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Burkina Faso

Situation und Zusammenarbeit

Schulmädchen in Burkina Faso

Die politischen Rahmenbedingungen in Burkina Faso verbessern sich seit Beginn der 1990er Jahre kontinuierlich. Das Land verfügt heute über eine parlamentarische Demokratie und eine moderne Verfassung. Die Gesellschaft ist ethnisch und religiös tolerant. Präsidentschafts- und Parlamentswahlen fanden zuletzt im November 2015 statt.

Das Kernproblem Burkina Fasos ist seine strukturelle Armut: Deutlich mehr als vierzig Prozent der etwa 17,5 Millionen Einwohner leben unter der absoluten Armuts­schwelle. Im Index der menschlichen Ent­wick­lung der Vereinten Nationen liegt Burkina Faso auf dem 183. Platz von 188 bewerteten Staaten (HDI 2014).

Der geringe Bildungsstand, ein ungenügendes Gesundheitswesen, eine qualitativ und quantitativ nicht ausreichende Wasserversorgung und die unzureichende Nutzung der vorhandenen Potenziale in der Landwirtschaft hemmen die Entwicklung Burkina Fasos. Hinzu kommen ungünstige Produktionsfaktoren. Die durch die Binnenlage des Landes entstehenden Kosten für Transport und Energie sind sehr hoch. Außerdem ist das Ausbildungs- und Produktivitätsniveau gering. Etwa 70 Prozent der Bevölkerung können nicht lesen und schreiben.

Die Absenkung der HIV-Infektionsrate von 2,1 Prozent (2001) auf 0,9 Prozent (2014 ) kann als großer Erfolg betrachtet werden.

Langsame Fortschritte weist Burkina Faso im Bereich der Senkung der Kindersterblichkeit auf. Die Sterberate der Kinder unter fünf Jahren sinkt seit 1994 kontinuierlich, von rund 200 pro 1.000 Lebendgeburten auf zuletzt 89 (2015 ), bleibt damit aber noch immer auf einem relativ hohen Niveau. Fast die Hälfte der Einwohner ist unter 15 Jahre alt. Die Lebenserwartung liegt bei 59 Jahren.


Kinder in Burkina Faso

Das starke Bevölkerungswachstum erschwert die Situation: Obwohl gutes Ackerland sehr knapp ist, müssen immer mehr Menschen ernährt werden. Die Bevölkerung weicht darum in Gebiete aus, die noch fruchtbar sind. Viele dieser neu erschlossenen Flächen werden so intensiv genutzt, dass die Böden dadurch auf Dauer unbrauchbar werden. Wenn die Bevölkerung weiter so stark wächst, wird Burkina Faso schon in wenigen Jahrzehnten an die Grenzen seiner eigenen Ernährungsmöglichkeiten stoßen. Dies wird voraussichtlich zu einer zunehmenden Verstädterung führen. Derzeit liegt der Anteil der Stadtbewohner an der Gesamtbevölkerung bei etwa 29 Prozent.

Burkina Faso hat jedoch auch bedeutende Entwicklungsfortschritte gemacht. Wichtige Indikatoren zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele haben sich in den vergangenen kontinuierlich verbessert. So sank der Anteil unterernährter Kinder innerhalb eines Jahrzehnts um mehr als ein Drittel, ist aber mit 33 Prozent (2013) immer noch sehr hoch. Die Müttersterblichkeit wurde mehr als halbiert, die Zahl der eingeschulten Kinder mehr als verdoppelt – von 30 Prozent (1990) auf über 67 Prozent (2014). Dabei ist insbesondere der Anteil der eingeschulten Mädchen stark angestiegen. Deutliche Verbesserungen gab es ebenso beim Zugang zu sauberem Trinkwasser (1990: 41 Prozent, 2015: 82 Prozent ). Dennoch konnte keines der acht Millenniumsentwicklungsziele vollständig erreicht werden und es besteht weiterhin breiter sozioökonomischer und politischer Reformbedarf.


