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Burkina Faso

Situation und Zusammenarbeit

Schulmädchen in Burkina Faso

Die politischen Rahmenbedingungen in Burkina Faso verbessern sich seit Beginn der 1990er Jahre kontinuierlich. Das Land verfügt heute über eine parlamentarische Demokratie und eine moderne Verfassung. Die Gesellschaft ist ethnisch und religiös tolerant. Präsidentschafts- und Parlamentswahlen fanden zuletzt im November 2015 statt.

Burkina Faso hat auch auf weiteren Gebieten bedeutende Entwicklungsfortschritte erzielt. So sank der Anteil unterernährter Kinder innerhalb eines Jahrzehnts um mehr als ein Drittel, ist aber mit 30 Prozent (2015) immer noch sehr hoch. Die Müttersterblichkeit wurde mehr als halbiert, die Zahl der eingeschulten Kinder mehr als verdoppelt – von 30 Prozent (1990) auf über 67 Prozent (2014). Dabei ist insbesondere der Anteil der eingeschulten Mädchen stark angestiegen. Deutliche Verbesserungen gab es ebenso beim Zugang zu sauberem Trinkwasser (1990: 41 Prozent, 2015: 82 Prozent).

Auch die Absenkung der HIV-Infektionsrate von 2,1 Prozent (2001) auf 0,8 Prozent (2015) kann als großer Erfolg betrachtet werden. Und im Bereich der Senkung der Kindersterblichkeit sind ebenfalls langsame Fortschritte zu verzeichnen: Die Sterberate der Kinder unter fünf Jahren sinkt seit 1994 kontinuierlich, von rund 201 pro 1.000 Lebendgeburten auf zuletzt 89 (2015). Sie ist damit aber noch immer sehr hoch. Fast die Hälfte der Einwohner ist unter 15 Jahre alt. Die Lebenserwartung liegt bei 59 Jahren.

Herausforderungen

Kinder in Burkina Faso

Trotz dieser wichtigen Erfolge besteht weiterhin ein breiter sozioökonomischer und politischer Reformbedarf. Das Kernproblem Burkina Fasos ist seine strukturelle Armut: Deutlich mehr als vierzig Prozent der etwa 18 Millionen Einwohner leben unter der absoluten Armutsschwelle. Im Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen liegt Burkina Faso auf dem 185. Platz von 188 bewerteten Staaten (HDI 2015).

Der geringe Bildungsstand, das ungenügende Gesundheitswesen, die qualitativ und quantitativ nicht ausreichende Wasserversorgung und die unzureichende Nutzung der vorhandenen Potenziale in der Landwirtschaft hemmen die Entwicklung des Landes. Hinzu kommen ungünstige Produktionsfaktoren. So entstehen durch die Binnenlage Burkina Fasos sehr hohe Kosten für Transport und Energie. Außerdem ist das Ausbildungs- und Produktivitätsniveau gering. Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung können nicht lesen und schreiben.

Das starke Bevölkerungswachstum erschwert die ohnehin schwierige Situation zusätzlich: Obwohl gutes Ackerland sehr knapp ist, müssen immer mehr Menschen ernährt werden. Die Bevölkerung weicht darum in Gebiete aus, die noch fruchtbar sind. Viele neu erschlossene Flächen werden so intensiv genutzt, dass die Böden auf Dauer unbrauchbar werden. Wenn die Bevölkerung weiter so stark wächst, wird Burkina Faso schon in wenigen Jahrzehnten an die Grenzen seiner eigenen Ernährungsmöglichkeiten stoßen. Voraussichtlich wird das zu einer zunehmenden Verstädterung führen. Derzeit liegt der Anteil der Stadtbewohner an der Gesamtbevölkerung bei etwa 30 Prozent.


