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Ägypten

Situation und Zusammenarbeit

Der Nil in Ägypten

Die soziale Lage vieler Ägypterinnen und Ägypter ist schwierig, die Kluft zwischen Arm und Reich ist groß. Etwa ein Viertel der Menschen lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung nimmt Ägypten Rang 111 von 188 Ländern ein (HDI 2015). Ein Grund dafür ist der mangelnde Zugang zu Bildung und Gesundheitsdiensten.

Das hohe Bevölkerungswachstum (2016: zwei Prozent) verschärft die soziale Lage zusätzlich. In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Einwohnerzahl Ägyptens nahezu verdoppelt und liegt inzwischen bei 95,7 Millionen. Ein Drittel der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre. In vielen Familien müssen Kinder mit zum Haushaltseinkommen beitragen. Schätzungen zufolge arbeiten etwa zwei Millionen Kinder zwischen 5 und 15 Jahren regelmäßig in der Bauindustrie, in Bergwerken, in der Landwirtschaft und als Haushaltshilfen.

Rund 95 Prozent der ägyptischen Bevölkerung leben auf etwa vier Prozent der Landesfläche im Niltal und im Nildelta. Diese gehören damit zu den am dichtesten besiedelten Regionen der Welt. In den Ballungsgebieten konkurrieren Landwirtschaft, Industrie und Bewohner um nutzbaren Boden und vor allem um die geringen Wasservorkommen.

Die extreme Siedlungsdichte und die fortschreitende Industrialisierung haben massive Umweltbelastungen zur Folge. In den städtischen Ballungsgebieten beeinträchtigt die zunehmende Verschmutzung von Luft und Wasser die Lebensbedingungen der Einwohnerinnen und Einwohner. Dort fehlen außerdem preiswerte Wohnungen für die arme Bevölkerung. Illegale Ansiedlungen wachsen unkontrolliert, ohne angemessene soziale und technische Infrastruktur.

Auf dem Korruptionswahrnehmungsindex der Nichtregierungsorganisation Transparency International stand Ägypten 2016 auf Platz 108 von 176 bewerteten Staaten. Für die Bürgerinnen und Bürger gehört Korruption weiterhin zum Alltag, etwa wenn sie Dienstleistungen auf Ämtern anfragen oder eine medizinische Behandlung benötigen.

Gewalt gegen Frauen ist in Ägypten weit verbreitet. Nach einer Studie der Vereinten Nationen von 2013 haben 99 Prozent aller ägyptischen Frauen in ihrem Leben sexuelle Belästigung erlebt. Auch die seit 2008 verbotene Praxis der Genitalverstümmelung wird insbesondere in den ländlichen Gebieten noch praktiziert.

Wirtschaftliche Situation

Ein Arbeiter repariert einen Generator des Wasserkraftwerks am Assuan-Hochdamm in Ägypten.

Die ägyptische Wirtschaft hat sehr unter der politischen Instabilität der vergangenen Jahre gelitten. 2016 betrug das Wirtschaftswachstum 4,3 Prozent, für 2017 rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) mit einer Steigerung um 3,5 Prozent. Damit liegen die Wachstumsraten deutlich unter den Werten von etwa sieben Prozent, die zehn Jahre zuvor erreicht wurden.

Der unter Präsident Mubarak eingeleitete Übergang Ägyptens von einer staatlich gelenkten Wirtschaftsordnung zu einer Marktwirtschaft wurde vor allem zugunsten einer wirtschaftlichen Elite gestaltet. Vom Strukturwandel profitierte nur ein relativ geringer Teil der Bevölkerung. Umfangreiche staatliche Subventionen, etwa in den Bereichen Energie und Trinkwasser, verzerrten zusätzlich den wirtschaftlichen Wettbewerb.

Die amtierende Regierung hat erkannt, dass umfassende Reformen notwendig sind. Mit der "Vision 2030" hat sie ein ehrgeiziges Programm für die nachhaltige Entwicklung des Landes auf den Weg gebracht. So werden vorsichtig Subventionen abgebaut und Steuerreformen angestoßen. Auch sollen die Investitionsbedingungen verbessert werden. Die bisher langwierigen Verfahren und komplizierten Regelungen sollen vereinfacht werden, um das Land vor allem für ausländische Geldgeber attraktiv zu machen. Auftakt war eine groß angelegte Investorenkonferenz im März 2015 in Sharm el-Sheikh.


