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El Salvador

Situation und Zusammenarbeit

Der Vulkan Chingo an der Grenze zwischen El Salvador und Guatemala

Seit Ende des Bürgerkriegs 1992 durchläuft El Salvador einen Demokratisierungsprozess. Das Land ist jedoch noch immer politisch und sozial tief gespalten. Die beiden führenden Parteien, die konservative ARENA – ehemals Partei der Militärs – und die linksgerichtete FMLN – ehemals ein Bündnis revolutionärer Bewegungen – stehen in der Tradition der einstigen Bürgerkriegsgegner. Als dritte politische Kraft hat sich seit 2009 die Partei GANA, eine Abspaltung der ARENA, etablieren können.

Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im Januar und März 2009 führten zum ersten demokratischen Regierungswechsel seit 1992. Die FMLN unterstützte den parteilosen Kandidaten Mauricio Funes, der von 2009 bis 2014 regierte. Bei den Präsidentschaftswahlen im Juni 2014 wurde der Ex-FMLN-Kommandanten Salvador Sánchez Cerén mit einer knappen Mehrheit gewählt. Er verkündete nach seiner Wahl eine neue Kultur des umfassenden Dialogs und einen "eigenen salvadorianischen Weg" zur Überwindung der drängenden nationalen Probleme wie Bandenkriminalität sowie Finanz-, Wirtschafts- und Investitionsdefizite.

Wirtschaftliche Ent­wick­lung

Ein Kaffeeröster bei der Arbeit

Die salvadorianische Wirtschaft ist stark von der konjunkturellen Entwicklung in den USA abhängig. In El Salvador hat der US-Dollar 2001 die Landeswährung Colón als offizielles Zahlungsmittel abgelöst, damit hat das Land nicht mehr die Möglichkeit, eine eigenständige Geldpolitik zu betreiben. Rund die Hälfte aller Exporte gehen in die USA. Nach Jahren kontinuierlichen Wirtschaftswachstums wurde El Salvador 2008 von der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise erfasst. 2009 sank das Bruttoinlandsprodukt um 3,1 Prozent. Zusätzlich litt das Land unter den Folgen des Hurrikans Ida, der im November 2009 starke Zerstörungen anrichtete. Die Beseitigung der Sturmschäden erforderte die Hälfte der Mittel, die eigentlich für die Ankurbelung der Wirtschaft, die Sanierung des Haushalts und die Bekämpfung der Armut vorgesehen waren.

Im Oktober 2011 kam es wieder zu extremen Regenfällen, die schwere Überschwemmungen und Erdrutsche auslösten und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes erneut zurückwarfen. Seitdem hat sich die Wirtschaft kaum erholt. Das prognostizierte Wirtschaftswachstum für die nächsten Jahre bewegt sich zwischen zwei und drei Prozent. Sinkende Exporteinnahmen, ein vermindertes Steueraufkommen und eine hohe Staatsverschuldung stehen umfangreichen Ausgaben für staatliche Subventionen und Sozialprogramme gegenüber.

Um die Unterbeschäftigung zu reduzieren, die Steuereinnahmen zu erhöhen und für die wachsende Bevölkerung Einkommensmöglichkeiten zu schaffen, müssten in El Salvador zahlreiche neue Arbeitsplätze entstehen. Investoren werden jedoch durch die hohe Kriminalitätsrate, Rechtsunsicherheit, Korruption und eine schwerfällige Bürokratie abgeschreckt.

El Salvador hat keine nennenswerten Rohstoffvorkommen und nur wenig Industrie. Lohnveredelung – also die Ausnutzung des niedrigen Lohnniveaus durch das Auslagern von arbeitsintensiven Weiterverarbeitungsschritten nach El Salvador – ist ein wichtiger Sektor, vor allem in der Elektro- und Textilindustrie. Die ehemals starke Textilindustrie ist jedoch durch die starke Konkurrenz aus Asien zunehmend unter Druck geraten. Wichtigstes landwirtschaftliches Exportprodukt ist Kaffee. Die Einkünfte aus dem Export schwanken jedoch aufgrund von Fluktuationen des Weltmarkts und wechselhaften Anbaubedingungen.