Entwicklungspotenziale

Frauen bei der Feldarbeit in einem Dorf in der Region Fada N’Gourma, Burkina Faso

Die Wirtschaftsleistung von Burkina Faso ist im regionalen Vergleich gut. Trotz Herausforderungen wie der internationalen Finanzkrise und der Ernährungskrise in der Sahelzone konnte Burkina Faso auf makroökonomischer Ebene Fortschritte machen. Die Inflation ist seit mehreren Jahren relativ niedrig (2016: 0,9 Prozent), das Wirtschaftswachstum erreichte 2015 ungefähr 4 Prozent, das Haushaltsdefizit liegt bei rund 3,7 Prozent. Im Jahr 2013 lag die Eigeneinnahmenquote mit 17,8 Prozent erstmals innerhalb des Konvergenzziels der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (UEMOA) (17 Prozent). 2014 wurden 17,2 Prozent erreicht. 2015 lag sie allerdings bei nur 15,6 Prozent, unter anderem auf Grund des niedrigen Goldpreises und der politischen Krise im Jahr 2015.

Die Landwirtschaft und die ihr nachgelagerten Wirtschaftszweige bergen das größte Entwicklungspotenzial für die Wirtschaft des Landes. Vier Fünftel der Bevölkerung arbeiten im Agrarsektor, rund ein Drittel der volkswirtschaftlichen Leistung wird hier erbracht. Zunehmende Bedeutung gewinnt auch der Bergbau (insbesondere Gold). Industrie gibt es hingegen kaum und die Rahmenbedingungen für die Privatwirtschaft verbessern sich nur langsam.

Das Land hat erhebliche Standortnachteile: Weil Burkina Faso keinen Zugang zum Meer hat, sind die Transportkosten für die Exportwirtschaft hoch. Auch die wachsenden Kosten für Energie, die schlecht ausgebaute Infrastruktur und ein geringes Ausbildungsniveau behindern die Entwicklung.

Die Deviseneinnahmen des Landes stammten bislang zum größten Teil aus dem Export von wenigen Produkten: Baumwolle, Lebendvieh, Cashewnüsse und Gold. Aufgrund der Abhängigkeit von zentralen Exportgütern ist Burkina Faso anfällig für externe Schocks. Das Sinken der Weltmarktpreise für Gold und Baumwolle hat somit beachtliche Folgen für das Wirtschaftswachstum.

Durch eine Abschaffung der Subventionen für Baumwollproduzenten in wohlhabenden Ländern könnte Baumwolle aus Burkina Faso wettbewerbsfähig werden. Dadurch könnte die Wirtschaft entscheidende Impulse bekommen. Im Rahmen der Baumwollinitiative kämpft Burkina Faso deshalb gemeinsam mit Mali, Tschad und Benin gegen die Subventionspolitik der USA, der EU und der Volksrepublik China.

Mit besseren Rahmenbedingungen ist auch die Steigerung der Produktivität in kleinen und mittleren Unternehmen für die Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten möglich. Dies könnte auch Impulse für kleine Handwerksbetriebe geben.

In den vergangenen Jahren hat der Bergbausektor zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung gewonnen, der Abbau von Gold hat sich im Zeitraum von 2008 bis 2011 versechsfacht. Inzwischen erzielt Burkina Faso mit Gold sogar fast dreimal höhere Exporteinnahmen als durch die Baumwollproduktion.

Für eine weitere positive Entwicklung muss das Land die Rechtssicherheit für Investitionen im Privatsektor verbessern und die Steuereinnahmen erhöhen. Zudem müssen leistungsfähige Banken, vor allem Mikrofinanzinstitute, aufgebaut werden.


Regionale Integration und Stabilität

Burkina Faso engagiert sich für die politische und wirtschaftliche Integration Afrikas. Das Land ist Mitglied in verschiedenen Regionalorganisationen, unter anderem in der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft (UEMOA) sowie der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS). Der Ausbau der Beziehungen zu den Nachbarländern sowie die Vertiefung der Beziehungen zu den wichtigsten Geberländern (EU-Mitgliedsstaaten, Schweiz, Kanada, Taiwan sowie die USA) haben für die Regierung Priorität.

