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Ghana

Situation und Zusammenarbeit

Strand von Elmina in Ghana, kurz vor Sonnenaufgang

Ghana hat in den vergangenen Jahrzehnten einen vorbildlichen Demokratisierungsprozess durchlaufen und wirtschaftspolitische Reformen wirksam umgesetzt. 2010 hat das westafrikanische Land nach einer Neuberechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) den Sprung in die Gruppe der Mitteleinkommensländer (lower middle income country) geschafft. Das jährliche durchschnittliche Bruttonationaleinkommen pro Einwohner lag 2014 bei 1.620 US-Dollar.

Die erzielten Erfolge bestärken die traditionellen Entwicklungspartner darin, Ghana weiterhin bei notwendigen Reformschritten zu unterstützen. Gleichzeitig hat Ghana Kontakte zu neuen Partnern wie China, Indien und der Türkei aufgebaut.

Außenpolitik

Vom 7. bis zum 10. April reisten die Bundesminister Gerd Müller und Hermann Gröhe gemeinsam nach Ghana und Liberia. Im Blickpunkt ihrer Reise stand die Unterstützung westafrikanischer Staaten bei der Stärkung der örtlichen Gesundheitssysteme. Eine der ersten Stationen war die Universitätsklinik in der ghanaischen Hauptstadt Accra.
Bildergalerie öffnen gallery26285677_2../../../../mediathek/bildergalerien/20150415_Ministerreise_Westafrika_Gesundheit/Westafrika_0010_thumb.jpgUte Grabowsky / photothek.net Bildergalerie öffnen

Vom 7. bis zum 10. April reisten die Bundesminister Gerd Müller und Hermann Gröhe gemeinsam nach Ghana und Liberia. Im Blickpunkt ihrer Reise stand die Unterstützung westafrikanischer Staaten bei der Stärkung der örtlichen Gesundheitssysteme. Eine der ersten Stationen war die Universitätsklinik in der ghanaischen Hauptstadt Accra.

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Ein Mann verkauft Kokosnüsse am Straßenrand in Accra, Ghana.

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Baumwolle von Kleinbauern in Westafrika 

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Besuch des Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre (KAIPTC) in Accra, Ghana. Bundesminister Müller im Gespräch mit Majorgeneral Obed Akwa.

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Minister Müller informierte sich über die Arbeit des Pilot Training Institute des Nationalen Berufsbildungszentrums (NVTI) in Kokomlemle, Accra in Ghana. Im Bild eine Auszubildende.

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Minister Müller und Lehrlinge des Pilot Training Institute des Nationalen Berufsbildungszentrums (NVTI) beim Schweißen

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Auszubildender im Pilot Training Institute des Nationalen Berufsbildungszentrum (NVTI) in Accra, Ghana, das von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit unterstützt wird

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Unterricht für Auszubildende am Pilot Training Institutes des Nationalen Berufsbildungszentrum (NVTI) in Accra, Ghana

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Logistikzentrum der UN-Beschaffungsabteilung in Accra, Ghana. Das Zentrum ist das größte Distributionslager für Hilfsgüter in Afrika.

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Die Bundesminister Müller und Gröhe treffen den ghanaischen Staatspräsidenten John Dramani Mahama, um über die Stärkung von Gesundheitssystemen zu sprechen.

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Weltweit entstehen jährlich mehrere Millionen Tonnen Elektroschrott. Ein Teil davon wird aus Deutschland und anderen Industrieländern nach Afrika verschifft und landet dort auf Müllhalden. Minister Müller spricht mit einem Mann, der auf einer solchen Müllhalde am Stadtrand von Accra arbeitet.

Bild: © Kay Nietfeld / photothek.net

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Nach Ghana war Liberia die zweite Station der Ministerreise. In der Hauptstadt Monrovia besuchten die Minister Müller und Gröhe die Severe Infections Temporary Treatment Unit (SITTU), ein vom Deutschen Roten Kreuz und der Bundeswehr betriebenes Behandlungszentrum für schwere Infektionen.

