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Arbeit im Ausland

weltwärts – der entwicklungs­politische Freiwilligendienst


Logo: weltwärts - Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst

­Der entwicklungspolitische Freiwilligendienst weltwärts wurde 2008 durch das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufen. Seither sind mehr als 20.000 Freiwillige aus Deutschland ins Ausland gegangen, um sich in gemeinwohlorientierten und entwicklungspolitisch relevanten Einsatzstellen zu engagieren.

Das BMZ liefert das Rahmen- und Regelwerk für den Freiwilligendienst. Die praktische Umsetzung – unter anderem die Entsendung der Freiwilligen – erfolgt durch deutsche Hilfsorganisationen, die in der Entwicklungszusammenarbeit aktiv sind. Aktuell beteiligen sich rund 180 gemeinnützige Organisationen und Stiftungen an dem Programm. Das weltwärts-Sekretariat wurde 2012 in die Gesellschaft "Engagement Global – Service für Entwicklungsinitiativen" integriert.

weltwärts ist ein Lerndienst, bei dem das gemeinsame interkulturelle Lernen im Mittelpunkt steht. Durch die Förderung des BMZ haben alle interessierten jungen Menschen zwischen 18 und 28 Jahren die Chance, mit weltwärts einen Freiwilligendienst im Ausland zu leisten. Die überwiegende Mehrheit der weltwärts-Freiwilligen hat gerade die Schule mit dem Abitur beendet. Anschließend engagieren sie sich zwischen sechs und 24 Monaten bei einer lokalen Partnerorganisation für Bildung, Gesundheit, Umwelt, Landwirtschaft, Kultur oder Menschenrechte. Die Freiwilligen sind in die Partnerorganisation integriert, begleiten die Kolleginnen und Kollegen bei ihrer Arbeit und nehmen nach und nach eigene Aufgaben wahr.

Die Freiwilligen sammeln Auslandserfahrungen und erwerben Sprachkenntnisse sowie persönliche Kompetenzen. Nach ihrem Freiwilligendienst engagieren sich die Rückkehrerinnen und Rückkehrer weiter in der entwicklungspolitischen Arbeit in ihren Heimatländern. Somit tragen sie ihre Erfahrungen in die Gesellschaft und leisten über ihren Auslandseinsatz hinaus einen persönlichen Beitrag für eine gerechtere Welt.

Seit 2013 können sich auch Freiwillige aus den Partnerländern im Rahmen von weltwärts in Deutschland engagieren. Sie lernen die deutsche Kultur kennen und tauschen sich mit den Menschen in ihrer Umgebung über deren Lebensumstände, Einstellungen und Gewohnheiten, Ideen und Perspektiven aus. Gleichzeitig ermöglichen sie anderen einen Einblick in ihre Kultur. Der interkulturelle Austausch schafft Achtung und Toleranz und trägt zur Völkerverständigung bei. Die Freiwilligen lernen außerdem, globale Abhängigkeiten und Wechselwirkungen besser zu verstehen. Sie reflektieren ihre eigene Kultur sowie persönliche Vorstellungen und Verhaltensweisen.

Völkerverständigung und Nachwuchsförderung

Im Februar 2014 begrüßte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller die 20.000. Teilnehmerin des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes weltwärts, Tiffany Jenkins, im BMZ.

Die Einsatzstellen profitieren davon, dass junge Menschen, die an entwicklungspolitischen Themen und am kulturellen Austausch interessiert sind, ihre Projekte mit eigenen Erfahrungen und Sichtweisen bereichern. Neben der praktischen Arbeit während ihres Dienstes unterstützen viele Freiwillige auch nach ihrer Rückkehr die Projekte, in denen sie eingesetzt waren, zum Beispiel durch Informationsarbeit oder das Sammeln von Spenden.

weltwärts fördert den Nachwuchs in entwicklungspolitischen Berufsfeldern. Im Verlauf des Auslandseinsatzes erhalten die Freiwilligen einen Einblick in die Entwicklungszusammenarbeit. Sie erwerben Kenntnisse in der interkulturellen Kommunikation sowie soziale Kompetenzen – Eigenschaften, die in einer globalisierten Welt immer wichtiger werden. Der Dienst hilft vielen Freiwilligen bei der beruflichen Orientierung, viele entscheiden sich zum Beispiel später für ein Studium in einem entwicklungspolitisch relevanten Bereich und machen die Entwicklungszusammenarbeit zu ihrem Beruf.

weltwärts wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert. Das Ministerium übernimmt bis zu 75 Prozent der Kosten eines Freiwilligendienstes. Mindestens 25 Prozent der Kosten muss die deutsche Entsendeorganisation übernehmen. Die Freiwilligen können ihre Entsendeorganisation bei der Finanzierung des Freiwilligendienstes durch das Sammeln von Spenden unterstützen. Dies ist jedoch keine Voraussetzung für den Freiwilligendienst. So erhalten auch junge Menschen aus einkommensschwachen Familien die Chance, sich international zu engagieren.

