Hauptinhalt

Stimmen aus dem Projekt

"Die Wasserversorgung hat uns früher sehr viel Kraft gekostet!"

Adjara Sawadogo lebt mit ihrer Familie im Armenviertel Tabtenga in Ouagadougou (Burkina Faso). Sie freut sich sehr über ihren neuen Wasseranschluss im Hof.

An einer Kreuzung im unüberschaubaren Gewirr der staubigen Wege und engen Gassen in der Armensiedlung Tabtenga der Millionenstadt Ouagadougou hat Nikiema Noufou Sawadogo seine Werkstatt. Im Schatten eines Wellblechdaches nimmt der Zweiradmechaniker gerade den Motor eines Mopeds auseinander, ein Junge schaut ihm dabei zu. Der junge Mann im Blaumann ist nicht nur wegen seines Reparaturservices im ganzen Viertel bekannt: Er hat seiner Familie einen Wasseranschluss zum Geschenk gemacht. Das sprach sich schnell herum und machte seine Mutter zur einer der meistbeneideten Frauen des Quartiers.

"Ich bin sehr, sehr stolz auf meinen Sohn!", sagt seine Mutter Adjara mit einem warmen Lächeln wenig später, als wir in ihrem kleinen, sauber gefegten Hof stehen. Sie zeigt uns ihre Wasserzapfstelle und lässt Trinkwasser in einen Eimer plätschern. "Sehen Sie, was das für eine große Erleichterung für mich ist? Als wir in diese Gegend gezogen sind, hat uns die Wasserversorgung sehr viel Kraft gekostet. Es gibt keinen Ort, an den wir nicht gegangen sind, um uns mit Wasser zu versorgen. Teilweise sind wir bis zu 15 Kilometer weit gelaufen, bis nach Saaba oder Wemtenga, um Wasser zu besorgen."

Stundenlang musste man manchmal an der öffentlichen Wasserzapfstelle anstehen, berichtet sie. Weil die Leute ja auch noch arbeiten und Geld verdienen müssen, schickt man oft Kinder zum Wasserholen. Und man kauft Wasser vom Wasserhändler, der mit seinem Karren ein Fass vorbeibringt. Das aber sei sehr teuer, sagt Frau Sawadogo: "Meine Familie zählt neun Personen. Es kam vor, dass wir am Tag zwei 200-Liter-Fässer verbraucht haben und um die 35.000 Franc (Anmerkung: rund 53 Euro) im Monat für Wasser ausgeben mussten. Wenn ich kein Geld hatte, habe ich manchmal auch nur einen Eimer Wasser geholt, damit wir zumindest genug zu trinken hatten!"

Vor zwei Jahren erfuhr ihr Sohn vom Programm der deutsch-burkinischen Entwicklungszusammenarbeit, dank dem ein privater Wasseranschluss nur noch umgerechnet 47 Euro kostet. Er entschloss sich, die Anschlussgebühr von seinem Verdienst zu finanzieren. Bei einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen in Burkina Faso von umgerechnet 640 Euro (2015) ist diese Summe für die meisten Einwohner nicht leicht aufzubringen. Und obwohl sich ein Wasseranschluss schon nach wenigen Monaten bezahlt macht, weil man in den Genuss der günstigen "Pro-Poor"-Tarife des nationalen Wasserversorgers kommt, gibt es im Viertel der Familie Sawadogo bisher nur 40 Wasseranschlüsse auf rund 1.000 Einwohner. Doch die Zahl steigt, weil sich die Vorteile eines häuslichen Wasseranschlusses schnell herumsprechen.

"Wir haben jetzt genug Wasser! Wir verbrauchen doppelt so viel Wasser wie früher, bezahlen aber weniger als die Hälfte dafür. Unsere Monatsrechnung liegt bei höchstens 13.000 Franc (Anmerkung: rund 20 Euro)", freut sich Frau Sawadogo. Ihr Sohn rechnet vor, dass das Wasser aus dem eigenen Wasserhahn rund fünf Mal günstiger ist, als wenn man es von einem Wasserhändler kauft. Wasser ist damit für die Familie bezahlbar geworden.

"Alles ist viel einfacher geworden. Wir können uns und unsere Kleidung sauber halten", erzählt Frau Sawadogo und führt uns in ihre Küche. Auch das Kochen und Abwaschen hat sich durch den Wasseranschluss deutlich vereinfacht. "Manchmal aber, da gibt es kein Wasser am Tag. Meist passiert das am Ende der Trockenzeit, wenn es sehr heiß ist, dann gibt es diese Engpässe. Dann müssen wir lange aufbleiben und auf das Wasser warten. Es kommt meist gegen ein Uhr nachts." Davon abgesehen ist Adjara Sawadogo sehr zufrieden mit der Wasserversorgung.

Was es bedeutet, eine Latrine im Hof zu haben

Eine Frau in einer informellen Siedlung in Ouagadougou (Burkina Faso) kann nun ihre eigene Toilette nutzen.

Sie zeigt den Besuchern auch das reinliche Toilettenhäuschen in einer Ecke des Hofes, das mithilfe des Sanitärprogramms der GIZ entstanden ist. Die Familie hat es in Eigenleistung gebaut, die Materialien und die fachliche Anleitung wurden zur Verfügung gestellt. Niemand muss jetzt mehr den Hof für das tägliche Geschäft verlassen. Die Frauen und Mädchen der Familie konnten das bisher nur im Schutze der Dunkelheit tun. Die neue Latrine ist für sie, gerade auch in den Tagen der Menstruation, nicht nur ein Stück Lebensqualität. Sie ist ein Stück Menschenwürde.

Neben der Latrine steht ein Kessel mit Wasser und auf einem Stein liegt die Seife, damit man sich nach dem Toilettengang die Hände waschen kann: Allein diese simple Maßnahme, für die man aber genug Wasser haben muss, reduziert die Ansteckungsgefahr bei Durchfall um fast die Hälfte. Das hat die Familie in einer Hygieneschulung gelernt. Da die Toilette jetzt verschlossen ist, gibt es auch nicht mehr so viele Fliegen und Kakerlaken, die Krankheiten übertragen können. "Wir sind einfach nicht mehr so oft krank wie früher!"

Das ist ein unschätzbarer Gewinn, begreifen die Besucher: Denn nicht mehr so oft krank zu sein bedeutet, mehr Kraft zu haben, um in einer Armensiedlung in Afrika überleben und sich eine bescheidene Zukunft aufbauen zu können. Der junge Mechaniker Nikiema Noufou Sawadogo verabschiedet uns. Er muss das Moped wieder flott machen.


Der junge Mechaniker Nikiema Noufou Sawadogo hat mit dem Verdienst seiner Zweirad-Werkstatt einen Wasseranschluss für den Hof seiner Familie finanziert – und wurde zum Rollenvorbild in seiner Gemeinde.

Lexikon der Entwicklungspolitik

Fenster schließen

 

Seite teilen