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Laos

Situation und Zusammenarbeit

Arbeiter in entladen in der Provinz Vientiane einen Lieferwagen.

Laos gehört zu den am wenigsten entwickelten Staaten der Welt. Fast ein Viertel der 6,77 Millionen Einwohner lebt unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Im Index der menschlichen Entwicklung (HDI 2014) nimmt Laos Platz 141 von 188 Staaten ein. Große Defizite bestehen in den Bereichen Transport und Kommunikation sowie im Bildungs- und Gesundheitswesen. Eine ineffiziente Verwaltung, mangelnde Rechtssicherheit und verbreitete Korruption hemmen die Entwicklung des Landes.

Das Territorium von Laos ist unterschiedlich dicht besiedelt. Der Großteil der Bevölkerung lebt in den Ebenen am Mekong, vor allem in der Region um die Hauptstadt Vientiane. Die bergigen Gebiete im Osten und Norden sind schwer zugänglich und nur dünn besiedelt.

Etwa 64 Prozent der Laoten leben in ländlichen Gebieten, rund ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfällt auf die Landwirtschaft. In den vergangenen Jahren ist eine zunehmende Verdrängung der kleinbäuerlichen Subsistenzwirtschaft durch industrielle Landwirtschaft zu beobachten. Auch der Dienstleistungssektor sowie Industrie, Bergbau und Wasserkraft gewinnen wirtschaftlich an Bedeutung.

Wirtschaftliche Öffnung

Ein Elektronikstand auf einem Markt in Vientiane, Laos

Seit Mitte der 1980er Jahre versucht die laotische Regierung im Rahmen des "New Economic Mechanism" die Planwirtschaft des Landes in eine Marktwirtschaft umzuwandeln. So wurden zum Beispiel Preisbindungen und Subventionen abgeschafft und es wurde ein Bankensystem nach westlichem Vorbild eingeführt. Private Unternehmertätigkeit wird staatlich gefördert. Seit 1997 ist Laos Mitglied der südostasiatischen Staatengemeinschaft (ASEAN), die Aufnahme in deren Freihandelszone ist für 2015 geplant. 2013 trat Laos der Welthandelsorganisation (WTO) bei.

2004 hat Laos ein Armutsbekämpfungsprogramm (National Growth and Poverty Eradication Strategy) verabschiedet. Es ergänzt den jeweils auf fünf Jahre angelegten Nationalen Sozioökonomischen Entwicklungsplan (National Social and Economic Development Plan, NSEDP). Der siebte NSEDP für den Zeitraum 2011 bis 2015 wurde im Oktober 2010 vorgelegt. Er orientiert sich stark an den Millenniumsentwicklungszielen (MDGs) und beinhaltet auch ausdrücklich Querschnittsthemen wie Gender, Umwelt und gute Regierungsführung.

Auf dieser Grundlage will die Regierung bis 2015 die wichtigsten MDGs erreichen und Laos bis 2020 aus dem Kreis der am wenigsten entwickelten Länder herausführen. Beachtliche Fortschritte wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits in den Bereichen Armutsbekämpfung, Zugang zu sauberem Trinkwasser und Verringerung der Kindersterblichkeit verzeichnet. Weiterer Handlungsbedarf besteht vor allem bei der Bekämpfung der Unterernährung bei Kindern, bei der Müttersterblichkeit, dem Umweltschutz und der Gleichstellung der Geschlechter.

Ein bleibendes Problem sind nicht detonierte Kampfmittel, die während des Vietnamkrieges auf Laos abgeworfen wurden. Große Teile des Landes konnten noch nicht vollständig geräumt werden und jedes Jahr kommt es zu Todesfällen und schweren Verletzungen durch Munition und Landminen. Bevor neue Felder angelegt werden können oder die Infrastruktur, zum Beispiel Straßen, ausgebaut werden kann, muss der Boden erst sorgfältig untersucht werden.


Entwicklungspotenziale

Ein laotisches Schulmädchen

Große Chancen des Landes liegen in seiner jungen Bevölkerung: 35 Prozent der Laotinnen und Laoten sind jünger als 15 Jahre. Investitionen in Bildung und Ausbildung sind daher sehr wichtig. Zunehmend siedeln sich auch ausländische Investoren an, zum Beispiel im Textil- und Dienstleistungsgewerbe.