Das Land war und ist an verschiedenen Friedensmissionen der Afrikanischen Union und der Vereinten Nationen beteiligt, unter anderem in Côte d’Ivoire, Haiti, der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik, Mali und dem Sudan. Burkina Faso spielt dank seiner relativen politischen Stabilität eine positive Rolle in der Region. So hat sich der ehemalige Präsident Blaise Compaoré 2010 als Mediator in Guinea und Côte d’Ivoire für die Sicherung eines stabilen Friedens und die Durchführung von freien Wahlen eingesetzt.

Am 30. Oktober 2014 sollte das burkinische Parlament über eine Änderung der Verfassung abstimmen, die dem seit 27 Jahren amtierenden Staatspräsidenten Compaoré eine weitere Amtszeit ermöglicht hätte. In Folge von Massenprotesten in der Hauptstadt Ouagadougou und der zweitgrößten Stadt Bobo-Dioulasso gab Compaoré am 31. Oktober 2014 seinen Rücktritt bekannt. Das Militär übernahm kurzzeitig die Macht und gab sie dann an eine zivile Übergangsregierung unter dem Diplomaten Michel Kafando ab. Im Februar 2015 kam es zu einem Putschversuch gegen die Übergangsregierung, ausgeführt von der Präsidialgarde des früheren Präsidenten Compaoré. Dieser konnte jedoch abgewendet werden. Die Präsidialgarde wurde danach aufgelöst.

Bei den frei und fair verlaufenen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im November 2015 wurde Roch Kaboré zum neuen Präsidenten gewählt. Er ist Parteichef des Mouvement du Peuple pour le Progrès (MPP).

Im Januar 2016 wurde die Hauptstadt Ouagadougou Ziel eines terroristischen Anschlags der Gruppe AQIM (Al Quaida im islamischen Maghreb), bei dem 30 Menschen getötet und über 50 Personen schwer verletzt wurden. Der regionale Terror in der Sahel-Region ist damit auch in Burkina Faso angekommen. Der demokratische Neuanfang wurde dadurch deutlich überschattet.


Men­schen­rech­te

Eine Gesundheitshelferin spricht über Mütter- und Kindergesundheit und Hygiene in Djomga, Burkina Faso

Die Lage der Menschenrechte hat sich verbessert. Die ehemalige Regierung hat in den vergangenen Jahren verschiedene Maßnahmen zum Schutz der Menschenrechte ergriffen. Unter anderem wurde ein Fonds für die Opfer politischer Gewalt gegründet und es wurden Reformen im Justizwesen eingeleitet. Die Menschenrechte sind nun dem Justizressort zugeordnet.

Doch auf dem Land werden die Grundrechte – und besonders die Frauenrechte – noch wenig respektiert; Frauen sind kaum an politischen Entscheidungsprozessen beteiligt. Seit 2009 ist deshalb bei allgemeinen Wahlen eine Frauenquote von 30 Prozent vorgeschrieben. Die burkinische Armutsbekämpfungsstrategie baut auf der Gleichberechtigung von Männern und Frauen auf. 2009 wurde erstmals eine nationale Genderstrategie verabschiedet.

Die weibliche Genitalverstümmelung (FGM) ist gesetzlich verboten. Studien zufolge ist die Zahl der Verstümmelungen insbesondere bei Mädchen unter 14 Jahren deutlich rückläufig (Rate für die Altersgruppe 0 bis 14 Jahre 2010: 13,3 Prozent, 1996 waren es noch rund 66 Prozent). In der erwachsenen Bevölkerung sind immer noch die meisten Frauen betroffen.

