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Naher Osten und Nordafrika

Wasser und Abwasser


Kläranlage in Gaza-Mitte, die mit deutscher Unterstützung instandgesetzt und erweitert wird.

Eines der wichtigsten grenzübergreifenden Probleme im Nahen Osten und Nordafrika ist die Knappheit der lebens­wich­tigen Ressource Wasser. Die Region zählt zu den wasser­ärmsten Gebieten der Welt, weshalb die Kontrolle über die Ressource Wasser politische und wirt­schaft­liche Dimen­sionen hat. Sowohl inner­staat­liche als auch zwischen­staat­liche Konflikte um Wasser bedrohen die Stabilität der betroffenen Staaten.

Das starke Bevölkerungswachstum und die intensive Land­wirt­schaft verringern die Wasser­ver­füg­bar­keit pro Kopf immer weiter. Auf­grund des trockenen Klimas ist der Anbau von Obst, Gemüse und Getreide in weiten Teilen der Region nur auf künst­lich bewässerten Böden möglich. Die globale Klima­er­wärmung könnte diesen Trend zu­sätz­lich ver­stärken. Wissen­schaft­liche Prog­nosen zum Klima­wandel deuten darauf hin, dass der Mittel­meer­raum eines der welt­weit am stärksten betroffenen Gebiete sein wird.

In vielen Ländern der Region werden Kosten für Wasser staat­lich sub­ven­tio­niert, was teil­weise zur Ver­geu­dung der Ressource beiträgt. An­reiz­systeme für einen spar­samen Umgang mit Wasser gibt es bisher kaum. Nur eine deutlich effizientere Nutzung der vorhandenen Wasser­res­sour­cen kann die zukünftige Trink­­wasser­­ver­­sorgung für alle Bürger der Region sicher­stellen und gleich­zeitig öko­no­misches Wachs­tum er­mög­lichen.

Deutsch­land verfügt über um­fas­sende Er­fah­rungen auf diesem Gebiet und ist der zweit­größte Geber im Was­ser­sektor für die Region. Das En­gage­ment der Bun­des­re­pu­blik kon­zen­triert sich vor allem auf drei Bereiche:

  • Management der Wasserressourcen,

  • Effizienzsteigerung der Wassernutzung und Ressourcenschutz sowie

  • Zugang zu städtischer Wasser- und Sanitärversorgung.

Management der Wasserressourcen verbessern

Wasserquelle im südlichen Jemen. Urheberrecht: Saeed Al-Batati/IRINZiel der deutschen Ent­wick­lungs­po­li­tik ist die nach­hal­tige Nutzung der vor­han­denen Wasser­res­sour­cen auf lokaler, regionaler, nationaler und zwischen­staat­licher Ebene. Im politischen Dialog mit den Ko­ope­­ra­­tions­­ländern werden die lang­fristigen Aus­wir­kungen der Was­ser­knapp­heit thema­ti­siert, und durch ge­zielte Projekte werden sie Nutzer­gruppen bewusst gemacht.

Die Wassergesetzgebung und das Ver­wal­tungs­recht – inklusive der Wasser­nut­zungs­rechte – müssen an die geringe Wasser­ver­füg­bar­keit an­ge­passt wer­den. Sub­ven­tionen, die den Was­ser­ver­brauch för­dern, müs­sen ab­ge­baut werden. Eingeführt wer­den statt­dessen positive Anreize zum spar­samen Umgang mit Wasser.

Um den Wasserverbrauch in der Land­wirt­schaft zu reduzieren, fördert Deutsch­land die Anwendung moderner land­wirt­schaft­licher Praktiken. Sie steigern den Ernte­ertrag pro ver­brauchtem Liter Wasser und schützen vor Boden­ero­sion. Ein wichtiges Ziel ist zudem die Mehr­fach­nut­zung von Was­ser, denn Ab­was­ser und Klär­schlamm sind wert­volle Res­sour­cen für die Land­wirt­schaft.

Zahlreiche Gewässer, etwa die Flüsse Euphrat, Nil und Jordan, über­schreiten nationale Grenzen. Um die nach­hal­tige und länder­über­grei­fende Be­wirt­schaf­tung dieser Ge­wäs­ser zu för­dern, unter­stützt die deutsche Ent­wick­lungs­po­li­tik die Zu­sam­men­ar­beit zwischen den Staaten, zum Beispiel im Rahmen regionaler Or­ga­ni­sa­ti­on­en.

Effizienzsteigerung der Wassernutzung und Ressourcenschutz

Wo Wasser knapp ist, ist es besonders wichtig, Wasser­ver­luste zu ver­mei­den. Deutsch­land unter­stützt seine Partner in der Region darum bei der Sanierung von Lei­tungs­netzen und der Moder­ni­sie­rung von Be­wäs­se­rungs­systemen. Durch ver­bes­serte Wasser­speicher und Hoch­was­ser­schutz­systeme wird die Infra­­struk­­tur in der Region an die Er­for­der­nisse des Klima­wan­dels an­ge­passt. Wirt­schaft­liche Anreize wie Ein­lei­tungs­ge­bühren und sozial ver­träg­liche Tarif­systeme helfen, den Wasser­ver­brauch dauer­haft zu senken.

Damit das Wasser kontrolliert, sozial und ökologisch aus­ge­wogen ver­teilt und ge­nutzt wer­den kann, unter­stützt Deutsch­land die Behörden bei der Ent­wick­lung von Wasserwirtschaftsplänen.

Da ungeplantes Wachstum von Agrarflächen, Siedlungen und Industrie­anlagen die Trink­­was­ser­­ver­­sorgung der Be­völ­ke­rung gefährden kann, wird die Land­nut­zungs­planung ver­bes­sert und Was­ser­schutz­zonen werden ein­ge­rich­tet. Auch der Schutz von Ober­flächen­ge­wässern und Grund­wasser vor Ver­schmut­zungen ist eine zen­trale Auf­gabe des Was­ser­manage­ments und wird von Deutsch­land gefördert.

Zugang zu städtischer Wasser- und Sanitärversorgung

Die deutsche Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit hilft dabei, die Wasser- und Sanitär­ver­sor­gung in der gesamten Region Naher Osten und Nord­afrika qua­li­ta­tiv und quan­ti­ta­tiv zu verbessern.

Deutsche Expertinnen und Experten arbeiten dazu gemeinsam mit den Be­trei­bern an einem ver­bes­serten Service sowie der Sicherung einer dauer­haften, hoch­wer­tigen Ver­sor­gung bei solider Finanz­lage. Hier­für werden etwa die Tarif­ge­stal­tung und der Ge­büh­ren­einzug opti­miert. Deutsch­land fördert außerdem den Aufbau von Systemen, die Abwasser sammeln und auf­be­reiten, um es wie­der­ver­wenden zu können. Wo die An­schluss­raten bisher niedrig sind – etwa im Jemen, oder in Mau­re­ta­nien – be­zie­hungs­weise die Groß­städte stark wachsen, unter­stützt Deutsch­land den Ausbau der Versorgungsnetze.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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