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Naher Osten und Nordafrika

Erneuerbare Energien und Energieeffizienz


Bild einer Windkraftanlage von unten, aufgenommen in einem Windpark bei Tanger.

Der Energiebedarf im Nahen Osten und in Nordafrika (Middle East and North Africa, MENA) wird in den nächsten Jahr­zehnten durch das Wirtschafts- und Bevöl­ke­rungs­wachs­tum immer weiter steigen. Diesem zu­neh­menden Bedarf stehen knapper wer­dende Öl- und Erd­gas­vor­räte gegen­über. Zu­gleich ist der Export fos­siler Ener­gie­roh­stoffe die Haupt­ein­nahme­quelle mehrerer Länder der MENA-Region. Die Wirt­schafts­ent­wick­lung hängt da­durch stark von den Welt­markt­preisen für Öl und Gas ab.

Doch die Preise auf den nationalen Energie­märkten spie­geln diese Knapp­heit bisher nicht wider: Viel­fach wird Strom aus fos­silen Ener­gie­trägern durch Sub­ven­tionen ver­bil­ligt, zum Teil gibt es sogar Mengen­rabatte. Dadurch fehlt vielen Nut­zern die Moti­va­tion, Energie sparsam zu verwenden.

Erneuerbare Energien tragen bisher nur wenig zur Primär­ener­gie­ver­sorgung der Region bei. Einige Länder haben jedoch ehr­gei­zige Ziele und möchten den An­teil er­neuer­barer Energie am Energie-Mix bis 2030 auf 20 bis 30 Prozent erhöhen. So spielt die Wind­kraft bereits eine wich­tige Rolle, die weiter aus­ge­baut werden soll. Auch die Ge­win­nung von Solar­energie ist auf­grund gesunkener Anlagen­preise inzwischen eine wett­be­werbs­fähige Alter­na­tive.

Durch den Aus­bau der heimischen er­neuer­baren Energie­poten­ziale können nicht nur Kohlen­dioxid-Emmissionen ein­ge­spart wer­den, son­dern auch wirt­­schaft­­liche Vor­teile ent­stehen. So kann der Devisen­haus­halt ver­bessert werden, entweder weil mehr Öl und Gas für den Export übrig bleiben, oder weil weniger fos­sile Ener­gie­roh­stoffe im­por­tiert wer­den müs­sen. Außer­dem kann die Ab­hän­gig­keit von fos­silen Ener­gie­trägern und deren schwan­kenden Welt­markt­preisen ver­rin­gert werden und somit mittel­fristig eine höhere Kosten­sta­bilität des Ener­gie­sektors erreicht werden. Des Weiteren haben erneuer­bare Ener­gien einen höheren Beschäftigungsfaktor.

Das Potenzial für die Stromerzeugung aus diesen regenerativen Energie­quellen über­steigt den Eigen­be­darf der Region deut­lich. Während es zu­nächst darum geht, die Selbst­ver­sorgung der Länder durch er­neuer­bare Ener­gien zu stärken, könnte lang­fristig Strom aus erneuer­baren Quellen exportiert werden.

Ziel der deutschen Zu­sam­men­ar­beit ist die Förderung der effizienten Energie­nut­zung und der breiten An­wen­dung regenerativer Energieträger.

Das deutsche En­gage­ment konzentriert sich dabei auf drei Bereiche:

  • Ver­bes­se­rung der energiepolitischen Rah­men­­be­­din­gun­gen und des regionalen Wissenstransfers

  • Einführung marktnaher Techniken

  • Förderung der Ener­gie­ef­fi­zienz

Ver­bes­se­rung der energiepolitischen Rah­men­be­din­gun­gen und des regionalen Wissenstransfers

Eine nach­hal­tige Energiepolitik muss mit anderen Politik­bereichen ins­be­son­dere der Wirtschafts-, Finanz-, Umwelt- und Sozial­politik verknüpft werden. Deutsch­land berät seine Ko­ope­ra­tions­länder bei der Ge­stal­tung von über­grei­fenden energie­wirt­schaft­lichen Stra­te­gien, Rah­men­plänen, Gesetzen und Förderprogrammen.

Für eine zukunftsfähige Energiepolitik, vor allem im Bereich er­neuer­barer Ener­gie, muss in der Region das entsprechende Know-how auf­ge­baut werden. Neben der För­de­rung der Privat­­wirt­­schaft und der Aus- und Fort­bil­dung unterstützt der deutsche Beitrag auch deutsch-arabische Technologie­kooperationen.

Einführung marktnaher Techniken

Windpark in der Wüste. Urheberrecht: BundespresseamtTechniken zur Nutzung von regenerativen Energie­quellen kön­nen sich in der MENA-Region bisher kaum durch­setzen – es fehlt an den nötigen Anreizen für die Unter­nehmen. Deutsch­­land unter­stützt seine Ko­ope­ra­tions­länder dabei, die Rah­men­be­din­gun­gen für die Ver­brei­tung solcher Tech­niken zu ver­bes­sern. Dazu gehört, Mit­arbeitern von Behörden, staat­lichen Ver­sor­gungs­unter­nehmen und Ver­braucher­ver­bänden Kennt­nisse in den Bereichen Tech­no­lo­gie­transfer, Mar­ke­ting und Ent­wick­lung von Dienst­leis­tun­gen zu vermitteln.

Die Förderung der Berufs­bildung im Energie­sektor ist eben­falls ein wich­tiger Schwerpunkt der Zu­sam­men­ar­beit. Denn die Energie­branche braucht Fach­kräfte wie Energie­wirt­schaftler, Energie­ingenieure und Energie­techniker, um sich weiter­ent­wickeln zu können.

Deutsch­land leistet beim Aufbau von Wind­parks Pionier­arbeit. Erste Anlagen in Marokko und Ägypten sind in Betrieb, weitere Pro­jekte im Bereich Wind- und Solar­ener­gie­ge­winnung sind angelaufen.

Der Ausbau solcher Anlagen zur Gewinnung von Energie aus er­neuer­baren Quellen hilft, die Selbst­ver­sor­gung mit Elek­tri­zi­tät zu sichern. Gleich­zei­tig werden die fos­silen Energie­res­sour­cen ge­schont und der Aus­stoß von klima­schäd­lichen Gasen wird verringert.

Förderung der Ener­gie­ef­fi­zienz

Damit sorgsamer Umgang mit Energie zur Regel wird, muss sich Spar­sam­keit lohnen. Dies kann über ge­setz­liche Regelungen, eine an­ge­messene Tarif­ge­stal­tung, Steuern und Sub­ven­tionen er­fol­gen. Zu­sätz­liche Auf­klä­rung und In­for­ma­tion der Energie­ver­braucher über Ein­spar­potenziale sollen ein ent­spre­chendes Be­wusst­sein und auch Ak­zep­tanz schaffen.

Deutsch­land unterstützt seine Ko­ope­ra­tions­länder dabei und fördert außer­dem Maß­nah­men zur Stei­gerung der Ef­fi­zienz von be­ste­henden ther­mischen Kraft­werken und von Strom­ver­tei­lungs­netzen. Auch eine ener­gie­ef­fi­ziente Bau- und Ge­bäu­de­technik soll helfen, künftig Energie zu sparen.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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