Laos ist reich an natürlichen Ressourcen. Das Land verfügt über Bodenschätze wie Gold, Kupfer, Bauxit und Zinn. Industrie und Bergbau tragen 33 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, der Dienstleistungssektor 40 Prozent. Etwa 40 Prozent der Landesfläche sind bewaldet. In den vergangenen Jahren wurden viele Wälder abgeholzt, unter anderem um Land für Plantagen und große Infrastrukturvorhaben wie Staudämme zu gewinnen. Die Regierung plant eine umfangreiche Wiederaufforstung, um die Waldbestände wieder zu vergrößern.

Eine wichtige Rolle für die Zukunft von Laos spielen auch die enormen Wasserkraftreserven, die es dem Land ermöglichen, Strom zu exportieren. Und auch der Ökotourismus bietet Potenziale, die noch stärker genutzt werden können.


Nachhaltige Nutzung der Umweltressourcen

Diskussionsrunde zum Thema Entwicklungsziele in Laos

Die schnelle Modernisierung der Wirtschaft mit dem Ausbau der Plantagenlandwirtschaft, großen Bergbauprojekten und massiv vorangetriebenen Staudammbauten hat sich in den vergangenen Jahren negativ auf die Umwelt ausgewirkt. Der Bau des Xayaburi-Staudamms und der geplante Bau des Don-Sahong-Wasserkraftwerks am Mekong hat außerdem zu Unstimmigkeiten mit den Nachbarstaaten Vietnam, Kambodscha und Thailand geführt. Die Länder, die flussabwärts liegen, befürchten Nachteile für ihre Fischerei und Landwirtschaft. Umweltschützer warnen vor unkalkulierbaren Risiken für das ökologische Gleichgewicht in der Region.

Für Erfolge bei der Entwicklung des Landes und bei der Bekämpfung der Armut wird es entscheidend sein, wie gut es Laos gelingt, das wirtschaftliche Wachstum mit einer nachhaltigen Nutzung der Umweltressourcen in Einklang zu bringen und zugunsten der armen Bevölkerung auszugestalten.


Schwerpunkte der deutschen Zu­sam­men­ar­beit mit Laos

Deutschland ist der zweitgrößte bilaterale Geber von Laos. Bei Regierungsverhandlungen wurden Laos für die Jahre 2014 und 2015 insgesamt 50,3 Millionen Euro zugesagt – davon 22 Millionen Euro für die finanzielle und 28,3 Millionen Euro für die technische Zusammenarbeit.

 Die Schwer­punkt­bereiche der Zusammenarbeit sind:

  • Ländliche Ent­wick­lung

  • Nachhaltige Wirt­schafts­ent­wick­lung


Ländliche Ent­wick­lung

Reisfelder in Laos

In den ländlichen Gebieten von Laos – in denen etwa 64 Prozent der Bevölkerung leben – ist die Infrastruktur in den Bereichen Straßenbau, Wasser, Elektrizität und Telekommunikation noch viel zu wenig entwickelt. Viele Bergdörfer sind in der monatelangen Regenzeit nicht erreichbar. Einige haben sogar in der Trockenzeit keine Verkehrsanbindung. Die wirtschaftlichen Potenziale in diesen Regionen können daher nicht genutzt werden und die Menschen bleiben arm. Eine der Folgen: In einigen Bergregionen gilt rund die Hälfte der Kinder als fehl- beziehungsweise unterernährt.

Die deutsch-laotische Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich darauf, die Lebensbedingungen vor allem in den schwer zugänglichen Hochlandregionen zu verbessern. Dazu arbeiten deutsche Experten mit Dorf-, Distrikt- und Provinzverwaltungen sowie mit der Zentralregierung zusammen. Ein Ansatzpunkt ist der Ausbau ländlicher Wege, die der Bevölkerung Zugang zu Märkten, Schulen und Gesundheitseinrichtungen schaffen.

Deutschland engagiert sich für verbessertes und nachhaltiges Landmanagement und für mehr Rechtssicherheit vor allem für die ländliche Bevölkerung. Mit intensiver Beteiligung der lokalen Bevölkerung werden Dorfentwicklungs- und Landnutzungspläne erstellt. Auf dieser Basis unterstützt die deutsch-laotische Zusammenarbeit unter anderem Landregistrierungen, dezentrale Planung und Förderung von qualitativ hochwertigen und nachhaltigen Investitionen.