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Bei ihrem Besuch der Severe Infections Temporary Treatment Unit (SITTU), einem Behandlungszentrum für schwere Infektionskrankheiten in Monrovia, würdigen die Minister die Arbeit der Mitarbeiter und der freiwilligen Helfer während der Ebola-Epidemie.

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Der Sonderbeauftragte der Bundesregierung für den Kampf gegen die Ebola-Krise, Botschafter Walter Lindner, war ebenfalls Mitglied der deutschen Delegation und informiert sich hier in Monrovia über die Fortschritte bei der Bekämpfung der Krankheit.

Bild: © Ute Grabowsky / photothek.net

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Demonstration des Anlegens der Schutzkleidung, die für die Versorgung der Ebola-Patienten notwendig ist, im Behandlungszentrum für schwere Infektionskrankheiten in Monrovia, Liberia

Bild: © Ute Grabowsky / photothek.net

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Eine weitere Station in Liberia war die Gerlib Clinic, ein Krankenhaus, das vor allem arme Menschen versorgt. Es wurde von der jetzigen Leiterin Margret Gierath-Nimene und ihrem Mann aufgebaut und wird durch Spenden aus Deutschland unterstützt.

Bild: © Ute Grabowsky / photothek.net

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Bundesminister Müller und Gröhe mit der Leiterin der Gerlib Clinic, Margret Gierath-Nimene. Sie hat das Krankenhaus, das vor allem arme Menschen versorgt, mit ihrem Mann aufgebaut.

Bild: © Ute Grabowsky / photothek.net

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Zum Abschluss der Reise trafen die Bundesminister die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf und sicherten ihr die Unterstützung Deutschlands bei der Stärkung des Gesundheitssystems in Liberia zu.

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Vom 7. bis zum 10. April reisten die Bundesminister Gerd Müller und Hermann Gröhe gemeinsam nach Ghana und Liberia. Im Blickpunkt ihrer Reise stand die Unterstützung westafrikanischer Staaten bei der Stärkung der örtlichen Gesundheitssysteme. Eine der ersten Stationen war die Universitätsklinik in der ghanaischen Hauptstadt Accra.

Ein Mann verkauft Kokosnüsse am Straßenrand in Accra, Ghana.

Baumwolle von Kleinbauern in Westafrika 

Besuch des Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre (KAIPTC) in Accra, Ghana. Bundesminister Müller im Gespräch mit Majorgeneral Obed Akwa.

Minister Müller informierte sich über die Arbeit des Pilot Training Institute des Nationalen Berufsbildungszentrums (NVTI) in Kokomlemle, Accra in Ghana. Im Bild eine Auszubildende.

Minister Müller und Lehrlinge des Pilot Training Institute des Nationalen Berufsbildungszentrums (NVTI) beim Schweißen

Auszubildender im Pilot Training Institute des Nationalen Berufsbildungszentrum (NVTI) in Accra, Ghana, das von der deutschen Entwicklungszusammenarbeit unterstützt wird

Unterricht für Auszubildende am Pilot Training Institutes des Nationalen Berufsbildungszentrum (NVTI) in Accra, Ghana

Logistikzentrum der UN-Beschaffungsabteilung in Accra, Ghana. Das Zentrum ist das größte Distributionslager für Hilfsgüter in Afrika.

Die Bundesminister Müller und Gröhe treffen den ghanaischen Staatspräsidenten John Dramani Mahama, um über die Stärkung von Gesundheitssystemen zu sprechen.

Weltweit entstehen jährlich mehrere Millionen Tonnen Elektroschrott. Ein Teil davon wird aus Deutschland und anderen Industrieländern nach Afrika verschifft und landet dort auf Müllhalden. Minister Müller spricht mit einem Mann, der auf einer solchen Müllhalde am Stadtrand von Accra arbeitet.

Nach Ghana war Liberia die zweite Station der Ministerreise. In der Hauptstadt Monrovia besuchten die Minister Müller und Gröhe die Severe Infections Temporary Treatment Unit (SITTU), ein vom Deutschen Roten Kreuz und der Bundeswehr betriebenes Behandlungszentrum für schwere Infektionen.