Entwicklungspotenziale

Frauen bei der Feldarbeit in einem Dorf in der Region Fada N’Gourma, Burkina Faso

Die Wirtschaftsleistung von Burkina Faso ist im regionalen Vergleich gut. Trotz Herausforderungen wie der internationalen Finanzkrise und der Ernährungskrise in der Sahelzone konnte Burkina Faso auf makroökonomischer Ebene Fortschritte machen. Die Inflation ist seit mehreren Jahren relativ niedrig (2015: 0,7 Prozent), das Wirtschaftswachstum erreichte 2015 ungefähr 4,4 Prozent, das Haushaltsdefizit liegt bei rund 3,7 Prozent. Im Jahr 2013 lag die Eigeneinnahmenquote mit 17,8 Prozent erstmals innerhalb des Konvergenzziels der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (UEMOA) (17 Prozent). 2014 wurden 17,2 Prozent erreicht. 2015 lag sie allerdings bei nur 15,6 Prozent, unter anderem auf Grund des niedrigen Goldpreises und der politischen Krise im Jahr 2015.

Die Landwirtschaft und die ihr nachgelagerten Wirtschaftszweige bergen das größte Entwicklungspotenzial für die Wirtschaft des Landes. Vier Fünftel der Bevölkerung arbeiten im Agrarsektor, annähernd vierzig Prozent der volkswirtschaftlichen Leistung werden hier erbracht. Zunehmende Bedeutung gewinnt auch der Bergbau (insbesondere Gold). Industrie gibt es hingegen kaum und die Rahmenbedingungen für die Privatwirtschaft verbessern sich nur langsam.

Das Land hat erhebliche Standortnachteile: Weil Burkina Faso keinen Zugang zum Meer hat, sind die Transportkosten für die Exportwirtschaft hoch. Auch die wachsenden Kosten für Energie, die schlecht ausgebaute Infrastruktur und ein geringes Ausbildungsniveau behindern die Entwicklung.

Die Deviseneinnahmen des Landes stammten bislang zum größten Teil aus dem Export von wenigen Produkten: Baumwolle, Lebendvieh, Cashewnüsse und Gold. Aufgrund der Abhängigkeit von zentralen Exportgütern ist Burkina Faso anfällig für externe Schocks. Das Sinken der Weltmarktpreise für Gold und Baumwolle hat somit beachtliche Folgen für das Wirtschaftswachstum.

Durch eine Abschaffung der Subventionen für Baumwollproduzenten in wohlhabenden Ländern könnte Baumwolle aus Burkina Faso wettbewerbsfähig werden. Dadurch könnte die Wirtschaft entscheidende Impulse bekommen. Im Rahmen der Baumwollinitiative kämpft Burkina Faso deshalb gemeinsam mit Mali, Tschad und Benin gegen die Subventionspolitik der USA, der EU und der Volksrepublik China.

Mit besseren Rahmenbedingungen ist auch die Steigerung der Produktivität in kleinen und mittleren Unternehmen für die Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten möglich. Dies könnte auch Impulse für kleine Handwerksbetriebe geben.

In den vergangenen Jahren gewinnt der Bergbausektor zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung, der Abbau von Gold hat sich im Zeitraum von 2008 bis 2011 versechsfacht. Inzwischen erzielt Burkina Faso mit Gold sogar höhere Exporteinnahmen als durch die Baumwollproduktion.

Für eine weitere positive Entwicklung muss das Land die Rechtssicherheit für Investitionen im Privatsektor verbessern und die Steuereinnahmen erhöhen. Zudem müssen leistungsfähige Banken, vor allem Mikrofinanzinstitute, aufgebaut werden.


Regionale Integration und Stabilität

Burkina Faso engagiert sich für die politische und wirtschaftliche Integration Afrikas. Das Land ist Mitglied in verschiedenen Regionalorganisationen, unter anderem in der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft (UEMOA) sowie der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS). Der Ausbau der Beziehungen zu den Nachbarländern sowie die Vertiefung der Beziehungen zu den wichtigsten Geberländern (EU-Mitgliedsstaaten, Schweiz, Kanada, Taiwan sowie die USA) haben für die Regierung Priorität.