Schlechte Perspektiven für die Jugend

Straßenszene in der Altstadt von Kairo, Ägypten

Die größte Herausforderung für Ägypten bleibt die hohe Arbeitslosigkeit, sie liegt offiziell bei etwa 12 Prozent. Vor allem junge Männer und Frauen, darunter auch Hochschulabsolventen, finden keinen Job. Unter den 15- bis 24-Jährigen sind nach offiziellen Angaben mehr als 30 Prozent arbeitslos. Und in den kommenden Jahren werden weitere junge Menschen auf den Arbeitsmarkt treten.

Traditionell ist der Staat in Ägypten einer der größten Arbeitgeber. Allerdings hat das Land zur Entlastung des Staatshaushalts in den vergangenen Jahrzehnten massiv Stellen im öffentlichen Dienst abgebaut. Im selben Zeitraum aber konnten privatwirtschaftliche Unternehmen nicht ausreichend neue Arbeitsplätze schaffen. Daher versuchen viele Menschen, im informellen Sektor ein Auskommen zu finden.

Um die politische Stabilität zu erhalten und sozialen Konflikten vorzubeugen, gilt es also, eine große Anzahl von Menschen in absehbarer Zeit in Lohn und Brot zu bringen. Dafür setzt die ägyptische Regierung auf groß angelegte Infrastrukturprojekte. Dazu gehören beschäftigungsintensive Wohnungsbauprogramme oder auch die Erweiterung des Suez-Kanals. Doch weitere Schritte sind nötig, um die wirtschaftlichen Bedingungen zu schaffen, die langfristig zu ausreichend Arbeitsplätzen und einträglichen Einkommen für breite Bevölkerungsschichten führen.


Entwicklungspotenziale

Ägypten ist nach Südafrika das am stärksten industrialisierte Land Afrikas. Die verarbeitende Industrie und die Erdöl- und Erdgasförderung erwirtschaften rund ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts. Der Außenhandel könnte die wirtschaftliche Entwicklung des Landes langfristig sichern, wenn die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Hinzu kommen die günstige geographische Lage und eine junge Bevölkerung, die aktiv zum Wirtschaftsleben beitragen kann.

Die Verbindung vom Mittelmeer zum Roten Meer ist für die Schifffahrt von großer Bedeutung. Entsprechend sollen mit der erfolgten Erweiterung des Suez-Kanals zusätzliche Einnahmen durch Transitgebühren erwirtschaftet werden. Ein Ausbau zum regionalen Logistikzentrum könnte Ägypten zu einem der wichtigsten Handelsplätze der Welt machen.

Die Mitgliedschaft in der WTO und der Abschluss zahlreicher Wirtschaftsabkommen eröffnen Ägypten den Zutritt zu attraktiven internationalen Märkten. Seit 2004 regelt ein Assoziationsabkommen mit der Europäischen Union den freien gegenseitigen Handel. Durch ein Sonderabkommen wurde 2010 der Handel mit landwirtschaftlichen und Fischereiprodukten weitgehend liberalisiert.

Die Regierung setzt in ihrer Reformstrategie auf den Ausbau des Dienstleistungssektors und der Exportwirtschaft. Dafür müssen transparente Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden.

Enormes Potenzial bietet der Umwelt- und Klimaschutz. Ägypten verfügt über gute Voraussetzungen für die Energiegewinnung durch Sonne und Wind. Das Interesse an erneuerbaren Energien ist bei Entscheidungsträgern deutlich gestiegen, hat sich aber noch nicht gegenüber den traditionellen Wirtschaftszweigen – etwa der Kohle – durchsetzen können. Seit September 2014 wird Wind- und Solarenergie durch eine Einspeisevergütung gefördert. Dies hat dem Energiesektor zu neuem Schwung verholfen.

Ein stärkeres Engagement im Umweltschutz würde auch den Staatskassen zugutekommen. Laut Schätzungen machen die jährlichen Beseitigungs- und Vermeidungskosten der Umweltverschmutzung etwa fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Sie liegen damit nahezu doppelt so hoch wie in westlichen Industrieländern. Die Einhaltung internationaler Umweltstandards würde zudem die Exportmöglichkeiten ägyptischer Industriebetriebe erweitern.