Ein wichtiger Bestandteil der bilateralen Zusammenarbeit ist seit 2008 das Programm zum Klimaschutz durch Walderhalt. Das Vorhaben dient zwei Zielen: Zum einen sollen der Waldreichtum und die Artenvielfalt stärker geschützt werden – als Beitrag des Landes zum globalen Klimaschutz. Zum anderen sollen durch die nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen die wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung verbessert werden. Um langfristige Verbesserungen zu erwirken, laotische Wälder und Biodiversität zu schützen, engagiert sich Deutschland verstärkt im Bereich Umweltbildung.


Nachhaltige Wirt­schafts­ent­wick­lung

Straßenszene in Vientiane, Laos

Laos durchläuft einen umfangreichen Reformprozess, um von der Plan- auf die Marktwirtschaft umzusteigen. Doch ein schwacher Finanzsektor, schlechte berufliche Ausbildungsmöglichkeiten, institutionelle Schwächen und mangelnde Rechtsgrundlagen bremsen die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Die Gründung der Wirtschaftsgemeinschaft des Verbandes Südostasiatischer Nationen (AEC) im Jahr 2015 schafft einen neuen großen Binnenmarkt in Asien, von dem auch Laos profitieren will. Dazu müssen allerdings in kurzer Zeit zahlreiche Regulierungs- und Verwaltungsvorschriften angepasst und umgesetzt werden. Deutschland unterstützt Laos bei der Steuerung, Koordinierung und der Überwachung dieses wirtschaftlichen Integrationsprozesses.


Zwei Auszubildende an der Lao-German Technical School in Vientiane arbeiten an einem Übungsmotor.

Um speziell der jungen Generation neue Beschäftigungschancen zu eröffnen, unterstützt Deutschland das Land dabei, sein Berufsbildungssystem qualitativ und quantitativ zu verbessern. Gefördert werden der Ausbau und die technische Ausstattung von Berufsschulen, die Entwicklung einer landesweiten Strategie zur dualen Berufsbildung und die systematische Aus- und Fortbildung von Berufsschullehrern. Bis 2017 wird die Hälfte der laotischen Berufsschulen mit deutscher Unterstützung saniert, ausgebaut und technisch ausgestattet sein. Dadurch werden in enger Kooperation mit der lokalen Wirtschaft zahlreiche neue Ausbildungsplätze geschaffen. Die Lao-German Technical School Vientiane, seit 1964 gemeinsam auf- und kontinuierlich technisch ausgebaut, ist die führende Berufsschule in Laos.

Um das Geschäfts- und Investitionsklima zu verbessern, wurde die Zusammenarbeit zwischen staatlichen Stellen und dem Privatsektor gefördert, Unternehmerverbände sowie Industrie- und Handelskammern wurden in ihren Funktionen gestärkt. Aktuell konzentriert sich die bilaterale Zusammenarbeit vor allem darauf, Laos bei der Integration in den Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) und den gemeinsamen Markt ASEAN Economic Community (AEC) zu unterstützen.

Bisher werden in Laos nur wenige Finanzdienstleistungen für den Privatsektor angeboten. Deutschland unterstützt daher die laotische Zentralbank dabei, den Bereich Mikrofinanzierung für kleine und mittlere Unternehmen auszubauen. Durch den Aufbau von Mikrofinanzinstitutionen und Dorfbanken soll insbesondere die ländliche Bevölkerung die Möglichkeit erhalten, Kredite für Klein- und Kleinstinvestitionen aufzunehmen.


Weitere Informationen

Publikationen

Die neue Asien-Politik des BMZ
Positionspapier

PDF 2 MB, barrierefrei

EINEWELT ohne Hunger ist möglich

PDF 2,3 MB, barrierefrei

EINEWELT ohne Hunger ist möglich
Lösungsansätze der deutschen Entwicklungspolitik

PDF 4,9 MB, barrierefrei

EINEWELT ohne Hunger ist möglich
Was tut die deutsche Entwicklungspolitik

PDF 3,5 MB, barrierefrei

Berufliche Bildung in der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit
Positionspapier des BMZ

PDF 2,3 MB, barrierefrei

Berufliche Bildung in der ASEAN-Region | Mit regionaler Vernetzung zu nachhaltigem Wachstum

PDF 2 MB, barrierefrei

Lexikon der Entwicklungspolitik

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