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Malawi

Situation und Zusammenarbeit


Malawi: Daniel Yakobu stellt Herde her, die Energie sparen und weniger gesundheitsschädlichen Rauch erzeugen.

Malawi ist ein Agrarland: Fast zwei Drittel aller Beschäftigten arbeiten in der Landwirtschaft. Diese macht zwar 80 Prozent der Exporteinnahmen, aber formell nur einen Anteil von etwa 33 Prozent am Bruttoinlandsprodukt aus. Aufgrund der stark auf Selbstversorgung ausgerichteten Wirtschaft liegt die "tatsächliche" Wirtschaftsleistung im Bereich der Landwirtschaft zwar deutlich höher, aber die Wertschöpfung im landwirtschaftlichen Sektor ist stark verbesserungsbedürftig. Die meisten Devisen erwirtschaftet das Land durch den Export von Tabak und – in geringerem Umfang – auch von Tee, Kaffee, Zucker und Baumwolle.

Die große Abhängigkeit von wenigen, meist unverarbeiteten Exportprodukten macht die Wirtschaft anfällig für äußere Einflüsse wie Dürreperioden oder Preisschwankungen auf dem Weltmarkt. Hinzu kommt, dass Malawi keinen Zugang zum Meer hat und für den Außenhandel auf Transitwege durch die Nachbarländer angewiesen ist.


Armut

Über Wasserkioske versorgt die malawische Regierung die arme Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser.

Mit einem durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von rund 350 US-Dollar gehört Malawi zu den ärmsten Ländern der Welt. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung nimmt es Rang 173 von 188 Staaten ein (HDI 2014). Die Armut trifft vor allem die Menschen auf dem Land. Viele von ihnen sind unterernährt. Dürreperioden führten in der Vergangenheit immer wieder zu Nahrungsmittelknappheit.

2002 hat Malawi eine Armutsminderungsstrategie (PRSP) vorgelegt. 2007 wurde sie zur langfristigen und entwicklungsorientierten "Malawi Growth and Development Strategy" (MGDS) weiterentwickelt. 2012 hat die malawische Regierung die MGDS II für die Jahre 2012 bis 2016 verabschiedet. Sie setzt vor allem auf nachhaltiges Wirtschaftswachstum und die Entwicklung von Infrastruktur. Darüber hinaus haben die Bereiche soziale Sicherung, Gesundheit und Bildung sowie gute Regierungsführung besondere Priorität.

Ein großes Problem des Landes bleibt die Korruption. Sie ist auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu finden und wird in breiten Teilen der Bevölkerung als selbstverständlich hingenommen. Der in der Einleitung beschriebene "Cashgate"-Skandal wurde bislang weder politisch noch juristisch hinreichend aufgearbeitet. Ob die neue malawische Regierung den politischen Willen und die Durchsetzungskraft besitzt, effektive Kontrollmechanismen für das öffentliche Finanzwesen zu schaffen und Verstöße in ausreichendem Maße juristisch zu verfolgen, ist auch nach eineinhalb Jahren Amtszeit nicht abschließend zu beurteilen.


Große Defizite bei Gesundheit und Bildung

Pamaso Sydney Kamoje (links) unterrichtet Musik am Teacher Training College, einer Aus- und Fortbildungseinrichtung für Lehrkräfte in Lilongwe, Malawi. Eine seiner Schülerinnen ist die Lehrerin Leah Jere.

Die Lebenserwartung beträgt in Malawi nur etwa 55 Jahre. Nicht zuletzt wegen der Ausbreitung des HI-Virus wird sie in den kommenden Jahren wohl nicht weiter steigen: Etwa zehn Prozent der 15- bis 49-Jährigen sind infiziert. Auch an Malaria, Atemwegsinfektionen und Durchfallerkrankungen sterben in Malawi viele Menschen. Da die finanziellen Mittel nicht ausreichen und nicht genug qualifiziertes Personal vorhanden ist, kann das nationale Gesundheitssystem diesen Problemen nicht ausreichend entgegenwirken.

Im Bildungssektor wurden in den vergangenen Jahren zwar große Fortschritte erzielt, es bleiben jedoch weiter große Herausforderungen bestehen. Etwa ein Viertel aller Kinder in Malawi schließt die Grundschule nicht ab; die Qualität des Unterrichts ist mangelhaft.