Das Land war und ist an verschiedenen Friedensmissionen der Afrikanischen Union und der Vereinten Nationen beteiligt, unter anderem in Côte d’Ivoire, Haiti, der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik, Mali und dem Sudan. Burkina Faso spielt dank seiner relativen politischen Stabilität eine positive Rolle in der Region. So hat sich der ehemalige Präsident Blaise Compaoré 2010 als Mediator in Guinea und Côte d’Ivoire für die Sicherung eines stabilen Friedens und die Durchführung von freien Wahlen eingesetzt.

In Burkina Faso gab es Anfang 2011 mehrfach gewalttätige Unruhen mit Toten und Verletzten. Die Proteste richteten sich unter anderem gegen gestiegene Lebenshaltungskosten, universitäre Missstände oder willkürliche staatliche Abgaben. In der Hauptstadt Ouagadougou sowie in anderen Städten und Gemeinden kam es dabei zu Schießereien und zu Plünderungen von Geschäften und Hotels. Die Regierung reagierte mit gezielten Maßnahmen zur Abmilderung der Krise, etwa durch Einführung von Preissubventionen für bestimmte Grundnahrungsmittel, die Senkung oder Aussetzung von Steuern und Abgaben, der Entschädigung für Plünderungen sowie Gehaltserhöhungen für Staatsbedienstete.

Am 30. Oktober 2014 sollte das burkinische Parlament über eine Änderung der Verfassung abstimmen, die dem seit 27 Jahren amtierenden Staatspräsidenten Compaoré eine weitere Amtszeit ermöglicht hätte. In Folge von Massenprotesten in der Hauptstadt Ouagadougou und der zweitgrößten Stadt Bobo-Dioulasso gab Compaoré am 31. Oktober 2014 seinen Rücktritt bekannt. Das Militär übernahm kurzzeitig die Macht und gab sie dann an eine zivile Übergangsregierung unter dem Diplomaten Michel Kafando ab. Im Februar 2015 kam es zu einem Putschversuch gegen die Übergangsregierung, ausgeführt von der Präsidialgarde des früheren Präsidenten Compaoré. Dieser konnte jedoch abgewendet werden. Die Präsidialgarde wurde danach aufgelöst.
Bei den frei und fair verlaufenen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im November 2015 wurde Roch Kaboré zum neuen Präsidenten gewählt. Er ist Parteichef des Mouvement du Peuple pour le Progrès (MPP).

Im Januar 2016 wurde die Hauptstadt Ouagadougou Ziel eines terroristischen Anschlags der Gruppe AQIM (Al Quaida im islamischen Maghreb), bei dem 30 Menschen getötet und über 50 Personen schwer verletzt wurden. Der regionale Terror in der Sahel-Region ist damit auch in Burkina Faso angekommen. Der demokratische Neuanfang wird dadurch deutlich überschattet.


Men­schen­rech­te

Eine Gesundheitshelferin spricht über Mütter- und Kindergesundheit und Hygiene in Djomga, Burkina Faso

Die Lage der Menschenrechte hat sich verbessert. Die ehemalige Regierung hat in den vergangenen Jahren verschiedene Maßnahmen zum Schutz der Menschenrechte ergriffen. Unter anderem wurde ein Fonds für die Opfer politischer Gewalt gegründet und es wurden Reformen im Justizwesen eingeleitet. Die Menschenrechte sind nun dem Justizressort zugeordnet.

Doch auf dem Land werden die Grundrechte – und besonders die Frauenrechte – noch wenig respektiert; Frauen sind kaum an politischen Entscheidungsprozessen beteiligt. Seit 2009 ist deshalb bei allgemeinen Wahlen eine Frauenquote von 30 Prozent vorgeschrieben. Die burkinische Armutsbekämpfungsstrategie baut auf der Gleichberechtigung von Männern und Frauen auf. 2009 wurde erstmals eine nationale Genderstrategie verabschiedet.

Die weibliche Genitalverstümmelung (FGM) ist gesetzlich verboten. Studien zufolge ist die Zahl der Verstümmelungen insbesondere bei Mädchen unter 14 Jahren deutlich rückläufig (Rate für die Altersgruppe 0 bis 14 Jahre 2010: 13,3 Prozent, 1996 waren es noch rund 66 Prozent). In der Erwachsenenbevölkerung sind immer noch die meisten Frauen betroffen.

