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1. Säule

Wirtschaft, Handel und Beschäftigung


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Wo stehen wir, wo wollen wir hin?

Mehr als 50 Millionen Jugendliche befinden sich in Afrika in unsicheren Arbeitsverhältnissen. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei bis zu 50 Prozent (Quelle: OECD, 2016). Afrika braucht jährlich rund 20 Millionen neue Arbeitsplätze (Quelle: IWF, 2016).

Es gibt viel zu wenige Ausbildungsplätze für die Jugend, und die existierende Ausbildung afrikanischer Jugendlicher geht vielfach am Bedarf der Wirtschaft vorbei. Nötig sind wesentlich mehr Ausbildungsmöglichkeiten in Afrika, eine Aufwertung des Handwerks und der flächendeckende Aufbau beruflicher Ausbildung, insbesondere auch die Entwicklung eines modernen Berufsbildes in der Landwirtschaft. Wir brauchen neue Wege zur Entwicklung von klein- und mittelständischen Betriebsstrukturen. Die Wertschöpfung aus lokalen Ressourcen ist zu gering, Handelsräume sind zu klein, es fehlt an Unternehmertum und Industrie.

Aufgrund der gesunkenen Nachfrage nach Rohstoffen gab es auch rückläufige Wachstumsraten bei vielen afrikanischen Bruttoinlandsprodukten. Dies zeigt die Abhängigkeit Afrikas von Rohstoffen. Es muss stärker auf eine Diversifizierung der Wirtschaft gesetzt werden. Afrikas Integration in die Weltwirtschaft ist gering, die Rahmenbedingungen für Privatinvestitionen sind instabil, in einigen Ländern steigen die Risiken einer dauerhaften Verschuldung.

Es gibt aber auch ermutigende Entwicklungen: Die Nettokapitalzuflüsse nach Subsahara-Afrika haben sich laut Weltbank seit 2000 mehr als verdreifacht, insbesondere in stabilen Ländern mit guter Regierungsführung und entwicklungsfreundlichen Rahmenbedingungen. In vielen Ländern entwickeln sich inzwischen lokale Finanzsysteme. Unternehmen können sich lokal finanzieren.

Laut Doing Business Index der Weltbank hat sich das Geschäftsklima in Subsahara-Afrika seit 2010 überwiegend verbessert. Afrika hat inzwischen Innovations-Cluster, beispielsweise das "Silicon Savannah" in Kenia, Herz des Afrikanischen Hightech-Booms.

Ressourcenreichtum, fruchtbare Böden, ein wachsender Mittelstand – dies sind nur einige der großen Potentiale Afrikas. Das größte Potential bietet aber Afrikas Jugend. 2035 wird Afrika das größte Arbeitskräfte-Potential weltweit haben (Quelle: Mo Ibrahim Foundation, 2013). Entscheidend wird sein, dass Afrika seine Möglichkeiten in eine "demographische Dividende" umwandeln kann.

Nicht zuletzt für die deutsche Wirtschaft bietet Afrika vielversprechende Perspektiven, als letz​ter noch nicht erschlossener Markt – und das in direkter Nachbarschaft Europas.

Unsere Vision ist in der AU-Strategie bereits formuliert: "Ein prosperierendes Afrika, das auf inklusivem Wachstum und nachhaltiger Entwicklung fußt."


Was muss passieren?

 Afrika

  • Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen verbessern (unter anderem Investitions-­ und Innovationsklima).
  • Stabile und inklusive Finanzsysteme entwickeln.
  • Innerafrikanischen Handel fördern (AU und Regionalorganisationen).
  • Verhandlungen für eine kontinentale Freihandelszone (Continental Free Trade Area, CFTA) schnell und erfolgreich abschließen.
  • Binnenmärkte durch Schutzzölle partiell und befristet vor globaler Konkurrenz sichern.
  • Berufsbildung ausweiten und stärker an der Nachfrage der lokalen Arbeitsmärkte aus­richten.
  • WTO­-Übereinkommen über Handelserleichterungen ratifizieren.