Informationen zu den Teilnahmevoraussetzungen und über den Ablauf des Dienstes finden Sie hier.


Evaluierung und Weiterentwicklung

Zur Weiterentwicklung des Programms sah das BMZ nach einer dreijährigen Einführungsphase eine umfangreiche externe Evaluierung vor, die Erfolge und Schwachstellen aufzeigen sollte. Der Ende 2011 vorgelegte Bericht kommt zu dem Schluss, dass weltwärts sein Ziel erreicht, junge Menschen für einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst zu gewinnen und den Nord-Süd-Austausch zu fördern. Die Freiwilligen sind für die Partnerorganisationen eine wichtige Unterstützung in der täglichen Arbeit.

In einem nächsten Schritt wurde das weltwärts-Programm gemäß den Handlungsempfehlungen weiterentwickelt. Im Rahmen eines sogenannten Follow-Up-Prozesses wurden Vorschläge erarbeitet, die vom BMZ abgenommen wurden. Ende 2012 wurden diese Ergebnisse auf neun großen Konferenzen mit den weltweiten Partnern diskutiert. Im Anschluss an die Tagungen begann die Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen. So schließen sich zum Beispiel alle Entsendeorganisationen nun einem Qualitätsverbund an. Unabhängige Prüfinstanzen kontrollieren, ob die Entsendeorganisationen die vorgeschriebenen Qualitätsstandards erfüllen.

Da bislang vor allem Abiturientinnen und Abiturienten aus akademisch geprägten Haushalten an weltwärts teilnehmen, wurde außerdem eine dreijährige Pilotphase vereinbart, um verstärkt andere Zielgruppen anzusprechen. Dazu zählen vor allem junge Menschen mit Berufsausbildung, mit Migrationshintergrund und Menschen mit Behinderungen.

Auch die Betreuung der Rückkehrenden soll weiterentwickelt und stärker an deren Bedarf ausgerichtet werden. Unter anderem sollen die Entsendeorganisationen und Rückkehrer-Vereinigungen die Freiwilligen besser über Möglichkeiten des entwicklungspolitischen Engagements in ihrer Region informieren und sie bei der Beantragung von Fördermitteln beraten.

Den zivilgesellschaftlichen Akteuren des Programms kommt nun eine stärkere Rolle in der Steuerung des Programms zu. Es werden Gremien eingerichtet, in denen das BMZ und die Koordinierungsstelle weltwärts gemeinsam mit den Entsendeorganisationen und Rückkehrer-Initiativen das Programm weiterentwickeln. weltwärts wird nun auch nach außen als ein Gemeinschaftswerk des BMZ und der Zivilgesellschaft präsentiert, um damit die umfangreiche Verantwortung der Entsendeorganisationen im Programm deutlich zu machen.


Süd-Nord-Komponente

Auftakt der Süd-Nord-Komponente des Freiwilligendienstes weltwärts am 20.02.2014 im BMZ: Freiwillige aus Bolivien

In Folge der Evaluierung wurde auch die Süd-Nord-Komponente entwickelt. Mit der Einführung dieser neuen Komponente soll der Anspruch eines entwicklungspolitischen Lern- und Austauschdienstes konsequent umgesetzt werden. Da eine globale Partnerschaft langfristig nur gelingen kann, wenn sie den gleichberechtigten Austausch in beide Richtungen ermöglicht, können seit November 2013 auch junge Menschen aus den Partnerländern in Deutschland einen Freiwilligendienst leisten. Im ersten Jahr der dreijährigen Pilotphase wurden zunächst etwa 150 Plätze angeboten. Die Nachfrage überstieg dieses Angebot deutlich. Für das zweite Jahr ist deshalb eine Erhöhung auf 250 Plätze geplant.

Die Süd-Nord-Komponente wird in Zusammenarbeit mit dem Bundesfreiwilligendienst des Bundesfamilienministeriums umgesetzt. Dieser bietet einen rechtlich abgesicherten Rahmen, der es zum Beispiel ermöglicht, die erforderliche Aufenthaltsgenehmigung zu erlangen.

Die Freiwilligen arbeiten in verschiedensten Bereichen, etwa in der Kinderbetreuung, in Umweltprojekten oder in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit. Außerdem besuchen sie Seminare zu entwicklungspolitischen Themen wie Globalisierung, Welthandel oder Ernährungssicherung. So bleibt auch in Deutschland die Entwicklungspolitik ein zentraler Bestandteil des Freiwilligendienstes.

Fragen und Antworten rund um den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst


Lexikon der Entwicklungspolitik

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