Eine zentrale und übergreifende Herausforderung stellt das rasche Wachstum der sehr jungen Bevölkerung Malawis dar. Wenn die Bevölkerung weiter so stark wächst wie zurzeit (etwa drei Prozent pro Jahr) wird sie sich in den nächsten 25 Jahren verdoppeln: von jetzt rund 16,7 auf dann etwa 33 Millionen Menschen. Dadurch stehen die Gesundheits- aber auch die Bildungseinrichtungen sowie andere Sektoren vor enormen Aufgaben.

Malawi versucht seit einiger Zeit, mit umfassenden Reformen und steigenden Ausgaben für Gesundheit und Bildung die Situation maßgeblich zu verbessern. Deutschland unterstützt die malawische Regierung bei diesen Reformen


Entwicklungspotenziale

Viele Menschen in Malawi zeigen großes Interesse an Bildungsmöglichkeiten und große Fähigkeiten zur Selbsthilfe. Das gilt besonders für Frauen im informellen Sektor der Wirtschaft und für die Organisationen der Zivilgesellschaft. Sie können zu wichtigen Partnern bei der Entwicklung werden.

In der Landwirtschaft, im Tourismus sowie dem Bergbau sieht der Internationale Währungsfonds (IWF) Potenziale für eine positive wirtschaftliche Entwicklung. So bemüht sich die Regierung darum, Bewässerungssysteme zu installieren, um die Landwirtschaft unabhängiger von Regen und besser planbar zu machen. Malawi ist landschaftlich vielfältig und verfügt über einer Reihe von Schutzgebieten. Ihr Tierbestand konnte seit einigen Jahren deutlich erhöht werden Auch der Bergbausektor könnte in Zukunft zur wirtschaftlichen Entwicklung beitragen: Malawi verfügt zum einen über Uranvorkommen, deren Abbau jedoch aktuell wegen schlechter Weltmarktpreise unterbrochen ist. Zum anderen hat das Land Vorkommen von Seltenen Erden und verfügt auch über förderbare Öl- und Gasvorräte.

Auch der expandierende Telekommunikationsbereich – ein besonders boomendes Geschäft sind Geldüberweisungen mit dem Handy – setzt Impulse für die Wirtschaft.


Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Malawi

Deutschland hat sich in der Vergangenheit sowohl auf zwischenstaatlicher als auch auf internationaler Ebene mit vielfältigen Maßnahmen für Malawi engagiert. Wichtige Arbeitsfelder waren die Bereiche Landwirtschaft und Umwelt, Bildung, Demokratisierung, Gesundheit sowie die Verkehrsinfrastruktur, Wasserversorgung und Energiegewinnung. Die aktuellen deutschen Beiträge orientieren sich an der Wachstums- und Entwicklungsstrategie (MGDS II) der malawischen Regierung.

Oberstes Ziel der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit mit Malawi ist die Armutsbekämpfung. Die Kooperation konzentriert sich besonders auf soziale Sektoren, die direkt der Bevölkerung zugutekommen. Bei Regierungsverhandlungen im Oktober 2015 hat die Bundesregierung Malawi 82 Millionen Euro für die Entwicklungszusammenarbeit zugesagt. Zusätzlich erhält Malawi über die Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" Mittel in Höhe von bis zu 16 Millionen Euro, die der Unterstützung landwirtschaftlicher Innovationen und der Verbesserung der Ernährungssicherung dienen sollen.

Die vereinbarten Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind:

  • Grundbildung
  • Gesundheit
  • Ländliche Entwicklung

Zusätzlich unterstützt Deutschland die malawische Regierung bei der Stärkung des öffentlichen Finanzmanagements. Unter anderem wird die Arbeit des nationalen Rechnungshofs gefördert. Ziel ist, Rechenschaftspflicht und Transparenz zu steigern, Korruption zu bekämpfen und einen wirksamen Einsatz der Finanzmittel zu gewährleisten.


Grundbildung

Malawische Schüler der Lilongwe Demonstration School bei der Gruppenarbeit

Die Regierung Malawis hat 1994 die Schulgebühren für die Grundschule abgeschafft. Seitdem hat sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler deutlich erhöht – 97 Prozent der Kinder werden inzwischen eingeschult. Die Qualität des Unterrichts ist dadurch allerdings gesunken. Es fehlen Schulräume, Lehr- und Lernmaterialien sowie qualifizierte Lehrkräfte. Die Lernergebnisse malawischer Schulkinder liegen dadurch im regionalen Vergleich im unteren Bereich. Das Verhältnis qualifizierter Lehrer zur Schülerzahl in der Grundschule lag 2013 bei 1:69. In der Regel müssen mehr als 100 Schülerinnen und Schüler gemeinsam in einem Klassenzimmer unterrichtet werden.