Deutschland

  • Bündnis für Beschäftigung und Berufsbildung für Afrikas Jugend zusammen mit der deutschen Wirtschaft und internationalen Partnern (ILO, AfDB etc.) starten.
  • Ressortübergreifendes Paket mit Investitionsanreizen für Unternehmen schnüren:
    - entwicklungsförderliche Doppelbesteuerungsabkommen mit weiteren afrikanischen Staaten abschließen,
    - steuerliche Anreize für Investitionen in Afrika setzen und
    - Wirtschaftsförderungsinstrumente des BMWi mit der Entwicklungspolitik besser verzahnen.
  • Beratungsnetzwerk für deutsche Unternehmen in Afrika ausbauen.
  • Privatwirtschaft beim Aufbau nachhaltiger Lieferketten unterstützen, zum Beispiel "Entwaldungsfreie Lieferketten" für Soja und Palmöl, "Faire Lieferkette" für Kakao, Kaffee und Bananen.
  • Afrikanische Finanzmärkte und Finanzdienstleister unterstützen (zum Beispiel durch Lokalwährungsdarlehen und Übernahme von Währungsrisiken und Garantien).
  • Staatliche Entwicklungsgelder (ODA) zur Mobilisierung privaten Kapitals für mehr Beschäftigung einsetzen.
  • Um Investitionsrisiken für deutsche Unternehmen zu senken, Risikotransferinstrumente (zum Beispiel Darlehens-­ und Kreditgarantieinstrumente) weiterentwickeln und ausbauen (neues ODA-­finanziertes Bürgschaftsinstrument schaffen).
  • Neue Anlageprodukte (Fonds und Anleihen) für Privatanleger entwickeln.
  • Digitalisierungszentrum für die afrikanische Wirtschaft zusammen mit afrikanischen Partnern gründen.

International

  • Wirtschafts­ und Energiepartnerschaft (unter anderem Förderung erneuerbarer Energien, Forschungskooperation und Infrastrukturpartnerschaften) EU­-Nordafrika unterstützen.
  • Politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit der EU­-Mittelmeer­-Union ausbauen.
  • Entwicklungsfreundliche Handels­ und Wirtschaftspartnerschaftsabkommen vereinbaren und umsetzen.
  • Europäischen Investitionsplan unterstützen und für die Ziele und Schwerpunkte dieses Marshallplans einsetzen.
  • Die Marktintegration und ­öffnung des EU-­Binnenmarktes weiter vorantreiben.
  • Den Aufbau lokaler Wertschöpfungsketten fördern.
  • Die afrikanische Wirtschaft dabei unterstützen, EU-­Qualitätsstandards zu erreichen, um Exportpotentiale und die vorhandene Marktöffnung des EU-­Binnenmarktes auch für die eigene Wertschöpfung nutzen zu können.
  • Bestehende Investitionsabkommen mit afrikanischen Staaten überprüfen und entwicklungsorientiert modernisieren.
  • Wertschöpfung in Afrika fördern (zum Beispiel durch Nutzung einheimischer Arbeitskräfte bei Infrastrukturprojekten).
  • Über Möglichkeiten legaler Migration in die EU für die Ausbildung von Fachkräften informieren und werben.
  • Vorbereitung finanzierungsreifer Vorhaben für private Investoren unterstützen.
  • Verdrängung von Privatkapital durch Entwicklungsbanken verhindern und stattdessen Privatkapital mobilisieren.
  • Staatliche Entwicklungsgelder (ODA) nur einsetzen, wenn das Vorhaben für eine private Finanzierung nicht geeignet ist.
  • Um Haushalte von Partnerländern nicht durch die Übernahme von Währungsrisiken bei US-Dollar/Euro­-Krediten zu belasten, mehr Lokalwährungsdarlehen durch Entwicklungsbanken anbieten.

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Kommentare (20)

Gabriele Weigt Dinah Radtke schrieb am 26.02.2017 23:33

Damit Jugendliche mit Behinderung eine Chance auf einen Job und auf eine existenzsichernde Tätigkeit haben, ist bei der Schaffung von Ausbildungsmöglichkeiten darauf zu achten, dass Jugendliche mit Behinderung Zugang dazu haben.