Bei ihrem Besuch der Severe Infections Temporary Treatment Unit (SITTU), einem Behandlungszentrum für schwere Infektionskrankheiten in Monrovia, würdigen die Minister die Arbeit der Mitarbeiter und der freiwilligen Helfer während der Ebola-Epidemie.

Der Sonderbeauftragte der Bundesregierung für den Kampf gegen die Ebola-Krise, Botschafter Walter Lindner, war ebenfalls Mitglied der deutschen Delegation und informiert sich hier in Monrovia über die Fortschritte bei der Bekämpfung der Krankheit.

Demonstration des Anlegens der Schutzkleidung, die für die Versorgung der Ebola-Patienten notwendig ist, im Behandlungszentrum für schwere Infektionskrankheiten in Monrovia, Liberia

Eine weitere Station in Liberia war die Gerlib Clinic, ein Krankenhaus, das vor allem arme Menschen versorgt. Es wurde von der jetzigen Leiterin Margret Gierath-Nimene und ihrem Mann aufgebaut und wird durch Spenden aus Deutschland unterstützt.

Bundesminister Müller und Gröhe mit der Leiterin der Gerlib Clinic, Margret Gierath-Nimene. Sie hat das Krankenhaus, das vor allem arme Menschen versorgt, mit ihrem Mann aufgebaut.

Zum Abschluss der Reise trafen die Bundesminister die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf und sicherten ihr die Unterstützung Deutschlands bei der Stärkung des Gesundheitssystems in Liberia zu.

Ghana betreibt seit Jahren erfolgreich eine Politik guter Nachbarschaft und setzt sich für eine stärkere regionale Zusammenarbeit ein. Dem relativ kleinen Land kommt auf dem afrikanischen Kontinent aufgrund seiner vorbildhaften demokratischen und wirtschaftlichen Entwicklung großes politisches Gewicht zu.

Ghana gehört zu den aktivsten Mitgliedern der Afrikanischen Union (AU) und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Economic Community of West African States, ECOWAS). Als erstes Land hat Ghana den "African Peer Review Mechanism" (APRM), eine freiwillige Überprüfung der Regierungsführung unter Beteiligung der Zivilgesellschaft, erfolgreich abgeschlossen. Auch das wirtschaftliche Entwicklungsprogramm NEPAD (Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung) wird von Ghana unterstützt.

Im Rahmen der ECOWAS hat sich Ghana stark für die Unterzeichnung eines Wirtschaftspartnerschaftsabkommens (Economic Partnership Agreement, EPA) mit der Europäischen Union eingesetzt. Dieses Abkommen gewährt Ghana und der Region besseren Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Davon verspricht man sich in Westafrika eine dynamischere wirtschaftliche Entwicklung und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die Europäische Union hat das Abkommen im Dezember 2014 unterzeichnet. Bis zur Unterzeichnung durch alle ECOWAS-Staaten wird es vorläufig angewendet.


Wirtschaft

Herstellung von Fruchtsaft für den Export auf den europäischen Markt (Asamankese, Ghana)

Mittelfristig sind Ghanas wirtschaftliche Aussichten gut: In den vergangenen Jahren wurden große Öl- und Gasvorkommen vor der Küste Ghanas entdeckt. Das Erdöl ist inzwischen zum zweitwichtigsten Exportgut aufgestiegen, und die Förderung soll in den kommenden Jahren noch massiv gesteigert werden. Bedeutende Umsätze werden außerdem mit Kakao erzielt: Ghana ist nach Côte d'Ivoire weltweit zweitgrößter Kakaoproduzent. Seit 2010 werden auch andere landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Ananas und Mango in nennenswertem Umfang exportiert – ein wichtiger Schritt, um die wirtschaftliche Abhängigkeit von einzelnen Exportgütern zu verringern.

Kurzfristig steht Ghana allerdings vor enormen Herausforderungen. Das Wirtschaftswachstum ist seit 2013 deutlich eingebrochen, 2014 lag es bei 4,2 Prozent, für 2015 werden nur noch 3,9 Prozent erwartet. Auch die ausländischen Direktinvestitionen, die mit der neu aufgebauten Öl- und Gasindustrie in den Jahren 2010 bis 2012 enorm angestiegen sind, sind seit 2013 zurückgegangen.

