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Marokko

Situation und Zusammenarbeit

Händlerin für Haushaltswaren in Rabat, Marokko

Soziale Situation

Die soziale Lage vieler Marokkanerinnen und Marokkaner ist schwierig, die Kluft zwischen Arm und Reich groß. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung (HDI) des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) von 2014 liegt Marokko auf Rang 126 von 188 Ländern. Die Analphabetenrate bleibt mit offiziell 30 Prozent der über 15-Jährigen eine der höchsten der arabischen Welt.

Besonders problematisch ist die Lage in den ländlichen Regionen, wo der Zugang zu Bildungsangeboten und Gesundheitsdiensten deutlich schlechter ist als in den Städten. Viele Landbewohner wandern deshalb in Städte ab. Dadurch verschärfen sich dort die Probleme. Vor allem Mädchen und Frauen leiden darunter, dass Schulen und Krankenhäuser auf dem Land oft nur schwer erreichbar sind. Zwar wurde die rechtliche Situation für Frauen im Vergleich zu anderen Ländern der Region im letzten Jahrzehnt verbessert, allerdings bleiben ihre Chancen auf einen Ausbildungs- und Arbeitsplatz durch soziale und kulturelle Einschränkungen begrenzt.

Auf dem Korruptionswahrnehmungsindex der Nichtregierungsorganisation Transparency International stand Marokko 2014 auf Platz 80 von 175 bewerteten Staaten. Dies zeigt sich im Alltag, wenn Bürgerinnen und Bürger Dienstleistungen bei Ämtern nachfragen, ärztliche Behandlung suchen oder Unternehmen gründen möchten.

Marokko ist zunehmend Transit-, aber auch Zuwanderungsland für Flüchtlinge und Migranten aus Subsahara-Afrika geworden. Vor den spanischen Enklaven Ceuta und Melilla versuchen Menschen immer wieder, die meterhohen Zäune aus Stacheldraht zu überwinden, um auf europäischem Boden Asyl zu suchen. Die wachsende Anzahl an Migranten führt verstärkt zu sozialen Spannungen im Land.

Die Herausforderungen sind groß, doch die Regierung ist entwicklungsorientiert:

Ein politischer Schwerpunkt liegt seit 2005 auf der Umsetzung der Nationalen Initiative für menschliche Entwicklung (Initiative Nationale pour le Développement Humain, INDH), die gemeinsam mit der Weltbank und der EU beschlossen wurde. Mit ihr sollen Armut und soziale Ausgrenzung bekämpft werden.

Die Reformen zahlen sich aus – zum Beispiel bei der Trinkwasser- und Stromversorgung. Mittlerweile haben rund 97 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Strom und 85 Prozent Zugang zu sauberem Wasser, selbst im ländlichen Raum. In den Städten ist die Trinkwasserversorgung vollständig gesichert.

Darüber hinaus hat die Regierung ein nationales Programm zur Förderung der Gleichstellung für den Zeitraum 2012 bis 2016 auf den Weg gebracht. Darin hat sie sich ehrgeizige Ziele gesetzt, um die Situation von Mädchen und Frauen in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft zu verbessern.

Und das Königreich reagiert auf aktuelle Herausforderungen: 2014 wurde eine eigene Migrations- und Asylstrategie verabschiedet. Das ist eine Premiere in der Region. Um die Strategie auf kommunaler Ebene mit Leben zu füllen, müssen nun kulturelle, wirtschaftliche und soziale Integrationsmöglichkeiten geschaffen werden.


Wirtschaftliche Situation

Das Textilunternehmen Sathya Clothers bei Tanger in Marokko bietet eine duale Berufsausbildung nach deutschem Vorbild an.

Marokko durchläuft einen tiefgreifenden Wandlungsprozess vom Agrar- zum Industrie- und Dienstleistungsland. Die ökonomischen Rahmenbedingungen und das Investitionsklima haben sich in den vergangenen Jahren verbessert. Die wirtschaftliche Entwicklung unterliegt jedoch großen Schwankungen.