 

Georg Neumann schrieb am 26.02.2017 20:35

Der Handel mit der Regierung über öffentliche Verträge ist oft eines der größten nationalen Märkte. Um so wichtiger, dass kleine und mittelständische Unternehmen, und innovative Unternehmen, an diesen Märkten teilhaben können. Voraussetzung ist ein offenes und transparentes Vergabewesen. In der Ukraine, ein solches System, basierend auf open contracting, ermöglichte 8,000 neuen Unternehmen die Teilnahme an diesem Markt innerhalb eines Jahres nach der Einführung. Gleichzeitig sanken die Kosten im Durchschnitt um 10-15 Prozent. Nur durch die Unterstützung und Miteinbeziehung des Mittelstands lassen sich langfristig Jobs und Arbeitsplätze kreieren. Es könnte auch innerafrikanischen Handel fördern, indem es einen übergreifenden Standard oder Systeme nutzt. Open Opps beispielsweise nutzt offene Daten und den Open Contracting Data Standard um Daten von rund 50 Ländern zusammen auf einer Platform zu veröffentlichen. In Ghana und Kenya gibt es zum Beispiel schon existierende Hubs im Bereich der Technologie und offene Daten.

 

Dr. Muruchi Poma, G. schrieb am 26.02.2017 13:21

Ich begrüße sehr die Initiative des Plans. Da ich ursprünglich aus Bolivien komme, besuche ich regelmäßig dieses Land. Jedes mal sehe ich das zum Teil erfreulichen Wachstum dieses Landes ist mit einem anderen Wachstum konfrontiert: nämlich dem Industriemüll. Wenn es in diesem Teil des Plans für Afrika von "es fehlt an Unternehmertum und Industrie" die Rede ist, dann sollte man bei "was muss passieren? Deutschland" explizit von der Notwendigkeit der Förderung oder Export der Recycling Industrie gesprochen werden. Ich vermisse bei dem Plan überhaupt die Kreislaufwirtschaft.

 

Kuno Kübler schrieb am 26.02.2017 11:31

Verständnisfrage: Was ist unter Lokalwährungen zu verstehen? Landeswährungen oder Regionalwährungen wie der erfolgreiche „Chiemgauer“ in Bayern? In Kenia hat Will Ruddick regionale Währungen in Slumgebieten eingeführt, damit sich die Kleinökonomie entwickeln kann. Warum wird dieser Weg nicht stärker gefördert? Es geht nicht um viel Geld, das eingesetzt werden muss. Es muss nur einen stärkeren Anreiz zum Umlauf geben.

 

Vera Siber schrieb am 24.02.2017 19:56

Bildung , Berufsbildung und Beschäftigung: Jede Initiative, die junge Frauen und Männer in ihrer Beschäftigungsfähigkeit und Beschäftigung unterstützt, erachte ich als sinnvoll. Wenn sich die Jugendarbeitslosigkeit in Afrika bei 50Prozent bewegt, sind konstruktive Angebote, aber noch wichtiger, deren erfolgreiche Umsetzung mehr als dringend erforderlich. Die Idee duale Ausbildungssysteme für eine qualitativ hochwertige berufliche Ausbildung einzuführen, ist nicht neu. Doch leider haben wir es, damals wie heute, vorherrschend mit defizitären afrikanischen Berufsbildungssystemen und dem Mangel eines existierenden betrieblichen und unternehmerischen Umfelds zu tun – beides unabdingbar für erfolgreiche und nachhaltige duale Ausbildungskonzepte. Der Export dualer Ausbildung ist kein Allheilmittel gegen Arbeitslosigkeit – ich teile den Kommentar von Samuel L. Mukasa (09.02.2017 16:26), dass es afrikanische Lösungen braucht. Wenn von Berufsausbildung die Rede ist, werden meist handwerkliche Berufe erwähnt, alle anderen Berufsbildungszweige sollten ebenso berücksichtigt werden, wie z. B. die des Gesundheits-, Dienstleistungs- und Agrarsektors, die kontextbezogen ebenfalls ein hohes Beschäftigungspotenzial aufweisen. Der Zugang zu Bildung und Ausbildung muss allen Jugendlichen, ob weiblich oder männlich offen stehen, um ihnen eine reale Chancen auf lebenswerte Perspektiven zu ermöglichen. Dies ist nur durch eine absolute Schwerpunktsetzung auf den Bildungs- und Ausbildungssektors zu gewährleisten. Bildung ist das Fundament und hat in dem Plan eine viel zu niedrige Präsenz und Priorität – da schließe ich mich dem Kommentaren von Prof. Dr. Ulrich Holzbaur (22.01.2017 07:46) und Frank Tischner (21.01.2017 05:54) an. Regionale Märkte: Den regionalen afrikanischen Märkten muss eine reale Chance gegeben werden. Das erfordert eine entwicklungspolitisch kohärente Handelspolitik seitens Deutschland und der EU, die leider weiterhin als eher gegenläufig einzuschätzen ist (siehe auch Kommentar von Esther Fehr - 02.02.2017 19:16). siehe auch Kommentar unter: Allgemeine, nicht auf einzelne Textabschnitte bezogene Anmerkungen