Schwerpunkte der deutschen Zusammenarbeit mit Ägypten

Wichtigste Aufgabe der deutsch-ägyptischen Entwicklungszusammenarbeit ist es, zur Verbesserung der Lebensverhältnisse breiter Bevölkerungsschichten beizutragen. Die entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit Ägypten findet im Rahmen einer "Bilateralen Kommission" statt, die seit 2016 jährlich auf Ministerebene tagt.

Im Juni 2016 hat das BMZ 156 Millionen Euro für Vorhaben der Entwicklungszusammenarbeit in Ägypten zugesagt. 100 Millionen Euro davon wurden in Form zinsgünstigen Darlehen zur Verfügung gestellt.

Schwerpunkte der Zusammenarbeit sind:

  • Nutzung und Management der Wasserressourcen / Abfall
  • Erneuerbare Energie und Energieeffizienz
  • Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Darüber hinaus umfasst die deutsch-ägyptische Zusammenarbeit Maßnahmen in den Bereichen Frauenförderung, Entwicklung informeller Stadtgebiete, Menschenrechte und Verwaltungsreform.

Die Förderung der Zivilgesellschaft und der Gleichberechtigung der Geschlechter sowie die Erhöhung der (Sektor-) Governance und Konfliktprävention sind als Querschnittsthemen in einer Vielzahl laufender Vorhaben verankert.

Im Rahmen der regionalen Zusammenarbeit hat das BMZ 2011 einen Finanzierungsmechanismus bei der KfW Entwicklungsbank eingerichtet, um die wirtschaftliche Entwicklung im Nahen Osten und Nordafrika zu fördern. Der SANAD (arabisch für "Hilfe") genannte Fonds stellt nationalen Mikrofinanzinstituten Refinanzierungsmittel zur Verfügung, damit diese Kredite an Kleinst-, Klein- und mittlere Unternehmen (KKMU) vergeben können.


Nutzung und Management der Wasserressourcen / Abfall

Pumpe an einem Bewässerungskanal in der Nähe von Qena am Nil, Ägypten

Ägypten gehört zu den wasserärmsten Ländern der Welt – es regnet selten, und es gibt nur geringe Grundwasservorräte. 95 Prozent des Landes sind Wüste, weniger als vier Prozent der Fläche können landwirtschaftlich genutzt werden. Landwirtschaft, Industrie und Bewohner sind in hohem Maße vom Nil abhängig. Mit dem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum steigt auch der Wasserbedarf. Um die Bedürfnisse der verschiedenen Nutzergruppen erfüllen zu können, muss das vorhandene Wasser noch wirtschaftlicher als bisher genutzt werden.

Zudem steht das Land vor großen Herausforderungen bei der Abfallsammlung und -entsorgung. Diese ist bislang mit erheblichen Belastungen für Klima, Umwelt und Gesundheit verbunden.

Deutschland unterstützt Ägypten bei der Reform des Wassersektors und verfolgt dabei folgende Ziele:

  • ​Ressourcenschonender Umgang mit Wasser
  • ​Zugang der armen Bevölkerungsgruppen zu Trinkwasser
  • ​Verbesserung der Gesundheit durch geregelte Abwasserentsorgung
  • ​Effizienzsteigerungen bei der landwirtschaftlichen Nutzung von Wasser
  • ​Modernisierung der Infrastruktur der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung
  • ​Finanzielle Nachhaltigkeit des Sektors und Stärkung öffentlicher und privater Institutionen
  • ​Dezentralisierung des Sektors sowie Aufbau von lokalen Wassernutzergemeinschaften
  • ​Aus- und Weiterbildung von Fachleuten sowie Aufklärung der Bevölkerung

Bei der Umsetzung dieser Ziele verfolgt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit einen ganzheitlichen Ansatz: Das sogenannte integrierte Wasserressourcenmanagement (IWRM) bringt Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen mit den Erfordernissen der wirtschaftlichen Entwicklung und den Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung in Einklang.

So wird zum Beispiel die Modernisierung der landwirtschaftlichen Bewässerungsinfrastruktur finanziert. Zusammen mit Kleinbäuerinnen und Kleinbauern werden Strategien für eine sparsamere Nutzung des Wassers entwickelt. Deutschland unterstützt die Familienbetriebe dabei, sich in Wassernutzungsgemeinschaften zusammenzuschließen und die Bewässerungszyklen untereinander abzustimmen.