Nach erfolgreichen Jahren mit einem Wirtschaftswachstum von bis zu acht Prozent ist die Rate seit 2010 stark zurückgegangen. 2014 lag sie bei lediglich 2,5 bis 3 Prozent. Für die folgenden Jahre wird mit einer leichten Steigerung gerechnet. Allerdings sind die zentralen Faktoren, die bestimmen, ob es auf- oder abwärts geht, schwer zu steuern. Dazu gehören unter anderem wetterabhängige Ernteerträge, die Wirtschaftslage der beiden wichtigen Handelspartner Frankreich und Spanien und die Rücküberweisungen der vielen Marokkanerinnen und Marokkaner, die im Ausland ansässig sind.

Die Marktliberalisierung zwischen Marokko und der EU im Rahmen des Assoziierungsabkommens birgt große Chancen, aber auch große Herausforderungen. Innovationsfähigkeit, Produktsicherheit und Qualitätsstandards marokkanischer Unternehmen nähern sich allmählich den Anforderungen der EU an. Dennoch ist Marokko bislang noch unzureichend in den Weltmarkt integriert. Eines der Hindernisse ist die geringe oder nicht an den Markt angepasste berufliche Qualifizierung.

Im Wirtschaftsbereich zeigt sich die Regierung reformorientiert. So konnte der Bedarf an Subventionen für Lebensmittel und Brennstoffe um rund die Hälfte von 6,5 auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesenkt werden. Mit Investitionsanreizen macht sich das Land für ausländische Investoren attraktiv. Beispielsweise sind mehr als 120 deutsche Firmen mit Kapitalbeteiligung in Marokko vertreten. Vielversprechende Geschäftsfelder sind die Kraftfahrzeug-Zulieferindustrie, die Elektrotechnik, der Bereich der erneuerbaren Energie, der Maschinenbau, der Infrastruktur- und Bausektor, der Umweltbereich (Wasser, Abfall, Recycling) und die Landwirtschaft.

Die größte Herausforderung für die marokkanische Wirtschaft bleibt die hohe Arbeitslosigkeit. Diese ist seit 2011 weiter angestiegen und liegt offiziell bei knapp 10 Prozent, unter Jugendlichen sogar bei mehr als 18 Prozent. Besonders junge Akademikerinnen und Akademiker finden keine Stelle. Schätzungen zufolge sind die Zahlen wesentlich höher. Auch in den kommenden Jahren wird der Arbeitsmarkt voraussichtlich nur einen Bruchteil der jungen Menschen aufnehmen können.

Die Betriebe im Industrie- oder Dienstleistungsbereich haben bisher nicht so viele Arbeitsstellen geschaffen wie erwartet und die Jobs liegen oft im Niedriglohnbereich. Mehr als 40 Prozent aller Beschäftigten sind in der Landwirtschaft tätig, die zunehmend unter mangelnden Wasserressourcen und extremen Wetterereignissen leidet.

Deshalb versuchen viele Menschen, im informellen Sektor ein Auskommen zu finden: Knapp 40 Prozent des Bruttonationaleinkommens werden hier erwirtschaftet und mehr als ein Drittel aller Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft sind dort zu finden.


Entwicklungspotenziale

Reinigung eines Solarmoduls in Oulad Stata, Marokko

Die Anstrengungen, die Marokko in den letzten Jahren unternommen hat und die Fortschritte, die erzielt wurden, sind eine gute Ausgangslage, um die im September 2015 in New York vereinbarten globalen Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung umzusetzen.

Große Entwicklungschancen bietet vor allem der Ausbau der erneuerbaren Energien. Marokko ist bei der Energieversorgung bislang fast vollständig auf Importe angewiesen und damit extrem abhängig von den Weltmarktpreisen für Erdöl, Kohle und Gas. Gleichzeitig aber sind die Voraussetzungen für die Nutzung von Sonnenenergie und Windkraft so gut, dass Marokko zukünftig nicht nur den eigenen Energiebedarf decken, sondern auch Strom nach Europa exportieren könnte. Die marokkanische Politik hat dies verstanden und profiliert sich zusehends auch auf internationalem Parkett als Vorreiter in Sachen Klimaschutz und Förderung erneuerbarer Energien.

