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Akteure der bilateralen Zusammenarbeit

Private Stiftungen und Philanthropie

Projekt der Initiative "Cotton Made" in Africa in Benin

Das En­gage­ment von privaten Stiftungen sowie von Phil­anthro­pin­nen und Phil­an­thro­pen – also von Personen, die ihr Geld für gemein­nützige Zwecke ein­setzen – hat in Ent­wick­lungs- und Schwellen­ländern in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Manche Stiftungen und Philanthropen fördern die Projekte bereits bestehender Or­ga­ni­sa­ti­o­nen, andere planen und verwirklichen ihre Projekte in Entwicklungsländern selbst.

Gemeinsam ist diesen in­ter­national tätigen Stiftungen und engagierten Einzel­personen die Auffassung, dass es nicht ausreicht, sich den vielen He­raus­for­de­run­gen unserer Zeit – wie Klimawandel, Ernährungs­sicherung oder Um­welt­schutz – nur inner­halb von Deutsch­land zu widmen. Zudem kann Stiftungs­kapi­tal, das zu­gunsten von weniger entwickelten Ländern ein­ge­setzt wird, dort unter Umständen eine höhere Wirkung entfalten als in Deutsch­land.

Private Stiftungen und Phil­an­thro­pen tragen jedoch nicht nur durch ihren finanziellen Einsatz dazu bei, die Lebens­be­din­gungen von Menschen weltweit zu verbessern. Ihr En­gage­ment zeichnet sich auch dadurch aus, dass sie in­no­va­tive und unter­neh­me­rische Ansätze entwickeln und bereit sind, dabei Risiken zu tragen. Durch ihren Einsatz gelingt es ihnen häufig, die breite Öffentlichkeit noch stärker für globale Themen zu interessieren.

Schwerpunkte der in­ter­na­ti­o­nalen Arbeit von Stiftungen und Phil­an­thro­pin­nen und Phil­an­thro­pen sind die Förderung von Bildung, Gesundheit, Land­wirt­schaft, nach­hal­tiger Wirt­schafts­ent­wick­lung und Zivilgesellschaft – Bereiche, in denen sich auch das BMZ engagiert.

Formen der Zu­sam­men­ar­beit

Das BMZ arbeitet auf vielfältige Weise mit privaten Stiftungen und Phil­an­thro­pin­nen und Phil­an­thro­pen zusammen. Diese Ko­ope­ra­tio­nen bieten den privaten Akteuren die Möglichkeit, erfolg­reiche Ansätze der inter­nationalen Zusammen­arbeit auszuweiten und von den Netzwerken, Kontakten und lang­jährigen Erfahrungen der deut­schen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit zu profitieren. Das BMZ wiederum kann durch die Einbindung von privatem En­gage­ment die Ef­fek­ti­vi­tät der Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit steigern, so wie es bei in­ter­na­ti­o­nalen Konferenzen in Paris, Accra und Busan vereinbart worden ist (Aid-Effectiveness-Agenda). Beide Seiten erhöhen durch einen regen Erfahrungs­aus­tausch und fach­lichen Dialog sowie durch ge­mein­sa­mes Handeln die Qualität und Breiten­wirkung ihrer Arbeit.

Die Kooperation erstreckt sich über viele Themen­felder und setzt auf ver­schie­de­nen Ebenen an: Finanziert werden sowohl lokale Projekte und nationale Pro­gram­me als auch regionale und globale Initiativen. Beispiele reichen von der Förderung einer Grund­schule in Ruanda oder von Existenz­gründer­kursen in Kirgisistan über die Stärkung von Frauen­rechten in Kolumbien bis hin zur Unter­stützung der globalen Allianz zur Finanzierung von Impf­maß­nah­men in Ent­wick­lungs­ländern Impfallianz Gavi).

Zwischen 2005 und 2013 hat das BMZ mit rund 60 gemeinnützigen Privat- und Unternehmensstiftungen kooperiert, darunter 47 deutschen Stiftungen. Neben gemeinsamen Projekten unterstützt und berät das BMZ – auch mit Hilfe seiner Durchführungsorganisationen – private Stiftungen sowie Philanthropinnen und Philanthropen bei ihrem eigenständigen Engagement in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Weitere Informationen zu Beratungs­an­ge­bo­ten und Anlauf­stellen für Stif­tungen, die sich für ein Engage­ment in Entwicklungs­ländern inter­es­sie­ren, finden Sie hier.