Zugleich unterstützt das BMZ das ägyptische Wasser- und das Landwirtschaftsministerium dabei, Wassernutzerorganisationen und landwirtschaftliche Kooperativen stärker in Planungs- und Beratungsprozesse einzubinden. Das vorhandene Wasser kann so viel effizienter eingesetzt werden; Wasserkonflikte werden vermieden.

In der Abfallwirtschaft steht der Reformprozess noch am Anfang. Die Luftverschmutzung in der Megacity Kairo mit ihren mehr als 20 Millionen Einwohnern wird nicht nur durch Industrie und Autoverkehr verursacht, sondern auch durch das unkontrollierte Verbrennen von Müll.

Zwar gibt es Zehntausende informelle Müllsammler, ihr Arbeitsgebiet ist aber auf wohlhabende Stadtteile mit entsprechender Ausbeute begrenzt. Landesweit werden nur rund 60 Prozent der Abfälle gesammelt, weniger als 20 Prozent werden ordnungsgemäß deponiert oder wiederverwertet. Wilde Müllkippen stellen Brutstätten für Krankheitserreger dar. In den landwirtschaftlichen Anbaugebieten verschmutzt der Abfall die Wasserressourcen und beeinträchtigt die Funktionsfähigkeit der Entwässerungskanäle.

Durch ein nationales Siedlungsabfallwirtschaftsprogramm unterstützt Deutschland die ägyptischen Partner dabei, die dringend notwendige Infrastruktur für die Müllentsorgung zu schaffen und die entsprechenden Verwaltungsstrukturen aufzubauen. In Zusammenarbeit mit der EU wird ein bedarfsgerechtes und kostendeckendes Abfallwirtschaftssystem aufgebaut. Durch die Entwicklung neuer, dezentraler Ansätze für Abfallsammlung und Recycling sollen auch "grüne Jobs" entstehen.


Energie

Windpark bei Zafarana, Ägypten

Mit dem Bevölkerungswachstum steigt auch der Energiebedarf in Ägypten. Immer wieder kommt es zu Versorgungsengpässen und damit einhergehend zu Stromabschaltungen.

Gleichzeitig herrschen an der ägyptischen Westküste des Roten Meeres ideale Bedingungen für die Nutzung der Windkraft. Vor diesem Hintergrund verfolgt die Regierung ehrgeizige Pläne: Sie hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent zu erhöhen. In einem ersten Schritt wurden die Subventionen für Brennstoffe und Erdölprodukte um 30 Prozent gesenkt.

Das BMZ ist bisher der mit Abstand wichtigste Geldgeber für Wind- und Wasserkraftvorhaben in Ägypten. Die Förderung erfolgt teilweise als Kofinanzierung mit anderen Gebern im Rahmen der Nachbarschaftsinvestitionsfazilität (NIF) der Europäischen Union. Außerdem berät die Bundesrepublik Ägypten bei notwendigen Reformen im Energiesektor und unterstützt das Land bei der Einspeisung alternativ erzeugter Energien und bei der Tarifgestaltung.

Nach dem Windpark Zafarana, der 2008 in Betrieb ging, hat das BMZ eine weitere Windkraftanlage am Golf von El Zayt finanziert. Mit einer Kapazität von 200 Megawatt zählt sie zu den größten Windparks auf dem afrikanischen Kontinent. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstreicht hiermit ihre Pionierrolle im Bereich Windenergie und versteht sich als Wegbereiter für die Mobilisierung der privaten Wirtschaft.

Im Rahmen der technischen Zusammenarbeit wurde das "Ägyptisch-deutsche Komitee zur Förderung der erneuerbaren Energien, der Energieeffizienz und des Umweltschutzes" (JCEE) gegründet. Es dient als Dialogplattform und berät bei Reformvorhaben im Energiebereich und bei der Schaffung notwendiger Rahmenbedingungen. Der Dialog umfasste bisher unter anderem die gesetzliche Einführung von Einspeisetarifsystemen für Wind- und Solarenergie, den Aufbau eines Marktmechanismus für den Handel mit Ökostromzertifikaten und die Entwicklung von Geschäftsmodellen zum Einsatz moderner Technologien. Ein weiteres Thema ist die Schaffung öffentlicher Ausschreibungsverfahren für erneuerbare Energien und Energieeffizienz.

