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Kapitel 4.2

Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen


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Wo stehen wir, wo wollen wir hin?

Afrika ist der am meisten vom Klimawandel bedrohte Kontinent. Sieben der zehn durch den Klimawandel am meisten gefährdeten Staaten befinden sich in Afrika. In den letzten 25 Jahren hat sich die Anzahl wetterbedingter Katastrophen wie Überschwemmungen und Dürren verdoppelt. Das "El Niño"-Phänomen hat dies für weite Teile des östlichen und südlichen Afrikas noch einmal eindrücklich gezeigt. Der Klimawandel gefährdet elementare Lebensgrundlagen wie Anbauflächen, Wasserversorgung, Ökosysteme und Versorgungsinfrastruktur. Schon heute ist Afrika die Region mit der höchsten durch Dürren verursachten Sterblichkeitsrate. Der Klimawandel erhöht damit das Konfliktpotential um natürliche Ressourcen (wie Land und Wasser) und in Folge dessen auch den Migrationsdruck.

Die Nutzung natürlicher Ressourcen trägt laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen für viele Länder Afrikas bis zu 50 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Zudem sind die Meeresregionen, an die viele Länder in Afrika grenzen, von Überfischung betroffen. Das Bevölkerungswachstum wird den Druck auf Afrikas Ökosysteme in den nächsten Jahrzehnten massiv verstärken.

Gleichzeitig subventionieren afrikanische Staaten die Ressourcenausbeutung in ihren Ländern. Allein fossile Brennstoffe werden in Subsahara-Afrika mit rund 21 Milliarden US-Dollar (Quelle: Africa Progress Report, 2015) im Jahr subventioniert. Durch Subventionsabbau, die Einführung von Umweltsteuern und Verschmutzungsabgaben könnten afrikanische Staaten nicht nur die Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Wirtschaft schaffen, sondern auch zusätzliche Mittel für die Entwicklungsfinanzierung mobilisieren.

Afrikas Biodiversität und Ökosysteme sind eine Schatzkammer, die es als Beitrag zur Resilienz gegen Klimawandel, aber auch für Wirtschaft und Beschäftigung zu erhalten gilt. Die gegenwärtigen Waldflächen müssen als Kohlenstoffsenke und zur Sicherstellung der für die Landwirtschaft und Energieerzeugung zentralen Niederschlagsverteilung unbedingt erhalten bleiben. Mit dem Einsatz umweltfreundlicher Technologien in der Wirtschaft würde nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit afrikanischer Produkte erhöht, sondern auch ein wichtiger Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz geleistet.

Unser Ziel ist ein grünes, resilientes und nachhaltiges Afrika, dessen "natürliche Ressourcen, Umwelt und Ökosysteme, einschließlich wilder Tiere und Landschaften, stabil sind sowie geschätzt und geschützt werden, mit klimaresilienten Wirtschaftssystemen und Gemeinschaften". (Agenda 2063)

Dazu muss Afrika selbst Verantwortung für den Schutz und die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen als Grundlage für Wirtschaft und Wohlstand in der Zukunft übernehmen.


Was muss passieren?

Afrika

  • Landwirtschaft besser an den Klimawandel anpassen, zum Beispiel durch:
    - besseren Erosionsschutz und konservierende Anbaumethoden,
    - veränderte Fruchtfolgen und effizienteren Einsatz von Wasser,
    - Diversifizierung des Anbaus und
    - Wiederherstellung der Bodenfruchtbarkeit.
  • Mehr Natur­ und Meeresschutzgebiete etablieren und besser verwalten.
  • Vereinbarung zum Kampf gegen Wilderei treffen.

Deutschland

  • Afrikanische Partnerländer dabei unterstützen, ihre nationalen Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen umzusetzen, zum Beispiel:
    - Bei der Ausgestaltung und Umsetzung von Klimaschutz­ und Anpassungsmaßnahmen individuell beraten.
    - Bei der Mobilisierung eigener Finanzierungsmittel und gezielter finanzieller Unterstützung unterstützen.
    - Private Investitionen und Beteiligungen zum Beispiel für klimaschonende Landwirtschaft, Waldwirtschaft, Aufforstungen, Industrie, Energieerzeugung und Energieeffizienz mobilisieren.

