf verzichtet haben, wieder zu den Waffen zu greifen. In der Region hat es seitdem keine bewaffneten Konflikte mehr gegeben."

Die Resozialisierung der Ex-Kombattanten war möglich, weil alle Beteiligten im Anschluss an die Maßnahme eine Reisparzelle zur Verfügung gestellt bekamen. Denn die Anbaufläche konnte von 165 auf 345 Hektar ausgeweitet werden. Ferner werden die Mitglieder in der neu gegründeten Genossenschaft über bessere Anbaumethoden beraten. Die Reisproduktion ist um das Achtfache auf 2.760 Tonnen pro Jahr gestiegen, die Zahl der Reisbauern konnte auf mehr als 1.300 verdoppelt werden. Weil gleichzeitig die Verarbeitung, Lagerung und die Vermarktung professionalisiert wurde, können sie von ihrer Hände Arbeit leben.

Eine weitere positive Wirkung des Projekts war die Beschäftigung von 217 Frauen, darunter auch viele Witwen, die zuvor teilweise in der örtlichen Kassiterit-Mine gearbeitet und die Minenarbeiter versorgt hatten. Viele hatten sich dort auch aus Not prostituiert. Sie konnten sich aus der Zwangsprostitution befreien, wie der Prüfkommission berichtet wurde, weil sie nun ihren Lebensunterhalt wieder in der Landwirtschaft verdienen können.

"Es war total spannend. Wir sagten uns: Das ist die richtige Stoßrichtung, das sind genau die Wirkungen, die erzielt werden sollen! Wenn man sowas in der Form auch gar nicht im Vorfeld planen kann – wir wollen dazu beitragen, lokale Wirtschaftskreisläufe zu reaktivieren, wir wollen Konflikte entschärfen. Und wenn es dann wirklich so konkret klappt in diesem schwierigen Umfeld…!" Philipp Wyrsch lässt den Satz unvollendet. Seine Freude über dieses Resultat bedarf keiner weiteren Worte.


Wiederaufbau ist dennoch ein langwieriger Prozess

Befestigte und beleuchtete Straßen steigern die Sicherheit in den Ortschaften in Nord-Kivu. Das Pflastern von Straßen, hier in Goma, ist aufgrund der billig verfügbaren Arbeitskräfte kostengünstiger als das Anlegen von Teerstraßen. Außerdem sind gepflasterte Straßen leichter zu reparieren.

Dennoch sei Wiederaufbau ein sehr langwieriger Prozess, räumt der Experte ein: "Wenn wir ein Problem lösen konnten, zeigt sich oft schon das nächste." Im Fall des Reisanbauprojekts sind es die schlechten Wege, die die Reislieferung zu den Abnehmern in den Städten beschwerlich machen. Die Säcke müssen über mehrere Kilometer auf Fahrrädern oder Mopeds über Feldwege transportiert werden, die bei Regen kaum passierbar sind.

Auch der Unterhalt und die Wartung der baulichen Anlagen ist in dem schwierigen Kontext nicht immer zufriedenstellend, meint der Programmverantwortliche: "Es gibt Vorhaben, die unseres Erachtens sehr gut gewartet werden. Wenn zivilgesellschaftliche Organisationen oder kirchliche Träger dahinter stehen, ist das Engagement oft da. Wenn staatliche Stellen verantwortlich zeichnen, gibt es oft Defizite. Das sieht man besonders auffällig im Straßenbereich, wenn Schlaglöcher nicht repariert werden." Man muss dazu wissen, dass staatliche Bedienstete in der Demokratischen Republik Kongo unregelmäßig oder gar nicht entlohnt werden. Korruption ist an der Tagesordnung.