Ein bedeutender Wirtschaftszweig ist der Tourismus: Die Regierung unternimmt große Anstrengungen, die touristische Infrastruktur stark zu erweitern. An den marokkanischen Küsten entstehen neue Badeorte. Zwar haben Anschläge auf touristische Ziele 2011 kurzzeitig zu einem Rückgang der Deviseneinnahmen aus dem Tourismusgeschäft geführt. Seit 2012 ist jedoch wieder ein Zuwachs erkennbar.

Entwicklungs- und Beschäftigungschancen bietet auch die Zulieferindustrie für die Automobil- und die Informationstechnik-Branche sowie die Luftfahrt. Künftig sollen die Qualität und der Service in diesem Bereich weiter verbessert werden. Marokko hat sich auch zu einem wichtigen Standort für IT-Dienstleistungen entwickelt, vor allem für Call-Center und für die Betreuung und Weiterentwicklung von Software. Die Branche rechnet mit einem Wachstum von mehr als zehn Prozent in den nächsten Jahren.

Ausgebaut werden soll auch die Agrar- und Fischereiwirtschaft. Die Regierung sieht vor, die Investitionen zu erhöhen und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Dabei wird es darauf ankommen, eine ökologisch und sozial verträgliche Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen sicherzustellen. Gerade für wasserintensive Anbauarten wird dies in dem von zunehmender Trockenheit betroffenen Land wichtig sein.

Um die Integration des Landes in den Welthandel voranzutreiben, wurde der Tiefseehafen Tanger-Med gebaut und eine von mehreren Freihandelszonen geschaffen. Damit sollen die eigenen Exportchancen erhöht werden.

Entsprechende Abkommen wurden mit der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) und mit den USA geschlossen. Auch die 2004 mit Ägypten, Jordanien und Tunesien abgeschlossenen regionalen Freihandelsabkommen (Agadir-Abkommen), die von der EU unterstützt wurden, sind inzwischen in Kraft getreten.

Nach den 2012 und 2014 vereinbarten Abkommen mit der EU zu Landwirtschaft und Fischerei, wird derzeit ein umfassendes Handels- und Dienstleistungsabkommen verhandelt, welches das Assoziierungsabkommen von 2000 ersetzen soll.


Schwerpunkte der deutsch-marokkanischen Zusammenarbeit

Das BMZ hat Marokko 2015 insgesamt 486 Millionen Euro zugesagt. Davon entfallen 28 Millionen Euro auf die technische Zusammenarbeit. Für die finanzielle Zusammenarbeit werden 458 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, davon 448 Millionen Euro als Darlehen.

Im Rahmen der Sonderinitiative der Bundesregierung "Nordafrika und Naher Osten" werden davon insbesondere Vorhaben zur Förderung der Jugendbeschäftigung und der wirtschaftlichen Stabilisierung gefördert.

Die Regierungen von Marokko und Deutschland haben folgende Schwerpunkte der Zusammenarbeit vereinbart:

  • Erneuerbare Energien
  • Nutzung und Management von Wasserressourcen
  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Zusätzlich gibt es Vorhaben im Bereich Umweltschutz und Anpassung an den Klimawandel. Armutsbekämpfung, Gleichberechtigung der Geschlechter, gute Regierungsführung und Beschäftigung werden als Querschnittsthemen in den Vorhaben mit gefördert.


Erneuerbare Energien

Windpark Tanger in Marokko

Marokko ist bislang fast vollständig von fossilen Energieimporten abhängig. Gleichzeitig verfügt das Land über die weltweit mit besten Voraussetzungen, um die Stromversorgung durch Wind- und Sonnenkraft abzudecken. Die Regierung hat eine Energiewende eingeleitet und erneuerbare Energien und Energieeffizienz ins Zentrum der neuen nationalen Strategie gesetzt. Bis zum Jahr 2020 sollen 42 Prozent der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen stammen.

Deutschland berät Marokko schon seit Anfang 2008 erfolgreich bei der Gesetzgebung und dem Aufbau institutioneller und fachlicher Kompetenzen im Bereich der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz. Im Juni 2012 wurde die deutsch-marokkanische Energiepartnerschaft vereinbart, die eine stärkere Bündelung und Steuerung der deutschen und marokkanischen Aktivitäten in dem Bereich vorsieht und auch die Privatwirtschaft verstärkt mit einbezieht.

