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Naher Osten und Nordafrika

Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung


Arbeiter in einer kleinen Dreherei in Luxor/Ägypten, die mit deutschen Geldern finanziert wurde.

Nach dem Ölpreisverfall und den Wachs­tums­ein­brüchen Mitte der 1980er Jahre haben die meisten Länder in Nord­afrika und im Nahen Osten (Middle East and North Africa, MENA) wirt­schaft­liche Liberalisierungs- und Pri­va­ti­sie­rungs­pro­zesse ein­ge­leitet. Die Privat­wirt­schaft hat jedoch bis heute eine relativ geringe Be­deu­tung; zwischen 30 und 55 Pro­zent des Brutto­in­lands­produktes wer­den von Staats­betrieben erwirtschaftet.

Das beachtliche Wirt­schafts­wachs­tum der vergangenen Jahre hat in der Region nur wenige neue Arbeits­plätze ge­schaf­fen. Arbeits­losig­keit, vor allem unter jun­gen Menschen, ist in allen Ko­ope­ra­tions­ländern der Region ein großes Pro­blem und war eine der Ur­sachen für die Um­brüche in der ara­bischen Welt.

Eine zentrale He­raus­for­de­rung für die Unter­neh­men der Region ist die Stei­gerung der Wett­be­werbs­fähig­keit – wenn ihnen das nicht gelingt, werden sie gegen­über der aus­län­dischen Kon­kur­renz zurück­fallen und auch be­ste­hende Arbeits­plätze werden ge­fähr­det. Um den An­schluss an die Welt­wirt­schaft nicht zu ver­lie­ren, ist es wichtig, dass die Aus- und Fort­bil­dung ver­bes­sert wird und die Staats­be­triebe pri­va­ti­siert werden. Mono­pole und büro­kra­tische Hür­den müs­sen be­sei­tigt werden.

Acht Länder der Region haben Assoziierungs­ab­kommen mit der Euro­pä­ischen Union ge­schlos­sen; Ziel ist eine euro-mediterrane Frei­handels­zone. Viele Länder der Region sind zudem der Welt­han­dels­orga­ni­sa­tion (WTO) bei­ge­treten und be­rei­ten sich auf die Öffnung ihrer Märkte vor.

Deutsch­land unterstützt seine Ko­ope­ra­tions­länder in der MENA-Region bei der nachhaltigen Ent­wick­lung ihrer Wirtschaft in folgenden Bereichen:

  • Wirtschaftspolitische Reformen

  • Ent­wick­lung der Privat­wirt­schaft

  • Arbeitsmarkt und Beschäftigung

Wirtschaftspolitische Reformen

Deutsche Expertinnen und Experten beraten die Regierungen der Ko­ope­ra­tions­länder bei der Ent­wick­lung markt­wirt­schaft­licher Struk­turen. Ziel der Beratung ist es, die Wirt­schafts­systeme an­pas­sungs­fähiger und öko­logisch und sozial nach­hal­tiger zu gestalten.

Die Maßnahmen umfassen alle wirtschafts­politischen Hand­lungs­felder – von der Wett­be­werbs- und Unter­neh­mens­politik über die Finanz-, Handels- und Arbeits­markt­politik bis zur Zoll- und Steuer­politik. Er­gän­zend dazu wer­den staat­liche Maß­nah­men der Re­gie­rungen unter­stützt, die zukunfts­träch­tige, res­sour­cen­schonende Branchen wei­ter­ent­wickeln. Dazu gehören die Regional- und Mittel­stands­förderung, die Umwelt- und Struk­tur­politik sowie Forschungs- und Innovationsförderung.

Ent­wick­lung der Privat­wirt­schaft

Ziel der deutschen Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit ist ein wett­be­werbs­fähiger Pri­vat­sektor, der seine Rolle als Beschäf­ti­gungs- und Wachs­tums­motor der Wirt­schaft erfüllen kann.

Die Regierungen der Ko­ope­ra­tions­länder werden daher bei Maß­nah­men unter­stützt, die das Investi­tions­klima für kleine und mitt­lere Unter­neh­men ver­bes­sern. Unter anderem sol­len büro­kra­tische Hür­den ab­ge­baut und An­reize für pri­vate Investi­tionen ge­schaf­fen wer­den. Auch die Moderni­sie­rung und Di­ver­si­fi­zie­rung der Wirt­schaft werden ge­för­dert. Denn dadurch steigt die Pro­duk­ti­vi­tät und neue Arbeits­plätze ent­stehen.

Im in­ter­na­ti­o­nalen Vergleich ist der Finanz­sektor in der Region bisher schwach ent­wick­elt. Nur etwa zehn Pro­zent der Kleinst-, Klein- und mittel­stän­dischen Unter­neh­men haben Zu­gang zu Kre­diten und anderen Finanz­dienst­leistungen wie Spar­pro­dukten oder Ver­sicherungen. Ab­hän­gig von der je­wei­ligen Struk­tur des Finanz­sektors werden die vor­han­denen Finanz­insti­tu­tionen ge­stärkt oder neue In­sti­tu­tionen auf­ge­baut, um die Firmen mit Finanz­dienst­leistungen zu versorgen.

Arbeitsmarkt und Beschäftigung

In der Medina von Salé erhalten alleinstehende Frauen und junge Mädchen durch ein Projekt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit die Chance, sich einen bescheidenen Lebensunterhalt zu verdienen. Urheberrecht: BMZSeit Jahrzehnten ist der öffentliche Sektor in fast allen Ländern der MENA-Region der be­deu­tendste Arbeit­geber. Er beschäftigt zwischen 30 und 60 Pro­zent aller Arbeit­nehmer. Doch die Ein­nah­men der öffent­lichen Hand sinken fast über­all. Durch das hohe Be­völ­ke­rungs­wachs­tum steigt gleich­zeitig die Zahl der Arbeits­suchenden – und damit die Zahl der Arbeitslosen.

Der demokratische Aufbruch, der 2011 begann, drückt vor allem die Sehn­sucht junger Menschen nach poli­tischer Teil­habe und bes­seren wirt­schaft­lichen Perspek­tiven aus. Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit för­dert seit­her ver­stärkt die Jugend­be­schäf­ti­gung und die wirt­schaft­liche Inte­gra­tion der Frauen.

So werden vor Ort Arbeitskräfte für die Errichtung der not­wen­digen Infra­struk­tur ein­ge­stellt: in Ägypten zum Bei­spiel für den Bau eines Stau­wehrs mit einem Wasser­kraft­werk. Die Be­schäf­tigten er­wer­ben dabei Berufs­qua­li­fi­ka­tionen und es ent­stehen Arbeits­plätze für die zu­künf­tige Be­wirt­schaftung der ver­schie­denen Ein­rich­tungen. Gleich­zei­tig wirkt sich die neue Infra­struk­tur po­si­tiv auf die gesamte Wirtschaft aus. So sichert das als Bei­spiel ge­nannte Stau­wehr die Be­wäs­se­rung der Felder von etwa 750.000 Klein­bauern­familien der Umgebung.

Deutsch­land unterstützt seine Ko­ope­ra­tions­länder zudem bei ihrer Arbeits­markt- und Beschäf­ti­gungs­politik. Auch die Ein­füh­rung von Stan­dards für die Qua­li­fi­zie­rung von Personal und die Zer­ti­fi­zie­rung von Fähig­keiten und Ver­fahren werden gefördert.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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