Im regionalen Vergleich hat das politische Engagement Burkina Fasos zur Überwindung von FGM Modellcharakter. Burkina Faso war eines der ersten afrikanischen Länder, das 1996 ein Gesetz gegen FGM erlassen hat. Der Einsatz für die Überwindung von FGM begann bereits Mitte der 1970er Jahre mit einem breiten zivilgesellschaftlichen Engagement. 1990 wurde das Nationale Komitee zur Überwindung von FGM (CNLPE) gegründet, dessen Vorsitzende die Frau des ehemaligen Staatspräsidenten Compaoré war. 2011 wurde das Komitee durch die Regierung in einen Nationalrat umgewandelt, um der Überwindung von FGM zusätzliche Dynamik zu verleihen. Der Tatbestand von FGM wird mit Gefängnisstrafen zwischen sechs Monaten bis zu drei Jahren geahndet. Bei FGM mit Todesfolge wird eine Gefängnisstrafe von fünf bis zehn Jahren verhängt.

Trotz gesetzlich festgeschriebener Kinder- und Jugendrechte sind die Lebensbedingungen dieser Bevölkerungsgruppe schwierig: Kinderarbeit und Kinderhandel sind nach wie vor verbreitet; über 40 Prozent der Kinder arbeiten, davon der überwiegende Teil in sogenannten "schädlichen und gefährlichen Beschäftigungen" (zum Beispiel in Goldminen). Der Anteil der Kinder, die aus Arbeitsgründen von ihren Eltern getrennt leben (zum Beispiel als illegale Migranten in Nachbarstaaten), wird auf 5 Prozent geschätzt. 52 Prozent aller Mädchen sind vor Erreichen des 18. Lebensjahres verheiratet. Kinder mit Behinderungen sind weitgehend vom Bildungssystem ausgeschlossen (weniger als 3 Prozent besuchen eine Schule).


Armutsbekämpfung

Burkina Faso hat im Jahr 2000 seine erste Armuts­be­kämp­fungs­strategie (Cadre Stratégique de Lutte contre la Pauvreté, CSLP) erstellt und 2003 komplett überarbeitet. Die dritte Fassung wurde seit 2009 in einem partizipativen Prozess erarbeitet und im Dezember 2010 verabschiedet. Die neue Strategie (Stratégie de Croissance Accélérée et de Développement Durable, SCADD) orientiert sich stärker am Wirt­schafts­wachs­tum, bezieht aber auch die bisherigen Ziele Zugang zu sozialen Grunddiensten für Arme, Arbeit und Einkommen schaffende Maßnahmen sowie gute Regie­rungs­führung mit ein. Bei der Überprüfung der Armuts­be­kämp­fungs­strategie ist die Zivil­ge­sell­schaft beteiligt, sie hat jedoch keine Entscheidungskompetenz. Derzeit wird die neue SCADD II (2016–2020) erarbeitet, die 2016 verabschiedet werden soll.

Der burkinischen Regierung fällt es schwer, die vorgesehenen Reformen umzusetzen. Gründe dafür sind unter anderem die Finanzschwäche des Landes, ein Mangel an qualifiziertem Personal und funktionsfähigen Verwaltungsstrukturen sowie die unzureichende Infra­struk­tur. Die De­zen­tra­li­sie­rung der Ver­wal­tungs­struk­turen und die Übertragung von mehr Planungs- und Entscheidungs­kompetenzen auf die Kommunen könnte die Um­setzung einiger Reformen fördern. Die He­raus­for­de­rung besteht nun darin, den Ge­mein­den zu ermöglichen, ihre neuen Aufgaben zu erfüllen.


Schwerpunkte der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit

Die Unterstützung durch Entwicklungszusammenarbeit ist für Burkina Faso existenziell wichtig. Zuschüsse und Auslandskredite machen über 70 Prozent des Staatshaushaltes aus.

Im Oktober 2014 sagte Deutschland für die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit Mittel in Höhe von 55 Millionen Euro zu. Die nächsten Regierungsverhandlungen sind für 2017 geplant.