International

  • Technologietransfer und umweltfreundliche Investitionen gezielt fördern.
  • Internationale Beschlüsse zur Reduzierung des CO2­-Ausstoßes zügig umsetzen.
  • Afrikanische Staaten dabei unterstützen, Kostenwahrheit beim Verbrauch von Waren und Ressourcen herzustellen (zum Beispiel durch Aufbau ökologischer Steuersysteme und Abbau schädlicher Subventionen).
  • Zusätzliches Kapital für Klimarisikoversicherungen zur Verfügung stellen.
  • Die Dürreversicherung African Risk Capacity noch stärker ausbauen (Entwicklung neuer Versicherungsprodukte und Aufnahme neuer Mitglieder).
  • Internationale Initiativen zur Wiederaufforstung (zum Beispiel Saharaumfeld) und Tropenwaldschutz ausbauen.

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Kommentare (6)

Sebastian Unger, Alexander Müller schrieb am 26.02.2017 16:56

Sektor- und grenzübergreifende Zusammenarbeit für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Meere stärken Zwei Ozeane, zwei Meere, 33 Küsten und sechs Inselstaaten mit über 45 000 km Küste: Der afrikanische Kontinent hat ein großes Potential für eine nachhaltige Entwicklung der Meere, sogenanntes blaues Wachstum. Proteine aus dem Meer sind eine wichtige Nahrungsquelle für ca. 400 Millionen Afrikaner. Über 12 Millionen erzielen ihr Einkommen direkt aus dem Fischereisektor, größtenteils in der kleinskaligen, handwerklichen Fischerei. Auch Meeres- und Küstentourismus, Seeverkehr, Öl und Gas, Meeresbergbau und Energiegewinnung tragen maßgeblich zur Armutsbekämpfung sowie zum BIP und Deviseneinnahmen der Küstenstaaten bei. Der Westliche Indische Ozean erreicht z.B. eine jährliche Wertschöpfung von 20,8 Milliarden US Dollar und wäre damit die viertgrößte Volkswirtschaft der Region (Obura et al. 2017). Menschliche Aktivitäten, insbesondere Überfischung, illegale, nicht gemeldete und nicht regulierte Fischerei und Meeresverschmutzung, wirken sich jedoch zunehmend negativ auf die Meeresökosysteme und ihre Ressourcen sowie die Wirtschaft der Länder aus. Zum Beispiel sind in Mosambik bis 2010 fast 20 Prozet der für den Küstenschutz wichtigen Mangroven verschwunden (WIOMSA 2015). Die Kosten der illegalen und unregulierten Fischerei werden in Afrika auf jährlich 1 Milliarde US Dollar geschätzt (WorldFish 2015). Die im sogen. Marshallplan mit Afrika enthaltene Etablierung und bessere Verwaltung von Meeresschutzgebieten als Beitrag zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen wird daher begrüßt. Um eine Wende in Richtung eines nachhaltigen Umgangs mit den Meeren im Sinne der 2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung und des Nachhaltigkeitsziels für die Meere (Ziel 14) zu erwirken, braucht es jedoch darüber hinausgehend insgesamt effektivere Mechanismen und Kapazitäten zur Steuerung und Regulierung menschlicher Aktivitäten. Die bestehende Meeres-Governance ist bislang in vielerlei Hinsicht unzureichend: Maßnahmen einzelner Staaten sind nur begrenzt wirksam, da marine Ökosysteme, Fischbestände und Meeresverschmutzung nicht an Grenzen halt machen. Erschwerend kommt hinzu, dass unterschiedliche Sektoren, z.B. Fischerei und Meeresnaturschutz, unabhängig voneinander und ohne gemeinsame Zielvorgaben agieren. Dies wurde auch von der Afrikanischen Union erkannt, die sich u.a. das Ziel gesetzt hat, aufbauend auf den bestehenden regionalen Meeresschutzkonventionen und Aktionsplänen, regionalen Fischereiorganisationen und anderen Organisationen in Afrika, eine African Ocean Governance Strategy zu entwickeln. Um den Schutz und eine nachhaltige Nutzung mariner Ressourcen wirksam voranzutreiben, ist es jetzt notwendig, die sektor- und grenzübergreifende Zusammenarbeit und Kapazitäten für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Meere in Afrika zu stärken und im Rahmen regionaler Partnerschaften sowie bilateraler Kooperation auf nationaler Ebene weiterzuentwickeln.