Bei der Windkraft hat die deutsch-marokkanische Zusammenarbeit Pionierarbeit geleistet: Deutschland hat vor gut zehn Jahren den ersten Windpark der Region finanziert und unterstützt auch weiterhin den Bau neuer Windkraftanlagen durch zinsvergünstigte Darlehen. Auch der Auf- und Ausbau von Solaranlagen sowie Wasserkraftwerken wird von der Bundesrepublik unterstützt.

So fördert das BMZ den Bau eines Komplexes mit mehreren Solarkraftwerken in Ouarzazate am Rande des Atlasgebirges. Die Arbeiten an der Anlage wurden im Sommer 2013 aufgenommen. Ende 2015 ist das erste Kraftwerk in Betrieb gegangen und erzeugt Energie für etwa 530.000 Menschen. Die offizielle Eröffnung erfolgte Anfang Februar 2016 durch den marokkanischen König. Durch eine öffentlich-private Partnerschaft (PPP) soll in Ouarzazate der weltgrößte Solarpark entstehen.

Das BMZ fördert außerdem den Bau weiterer Anlagen zur Gewinnung von Elektrizität aus Sonnenlicht und unterstützt Kooperationen mit deutschen Unternehmen im Solarsektor sowie den Austausch zwischen deutschen und marokkanischen Forschungseinrichtungen. Marokko fragt die deutsche Expertise und Unterstützung auch beim Aufbau eines leistungsfähigen Leitungsnetzes nach, mit dem der erzeugte Strom effizient und kostengünstig zu den Verbrauchern geleitet werden soll.

Ein Programm zur Verbesserung der Energieeffizienz von öffentlichen Gebäuden ergänzt die Strategie der marokkanischen Regierung, Anreize und Finanzierungsmöglichkeiten zu schaffen, um Energie im Bausektor zu sparen. Dabei wird auch darauf geachtet, mit der lokalen Wirtschaft zusammen zu arbeiten, um Fachkräfte vor Ort aus- und fortzubilden und Arbeitsstellen zu schaffen.


Nutzung und Management von Wasserressourcen

Wasserturm des selbstverwalteten Wasserprojekts in Kraker, in der Region um Essauira in Marokko

In den ländlichen Regionen Marokkos hat noch immer ein Teil der Bevölkerung keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. In den Städten ist die Entsorgung der häuslichen und gewerblichen Abwässer ein großes Problem. Die öffentlichen Abwassersysteme reichen nicht aus und sind oft in einem sehr schlechten Zustand; die Zahl der Kläranlagen ist viel zu gering. Die Folgen sind gesundheitliche Risiken und eine massive Verschmutzung der Trinkwasserressourcen in den Ballungsgebieten.

Die deutsch-marokkanischen Maßnahmen konzentrieren sich deshalb auf die Verbesserung des Grundwassermanagements und der Wasserbewirtschaftung.

Mit deutscher Unterstützung wurde in den vergangenen Jahren der Anschlussgrad der städtischen Bevölkerung bei der Trinkwasserversorgung von 80 auf nahezu 100 Prozent erhöht. Weitere Schwerpunkte in diesem Bereich sind das Abwassermanagement und die ländliche Trinkwasserversorgung: Trinkwassernetze, Wasseraufbereitungs- und Kläranlagen, Bewässerungs- und Abwassersysteme wurden neu gebaut oder instand gesetzt. Von den derzeit insgesamt 45 geförderten Kläranlagen hat Deutschland 20 finanziert.

Die größte Herausforderung aber liegt in der zunehmenden Wasserknappheit. Bevölkerungswachstum, fortschreitende Industrialisierung, die wachsende Tourismusbranche und eine bewässerungsintensive Landwirtschaft lassen den Grundwasserspiegel stetig absinken. Auch der Klimawandel wird sich in Zukunft auf die Wasservorräte auswirken, zum Beispiel durch die Verkürzung der Schneeschmelze im Atlasgebirge und niedrige Niederschlagswerte.