Mit der Regierung von Burkina Faso wurden drei Schwerpunkte der Zusammenarbeit vereinbart. Sie ergänzen das Engagement anderer Geber in Burkina Faso:

  • Landwirtschaft und Sicherung der Ernährung
  • Dezentralisierung und Kommunalentwicklung
  • Trinkwasser- und Sanitärversorgung 

Zusätzlich wird das burkinische Wirtschafts- und Finanzministerium von deutschen Expertinnen und Experten in Fragen der Armutsbekämpfung beraten. Außerdem engagiert sich Deutschland für den Schutz von Kinderrechten.


Land­wirt­schaft und Sicherung der Ernährung

Frauen stellen Käse in einer Molkerei in Dori, Burkina Faso, her.

Für die Ernährung der Menschen in Burkina Faso und für die Bekämpfung der Armut spielt die Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Die Regierung hat darum mit deutscher Unterstützung eine Strategie für die ländliche Entwicklung entwickelt. Sie bildet den Rahmen für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit. Gleichzeitig arbeiten beide Seiten mit weiteren afrikanischen und internationalen Partnern daran, die nationale Entwicklungsstrategie sinnvoll einzugliedern in einen neuen umfassenden Ansatz für landwirtschaftliche Entwicklung in Afrika, dem sogenannten "Comprehensive Africa Agriculture Development Programme" (CAADP) der Neuen Partnerschaft für Afrikas Entwicklung (New Partnership for Africa‘s Development, NEPAD).

Deutschland unterstützt Burkina Faso außerdem bei der Einführung einer marktorientierten landwirtschaftlichen Produktion und Verarbeitung. Dazu wird ermittelt, welche landwirtschaftlichen Produkte gute Chancen am Markt haben. Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit werden neue Dienstleistungen zur Marktanbindung, zur Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten und zur Verbesserung von Qualitätsstandards entwickelt. Dadurch sollen auch Arbeitsplätze geschaffen und die Einkommen der Bäuerinnen und Bauern sowie der Beschäftigten in den weiterverarbeitenden Klein- und Kleinstbetrieben steigen. Ein weiterer Arbeitsbereich ist die Einführung verbesserter Finanzierungsmechanismen. Maßnahmen zum Erosionsschutz und zur Nutzung von Tal-Auen sollen helfen, die natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen und neue Anbauflächen zu schaffen.


De­zen­tra­li­sie­rung und Kommunalentwicklung

Eine Frau arbeitet am Laptop in Burkina Faso.

Die Förderung der Demokratie und der Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen an der Entwicklung von Burkina Faso ist das wichtigste Ziel des Schwerpunktbereichs "Dezentralisierung und Kommunalentwicklung" der burkinisch-deutschen Entwicklungszusammenarbeit. In Burkina Fasos Verfassung von 1991 ist Dezentralisierung als Teil des demokratischen Reformprozesses verankert. Im Jahr 2006 wurde ein umfassender Dezentralisierungsprozess des zuvor stark zentralistisch organisierten Landes in Gang gesetzt. Das gesamte Land wurde in Gemeinden eingeteilt, die seit 2009 die Verantwortung für die Versorgung der Bevölkerung in den Bereichen Wasser und Sanitär, Gesundheit, Grundbildung sowie Jugend, Sport und Freizeit tragen. Auch in der burkinischen Strategie zur Armutsbekämpfung wird die Bedeutung leistungsfähiger Verwaltungsstrukturen für die Armutsbekämpfung hervorgehoben.

Die Bundesrepublik unterstützt den Aufbau von demokratisch legitimierten Selbstverwaltungsstrukturen. Denn dezentrale Institutionen können in der Regel effizienter arbeiten und sachgerechter entscheiden als zentrale Regierungsbehörden in der Hauptstadt. Für die Zielgruppe der armen Bevölkerung soll dadurch eine Verbesserung der Lebensqualität und eine Verminderung ihrer Armut erreicht werden. Schlüsselbereiche der Zusammenarbeit in diesem Sektor sind die Präzisierung und die Abgrenzung kommunaler und zentralstaatlicher Aufgabenbereiche, die Qualifizierung des Personals und die Beratung bei der Erstellung und Umsetzung der lokalen Entwicklungspläne. Mit einem Fonds zur Verbesserung der kommunalen Infrastruktur sollen die finanziellen Möglichkeiten der kommunalen Gebietskörperschaften verbessert werden.