Die Regierung Malawis hat Ende 2008 einen langfristigen nationalen Plan für den Bildungssektor (National Education Sector Plan, NESP 2008–2017) verabschiedet. Der NESP dient als Grundlage für das deutsche Engagement im Bildungsbereich. So soll allen Kindern ermöglicht werden, eine Schule zu besuchen, und Qualität und Effizienz der Grundbildung sollen verbessert werden.

Die Entwicklungszusammenarbeit zielt darauf ab, das dezentrale Bildungsmanagement zu stärken. Es werden Lehrpläne überarbeitet, und die Ausbildung von Grundschullehrern wird verbessert. Ein weiteres Vorhaben zielt darauf ab, die Ernährungssituation an den Schulen zu verbessern und so die Teilnahme am Unterricht zu fördern. Dabei soll vor allem auch der Schulbesuch von Mädchen gefördert werden.


Gesundheit

Dr. Kai-Deter Yung (Mitte) wurde als Fachkraft ans Queen Elizabeth Central Hospital in Blantyre, Malawi, entsandt, um dort das medizinische Personal fortzubilden.

Trotz zuletzt grundsätzlich positiver Entwicklungen wird Malawi den großen Herausforderungen und Problemen im Gesundheitssektor nach wie vor nicht gerecht. Ein besonders schwerwiegendes Problem ist die unverändert hohe Zahl von Frauen, die während der Schwangerschaft oder der Geburt sterben.

Der Zugang zu grundlegenden Gesundheitsdiensten ist vor allem in ländlichen Gebieten mangelhaft. Das liegt nicht nur an fehlendem Geld, sondern auch an einer schlechten Verteilung der Mittel, mangelhaftem Management und Personalmangel auf allen Ebenen. Weil die Gehälter gering und die Arbeitsbedingungen schlecht sind, gehen viele Fachkräfte ins Ausland.

Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist es, den Gesundheitszustand der Bevölkerung zu verbessern, indem die Versorgung mit grundlegenden Gesundheitsdiensten sichergestellt wird. Deutschland unterstützt unter anderem die Dezentralisierung im Gesundheitssektor und die stärkere Einbindung nichtstaatlicher Akteure, etwa kirchlicher Gesundheitseinrichtungen. Zudem werden deutsche Fachkräfte an malawische Gesundheitseinrichtungen entsendet, um bei der Aus- und Weiterbildung von medizinischem Fachpersonal zu beraten. Übergreifende Ziele sind dabei die Gleichberechtigung der Geschlechter sowie die Bekämpfung von Infektionskrankheiten wie Tuberkulose und HIV/Aids.


Ländliche Entwicklung

Juli Jesadi (links) und Richard Chimkango laden Baumwolle auf ein Förderband der Great Lakes Ginnery in Mgabu (Chikwawa, Malawi), wo sie weiterverarbeitet wird. Die Baumwolle stammt aus einem kleinbäuerlichen Betrieb, der von der Competitive African Cotton Initiative (COMPACI) unterstützt wird.

Die ländliche Entwicklung ist seit 2014 ein neuer Arbeitsschwerpunkt der deutsch-malawischen Zusammenarbeit. Ziel ist, in ländlichen Gegenden Einkommen und Beschäftigung zu schaffen und die Ernährungslage zu verbessern. Dadurch sollen vor allem Frauen und junge Erwachsene gefördert werden.

Im Mittelpunkt steht die Optimierung von landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten: Die Herstellung und die Weiterverarbeitung lokaler Produkte sollen verbessert werden, damit sie im In- und Ausland besser verkauft werden können. Dazu wird unter anderem die Zusammenarbeit der Privatwirtschaft mit Kleinbäuerinnen und -bauern gefördert, die bisher keine Überschüsse produzierten oder keinen Zugang zu Märkten hatten. Außerdem werden kleine und mittlere Unternehmen und deren Interessenvertretungen gestärkt.

Aus Mitteln der Sonderinitiative "EINEWELT ohne Hunger" wird in Malawi ein "Grünes Innovationszentrum" finanziert. Es bietet unter anderem landwirtschaftliche Aus- und Weiterbildung und Beratung an. Außerdem werden verstärkt Maßnahmen der Schulspeisung gefördert, die neben den Schulkindern auch deren Familien zugutekommen sollen. Durch die Verteilung von Mikronährstoffen, die Bekämpfung von Wurmkrankheiten und die Vermittlung von Wissen zu den Themen Stillen/Beikost und Hygiene soll die Unter- und Mangelernährung von Schwangeren und Kindern bis zu zwei Jahren vermindert werden.


Weitere Informationen

Publikationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

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