Das Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre wurde vor allem vom privaten Konsum getragen. Dieser wiederum ist stark abhängig von den Rücküberweisungen der fast drei Millionen im Ausland – vor allem in den USA – lebenden Salvadorianerinnen und Salvadorianer. 2014 beliefen sich diese Rücküberweisungen auf rund 4,2 Milliarden US-Dollar, das entsprach ungefähr 16 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

El Salvador ist Mitglied des Zentralamerikanischen Integrationssystems (Sistema de la Integración Centroamericana, SICA) und hat außerdem mit wichtigen Exportpartnern wie den USA Freihandelsabkommen geschlossen. Im Juni 2012 wurde in Tegucigalpa (Honduras) ein Assoziierungsabkommen zwischen der Europäischen Union und sechs zentralamerikanischen Staaten, darunter El Salvador, unterzeichnet. Es enthält ebenfalls Freihandelskomponenten und trat im Juli 2015 in Kraft.


Bildungsdefizite schwächen Arbeitsmarkt

Junge in einem Slumgebiet in El Salvador

Trotz der verhältnismäßig guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist die Lage auf El Salvadors Arbeitsmarkt schwierig. Die offizielle Arbeitslosenquote lag 2014 bei 6,2 Prozent. Schätzungen zufolge betrifft Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung jedoch mehr als 40 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung, vor allem im ländlichen Raum. Viele einheimische Unternehmen sind international nicht wettbewerbsfähig, weil ihre Arbeitskräfte nicht ausreichend qualifiziert sind. Somit können Qualitätsstandards nicht eingehalten werden und Innovationen bleiben aus. Gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wandern häufig ins Ausland ab, ausländische Investoren bringen hingegen meist eigenes qualifiziertes Personal mit ins Land.

Das salvadorianische Schul- und Universitätssystem weist im lateinamerikanischen Vergleich deutlichen Nachholbedarf auf. Trotz großer Reformanstrengungen der Regierung sind bei der Grundschul- und Mittelstufenausbildung noch große Defizite zu verzeichnen. Die Analphabetenquote lag 2013 bei 13 Prozent. Der nationale Entwicklungsplan für den Zeitraum von 2014 bis 2019 hat sich ambitionierte Ziele gesteckt, um das Ausbildungswesen zu reformieren: völlige Alphabetisierung der 15- bis 26-Jährigen, eine zehnprozentige Verbesserung der Einschulungsquote und kostenlose Schulmaterialien für alle Schüler in öffentlichen weiterführenden Schulen. Durch eine verbesserte Ausbildung soll auch die Jugendarbeitslosigkeit von offiziell rund 21 Prozent (Stand 2013), reduziert werden.


Extreme soziale Ungleichheit

Kommunale Maismühle in Suchitoto

Die großen sozialen Unterschiede in der salvadorianischen Gesellschaft bestehen fort. Zwar konnte der Umfang der Armut seit Beginn der 1990er Jahre halbiert werden, nach Angaben der Weltbank von 2013 müssen jedoch 11,5 Prozent der Bevölkerung mit weniger als 3,1 US-Dollar am Tag auskommen. Die Existenz vieler Familien hängt von der finanziellen Unterstützung ihrer im Ausland lebenden und arbeitenden Verwandten ab.

Auf dem Index der menschlichen Entwicklung (HDI) 2015 nahm El Salvador Platz 117 von 188 bewerteten Ländern ein. Vor allem in den ländlichen Regionen mangelt es großen Teilen der Bevölkerung an medizinischer Versorgung, Zugang zu sauberem Trinkwasser und Wohnungen. Das Leben auf dem Land ist zumeist von Eigenversorgung durch eine – allerdings wenig produktive – Landwirtschaft geprägt. Auch das Problem der ungleichen Landverteilung zugunsten weniger Großgrundbesitzer ist noch nicht gelöst. In den Städten führen Perspektiv- und Arbeitslosigkeit insbesondere unter Jugendlichen zu einer Zunahme krimineller Aktivitäten und sozialer Spannungen.