 

Siemens Stiftung schrieb am 24.02.2017 13:53

Die operative Tätigkeit der Siemens Stiftung in Afrika zeigt uns, wie wichtig Beschäftigung, die Schaffung von Jobs sowie eine substanzielle Aus- und Weiterbildung besonders für junge Menschen sind. Gerade die Entwicklung agrargeprägter ländlicher Gebiete durch Schaffung von Einkommensmöglichkeiten zur Bekämpfung der Land-Stadt-Flucht und weiterer Migration entscheidend. In diesen Regionen sind jedoch kaum wirtschaftliche und soziale Perspektiven vorhanden. Es mangelt an technischer Infrastruktur, Grundversorgung und Einkommensmöglichkeiten. Landwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftszweig mit noch ungenutztem Potenzial, z.B. in Bezug auf den Einsatz angepasster Technologien. Dezentrale technische Lösungen sind in vielen Bereichen und Regionen weiterhin essenziell und sollten auch verstärkt für die Versorgung mit Trinkwasser, Nahrung, und Gesundheit gefördert und eingesetzt werden. Erst wenn diese Grundbedürfnisse gestillt sind können Gemeinden einen Entwicklungsschub machen. Es folgt der Zugang zu erneuerbaren Energien, zu IT und Internet. Wenn diese gewährleistet sind, bietet die Digitalisierung vielfältige Möglichkeiten der Teilhabe, wie im Marshallplan beschrieben.

 

Sid Peruvemba schrieb am 24.02.2017 10:48

Der Marshallplan bleibt im Blick auf die Förderung von kleinen und mittlere Unternehmen sehr vage. Afrika lebt vor allem vom informellen Sektor. Die Gefahr ist groß, dass Programme nur wieder „die Großen“ begünstigen, die ohnehin häufig schon günstige, vielfach monopolistische Marktpositionen haben und eng mit den Eliten verknüpft sind. Es muss also um die Stimulierung guter privatwirtschaftlicher Initiativen abseits von Eliten und Machtmonopolen gehen. Solche Programme sind an der Werthaltigkeit der Initiativen auszurichten und müssen flexibel genug sein, um auch abseits von Länderschwerpunkten stattzufinden. Für eine gute wirtschaftliche Entwicklung braucht Afrika zudem einen stärkeren Binnen- und Regionalhandel. Afrika hat das weltweit geringste intraregionale Handelsvolumen. Ein stärker Binnenhandel vergrößert die Märkte und diversifiziert die Wirtschaft - und somit die Voraussetzungen, um regionale Produktionsketten zu fördern und denen im Marshallplan anvisierten privaten Initiativen einen größeren Wirtschaftsraum zu geben. Die derzeit geplanten Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPA) zwischen der EU und Afrika sind allerdings eine große Gefahr für die regionale Wirtschaft (Bevorzugung europäischer Exporte, Störung lokaler Produktion und regionaler Handelszonen) und sollten bis zur einer tatsächlich entwicklungsfördernden Neuorientierung der Handelsbeziehungen ausgesetzt werden.

