
Sri Lanka
"Strahlend schönes, königlich leuchtendes Land" – so lautet die Übersetzung des Ländernamens Sri Lanka. Die Vergangenheit Sri Lankas ist eng mit Europa verbunden: Im 16. Jahrhundert übernahmen europäische Kolonialmächte die Kontrolle über das damalige Königreich. 1815 entmachteten die Briten den letzten singhalesischen Herrscher. Schon zuvor hatten sie die Insel unter ihrem damaligen Namen Ceylon zu ihrer Kronkolonie erklärt. Die Briten regierten 150 Jahre auf Ceylon und führten den Tee ein, der lange Zeit als das Hauptexportprodukt des Landes galt. 1948 erlangte Ceylon seine Unabhängigkeit, 1972 wurde das Land unter dem Namen Sri Lanka zur Republik.
Schon seit dem Ende der Kolonialherrschaft wird der Inselstaat von ethnischen Spannungen zwischen der singhalesischen Mehrheit und den Tamilen, den beiden größten ethnischen Gruppen des Landes, geprägt. Der latente ethno-politische Konflikt mündete 1983 in einen Bürgerkrieg. Tamilische Separatisten kämpften im Norden und Osten des Landes für einen unabhängigen tamilischen Staat.
2002 wurde auf internationale Vermittlung ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen, das jedoch keinen Bestand hatte. 2006 flammte der offene Bürgerkrieg zwischen der Regierung und der tamilischen Rebellenorganisation "Liberation Tigers of Tamil Eelam" (LTTE) wieder auf: Die Kämpfe verstärkten sich insbesondere im Norden des Landes massiv, die Zahl terroristischer Anschläge nahm landesweit deutlich zu. Nach einer groß angelegten Militäroffensive errang die srilankische Regierung einen militärischen Sieg über die LTTE. Im Mai 2009 verkündete sie das Ende des Bürgerkriegs. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind bis zu 100.000 Menschen dem Konflikt zum Opfer gefallen.
Doch eine politische Lösung der ethnischen Spannungen ist nicht in Sicht. Die Lage in Sri Lanka bleibt instabil; die Situation in den ehemaligen Kampfgebieten im Nordosten ist äußerst besorgniserregend. Rund 300.000 Zivilisten sind vor den Kämpfen geflüchtet, darunter nach Schätzungen mindestens 90.000 Kinder, viele von ihnen unbegleitet. Die humanitäre Lage in rund 40 Flüchtlings- und Internierungslagern, in denen die Regierung die Tamilen gesammelt hatte, ist katastrophal. Dort fehlt es an Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung. Extrem mangelhafte hygienische Bedingungen haben zu Magen-Darm-Krankheiten und vor allem unter alten Menschen und Kindern bereits zu zahlreichen Todesfällen geführt. Internationalen Helfern und unabhängigen Beobachtern wird vielfach der Zugang zu den Lagern verweigert. Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung.
Um das Leid zu mindern, stellte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zuletzt im Mai 2009 fünf Millionen Euro als Nothilfe bereit. Unverzichtbare Voraussetzung für den Einsatz der Mittel ist jedoch der Zugang deutscher und internationaler Hilfsorganisationen zu den ehemaligen Konfliktgebieten und zu den Flüchtlingslagern. Bereits im Januar 2009 hatte die Bundesregierung unter anderem dem Welternährungsprogramm (WFP) Mittel für Nahrungsmittelhilfe in Sri Lanka zur Verfügung gestellt.
Entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit Sri Lanka
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hat das Land in der Vergangenheit auf vielfältige Weise unterstützt. Ihren Höhepunkt fand diese Zusammenarbeit nach der Tsunami-Katastrophe von Dezember 2004. Aufgrund des ab Ende 2006 erneut aufflammenden Bürgerkrieges konnten allerdings viele Hilfsprojekte im Norden und Osten des Landes schon bald nicht mehr oder nur mit großen Schwierigkeiten umgesetzt werden. Für die staatliche Entwicklungszusammenarbeit wurden deshalb seit 2006 keine Neuzusagen mehr an die sri-lankische Regierung gemacht. Die laufenden Projekte und Programme wurden an die neue Situation angepasst. Die Zusammenarbeit konzentriert sich nun auf den Schwerpunkt Konflikttransformation.
Die Bundesregierung setzt sich für eine langfristige politische Lösung ein. Denn nur auf dem Weg des Dialoges und des Ausgleichs kann eine tragfähige Perspektive für das Land entwickelt und ein dauerhaftes friedliches Zusammenleben der Menschen auf Sri Lanka erreicht werden.
Informationen
Botschaft der Bundesrepublik Deutschland
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