Ursache für die Zurückhaltung könnten neue Gesetze und Verordnungen sein, die als potenziell investitionshemmend eingeschätzt werden. Hinzu kommen bürokratische und logistische Hürden, Unsicherheiten beim Landerwerb und bei der Durchsetzung von Rechtsansprüchen, die unzureichende Ausbildung der Arbeitskräfte und die mangelhafte Transportinfrastruktur. Im Weltbank-Bericht "Doing Business 2015", der das Investitionsklima in 189 Ländern bewertet, liegt Ghana auf Platz 70.

Für die Zukunft bleibt problematisch, dass die breite Bevölkerung Ghanas von einer auf Ölexporten basierenden wirtschaftlichen Entwicklung kaum profitieren kann. In diesem hochtechnologischen Sektor werden kaum Arbeitsplätze geschaffen. Die arbeitsintensivere Binnenwirtschaft, vor allem das verarbeitende Gewerbe, stagniert. Auch der Landwirtschaftssektor kommt seit Jahrzehnten kaum voran. Rund 80 Prozent der ghanaischen Bevölkerung sind im informellen Sektor beschäftigt und verfügen damit meist weder über eine formelle Berufsausbildung noch über eine soziale Absicherung.


Millenniumsentwicklungsziele

Beachtlich sind Ghanas Erfolge bei der Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele. Als erstes Land in Afrika südlich der Sahara hat Ghana das Entwicklungsziel erreicht, die Armut innerhalb seiner Bevölkerung im Vergleich zu 1990 zu halbieren. Ebenso ist es gelungen, den Anteil der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser zu halbieren. Im Bereich der Grundbildung sowie der Gleichstellung von Frauen und Männern stehen die Chancen des Landes gut, die Millenniumsziele zu erreichen. Seit 2005 können alle Kinder kostenlos die Schule besuchen und erhalten einen Zuschuss für Essen und Bekleidung. Im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten ist Ghanas Alphabetisierungsrate von 71 Prozent recht hoch und steigt jährlich an.

Die HIV/Aids-Infektionsrate ist in Ghana seit Jahren relativ niedrig. Durch eine verbesserte medizinische Versorgung und Betreuung von Schwangeren sowie umfangreiche Impfprogramme konnten die Sterblichkeitsraten bei Kindern und Müttern kontinuierlich gesenkt werden. Insgesamt besteht jedoch noch großer Verbesserungsbedarf im Gesundheitssystem – die Millenniumsziele werden in diesem Bereich vorerst nicht zu erreichen sein. Auch die im siebten Millenniumsentwicklungsziel geforderte Verbesserung der sanitären Versorgung der Bevölkerung wird bis 2015 wohl nicht verwirklicht.


Umweltprobleme

Anbau von Orangenpflanzen im ghanaischen Asamankese

Der Verlust des Regenwalds, Dürren, die Desertifikation im Norden und die Gefährdung zahlreicher Tier- und Pflanzenarten sind drängende Probleme Ghanas. Die Umwelt leidet außerdem unter Schäden durch den Bergbau, die Industrie und die Ölförderung, aus der noch keine ausreichenden umweltpolitischen Konsequenzen gezogen wurden.

Das Ziel, die großflächige Abholzung des ghanaischen Waldes einzudämmen, wird vermutlich nicht im vorgesehenen Zeitraum erreicht werden. Laut einer 2011 veröffentlichten Studie der Umweltstiftung WWF (World Wide Fund For Nature) hat Ghana in 20 Jahren 2,5 Millionen Hektar Wald verloren. Um die massive Brandrodung sowie illegale Abholzung zu verringern, hat Ghana im Februar 2010 ein Abkommen mit der EU zum nachhaltigen Holzexport abgeschlossen.


Entwicklungspotenziale

Kinder in Schuluniform an einer Strasse in Accra, Ghana

Auf dem Index der menschlichen Entwicklung (HDI) der Vereinten Nationen von 2014 steht Ghana auf dem im afrikanischen Vergleich guten 140. Platz von 188 Ländern. Es wird damit zu den Ländern mit "mittlerer menschlicher Entwicklung" gezählt.