In der Landwirtschaft, die 85 Prozent des verfügbaren Wassers verbraucht, sind die Auswirkungen teilweise schon spürbar. Da es nur unregelmäßig regnet, müssen die Felder in vielen Regionen künstlich bewässert werden. Es gilt, die ehrgeizigen und notwendigen Regierungsprogramme zum Ausbau von Industrie und Landwirtschaft nachhaltig zu gestalten. Die deutsche Zusammenarbeit im Wassersektor ist daher eingebettet in die Strategie des Integrierten Wasserressourcen-Managements (IWRM). Dabei werden Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen mit den Erfordernissen der wirtschaftlichen Entwicklung und dem Bedarf der lokalen Bevölkerung in Einklang gebracht.

Durch die Verknappung der Wasserressourcen kommt es zu Spannungen zwischen den verschiedenen Nutzerinteressen. Um Nutzungskonflikten entgegenzuwirken, sollen die Produktionskapazitäten im grünen Sektor gesteigert, Bewässerungsanlagen ausgebaut und die Exportmengen erhöht werden. Bei der Einführung moderner Bewässerungssysteme beteiligen sich die Nutzer schon bei der Vorbereitung und Planung. So wird gewährleistet, dass die neuen Anlagen ihren Bedürfnissen und Wünschen gerecht werden.


Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Rückzahlung eines Mikrokredits in Rabat, Marokko

Die marokkanische Wirtschaft leidet unter schwankenden Wachstumsraten und geringer internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Die Arbeitslosigkeit, insbesondere unter Frauen und jungen Menschen, ist hoch. Laut einer Weltbankstudie von 2012 hat etwa die Hälfte der jungen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren weder einen Ausbildungs- noch einen Arbeitsplatz.

Die Unterstützung von kleinsten, kleinen und mittleren Unternehmen (KKMU) steht im Mittelpunkt des deutschen Engagements, denn diese Unternehmen schaffen besonders viele Arbeitsplätze. Deutschland berät die marokkanische Regierung und Berufsverbände bei der Entwicklung von Konzepten, durch die KKMU ihre Wachstumsmöglichkeiten im Sinne einer sozialen und ökologischen Marktwirtschaft ausschöpfen können.

Ein wichtiges Ziel ist es, Wachstum und Beschäftigung jenseits der großen industriellen Ballungsräume zu fördern. Es werden daher besonders KKMU in den Provinzen unterstützt. Sie leiden besonders unter einem mangelnden Zugang zu Krediten und anderen Finanzdienstleistungen, da sich viele Banken und andere Einrichtungen auf städtische Ballungsräume konzentrieren. Auch werden größere Firmen bevorzugt, um das Risiko von Zahlungsausfällen zu reduzieren. Deshalb fördert das BMZ die Einrichtung eines Refinanzierungsfonds, damit marokkanische Finanzinstitutionen mehr Mikrokredite vergeben können. Davon profitieren vor allem Kleinstunternehmen des informellen Sektors.

Zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung, besonders bei Frauen, unterstützt die Bundesregierung Programme zur beruflichen Bildung, besonders in ländlichen Gebieten. Die bisherigen Ausbildungsmodelle in Marokko orientieren sich nur unzureichend am Bedarf des Arbeitsmarkts. Die deutsche Unterstützung hat deshalb das Ziel, Unternehmen in die Ausbildung mit einzubeziehen. So werden zum einen Qualifikationen nachfrageorientiert vermittelt. Zum anderen erhöht sich die Chance der Auszubildenden auf einen späteren Arbeitsplatz.

Die Vorhaben in diesem Bereich schließen Maßnahmen zur Förderung von Frauen als Unternehmerinnen oder Arbeitnehmerinnen mit ein. Aufklärungskampagnen hinterfragen traditionelle Rollenbilder, Mentoring-Programme stärken die Netzwerke von Frauen und Verbänden und Unternehmen werden dazu beraten, wie sie Arbeitsplätze familienfreundlicher gestalten können.


Umweltschutz und Anpassung an den Klimawandel

In einer Kläranlage in Marokko kontrolliert ein Arbeiter den Pegel des zulaufenden Wassers.