Im regionalen Vergleich hat das politische Engagement Burkina Fasos zur Überwindung von FGM Modellcharakter. Burkina Faso war eines der ersten afrikanischen Länder, das 1996 ein Gesetz gegen FGM erlassen hat. Der Einsatz für die Überwindung von FGM begann bereits Mitte der 1970er Jahre mit einem breiten zivilgesellschaftlichen Engagement. 1990 wurde das Nationale Komitee zur Überwindung von FGM (CNLPE) gegründet, dessen Vorsitzende die Frau des ehemaligen Staatspräsidenten Compaoré war. 2011 wurde das Komitee durch die Regierung in einen Nationalrat umgewandelt, um der Überwindung von FGM zusätzliche Dynamik zu verleihen. Der Tatbestand von FGM wird mit Gefängnisstrafen zwischen sechs Monaten bis zu drei Jahren geahndet. Bei FGM mit Todesfolge wird eine Gefängnisstrafe von fünf bis zehn Jahren verhängt.

Trotz gesetzlich festgeschriebener Kinder- und Jugendrechte sind die Lebensbedingungen dieser Bevölkerungsgruppe schwierig: Kinderarbeit und Kinderhandel sind nach wie vor verbreitet; über 40 Prozent der Kinder arbeiten, davon der überwiegende Teil in sogenannten "schädlichen und gefährlichen Beschäftigungen" (zum Beispiel in Goldminen). Der Anteil der Kinder, die aus Arbeitsgründen von ihren Eltern getrennt leben (zum Beispiel als illegale Migranten in Nachbarstaaten), wird auf 5 Prozent geschätzt. 52 Prozent aller Mädchen sind vor Erreichen des 18. Lebensjahres verheiratet.


Armutsbekämpfung

Ein Obsthändler in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso

Burkina Faso hat im Jahr 2000 seine erste Armutsbekämpfungsstrategie (Cadre Stratégique de Lutte contre la Pauvreté, CSLP) erstellt und 2003 komplett überarbeitet. Die dritte Fassung wurde seit 2009 in einem partizipativen Prozess erarbeitet und im Dezember 2010 verabschiedet. Die Strategie (Stratégie de Croissance Accélérée et de Développement Durable, SCADD) orientierte sich stärker am Wirtschaftswachstum, bezog aber auch die bisherigen Ziele Zugang zu sozialen Grunddiensten für Arme, Arbeit und Einkommen schaffende Maßnahmen sowie gute Regierungsführung mit ein. Bei der Überprüfung der Armutsbekämpfungsstrategie ist die Zivilgesellschaft beteiligt, sie hat jedoch keine Entscheidungskompetenz. Die armutsorientierte, an den globalen Entwicklungszielen (SDGs) ausgerichtete Entwicklungsstrategie PNDES (2016 bis 2020) wurde durch die neue Regierung im Sommer 2016 verabschiedet und führt die nachhaltige Ausrichtung der vorherigen nationalen Entwicklungsstrategie (SCADD) fort.

Der burkinischen Regierung fällt es schwer, die vorgesehenen Reformen umzusetzen. Gründe dafür sind unter anderem die Finanzschwäche des Landes, ein Mangel an qualifiziertem Personal und funktionsfähigen Verwaltungsstrukturen sowie die unzureichende Infrastruktur. Die Dezentralisierung der Verwaltungsstrukturen und die Übertragung von mehr Planungs- und Entscheidungskompetenzen auf die Kommunen könnte die Umsetzung einiger Reformen fördern. Die Herausforderung besteht nun darin, den Gemeinden zu ermöglichen, ihre neuen Aufgaben zu erfüllen.


Schwerpunkte der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit

Die Unterstützung durch Entwicklungszusammenarbeit ist für Burkina Faso existenziell wichtig. Zuschüsse und Auslandskredite machen über 70 Prozent des Staatshaushaltes aus.

Im Oktober 2014 sagte Deutschland für die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit Mittel in Höhe von 113,42 Millionen Euro zu. Die nächsten Regierungsverhandlungen sind für 2017 geplant.