Entwicklungspotenziale

Busfahrer in San Salvador, der Haupstadt von El Salvador

Politische Stabilität, wirtschaftliche Dynamik, zunehmende regionale Integration, die Verbesserung der Infrastruktur und der vergleichsweise solide Finanzsektor sind wichtige Entwicklungspotenziale El Salvadors. Durch eine Diversifizierung des Agrarmarktes könnte sich das Land von den Weltmarktpreisen für Kaffee unabhängiger machen. El Salvador ist dicht besiedelt und hat eine – im Durchschnitt – sehr junge Bevölkerung. Dieses Potenzial könnte durch eine Ausweitung der Bildungsmöglichkeiten und Qualitätsverbesserungen in der beruflichen Ausbildung künftig besser ausgeschöpft werden. Handel, Transport sowie Kommunikation und Dienstleistungen machen bereits rund zwei Drittel des Bruttosozialproduktes aus.

Auf sozialpolitischer Ebene hat sich die salvadorianische Regierung zu einer engagierteren Bekämpfung der Armut bekannt und dem Thema damit in der politischen Diskussion mehr Gewicht eingeräumt. Um die soziale Schieflage nachhaltig zu beheben, sind allerdings noch entschlossenere und weitergehende Maßnahmen erforderlich. Allerdings sind die Ausgaben im Bildungsbereich zwischen 2009 und 2014 gesunken, ebenso die Ausgaben für Soziales und Arbeit.

Zu den großen Herausforderungen gehört der Abbau der Staatsverschuldung. Die Steuerquote liegt derzeit nur bei circa 16 Prozent. 2014 überschritt die Staatsverschuldung erstmals 60 Prozent des Bruttoinlandproduktes.


Entwicklungshemmnisse

Eine Werkstatt in San Salvador

Kriminalität und Rechtsunsicherheit behindern die soziale, wirtschaftliche und politische Entwicklung. El Salvador gehört zu den Staaten mit der weltweit höchsten Kriminalitätsrate. Jugendliche geraten häufig in das Fahrwasser von Jugendbanden, die unter anderem für einen drastischen Anstieg der Erpressungsdelikte und der Drogenkriminalität verantwortlich gemacht werden. Die Ausweisung straffälliger Jugendlicher mit salvadorianischer Abstammung durch die USA und die zunehmende Präsenz internationaler Drogenkartelle verschärfen diese Probleme.

Eine weitere Entwicklungsbarriere ist die Umweltverschmutzung. Durch unsachgemäße Müllentsorgung werden Luft, Boden und Grundwasser belastet. Im Vergleich zu den Nachbarländern verfügt El Salvador zudem über relativ wenig Waldfläche. Zählt man die Kaffeeplantagen mit, sind nur noch etwa 16 Prozent des Landes bewaldet. Naturwald bedeckt nur noch zwei Prozent der Landesfläche. Grund dafür sind massive Abholzungen, die auf die Agrar- und Viehwirtschaft sowie auf das starke Bevölkerungswachstum zurückzuführen sind. 2001 hat die Regierung deshalb strikte Umweltgesetze verabschiedet, deren Durchsetzung jedoch schwierig ist.


Schwerpunkte der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit mit El Salvador

Seit 2008 ist die Entwicklungszusammenarbeit der Bundesrepublik mit El Salvador auf grenzüberschreitende und regionale Kooperationsansätze mit den Schwerpunkten Klima- und Umweltschutz, erneuerbare Energien, nachhaltige Wirtschaftsentwicklung und Jugendgewaltprävention ausgerichtet.