 

TransFair e.V. schrieb am 23.02.2017 14:04

• Voranstehend wird die EU-Ebene stärker betont, hier nur subsummiert unter „Internationales“. • Bei Aufbau nachhaltiger und „fairer Lieferketten“ bestehende Strukturen nutzen, z.B. die etablierte, demokratische Struktur von Fairtrade Afrika. Keine Parallelstrukturen schaffen zu teils über viele Jahre aufgebauten zertifizierten nachhaltigen Lieferbeziehungen mit ProduzentInnen in Afrika, sondern auf Bestehendem aufbauen und kooperieren.

 

Kuno Kübler schrieb am 21.02.2017 10:20

Dimension des Projektes: Hat man schon einen der hochbezahlten Konzernmanager befragt, welchen personellen, materiellen und finanziellen Aufwand es bedeutet, wenn man in der Tat jedes Jahr die 20 Millionen erforderlichen Jobs schaffen wollte? Ich glaube, es sprengt die Vorstellungskraft eines jeden von uns. Eine Anleitung zur Selbstorganisation und Selbsthilfe könnte vorhandene Kräfte „aus sich heraus“ ohne viel Overhead ins „Fließen“ bringen. Wenn wir weiterhin Probleme technokratisch und bürokratisch lösen wollen, dann erfordert es immense Ressourcen. Ist es nicht elegant und einfach, was Bernd Senf sagt: „Die Lösung der Blockierung ist die Lösung - behutsam, nicht gewaltsam“.

 

Markus Rudolf schrieb am 16.02.2017 15:06

Afrika braucht Investitionen und Infrastruktur. Daher sind die Ziele schädlichen Export nach Afrika zu stoppen, Wertschöpfung vor Ort zu fördern, internationale Umwelt- und Sozialstandards einzuhalten und internationale Steueroasen auszutrocknen positiv hervorzuheben. Dabei ist allerdings die Form der Investitionen mit den Oberzielen der EZ abzugleichen. Megaprojekte wie der Inga-Staudamm in der DR Kongo – ein Leuchtturmprojekt der Agenda 2063 der AU – bergen langfristig große finanzielle, umwelt- und menschenrechtliche Risiken. Zur Risikominderung ist es erstens wichtig die Balance bei der Förderung von Klein- und Kleinstunternehmen, sowie mittelgroßen und Groß-Projekten anzustreben, und zweitens ein breitgestreutes Portfolio zu entwickeln, das auf die lokalen Kontexte zugeschnitten ist. Die Idee privatwirtschaftliche Initiativen zu fördern und das Investitionsklima zu verbessern ist seit Jahren in der EZ verankert, unter anderem durch die Förderung von Public Private Partnerships (PPP). Der Marshallplan geht hier aber weder auf zahlreiche Kritikpunkte noch lessons learnt ein. Zum einen steht das Modell im Gegensatz zu den historischen Erfahrungen aus u.a. den südasiatischen „Tigerstaaten“ – Südkorea, Hong Kong, Taiwan, und Singapur – die zunächst einen protektionistischen und autoritären Entwicklungspfad verfolgten. Zum anderen sind die Erfolge von PPP bei der Bekämpfung von sozialer Ungleichheit fraglich. Das Ziel 10 der Sustanable Development Goals „Ungleichheiten reduzieren“ bleibt im Marshallplan unerwähnt. Dies verwundert angesichts des Ziels des BMZ Fluchtursachen zu mindern um so mehr, als wirtschaftliche und soziale Ungleichheiten ein wichtiger Hintergrund von Konflikten und Fluchtbewegungen in Afrika sind. Menschenrechtsverletzungen, fehlende soziale und wirtschaftliche Aufstiegsmöglichkeiten (u.a. für Jugend), diskriminierende Regierungspraktiken sind ebenso wie Auswirkungen einer übernehmenden Kriminalität und Alltagsgewalt hinsichtlich dieser Problematik neu zu bewerten. Markus Rudolf (BICC)

 

Jenni Jerabek schrieb am 13.02.2017 16:00

-> Afrika Punkt6: Auch hier unbedingt: Berufsbildung für alle ausweiten, einschließlich Menschen mit Behinderung, benachteiligte Gruppen etc.