Marokko zeichnet sich mit seinen Wüsten, Mittel- und Hochgebirgen, mediterranen und atlantischen Küstenstreifen durch eine große landschaftliche Vielfalt und sehr hohe Biodiversität aus. Aber Industrialisierung und Verstädterung belasten zunehmend Mensch und Umwelt. Haushalts- und Industrieabwässer fließen ungeklärt in die Umwelt. Wachsende Müllberge und Industrieabgase gefährden die Gesundheit der Menschen in den Ballungszentren. Zusätzlich beginnen die Folgen des Klimawandels bereits jetzt die empfindlichen Ökosysteme zu stören. Verschlimmert wird die Situation durch noch nicht ausreichende Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten der Verwaltung und durch das sehr gering ausgeprägte Umweltbewusstsein der Menschen.

Marokko hat sein Engagement in der Klima- und Umweltpolitik auch auf internationalem Parkett bewiesen. Die Bundesregierung unterstützt das Königreich dabei, seine Entwicklung so zu gestalten, dass negative Folgen für Umwelt und Klima begrenzt werden.

Deutschland konzentriert sich besonders auf die Förderung der marokkanischen Institutionen, zum Beispiel bei der Erarbeitung von Gesetzen oder von Umweltstandards für Industriebetriebe. So wurde mit deutscher Unterstützung ein richtungsweisendes Abfallgesetz erarbeitet. Mit dem Aufbau eines regionalen Ausbildungsprogramms für Umweltverträglichkeitsprüfungen können die Behörden die Auswirkungen auf die Umwelt bei Bau- und Investitionsvorhaben vorab bewerten. Gelungen ist auch der Aufbau von Master-Studiengängen zum Management von Industrieabfällen. So werden zukünftig auch nationale Experten über das nötige Fachwissen für eine umweltverträgliche Entsorgung verfügen.

Außerdem beraten deutsche Experten die marokkanische Regierung bei der Vorbereitung ihrer Delegationen für internationale Konferenzen zum Klimaschutz und bei der Ausarbeitung einer ökologischen Steuerreform. So wurde mit deutscher Unterstützung der Durchbruch bei der Einführung umwelt- und klimabezogener Finanzierungsmechanismen erzielt. Seit Januar 2014 wird eine Ökosteuer auf den Import von Plastikprodukten erhoben, die künftig auch auf andere Produkte ausgeweitet werden soll. Die Einnahmen fließen in einen Fonds, über den innovative Umweltprojekte zu Recycling und Abfallbehandlung gefördert werden können.


Staat, Demokratie und Migration

Im Zuge der politischen Umbrüche in der Region fanden auch in Marokko 2011 Proteste statt. Infolge dessen leitete König Mohamed VI. Reformen ein und bereits im Juni 2011 wurde eine neue Verfassung verabschiedet. Diese brachte Fortschritte bei der politischen Machtverteilung und wertet den Status benachteiligter Gruppen auf. Die Gleichstellung der Geschlechter wurde, im Rahmen der islamischen Gesellschaftsordnung, festgeschrieben. Amazigh, die Sprache der Berber, die vor allem in den ländlichen Regionen Marokkos gesprochen wird, wurde neben dem Arabischen als weitere Amtssprache des Königreiches anerkannt. Der Nationale Menschenrechtrat wurde zu einer durch die Verfassung garantierten Institution aufgewertet.

Der Verfassungsprozess hat hohe Erwartungen in der Bevölkerung geweckt. Viele der neu festgeschriebenen Grundrechte müssen noch mit Leben gefüllt werden. Dafür müssen neue Gesetze erarbeitet und Institutionen geschaffen oder umgebildet werben. Auch ist es wichtig, die Bürgerinnen und Bürger für ihre Rechte und Pflichten zu sensibilisieren.