Diese werden zumeist über das Zentralamerikanische Integrationssystem (SICA), dessen Sitz sich in El Salvador befindet sowie die zentralamerikanische Bank für Entwicklung BCIE (Sitz in Tegucigalpa, Honduras), umgesetzt. Nur vereinzelt werden noch neue bilaterale Projekte gestartet, die sich aber im Rahmen regionaler beziehungsweise weltweiter Programme der Entwicklungszusammenarbeit (etwa Gewaltprävention, Instandsetzung von Slums und Fiskalberatung sowie Klima- und Umweltschutz) bewegen. El Salvador ist Pilotland für ein regionales Vorhaben zu Maßnahmen der Klimaanpassung in städtischen Gebieten.


Klima- und Um­welt­schutz

Kratersee Santa Ana

Ein Schwerpunkt des deutschen Engagements in Zentralamerika liegt im Umweltbereich. Als eines der ersten Länder nahm El Salvador an der Initiative Klima- und Umweltschutz (IKLU) der Bundesregierung teil. Mit den zugesagten Krediten werden Umweltinvestitionen insbesondere kleiner und mittlerer Unternehmen sowie kleine Projekte zur Förderung erneuerbarer Energien in El Salvador finanziert. Ende 2011 wurde außerdem aus IKLU-Mitteln ein Kredit über 17 Millionen Euro zur Förderung der Fotovoltaik in El Salvador zugesagt. IKLU wurde inzwischen durch die Deutsche Klimatechnologieinitiative (DKTI) ersetzt. Aus DKTI-Mitteln wurde El Salvador Ende 2015 ein weiterer Kredit für Investitionen im Bereich Erneuerbare Energien und Energieeffizienz in Höhe von 50 Millionen Euro bewilligt.

Für ein Regionalprojekt in der Region Trifinio im Wassereinzugsgebiet des Rio Lempa (im Grenzgebiet von El Salvador, Honduras und Guatemala) wurden bis Ende 2015 insgesamt 36 Millionen Euro für den Waldschutz und die Sicherung der überwiegend salvadorianischen Wasserressourcen bewilligt. Daneben ist El Salvador in ein regionales Vorhaben für ganz Zentralamerika zum Waldschutz (REDD) eingebunden.

Große Erfolge verzeichnet das regionale Programm "4E" zur Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. Es gilt als Vorzeigeprojekt der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in El Salvador und stößt dort auf großes öffentliches Interesse.


Jugendförderung und friedliches Zusammenleben in Zentralamerika

Seit 2010 fördert das BMZ in El Salvador, Guatemala und Honduras ein großes Regionalprogramm im Bereich Jugendgewaltprävention (PREVENIR). Bei diesem Vorhaben kooperieren staatliche und nichtstaatliche Organisationen, die sich auf regionaler, nationaler und kommunaler Ebene für die Prävention von Jugendgewalt einsetzen.

Ab 2013 wurde das Programm durch ein Projekt ergänzt, das zur Förderung des friedlichen Zusammenlebens von Jugendlichen durch Investitionen in die Infrastruktur prekärer Stadtteile und der Schaffung "sicherer Räume" (CONVIVIR) in El Salvador beitragen soll.


Schuldenumwandlungen

2008 und 2009 wurden El Salvador zwei Schuldenumwandlungen von jeweils 10 Millionen Euro gewährt. Mit den freigewordenen Mitteln der Schuldenumwandlung wurden Infrastrukturmaßnahmen der Basisdienstleistungen (Bildung, Gesundheit, Wasserver- und Abwasserentsorgung, Stromversorgung) in den 32 ärmsten Gemeinden des Landes gefördert. Darüber hinaus werden noch Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds und der Situation in Slums durchgeführt.

2015 hat El Salvador um eine weitere Schuldenumwandlung über 10 Millionen Euro gebeten. Diese Mittel sollen in den Globalen Fonds für die Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose (GFATM) eingezahlt werden und dem Nationalen Referenzlabor für Infektionskrankheiten zugutekommen.


Weitere Informationen

Lexikon der Entwicklungspolitik

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