 

TransFair e.V. schrieb am 23.02.2017 14:11

• Das funktioniert ja in Europa nicht. Wie sollen das afrikanische Staaten hinbekommen? Zu -> Deutschland: • Das ist wichtig, aber v.a. Symptomkur, die Ursache wird aber nicht erwähnt. Deutschland und die EU müssten ihre CO2-Emissionen drastisch senken, das würde Afrika auch helfen. • Parallel unterstützen wir Maßnahmen der EU, Deutschlands, die Unternehmen Anreize für die Minderung von CO2 in Lieferketten bieten würden. Diese sollten bereits im Ursprung der Rohstoffe ansetzen. • Parallel muss es Unterstützung für kleinbäuerliche Erzeuger und Rohstofflieferanten geben, um ihre Produktion an den Klimawandel anzupassen! Zu -> International: • Würde man in Deutschland, Europa damit anfangen, wäre das glaubwürdiger. Auch hier gibt es keine Kostenwahrheit, nachhaltige Produkte sinf teuer als nicht nachhaltige. D.h. dass die Umwelt- und Sozialkosten die Wertschöpfungskette entlang nach unten gedrückt werden, ist leider der Normalfall. Es sollte umgekehrt sein, nicht nachhaltige Produkte sollten teurer sein.

 

Christoph Heinrich schrieb am 20.02.2017 15:44

Die hier aufgeführten Aussagen zur Bedeutung des Klimawandels in Afrika sowie zur Bewahrung der natürlichen Ressourcen sollten sich unbedingt auch in den 10 Eingangsthesen wiederfinden. Der Tatsache, dass Afrika immer noch der Kontinent großer weitgehend unzerschnittener Tropenwaldflächen und einzigartiger Wildtierfauna ist, wird nicht genügend Rechnung getragen. es würde sich auch lohnen auf die enormen touristischen Potenziale der Afrikanischen Natur hinzuweisen, Potenziale übrigens auch für zukünftigen innerafrikanischen Tourismus. Durch eine zu befürchtende nichtnachhaltige Entwicklung geraten diese Potenziale in Gefahr, verloren zu gehen.

 

Gunther Johne schrieb am 20.02.2017 10:52

Bei der Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen sollte auch der Aspekt von Abfallvermeidung und Abfallverwertung eine großer Rolle spielen. Das Recycling von Wertstoffen hilft natürliche Ressourcen zu schonen, die CO2-Bilanz zu verbessern und die Verunreinigung von Luft und Wasser, welche durch unsachgemäße Entsorgung stattfinden kann, zu reduzieren - Kunststoffe (insbesondere PET-Flaschen) werden vieler Orts in Afrika kaum ordnungsgemäß entsorgt bzw. recycelt und stellen somit eine große Gefahr für die Umwelt und den natürlichen Lebensgrundlagen vor Ort dar. Deutschland verfügt hier über entsprechende Technologien und sollte deshalb auch Projekte dieser Art unterstützen.

 

Dr. Henriette Karg schrieb am 24.01.2017 00:35

Man könnte die Chance nützen und Asylanten aus Afrika hier für eine dort gebrauchte Tätigkeit ausbilden und fit machen. Das wären dann auch Vertrauenspersonen, die sich hier wie dort auskennen und zum Gelingen beitragen könnten.

 

Martin Schlecht schrieb am 22.01.2017 11:01

Können Sie etwas gegen die Fangjagd auf Zugvögel in Ägypten unternehmen? Ich habe auf ARTE einen Naturfilm über das Mittelmeer gesehen, darin wurde geschildert, dass die gesamte Mittelmeerküste Ägyptens mit Fangnetzen überzogen ist, mit denen eine enorme Anzahl von Zugvögeln gefangen und getötet werden.

 

 

Lexikon der Entwicklungspolitik

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