Daher musste das Vorhaben, vor allem in den Anfangsjahren, von der üblicherweise engen Zusammenarbeit mit dem staatlichen Partner abweichen. Da rasche Unterstützung erforderlich war, setzte der Friedensfonds seine Projekte zunächst ausschließlich mit Nichtregierungsorganisationen und kirchlichen Trägern um, die gut in der Bevölkerung verwurzelt sind und sich vor Ort auskennen. Ein wichtiger Partner des Friedensfonds ist außerdem die Welthungerhilfe. Inzwischen ist es möglich, den kongolesischen Staat stärker miteinzubeziehen: Staatliche Stellen erarbeiten inzwischen Projektvorschläge, die auf Entwicklungsstrategien beruhen.


Wie kann die Veruntreuung von Geldern verhindert werden?

"Ein Erfolgsrezept des Friedensfonds sind die sehr klar definierten und kommunizierten Kriterien: Wo die Not am größten ist, da gehen wir hin, sofern es unter Sicherheitsgesichtspunkten möglich ist. Wenn ein Projektvorschlag kommt, der nicht die Kriterien des Friedensfonds erfüllt, dann wird er abgelehnt, egal woher er kommt. So werden keine Partikularinteressen bedient, die nichts mit der Vision des Friedensfonds zu tun haben."

Um sicherzugehen, dass die Projekte rasch und wirksam durchgeführt und keine Mittel veruntreut werden, kontrolliert eine Fondsverwaltung mit nationalen und internationalen Experten die Umsetzung vor Ort nach einem strengen System. Die Friedensfondsverwaltung hat ein Büro in Goma, weil zurzeit nur Aktivitäten im Ostkongo stattfinden, und eine kleine Niederlassung in Kinshasa.

Schließlich wird in der Abschlusskontrolle ein Jahr nach Fertigstellung – und bei vielen Projekten nochmals nach drei Jahren – eine kritische Bestandsaufnahme gemacht. "Wichtig ist, die Arbeit des Friedensfonds immer wieder auf den Prüfstand zu stellen und sie, falls nötig, entlang neuer Erkenntnisse auszurichten. Gerade auch, weil sich der kongolesische Kontext immer wieder rasch ändert", sagt mit Claudia Bürkin eine weitere KfW-Expertin, die den Friedensfonds seit Beginn mitgestaltet und weiterentwickelt hat.


Sozialen Zusammenhalt stärken – Voraussetzung für den Frieden

Menschen überqueren jubelnd eine Brücke, die aus Mitteln des Friedensfonds wiederaufgebaut wurde.

So wird in der neuen Phase des Friedensfonds noch deutlicher auf eine Stärkung des sozialen Zusammenhalts in dem Vielvölkerstaat abgehoben. Im Reisanbauprojekt etwa dient die neu gebildete Genossenschaft auch dem Ziel, durch gemeinsames Wirtschaften Vorurteile abzubauen. "Unsere Überlegungen basieren auf der Kontakttheorie", erläutert Wyrsch: "Zum Aufrechterhalten von festen Feindbildern gehört es, dass man keinen Kontakt mit dem Feind hat. Wenn man in Kontakt tritt, dann verlieren sich in der Regel die Ängste."


Inklusion fördern – Beispiel Schule für gehörlose Kinder in Kinshasa

Unterricht in der Sonderschule Bondeko Kintambo für gehörlose Kinder in Kinshasa

Neben der Stabilisierung des Ostkongos hat der Friedensfonds im Großraum Kinshasa 14 Projekte durchgeführt, weil auch hier die Infrastruktur in einem trostlosen Zustand ist. Und weil es auch hier besonders schutzbedürftige Personengruppen gibt, erläutert Valery Bahizire, der seit 2008 für den Friedensfonds arbeitet, zuletzt als stellvertretender Fondsverwalter. Bahizire teilt seine Arbeitskraft zwischen dem Büro in Goma und dem fast 4.000 Kilometer entfernten Hauptstadtbüro im Westen des Kongo auf.

