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Kapitel 1.1

Kooperation auf Basis von Werten und Interessen


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Unsere Kooperation mit Afrika basiert auf Werten und orientiert sich an gemeinsamen Interessen.

Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Artikel 1, Absatz 1, Satz 1 des Grundgesetzes


Das gilt für alle Menschen – auch in Afrika. Diese Grundüberzeugung speist sich unter anderem aus unserer christlichen Wertetradition und dem humanistischen Erbe Europas. Daraus ergibt sich die ethische Verpflichtung, für Menschenrechte, Freiheit, Solidarität, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzustehen.

Ein Marshallplan mit Afrika steht darüber hinaus für Leistung und gegenseitigen Respekt. Er orientiert sich an den Interessen Afrikas und Europas. Als Nachbarn geht es uns langfristig nur gemeinsam gut oder es geht uns gemeinsam schlecht.


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Kommentare (6)

Gabriele Weigt schrieb am 26.02.2017 23:28

bezev und ISL e.V. begrüßen eine Partnerschaft auf der Basis von gemeinsamen Werten. Dabei sollte eine Orientierung an der Umsetzung der Menschenrechte deutlicher hervorgehoben und dargelegt werden, dass dies handlungsleitend ist.

 

Marion Aberle schrieb am 24.02.2017 10:57

Gegen das humanistische Erbe Europas und christliche Werte ist nichts einzuwenden, aber dies in den Vordergrund zu stellen, zeigt einen paternalistischen Ansatz. Auch das Grundgesetz ist für den afrikanischen Kontinent nicht relevant. Die Menschenrechte aber gelten für alle, unabhängig in welchem Land. Deshalb sollte die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte sowie die darauf basierenden völkerrechtlich verbindenden Instrumente, insbesondere der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte, sowie der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, mit Verweis auf weitere verbindliche Konventionen in den Vordergrund gestellt werden.

 

Frank Mischo schrieb am 23.02.2017 14:31

Die Kindernothilfe begrüßt die Initiative des BMZ eine neue Partnerschaft für Entwicklung, Frieden und Zukunft zwischen Afrika und Europa zu entwickeln. Neben der „Unantastbarkeit der Würde des Menschen“, müssen auch die Inhalte der anderen Menschenrechte als Grundlage erwähnt werden. Die Erklärung der Menschenrechte gilt universell und für alle Menschen. Neben der Erklärung der Menschenrechte sollte auch die Agenda 2030 ein ausdrücklich erwähnter Handlungsrahmen sein. Auch hier gilt es, die besonders vulnerablen Gruppen zu priorisieren. Angesichts von weit mehr als der Hälfte der Bevölkerung unter 25 Jahren in Afrika sind Kinder- und Jugendrechte besonders bedeutsam. Es wird nicht klar, wo und in welchem Umfang bei der Entwicklung des Papiers afrikanische Partner eingebunden worden sind. Eine neue Partnerschaft auf Augenhöhe muss schon zu Beginn einer Initiative deutlich werden. Der Titel Marshallplan erweckt allerdings den Eindruck einer breiten finanziellen Grundlage zum Wiederaufbau eines Kontinents. Für die Finanzierung sollen zusätzliche 20 Prozent des BMZ-Haushalts aufgewendet werden. Das ist mehr als die Steigerung der Haushaltsmittel und hinterlässt die Frage, wo die Mittel eingespart werden.

 

Samuel L. Mukasa schrieb am 09.02.2017 15:32

Nachtrag: Zudem ist der Beisatz mit der "Bewahrung der Schöpfung" kritisch zu bewerten, da die Missionierung an der Zerstörung bestehender Strukturen – und Schöpfung (zumindest im Sinne eines konsequenten christlichen Weltbild)- beteiligt war (eventuell sogar "ist". Sie hierzu die Stimmungsmache von evangelikalen Gruppen gegen Homosexuelle in Uganda). Eine konsequente Deutung des Arguments, führt die konstruierte Persistenz des christlichen Weltbildes ad absurdum

 

Peter Wiessner schrieb am 09.02.2017 10:33

Als Aktionsbündnis gegen AIDS fordern wir, dass neben der Unantastbarkeit der Würde des Menschen, das Thema Recht auf Leben und Gesundheit benannt wird. Menschenrechte sind universell und gelten daher für alle Menschen. Der Zusatz –auch in Afrika - wirkt zynisch und sollte gelöscht werden. Auch hier gilt es, die besonders vulnerablen Gruppen zu benennen (junge Mädchen, Frauen, nicht-heterosexuelle Menschen (LGBTI), Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen, Minenarbeiter, Wanderarbeiter und Wanderarbeiterinnen, Gefangene etc.) Es ist zutreffend, dass viele der internationalen Prinzipien und Normen in dem grundlegenden Wert der Nächstenliebe gründen wie er dem Christentum wichtig ist. Es sollte aber auch anerkannt werden, dass Afrika auch von anderen religiösen Traditionen und Weltanschauungen geprägt ist, die ebenfalls die Würde des Menschen als einen zentralen Wert hochhalten. Dies sollte ergänzt werden. Die Anmerkungen zur kolonialen Ausbeutung und Ausplünderung sind im Großen und Ganzen zutreffend. Diese Fakten sollten aber ebenso klar in der Einleitung benannt werden, wo der historische und aktuelle Kontext umrissen wird.

 

Samuel Luyinda Mukasa schrieb am 07.02.2017 11:34

"Die Würde des Menschen ist unantastbar." leitet sich als Grundüberzeugung aus einen aufgeklärten Menschenbild ab. Im Kontext Afrika ist eine Herleitung dieses Grundsatz aus der christlichen Wertetradition jedoch kritrisch zu betrachten, da die "christliche Wertetradition" an Front der Kolonialisierung stand. Die Missionierung war ein integraler Bestandteil europäischer Aktionen in Afrika und für die lokalen Strukturen destruktiv. Ein Berufung auf religöse Werte, die bereits die Bibel und Schnaps gegen Land getauscht haben, ist im Kontext einer solcher "Zusammenarbeit" fragwürdig.

 

 

Lexikon der Entwicklungspolitik

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