Deutschland unterstützt Marokko bei seinen Reformbemühungen, unter anderem in den Bereichen Bürgerdialog, kommunale Verwaltung und Asylpolitik. Auch wird der Nationale Menschenrechtsrat mit Schulungsangeboten unterstützt. Durch die Förderung verschiedener politischer Stiftungen, die in Marokko aktiv sind, leistet Deutschland ein Beitrag zur Stärkung demokratischer und rechtsstaatlicher Prinzipien, einschließlich eines pluralistischen Parteiensystems. Dazu zählen die Zusammenarbeit mit Medien, lokale Frauenrechtsgruppen oder Gemeindevertreterinnen und -vertreter. Im Vorfeld der Kommunalwahlen etwa wurden parteiunabhängige Kampagnen und Dialogforen durchgeführt, die die Bürgerinnen und Bürger mit dem Wahlsystem vertraut machen sollten.

Eine besondere Rolle im Reformprozess kommt den Kommunen zu. Hier wird der unmittelbare Alltag der Menschen geprägt und hier entscheidet sich, ob diese als mündige Bürgerinnen und Bürger Veränderungen mitgestalten können. Die Stadtverwaltungen und kommunalen Dienstleister verfügen nicht immer über die notwendigen Ressourcen, Erfahrung und Kompetenzen, um diesem Anspruch gerecht werden zu können.

Deutschland unterstützt die Kommunen bei der Konzeption und Durchführung innovativer kommunaler Projekte, etwa in den Bereichen Abfallwirtschaft, Energieeffizienz, Verkehrspolitik und Bürgerdienste. In Fachforen können Städte und Gemeinden voneinander lernen. Dabei steht besonders die Einbindung der Zivilgesellschaft im Vordergrund. Gezielt werden Vereine und insbesondere Jugendorganisationen dazu eingeladen, sich an der Gestaltung neuer Maßnahmen zu beteiligen.

Die Kommunen stehen auch im Fokus, wenn es darum geht, neue Mitbürgerinnen und -bürger erfolgreich zu integrieren. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Lage suchen viele Marokkanerinnen und Marokkaner nach Möglichkeiten, in Europa ein besseres Auskommen zu finden. Das Land ist aber auch Transitland für viele Menschen aus Subsahara-Afrika. Und eine steigende Anzahl von ihnen trifft nach oft jahrelanger Wanderung die Entscheidung, sich in dem nordafrikanischen Land dauerhaft niederzulassen. Das führt zu sozialen Spannungen. Menschenrechtsorganisationen berichten immer wieder von Übergriffen gegen Migranten und Flüchtlinge.

Das Königreich hat reagiert und eine Asylstrategie verabschiedet. Deutschland unterstützt Marokko dabei, diese auf kommunaler Ebene umzusetzen und Integrationsmöglichkeiten zu schaffen. Dabei wird besonderes darauf geachtet, dass die Unterstützung immer auch den aufnehmenden Gemeinden zugutekommt. In einem ersten Schritt geht es darum, kommunale Akteure aus Verwaltung und Zivilgesellschaft darin zu schulen, wie zum Beispiel Sprachkurse, fachliche Weiterbildungen oder rechtliche Beratung für Migrantinnen und Migranten organisiert werden können. Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Deswegen werden auch Fortbildungen zur gewaltfreien Konfliktlösung angeboten und Kampagnen organisiert, um die Bevölkerung für ein positives Miteinander im Sinne einer marokkanischen Willkommenskultur zu sensibilisieren.


Weitere Informationen

Video

Standbild aus dem Video von der Nordafrikareise des Bundesministers Video starten

Bei seiner Reise nach Marokko, Algerien und Tunesien betonte Entwicklungsminister Gerd Müller die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit zwischen Europa und den nordafrikanischen Staaten zu stärken.

Publikationen

Grundlagen, Schwerpunkte und Perspektiven der deutschen Ent­wicklungs­politik mit der Region Nahost/Nordafrika
BMZ Konzepte 156

PDF 809 KB, barrierefrei

Klimaschutz - Zeit zu handeln

PDF 2,8 MB, barrierefrei

Nachhaltige Energie für Entwicklung
Die deutsche Ent­wick­lungs­zusammen­ar­beit im Energiesektor

PDF 5 MB, barrierefrei

Ressource Abfall
BMZ-Strategiepapier

PDF 785 KB, barrierefrei

Lexikon der Entwicklungspolitik

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