Mit der Regierung von Burkina Faso wurden drei Schwerpunkte der Zusammenarbeit vereinbart. Sie ergänzen das Engagement anderer Geber in Burkina Faso:

  • Landwirtschaft und Ernährungssicherung
  • Dezentralisierung und Kommunalentwicklung
  • Trinkwasser- und Sanitärversorgung 

Außerdem engagiert sich Deutschland für den Schutz von Kinderrechten.


Land­wirt­schaft und Ernährungssicherung

Frauen stellen Käse in einer Molkerei in Dori, Burkina Faso, her.

Für die Ernährung der Menschen in Burkina Faso und für die Bekämpfung der Armut spielt die Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Die Regierung hat darum mit deutscher Unterstützung eine Strategie für die ländliche Entwicklung entwickelt. Sie bildet den Rahmen für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit. Gleichzeitig arbeiten beide Seiten mit weiteren afrikanischen und internationalen Partnern daran, die nationale Entwicklungsstrategie sinnvoll einzugliedern in einen neuen umfassenden Ansatz für landwirtschaftliche Entwicklung in Afrika, dem sogenannten "Comprehensive Africa Agriculture Development Programme" (CAADP) der Neuen Partnerschaft für Afrikas Entwicklung (New Partnership for Africa's Development, NEPAD).

Deutschland unterstützt Burkina Faso außerdem bei der Einführung einer marktorientierten landwirtschaftlichen Produktion und Verarbeitung. Dazu wird ermittelt, welche landwirtschaftlichen Produkte gute Chancen am Markt haben. Ein "Grünes Innovationszentrum", das im Rahmen der Sonderinitiative EINEWELT ohne Hunger gegründet wurde, soll helfen, neue Dienstleistungen zur Marktanbindung, zur Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten und zur Verbesserung von Qualitätsstandards zu entwickeln. So konnte die Produktivität beim Anbau und der Verarbeitung von Reis und Sesam bereits um 25 Prozent gesteigert werden.

Dadurch werden auch Arbeitsplätze geschaffen und die Einkommen der Bäuerinnen und Bauern sowie der Beschäftigten in den weiterverarbeitenden Klein- und Kleinstbetrieben steigen. Ein weiterer Arbeitsbereich ist die Einführung verbesserter Finanzierungsmechanismen. Maßnahmen zum Erosionsschutz und zur Nutzung von Tal-Auen sollen helfen, die natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen und neue Anbauflächen zu schaffen.


De­zen­tra­li­sie­rung und Kommunalentwicklung

Eine Frau arbeitet am Laptop in Burkina Faso.

Die Förderung der Demokratie und der Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen an der Entwicklung von Burkina Faso ist das wichtigste Ziel des Schwerpunktbereichs "Dezentralisierung und Kommunalentwicklung" der burkinisch-deutschen Entwicklungszusammenarbeit.

In Burkina Fasos Verfassung von 1991 ist Dezentralisierung als Teil des demokratischen Reformprozesses verankert. Im Jahr 2006 wurde ein umfassender Dezentralisierungsprozess des zuvor stark zentralistisch organisierten Landes in Gang gesetzt. Das gesamte Land wurde in Gemeinden eingeteilt, die seit 2009 die Verantwortung für die Versorgung der Bevölkerung in den Bereichen Wasser und Sanitär, Gesundheit, Grundbildung sowie Jugend, Sport und Freizeit tragen. Auch in der burkinischen Strategie zur Armutsbekämpfung wird die Bedeutung leistungsfähiger Verwaltungsstrukturen für die Armutsbekämpfung hervorgehoben. Ein wichtiger Erfolg: Durch die Unterstützung der Gemeindereformen werden Kommunalverwaltungen in die Lage versetzt, effizienter und bürgernah zu arbeiten. Die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Verwaltung konnte sich dadurch von 2009 bis 2015 von 37 Prozent auf 75 Prozent steigern.