Beratung von Stiftungen und Philanthropie

Im Auftrag des BMZ unterstützt und berät die Engage­ment Global gGmbH private Stiftungen und Philanthropen, die in Projekten in Ent­wick­lungs- und Schwellen­ländern oder in der ent­wick­lungs­po­litischen Bildungs­arbeit in Deutsch­land aktiv werden wollen. Engage­ment Global informiert unter anderem darüber, welche Möglich­keiten des Engagements sich bieten, was bei Projekten im außer­euro­päischen Ausland zu beachten ist und welche Unter­stüt­zungs­mög­lich­keiten von staat­licher Seite aus bestehen. Engage­ment Global vermittelt außerdem Kontakte zu anderen Akteuren, zum Beispiel Stiftungen oder Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tionen mit ähnlichen Interessen.

Die Beratung und Unterstützung vor Ort in den Kooperations­ländern erfolgt über die deutschen Auslands­ver­tre­tun­gen. Da nur wenige Stiftungen eigene Anlauf­stellen in den Projekt­ländern haben, können sie über die Landes- und Projektbüros von GIZ und KfW Kontakte zu staatlichen und nicht­staat­lichen Akteuren und potenziellen lokalen Projekt­partnern knüpfen.

Fachlicher Austausch

Der Austausch zwischen den staatlichen In­sti­tu­tionen der deutschen Ent­wick­lungs­zusam­men­ar­beit und privaten Stiftungen vollzieht sich auf mehreren Ebenen. Mit einzelnen Stiftungen findet ein Dialog und Fach­austausch zu bestimmten Themen und Projekt­ansätzen statt. Zudem nehmen BMZ und Engage­ment Global an Netz­werk­ver­an­stal­tun­gen von Stiftungen teil, beispiels­weise am jährlich statt­fin­den­den Deutschen Stiftungstag. Und auch vor Ort, in den Ent­wick­lungs- und Schwellen­ländern, werden regelmäßig Informationen und Erfahrungen aus­ge­tauscht. So können Synergien genutzt werden und es wird vermieden, dass ver­schie­de­ne Akteure gleichzeitig und ohne Absprache am gleichen Thema arbeiten.

Projektbezogene Zu­sam­men­ar­beit

Zwischen privaten Stiftungen und dem BMZ beziehungsweise seinen Durch­füh­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen sind ver­schie­dene Ko­ope­ra­tions­formen möglich:

  • Gemeinsame Umsetzung von Projekten:
    Das BMZ, die deutsche Aid by Trade Foundation und weitere Partner engagieren sich zum Beispiel in neun afrikanischen Ländern für die Förderung des nach­hal­ti­gen Baum­woll­an­baus durch Klein­bauern. Zer­ti­fi­zier­te Unter­neh­men verarbeiten die nach einem sozialen und öko­lo­gi­schen Standard pro­du­zier­te Baumwolle unter dem Label "Cotton Made in Africa" weiter und unter­stützen durch Lizenz­gebühren wiederum die afrikanischen Kleinbauern. Gemeinsam mit der Siemens-Stiftung unter­stützt das BMZ eine Serie von "G20 Inclusive Business Workshops". Dabei werden Unter­nehmen gefördert, die mit breiten­wirk­sa­men Geschäfts­modellen zur Lösung sozialer und ökologischer He­raus­for­de­run­gen in Ent­wick­lungs­ländern beitragen.
  • Gemeinsame Förderung von Drittprojekten:
    Ein Beispiel dafür ist die Zu­sam­men­ar­beit mit der Bill & Melinda Gates Foundation. Gemeinsam mit dieser größten Stiftung der Welt und weiteren Partnern beteiligt sich das BMZ am Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria.
  • Kooperationsvereinbarungen:
    Um einen Rahmen für die Zu­sam­men­ar­beit in mehreren Projekten zu stecken, hat das BMZ mit größeren in­ter­national tätigen Stiftungen Ko­ope­ra­tions­ver­ein­ba­run­gen ge­schlos­sen. Mit dem Aga Khan De­vel­op­ment Network zum Beispiel kooperiert das BMZ in der Mikro­fi­nan­zie­rung und der nach­hal­ti­gen Wirt­schafts­ent­wick­lung in Ostafrika und Zentral­asien. Die Partner­schaft mit der Bill & Melinda Gates Foundation richtet sich vor allem auf die Bereiche Gesund­heit und länd­liche Ent­wick­lung. Die Ver­ein­ba­rung mit der Clinton Foundation bezieht sich auf die Themen Armuts­re­du­zie­rung, Gesund­heit und ländliche Ent­wick­lung mit Fokus auf Afrika.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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