Gefördert wird zudem ein regionales Zentrum für erneuerbare Energien und Energieeffizienz (RCREEE) mit Sitz in Kairo, an dem 17 Länder aus dem arabischen Raum beteiligt sind.


Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung

Fertigung von Türmen für Windkraftanlagen bei der Firma SIAG El-Sewedy Towers in Ain Sokhna, Ägypten

Ein bedeutender Bereich der deutsch-ägyptischen Zusammenarbeit ist die berufliche Bildung und Jugendbeschäftigung. Jedes Jahr drängen mehr als 800.000 junge Ägypterinnen und Ägypter auf den Arbeitsmarkt. Ein Großteil von ihnen findet jedoch keine angemessene Arbeit. Auch viele Betriebe klagen darüber, dass sie keine geeigneten Bewerber für offene Stellen finden. Das betrifft insbesondere den nichtakademischen Arbeitsmarkt.

Hier setzt der vom BMZ unterstützte nationale Beschäftigungspakt an, den deutsche und ägyptische Unternehmen in Zusammenarbeit mit der GIZ und der Außenhandelskammer (AHK) gegründet haben. In den vergangenen Jahren sind Arbeitsagenturen entstanden, die Stellenangebote registrieren, passende Arbeitsuchende identifizieren und vermitteln. Aufgenommen werden nur Stellenangebote, die hinsichtlich Mindestentlohnung, Arbeitsvertrag, Sozialleistungen und Beachtung von Sicherheitsstandards geprüft sind.

Darüber hinaus fördert Deutschland Qualifizierungsmaßnahmen, die an den Bedarf des ägyptischen Arbeitsmarktes angepasst sind. Unter anderem wird ein Ausbildungszentrum für Berufe im Bereich der erneuerbaren Energien aufgebaut. Außerdem werden Angebote zur Berufs- und Karriereberatung für Jugendliche entwickelt und neue Berufsprofile, zum Beispiel in umweltrelevanten Wirtschaftssektoren, erstellt. Ergänzend wurde ein Programm gestartet, das Existenzgründungen in zukunftsträchtigen Branchen unterstützt.

Alle Vorhaben in diesem Bereich schließen Maßnahmen zur Förderung von Frauen als Unternehmerinnen oder Arbeitnehmerinnen mit ein. Zusätzlich dazu nimmt ein Vorhaben gezielt die sozialen, kulturellen und unternehmerischen Rahmenbedingungen in den Blick, um die wirtschaftliche Integration von Frauen zu unterstützen. Aufklärungskampagnen hinterfragen traditionelle Rollenbilder, und Mentoring-Programme helfen den Frauen dabei, sich stärker zu vernetzen. Außerdem werden Verbände und Unternehmen beraten, wie sie Arbeitsplätze familienfreundlicher gestalten können.


Partizipation in der Stadtentwicklung

Bettler in der Altstadt von Kairo

Außerhalb der mit Ägypten vereinbarten Schwerpunkte fördert Deutschland gute Regierungsführung und Partizipation der Zivilgesellschaft, zum Beispiel durch Vorhaben der Stadtteilentwicklung. Im Mittelpunkt stehen dabei städtische Armutsgebiete in Kairo: In der ägyptischen Hauptstadt leben mehr als die Hälfte der Einwohner in informellen, unterversorgten und sehr dicht bebauten Stadtvierteln. Es mangelt an Freiflächen, an sozialen Dienstleistungen, Zugang zu Trinkwasser, Abwasser- und Abfallentsorgung.

Durch die Förderung von Selbsthilfeinitiativen unterstützt Deutschland die Bewohner dabei, eigene Vorschläge zur Verbesserung ihrer Lebensumstände zu entwickeln. Gemeinsam mit der öffentlichen Verwaltung und der örtlichen Bevölkerung wurde bereits die Infrastruktur in den Bereichen Trink- und Abwasser und Verkehr verbessert. Mit finanzieller Unterstützung der Bill und Melinda Gates Stiftung und der EU werden zudem Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels verwirklicht.


Weitere Informationen

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Bei seinem Besuch in Ägypten legte Minister Müller den Grundstein für eine verstärkte Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung. 5.500 ägyptische Jugendliche sollen zu Fachkräften ausgebildet werden.

Lexikon der Entwicklungspolitik

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