Die Bundesrepublik unterstützt den Aufbau von demokratisch legitimierten dezentralen Selbstverwaltungsstrukturen. Für die Zielgruppe der armen Bevölkerung soll dadurch eine Verbesserung der Lebensqualität und eine Verminderung ihrer Armut erreicht werden. Schlüsselbereiche der Zusammenarbeit in diesem Sektor sind die Präzisierung und die Abgrenzung kommunaler und zentralstaatlicher Aufgabenbereiche, die Qualifizierung des Personals und die Beratung bei der Erstellung und Umsetzung der lokalen Entwicklungspläne. Mit einem Fonds zur Verbesserung der kommunalen Infrastruktur sollen die finanziellen Möglichkeiten der kommunalen Gebietskörperschaften verbessert werden. Zwischen 2013 und 2016 wurden mehr als 4.000 kommunale Bedienstete in den staatlichen Verwaltungsschule ausgebildet.


Trinkwasser- und Sanitärversorgung

Ausbildung zum Klempner im Berufsbildungszentrum der nationalen Wasserbehörde in Burkina Faso

Die Wasserversorgungssysteme Burkina Fasos reichen nicht aus, um die Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. In Zukunft wird diese Situation noch durch schwindende Grund- und Oberflächenwasservorräte verschärft.

Im Dezember 2006 hat die Regierung ein nationales Programm im Bereich Trinkwasser und Abwasser verabschiedet. Das Programm bildet den Rahmen für Beiträge der Regierung und der Geber. Die Versorgung der Bevölkerung mit hygienisch einwandfreiem Trinkwasser hat sich seit Beginn des nationalen Programms erheblich verbessert. Die Sanitärversorgung bleibt jedoch eine große Herausforderung.

Gegenwärtig konzentriert sich die burkinisch-deutsche Entwicklungszusammenarbeit auf die Trinkwasser- und Sanitärversorgung in Klein- und Mittelstädten. Das Programm zielt darauf, die notwendigen rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen im Wassersektor zu verbessern und die notwendige Infrastruktur zu finanzieren. Hierzu gehören zum Beispiel der Bau von Pumpstationen und Aufbereitungsanlagen, der Bau von Latrinen sowie der Ausbau und die Instandsetzung der städtischen Versorgungsnetze. Ergänzend dazu werden Maßnahmen zur Hygieneaufklärung gefördert. Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Menschen mit hygienisch einwandfreiem Trinkwasser zu versorgen und die Sanitärversorgung zu verbessern. Damit sollen die Lebensverhältnisse und die Gesundheitssituation verbessert werden, insbesondere von Frauen und Mädchen. Durch das Programm konnten 470.000 Menschen zusätzlich mit sauberem Trinkwasser versorgt werden und 109.000 Menschen bekamen einen Zugang zu Latrinen.


Schutz der Kinderrechte

Kinder üben lesen und rechnen in Ouagadougou. Universitätsstudenten arbeiten als Freiwillige, um Tuareg-Kinder bei ihren Schulaufgaben zu helfen.

Dem Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen, zu denen Kinder gehören, kommt in Burkina Faso besondere Bedeutung zu. Trotz eines insgesamt guten rechtlichen Rahmens werden Kinderrechte häufig missachtet und verletzt. Zwangsheirat und Frühschwangerschaften sowie Genitalverstümmelung sind besondere Risiken für Mädchen; gefährliche Kinderarbeit und Kinderhandel sind weit verbreitet. Mit der Vergabe von Schulstipendien und dem Bau von Schulkantinen wird daher der Zugang der Kinder zu Grundbildung verbessert. Mit dem Auf- und Ausbau von Kinderschutznetzwerken sollen Kinder vor Gewalt und Ausbeutung geschützt werden, damit sich ihre Lebenssituation und ihre Zukunftschancen verbessern.


Weitere Informationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

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