 

Samuel L. Mukasa schrieb am 09.02.2017 16:26

Unreflektierte Übertragung des deutschen Ausbildungskonzeptes auf den afrikanischen Kontext. Grundsätzlich ist die Einführung eines breiten Ausbildungssystems zu begrüßen, allerdings braucht es auch hier der Berücksichtigung von „afrikanischen Lösungen“ und keinem reinen Export des deutschen Models. Kritik der mangelnden Wertschöpfung vor Ort muss im internationalen Kontext gesehen werden. So macht eine lokale Wertschöpfung – zumindest finanziell - keinen Sinn, wenn, aufgrund mangelnder Technologie, Infrastruktur, Exportförderung und künstlicher Zollbarrieren, die Verarbeitung in Europa günstiger ist. – Keine nachhaltige Industrie oder Unternehmertum siedelt sich dort an, es sei denn, die Aufwendungen werden durch lokale Steuererleichterungen kompensiert. Dies führt wiederum zu unterfinanzierten Bildungsetats……. So lange afrikanische Länder, durch oben genannte Mechanismen, nicht wettbewerbsfähig sind, was zudem durch Rohstoffexporte forciert wird, ist auch eine Diversifizierung problematisch.

 

André Edelhoff schrieb am 06.02.2017 11:44

Der Marshall-Plan für Afrika wird nur von nachhaltigem Erfolg gekrönt, wenn nicht nur in die Berufsbildung von Jugendlichen sondern auch in die Bildung von ArbeiterInnen investiert wird. Dabei sollte auch Demokratie am Arbeitsplatz gefördert werden. Arbeitnehmermitbestimmung ist nicht nur ein Erfolg des deutschen Systems sondern führt auch zu einer geringeren Ungleichheit innerhalb einer Gesellschaft wie eine Studie der Weltbank bescheinigt hat. Das sollte auch ein Anspruch des Marshall-Plans sein. Nur eine ausgeglichene Förderung von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite wird zu nachhaltiger Beschäftigung und zu einem stabilen Arbeitsmarkt führen.

 

Micha Gattinger schrieb am 02.02.2017 10:07

Eine nachhaltige Förderung dieser jungen Menschen dort wird nur mit der Bildung von Kleinbetrieben und dem daraus entstehenden Mittelstand möglich sein. Viele junge Menschen dort versuchen aktuell von der Landwirtschaft zu leben. Diese ist mangels Kenntnisse und fehlender Infrastruktur ineffizient und kann gegen die Flut von billigen, importierten Waren nicht bestehen. Zeitgleich wird z.B. in Deutschland die Bevölkerung immer älter, auch immer mehr Handwerksbetriebe und Landwirte suchen einen Nachfolger. Die meisten werden keinen geeigneten Nachfolger finden, zu gering sind die Gewinne, zu groß die Konkurrenz ( z.B. kleine Bäckerei vs. Discounter) oder eine immer schnellere, technische Entwicklungen und die hierfür benötigte, spezielle Ausstattung (z.B. Diagnosetechnik im KFZ- Bereich). Also schließen diese Betriebe spätestens zum Renteneintritt des Eigentümers. Die Betriebsausstattung ist meist technisch überholt und schwer zu veräußern. Da sind auf der einen Seite junge Menschen ohne Perspektive, auf der anderen Seite ältere Menschen mit viel Berufserfahrung und nicht mehr benötigte Betriebsausstattungen. Warum diesen jungen Menschen nicht Zugang zu diesem Wissen und Betriebsausstattungen gewähren und so diesen in ihrer Heimat helfen eine funktionierende Infrastruktur aufzubauen? Mit gezielter Entwicklungshilfe wie z.B dem Export und Aufbau dieser hier übrigen Infrastruktur, Hilfe bei Anbau oder Import von Roh- und Hilfsstoffen etc. würde eine solche Aufgabe auch viele pensionierte, deutsche Handwerker oder Landwirte noch fordern. Denn egal ob Bäcker, Metzger, KFZ- Mechaniker oder Landwirt, die Weitergabe von deren Wissen, den gelebten Werten und in Kombination mit den meist hier veralteten Maschinen könnten in Afrika viel bewegen. Durch eine so errichtete Infrastruktur könnten z.B. natürlich gewachsene Lebensmittel oder Produkte von extensiv gehaltenen Tieren neben der Versorgung vor Ort auch gewinnbringend exportiert werden. Mit Nutzfahrzeugen, welche hier durch Umweltzonen oder hohe Mautsätze nicht mehr einsetzbar sind, könnte dort gezielt eine geeignete Nahversorgung aufgebaut werden. Wichtig wäre bei all diesem den Fokus auf eine Entwicklungspartnerschaft mit einem fairen regionalen wie internationalen Marktzugang und keine Ausbeutung dieser Menschen.