Trinkwasser- und Sanitärversorgung

Ausbildung zum Klempner im Berufsbildungszentrum der nationalen Wasserbehörde in Burkina Faso

Die Wasserversorgungssysteme Burkina Fasos reichen nicht aus, um die Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. In Zukunft wird diese Situation noch durch schwindende Grund- und Oberflächenwasservorräte verschärft.

Im Dezember 2006 hat die Regierung ein nationales Programm im Bereich Trinkwasser und Abwasser verabschiedet. Das Programm bildet den Rahmen für Beiträge der Regierung und der Geber. Die Versorgung der Bevölkerung mit hygienisch einwandfreiem Trinkwasser hat sich seit Beginn des nationalen Programms erheblich verbessert. Die Sanitärversorgung bleibt jedoch eine große Herausforderung.

Gegenwärtig konzentriert sich die burkinisch-deutsche Entwicklungszusammenarbeit auf die Trinkwasser- und Sanitärversorgung in Klein- und Mittelstädten. Das Programm zielt darauf, die notwendigen rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen im Wassersektor zu verbessern und die notwendige Infrastruktur zu finanzieren. Hierzu gehören zum Beispiel der Bau von Pumpstationen und Aufbereitungsanlagen, der Bau von Latrinen sowie der Ausbau und die Instandsetzung der städtischen Versorgungsnetze. Ergänzend dazu werden Maßnahmen zur Hygieneaufklärung gefördert. Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Menschen mit hygienisch einwandfreiem Trinkwasser zu versorgen und die Sanitärversorgung zu verbessern. Damit sollen die Lebensverhältnisse und die Gesundheitssituation verbessert werden, insbesondere von Frauen und Mädchen.


Schutz der Kinderrechte

Kinder üben lesen und rechnen in Ouagadougou. Universitätsstudenten arbeiten als Freiwillige, um Tuareg-Kinder bei ihren Schulaufgaben zu helfen.

Dem Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen, zu denen Kinder gehören, kommt in Burkina Faso besondere Bedeutung zu. Trotz eines insgesamt guten rechtlichen Rahmens werden Kinderrechte häufig missachtet und verletzt. Zwangsheirat und Frühschwangerschaften sowie Genitalverstümmelung sind besondere Risiken für Mädchen; gefährliche Kinderarbeit und Kinderhandel sind weit verbreitet. Mit der Vergabe von Schulstipendien und dem Bau von Schulkantinen wird daher der Zugang der Kinder zu Grundbildung verbessert. Mit dem Auf- und Ausbau von Kinderschutznetzwerken sollen Kinder vor Gewalt und Ausbeutung geschützt werden, damit sich ihre Lebenssituation und ihre Zukunftschancen verbessern.


Weitere Informationen

Publikationen

EINEWELT ohne Hunger ist möglich
Lösungsansätze der deutschen Entwicklungspolitik

PDF 4,9 MB, barrierefrei

Nahrung für Milliarden
Forschungsaktivitäten der Bundesregierung als Beitrag zur globalen Ernährungssicherung

PDF 2,3 MB, barrierefrei

BMZ-Afrikapolitik: Neue Herausforderungen und Akzente

PDF 1,6 MB, barrierefrei

Neue Akzente in unserer
Afrikapolitik | Zwischenbilanz nach einem Jahr

PDF 5 MB, barrierefrei

Weibliche Genitalverstümmelung –
Der Beitrag der deutschen Entwicklungspolitik zur Überwindung dieser Menschenrechtsverletzung an Mädchen und Frauen
Positionspapier des BMZ

PDF 1,1 MB, barrierefrei

Die neue Afrika-Politik des BMZ
Afrika auf dem Weg vom Krisen- zum Chancenkontinent

PDF 1,2 MB, barrierefrei

Deutschlands Beitrag zur nach­haltigen Ein­däm­mung von HIV
BMZ-Strategiepapier

PDF 809 KB, barrierefrei

Lexikon der Entwicklungspolitik

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