Für ihn, der alle Projekte aus eigener Anschauung gut kennt, gibt es ein herausragendes Beispiel für die Arbeit des Friedensfonds in Kinshasa: der Bau einer Schule für gehörlose Kinder und Jugendliche mit geistigen Beeinträchtigungen, der 2011 gemeinsam mit der Christoffel-Blindenmission realisiert wurde. "Damit haben wir ein Zeichen gegen die hier herrschende Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen gesetzt."

Die Schule verfügt über vier Gebäude mit 28 Klassenzimmern, die 500 Kindern Platz bieten. "Die Gebäude sind fünf Jahre nach der Fertigstellung immer noch sehr gut in Schuss und werden stark genutzt. Man merkt, dass ein ganz großes Engagement dahinter steckt." Das habe er kürzlich bei seiner Inspektion feststellen können.

"Obwohl bei der Erziehung und Ausbildung von Kindern mit Behinderung auch ein sozial-ökonomisches Interesse mitspielt, geht es bei diesem Schulbauprojekt nicht um die Dynamisierung der wirtschaftlichen Kreisläufe wie bei unseren anderen Projekten", bemerkt Philipp Wyrsch dazu. "Es geht um den Aspekt der Inklusion, der meines Erachtens der Kern eines jeden Friedensprozesses ist. Es geht um Menschlichkeit." (siehe: "Ich bin so froh, in dieser Schule zu sein!")


Hoffnung auf Frieden – durch Kontrolle des Rohstoffsektors

Aus dem Erz Coltan wird das Metall Tantal gewonnen, das zur Herstellung elektronischer Geräte benötigt wird.

In der aktuellen Phase konzentriert sich der Friedensfonds auf Projekte in der östlichen Provinz Nord-Kivu. Hier hat die UN-Friedensmission militärische Erfolge erzielt. Man hofft ferner, dass internationale Anstrengungen Wirkung zeigen, die auf eine Eindämmung des Handels mit Konfliktmineralien setzen: Nach den Vereinigten Staaten hat auch die Europäische Union 2016 beschlossen, Unternehmen für die Herkunft von Zinn, Tantal, Wolfram und Gold verantwortlich zu machen. Ziel ist, Kriegsherren und Kriminelle von ihrer Finanzierungsgrundlage abzuschneiden und damit die furchtbaren Menschenrechtsverletzungen in den Gebieten mit illegalen Minen zu beenden.

Parallel dazu gibt es nationale Anstrengungen zur Zertifizierung von Minen: Im Auftrag des BMZ unterstützt die deutsche Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) die kongolesische Regierung bei der Entwicklung und Umsetzung eines Zertifizierungssystems für mineralische Rohstoffe. Das System wurde bereits in die nationale Gesetzgebung integriert, in ersten Pilotminen im Ostkongo erfolgreich getestet und auf weitere Minen ausgeweitet. Das Zertifikat soll sicherstellen, dass die Rohstoffe unter Wahrung arbeitsrechtlicher, sozialer und ökologischer Normen nachhaltig abgebaut wurden.

Ferner wird daran gearbeitet, verantwortungsvolle Lieferketten aufzubauen und Steuereinahmen zu generieren, damit die Gewinne aus den Rohstoffen auch der Bevölkerung zugutekommen. Dann könnte der transparente, legale Handel mit den weltweit begehrten Rohstoffen das Fundament für Frieden und wirtschaftlichen Aufstieg der Demokratischen Republik Kongo bilden. Die Rohstoffzertifizierung und der Friedensfonds bilden so zwei Säulen zur Stabilisierung des Ostkongos.


Auf einen Blick

Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Bezeichnung des Programms: Friedensfonds
Politischer Partner: Kongolesisches Planungsministerium
Durchführung: KfW Entwicklungsbank
Budget: 76,1 Millionen Euro
Laufzeit: seit 2008


Stimmen aus dem Projekt


Weitere Informationen

Stimmen aus dem Projekt

Eine Schülerin der Bondeko-Kintambo-Schule in Kinshasa bedient eine Nähmaschine.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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