 

Norbert Kunz schrieb am 29.01.2017 12:25

Neben der Förderung der Berufsausbildung sollte die Förderung der beruflichen Selbstständigkeit eine hohe Priorität geniessen. Nur durch die Entwicklung eines neuen Unternehmertums wird es gelingen eine hinreichende Zahl von Arbeitsplätzen zu schaffen, aber selbst die Selfemployment könnte viele der Weg aus der Armut sein.

 

Dr. Beatrice Moreno schrieb am 28.01.2017 16:52

Wer einmal mit afrikanischen Informatiker Lösungen für Afrika entwickelt hat, der erkennt, welche gewaltige Potenziale vorhanden sind. Innovationsinkubatoren, Digitalisierungszentren und ein effizienter Wissensaustausch sind Kernelemente zur Zielerreichung. Anreizsysteme für deutsche KMU, die oftmals deutliche flexibler handeln können, wären wichtiger. Das Instrument der ZIM-Förderung sollte eine internationale Ausrichtung erhalten, damit KMUs diesen Schritt wagen.

 

Manuel Tschorn schrieb am 20.01.2017 16:45

Das deutsche Netz der Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit afrikanischen Staaten auszubauen ist sicherlich ein guter Ansatz. Derzeit werden leider DBAs mit afrikanischen Staaten wie Liberia, welches am stärksten unter dem Ebolaausbruch gelitten hat und noch immer leidet, von deutscher Seite gekündigt (vgl. Bundesdrucksache 17-9250 vom 17.4.2012).

 

Lothar Jakab schrieb am 19.01.2017 18:43

Ein breiter und gesunder Mittelstand ist eine wesentliche Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung, die Schaffung von Arbeitsplätzen, aber auch für mündige Bürger und Demokratie. Ohne berufliche Perspektiven kommt es zu gesellschaftlichen und politischen Verwerfungen, das zeigt auch die jüngste Geschichte. Deutschland hat eine Blaupause für einen starken Mittelstand aufgebaut und wir sollten wichtige Elemente daraus in unserer Arbeit in Afrika berücksichtigen. Für einen wachsenden Mittelstand braucht es gesunde Finanzsysteme. Private Fonds können die Lücke nur vorübergehend und nur zum Teil schließen. Die afrikanischen Geschäftsbanken haben derzeit weder die Bilanz- noch die Personalstruktur, um mittelständisches Unternehmenswachstum langfristig zu finanzieren. Hier sollten wir primär ansetzen. Alle Ausbildungsprogramme laufen ins Leere, wenn die private Wirtschaft keine Arbeitsplätze schafft. Auf Dauer können nicht 90 Prozent der Afrikaner Kleinstbauern bleiben. Neben weicheren Inputfaktoren wie Stärkung der Bildung, Know-how- und Technologietransfer und Beratungsnetzwerken sind oben genannte Elemente zur Förderung des afrikanischen Finanzsektors elementar: Abdeckung von Währungs- und Kreditausfallrisiken, Mobilisierung von privatem Kapital aus Deutschland UND aus Afrika, Entwicklungsbanken und Entwicklungsgelder sehr gezielt und komplementär befristet einsetzen, Bürgschaftsmodelle als Ersatz für (fehlende) Sicherheiten, wie Immobilienkataster.

 

Albrecht Kern schrieb am 19.01.2017 14:56

Afrika ist der Kontinent mit dem geringsten intraregionalen Handelsvolumen überhaupt. (Quelle: IPG) --> die derzeitigen WPA behindern diesen Handel

 

Albrecht Kern schrieb am 19.01.2017 11:46

Sind die bereits abgeschlossenen bzw verhandelten WPA entwicklungsfreundlich?

 

 

Lexikon der Entwicklungspolitik

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