Neben der Öl- und Gasförderung und dem Export von Kakao und Gold zählen auch die Bau- und die Konsumgüterindustrie zu den wachstumsträchtigen Sektoren. Die großen Potenziale in der Landwirtschaft und anderen Bereichen des Bergbaus werden hingegen derzeit noch nicht ausreichend genutzt.

Voraussetzung für eine positive wirtschaftliche Weiterentwicklung ist die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen. Um dies zu gewährleisten, ist Ghana seit 2010 Mitglied der Initiative zur Verbesserung der Transparenz in der Rohstoffindustrie (EITI). Die ghanaische Regierung hat mehrfach betont, sich bei der Zusammenarbeit mit Ölfirmen an hohen Transparenzstandards zu orientieren und die Öleinnahmen für die nachhaltige Entwicklung des Landes und die Reduzierung der Armut einzusetzen. Im Dezember 2014 legte die ghanaische Regierung einen Rechenschaftsbericht zum EITI-Prozess vor.

Die entwicklungsorientierte Verwendung der Einnahmen aus der Erdölförderung wurde im April 2011 durch die "Petroleum Revenue Management Bill" geregelt. Das Gesetz sieht vor, dass 70 Prozent der Öleinnahmen in den allgemeinen Haushalt fließen. Der Rest wird für einen Stabilisierungsfonds zur Abfederung von Preisschwankungen sowie zum Aufbau eines "Heritage Fund" (nach dem Beispiel Norwegens) zur Absicherung künftiger Generationen eingesetzt.

Die Zivilgesellschaft in Ghana nutzt ihre Freiheiten aktiv und trägt zu einer vertieften Demokratisierung des Landes bei. Es existieren rund 6.000 registrierte Nichtregierungsorganisationen (NROs) im Land. In der Rangliste der Pressefreiheit 2014 der Organisation Reporter ohne Grenzen nimmt Ghana Platz 27 von 180 Ländern ein.


Schwerpunkte der deutschen Zu­sam­men­ar­beit mit Ghana

Deutschland gehört neben den USA, Japan, Kanada, Dänemark und Großbritannien zu den wichtigsten bilateralen Entwicklungspartnern Ghanas. Ziel der deutsch-ghanaischen Entwicklungszusammenarbeit ist es, Ghanas neuen Status als Land mittleren Einkommens durch die Förderung eines tragfähigen, armutsorientierten und breitenwirksamen Wirtschaftswachstums zu festigen.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat Ghana für die Jahre 2015 bis 2018 Mittel in Höhe von insgesamt rund 74,1 Millionen Euro für die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit zugesagt. Bei dem Besuch von Bundesminister Müller in Ghana und bei den Regierungsverhandlungen in Berlin im Juni 2015 wurde ein schrittweiser Neueinstieg in die Zusammenarbeit in der Abfallwirtschaft vereinbart, vor allem in Bezug auf den Umgang mit  Elektroschrott.

Die Regierungen von Ghana und Deutschland haben für ihre Zusammenarbeit darüber hinaus die folgenden Schwerpunkte vereinbart:

  • Governance (Dezentralisierung und Verbesserung der öffentlichen Finanzen)
  • Landwirtschaft
  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Berufsbildung

Ghana wird außerdem bei der Nutzung erneuerbarer Energien unterstützt.


Governance (Dezentralisierung und Verbesserung der öffentlichen Finanzen)

Die Regierung Ghanas engagiert sich mit Nachdruck für den Aufbau demokratischer Strukturen und die weitere Verbesserung der Staatsführung. Durch den Aufbau nationaler, regionaler und lokaler Verwaltungsstrukturen versucht sie, die Grundlagen für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu schaffen.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit fördert diese Anstrengungen Ghanas und kann damit seit Jahren Erfolge verzeichnen. Wichtige Arbeitsbereiche sind die Dezentralisierung und kommunale Entwicklung, die Förderung der Zivilgesellschaft und die Verbesserung der Leistungsfähigkeit von Verwaltungseinrichtungen.

Auf Distriktebene hat Deutschland die Einführung und Weiterentwicklung eines anreizbasierten und leistungsorientierten Finanzierungssystems (District Development Facility) für kommunale Investitionen unterstützt.

Die ghanaische Regierung wird außerdem dabei unterstützt, das Steuer-, Finanz- und Haushaltswesen den Prinzipien guter Regierungsführung anzupassen. Dies umfasst die Steigerung der Steuereinnahmen, die Modernisierung des Steuersystems, eine verbesserte Haushaltsaufstellung und die Stärkung der innerstaatlichen Rechenschaftspflicht gegenüber Parlament und Rechnungshof. Darüber hinaus wird die transparente Verwendung von Einnahmen aus dem Rohstoffsektor (EITI-Prozess) unterstützt. Die Aktivitäten leisten einen wichtigen Beitrag zur Korruptionsbekämpfung.


Land­wirt­schaft

Gemüseangebot auf einem Markt in Accra, Ghana

Um die Armut in Ghana zu bekämpfen und die Ernährung zu sichern, engagiert sich Deutschland für die Steigerung der Produktivität in der Landwirtschaft. Zurzeit werden die Potenziale im landwirtschaftlichen Bereich nur unzureichend genutzt – die Wertschöpfung ist aufgrund technischer, institutioneller und wirtschaftspolitischer Defizite unzureichend.

Ghana ist daher eines der Schwerpunktländer der Sonderinitiative EINEWELT ohne Hunger. Durch den Aufbau von Grünen Innovationszentren sollen kleinbäuerliche Betriebe unterstützt werden, durch nachhaltige Produktionsweisen ihr Einkommen zu erhöhen.

Ziel des deutschen Engagements ist, dass die Bäuerinnen und Bauern in Zukunft nicht mehr nur für den Eigenbedarf produzieren, sondern durch den Verkauf ihrer Waren ein Einkommen erzielen können. Herstellung, Verarbeitung und Vermarktung der Produkte sollen effizienter und wirtschaftlicher gestaltet werden, um die Wettbewerbsfähigkeit auf nationalen, regionalen und internationalen Märkten zu verbessern. Gleichzeitig sollen neue Jobs im Bereich der Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten geschaffen werden, damit ein größerer Teil der Gewinne im Land und vor allem in ländlichen Gebieten verbleibt.

Durch die Förderung von Vertragslandwirtschaft sollen Kleinbauern langfristige Planungssicherheit und ein geregeltes Einkommen erhalten. Dafür unterstützt und berät die deutsche Entwicklungszusammenarbeit staatliche Institutionen sowie wichtige öffentliche und private Dienstleister im Landwirtschaftssektor.

Die gemeinsamen Bemühungen haben Erfolg: Das durchschnittliche Einkommen landwirtschaftlicher Produzenten ist in allen geförderten Produktbereichen deutlich gestiegen. Im Kautschuksektor ist die Anzahl der Arbeitsplätze um etwa 20 Prozent gestiegen.

Gemeinsam mit Israel engagiert sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in Ghana auch im Rahmen einer Dreieckskooperation: Mit israelischem Know-how wird der Anbau von Zitrusfrüchten in zwei Regionen verbessert. Eine neue Phase der Zusammenarbeit ist in Planung.


Nachhaltige Wirt­schafts­ent­wick­lung

 Baustelle in Accra, Ghana

Die Regierung von Ghana setzt gemeinsam mit der internationalen Gebergemeinschaft große Hoffnungen in den privaten Wirtschaftssektor. Ziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ist es, den Zugang zu Finanzdienstleistungen zu verbessern sowie die Erwerbstätigkeit vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen zu erhöhen. Die Schwerpunkte der Förderung liegen daher in der beruflichen Bildung und der Finanzsystementwicklung.

Um dem Mangel an Fachkräften in Kleinst- und Kleinunternehmen entgegenzuwirken und ein Wachstum der Betriebe zu ermöglichen, engagiert sich Deutschland gezielt in der Berufsbildung in beschäftigungsintensiven Branchen. In Kooperation mit der Privatwirtschaft werden beispielsweise Ausbildungsmöglichkeiten für ärmere Jugendliche geschaffen. Für berufliche Weiterbildungsmaßnahmen soll ein innovatives Gutscheinsystem eingeführt werden.

Im Bereich Finanzsystementwicklung fördert Deutschland unter anderem die finanzielle Grundbildung, den Aufbau von Zahlungssystemen und eines Einlagensicherungssystems, die Vergabe von Mikrokrediten und die Entwicklung von Mikroversicherungsprodukten. Nach Gründung einer Mikrofinanzinstitution wurden bislang schon mehr als 52.000 Spareinlagen angelegt und es konnten über 11.800 Kredite an private Kleinst- und Kleinunternehmen vergeben werden. Mit deutscher Unterstützung werden außerdem regionale und lokale Beratungsstellen aufgebaut, um den Zugang zu Mikrokrediten besonders im ländlichen Raum zu verbessern.


Erneuerbare Energien

Strommast mit -leitungen in Ghana

Der Bedarf an Elektrizität steigt in Ghana stetig. Trotz einer im regionalen Vergleich hohen Elektrifizierungsrate von etwa 75 Prozent ist die Stromversorgung des Landes unzureichend und unzuverlässig. Problematisch sind vor allem die hohen Verluste bei der Stromübertragung und -verteilung, die mangelnde Kostendeckung bei der Stromversorgung sowie die große Abhängigkeit von fossilen Energieträgern.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit fördert deshalb das Zukunftsthema erneuerbare Energien mit dem Ziel, die Energiesicherheit im Land zu erhöhen. Im Mittelpunkt der Beratung steht die Umsetzung eines fortschrittlichen Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Demnach sollen bis 2020 zehn Prozent der Gesamtenergie aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Außerdem unterstützt Deutschland den geplanten Bau einer großen Solaranlage in Ghana.


Entschuldung

Ghana war lange eines der am höchsten verschuldeten Länder Afrikas. Die Staats­ein­nah­men dienten haupt­sächlich der Tilgung aus­län­di­scher Kredite. Für die Armuts­bekämpfung und das Wirt­schafts­wachs­tum im eigenen Land blieb wenig übrig.

Im Rahmen der HIPC-Entschuldungs-Initiative und der Multi­la­te­ra­len Schulden­erlass-Initiative (MDRI) wurde Ghana weit­gehend entschuldet. Unter anderem wurden alle Schulden beim In­ter­na­ti­o­nalen Währungsfonds (IWF), bei der Welt­bank­tochter IDA (In­ter­na­ti­o­nal De­vel­op­ment Association) und beim Afrikanischen Ent­wick­lungs­fonds (AfDF) erlassen. Die Gesamt­entlastung Ghanas im Rahmen der beiden Ent­schul­dungs­initiativen betrug 7,4 Milliarden US-Dollar. Deutsch­land hat Ghana sämtliche Schulden in Höhe von rund 494 Millionen Euro erlassen.


Weitere Informationen

Publikationen

BMZ-Afrikapolitik: Neue Herausforderungen und Akzente

PDF 1,6 MB, barrierefrei

Gute Regierungsführung konkret

PDF 3,5 MB, barrierefrei

Entwicklungspolitisches Strategiepapier Extraktive Rohstoffe

PDF 574 KB, barrierefrei

EINEWELT ohne Hunger ist möglich

PDF 2,3 MB, barrierefrei

EINEWELT ohne Hunger ist möglich
Lösungsansätze der deutschen Entwicklungspolitik

PDF 4,9 MB, barrierefrei

EINEWELT ohne Hunger ist möglich
Was tut die deutsche Entwicklungspolitik

PDF 3,5 MB, barrierefrei

Sektorkonzept Privatwirtschaftsförderung

PDF 2,9 MB, barrierefrei

Nachhaltige Energie für Entwicklung
Die deutsche Ent­wick­lungs­zusammen­ar­beit im Energiesektor

PDF 5 MB, barrierefrei

Neue Akzente in unserer
Afrikapolitik | Zwischenbilanz nach einem Jahr

PDF 5 MB, barrierefrei

Die neue Afrika-Politik des BMZ
Afrika auf dem Weg vom Krisen- zum Chancenkontinent

PDF 1,2 MB, barrierefrei

Lexikon der Entwicklungspolitik

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